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Montag, 25. Juni 2018

Sha Po Lang Review



Sha Po Lang (SPL)

Story:

Polizist Chan (Simon Yam) versucht seit Jahren an Gangster Wong (Sammo Hung) ranzukommen – ohne Erfolg. Chans Zeit ist bald am Ende (Pension, Hirntumor) und er macht es sich zum Ziel, auch mit nicht koscheren Mitteln, Wong zur Strecke zu bringen. Dies ruft aber Vergeltungsaktionen in den eigenen Reihen auf den Plan. Erschwert wird die Umsetzung durch das Einmischen des neuen zuständigen Cops Ma (Donnie Yen)…

Meine Meinung:

SPL geniesst unter Fankreisen einen sehr guten Ruf. Der Film entwickelte sich zum Teil auch zu einer Art Hype. Es folgten inzwischen zwei Fortsetzengen – den nur durchschnittlichen und nicht wirklich zu empfehlenden SPL 2 (2015) und letztes Jahr (2017) Teil drei, unter dem Titel Paradox veröffentlicht (habe ich noch nicht gesehen).

SPL finde ich nun, mehr als zehn Jahre nach seiner Veröffentlichung, auch weitaus weniger stark als damals – als man von einzelnen Szenen beflügelt und geblendet schien. Es handelt sich um einen Crime-Thriller, nicht um einen Actionfilm. Dem sollte man sich trotz Namen wie Sammo Hung (Ghost Punting) oder Donnie Yen (Iron Monkey) bewusst sein. Und ganz viel Drama – leider zu viel…später dazu mehr.

Wilson Yip, von welchem ich auch einige seiner Ende 90er Jahre Filme kenne (Bio Zombie, Bullets Over Summer, Mongkok Story), gelang mit SPL bis dato sicher sein einflussreichster und bester Film – zumindest was den Erfolg angeht – in und ausserhalb Asiens. Es folgten weitere Zusammenarbeiten mit dem vielbeschäftigten Donnie Yen: Comic-Verfilmung Dragon Tiger Gate (2006), moderne Crime-Action in Flash Point (2007), Auftakt zur Ip Man reihe mit Ip Man (2008) inklusive Fortsetzung Ip Man 2 (2010). Weniger erfolgreich war 2011 A Chinese Ghost Story – das Remake zum 1987er HK Original und Klassiker. 2015 folgte dann noch einmal eine Donnie Yen Zusammenarbeit in Ip Man 3 – wobei sich hier langsam Ermüdungserscheinungen breit machen.

SPL war auch für Jacky Wu Jing das Sprungbrett in die grosse Filmwelt. Wu Jing war zuvor im Hong Kong Kino kaum bekannt. So spielte er u.a. in Tai Chi II (kein Vergleich zur Teil eins mit Jet Li) und dem Shaw Brothers Comeback Drunken Monkey mit – ansonsten ging sein Stern erst mit dem sehenswerten Auftritt in SPL auf. Wu Jing, der seine Ausbildung an der Beijing Sport University genoss und so viel ich weiss auch Wushu trainierte, ist heute vor allem im China-Kino ein grosser Star. Nach SPL folgten zuerst noch weitere Actionfilme in Hong Kong, u.a. Fatal Contact (2006 – immerhin was die Actionszenen angehen habe ich diesen als sehenswert in Erinnerung), Invisible Target (2007 – Benny Chan Popcorn Kino), Fatal Move (2008 – habe ich damals in Hong Kong im Urlaub im Kino gesehen) oder Legendary Assassin (2008). Danach wurden die Filme qualitativ schlechter und uninteressanter (Metallic Attraction: Kungfu Cyborg, City Under Siege) wobei es danach wieder paar interessantere Rollen gab, zum Teil auch nur in Nebenrollen (Shaolin – erneut Benny Chan Film oder Nebenrolle in Badges of Fury mit Jet Li). Seine China Werke begannen mit Wolf Warriors (mit Scott Adkins) inklusive Fortsetzung (zumindest was die Action angeht ist Wolf Warrior 2 sehr spektakulär), Wind Blast oder Filme wie SPL 2 oder auch Call of Heroes.

Man muss ihn nicht mögen – Jacky Wu Jing – aber in SPL sind seine Szenen einige der besten im ganzen Film! SPL finde ich heute durchschnittlich. Der Film hat seine Momente, seine starken Szenen aber bietet auch viel Leerlauf und Längen.

Nebst Jacky Wu Jing haben mir vor allem Sammo Hung und noch mehr Simon Yam (Can't Stop My Crazy Love for You, Awakening) gefallen - die haben sehr stark gespielt. Daneben ist der Film technisch und optisch schön in Szene gesetzt. Da kann man nicht meckern. Ein grosses Plus ist auch der Soundtrack – sehr stimmungsvoll. Dass es kein Happy End gibt, gefiel mir auch. Die wenigen Actionszenen lassen sich an einer Hand abzählen und diesbezüglich gibt es nur drei Highlights: 1. Jacky Wu Jings erster grosser Auftritt, 2. sein Kampf gegen Donnie Yen und 3. das Finale (Donnie Yen Vs. Sammo Hung).

Das war es dann aber auch schon mit den positiven Seiten des Filmes. Negativ war für meinen Geschmack:

Längen, zu viel Leerlauf, die restlichen Figuren wirkten zu stark auf cool getrimmt um sympathisch zu sein (Donnie Yen) und das schlimmste: viel Drama, viel Herzschmerz, viel Klischee, viel Kitsch, zu viel Tränendrüse!

Beispiele? Simon Yams Figur hat Hirntumor und kümmert sich um Kind der toten Zeugen, Sammo Hungs Film-Frau hatte schon zwei Fehlgeburten und ausgerechnet am Geburtstag seines Sohnes wird er verhaftet, Donnie Yen und seine Vergangenheit (junger Mann ist wegen Donnie Yens Figur geistig behindert und er hat Schuldgefühle deswegen), als zwei Cops von Simon Yams Team, nachdem sie mit Freundin zusammen waren und/oder mit ihr telefonierten, ihn Zeitlupe und Freundin noch im Bild, von Jacky Wu Jing abgestochen werden und von unfreiwilliger Komik (als Donnie Yen Sammo Hung im Finalkampf und im Würgegriff mit seiner Frau telefonieren lässt!!!) wollen wir erst gar nicht sprechen – dieses total übertriebenen und kitschigen Szenen in Kombination mit den Längen ziehen den Film qualitativ schon arg runter, so dass SPL nur ein Durchschnittswerk mit vereinzelt guten Szenen geworden ist…

Mein Tipp: lieber die alten Filme mit Donnie Yen schauen – Iron Monkey, Tiger Cage oder In the Line of Duty 4 – die rocken deutlich mehr und die Action ist im alten HK-Kino einfach nochmal paar Nummern geiler und spektakulärer! Erfolg mit SPL hin oder her…

Infos:

O: Saat Po Long

HK 2005

R: Wilson Yip

D: Donnie Yen, Simon Yam, Sammo Hung, Wu Jing, Liu Kai-Chi, Timmy Hung, Ken Chang, Austin Wai

Laufzeit der HK DVD: Ca. 93 Min.

Gesehen am: Februar 2006 (Erstsichtung) / Review überarbeitet am: 11.04.18

Fassungen: Mir lag die HK DVD von Deltamac vor = Schuber, Uncut (CAT. III Freigabe), sehr gute Bild- und Tonqualität, O-Ton (auch in DTS) und englische Subs vorhanden. In Deutschland von Ascot auf DVD erhältlich (Uncut, auch O-Ton und dt. Subs).

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