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Dienstag, 7. Juli 2026

The Ones Who Grieve

NIFFF 2026 Spezial

The Ones Who Grieve

Story:

Im 19. Jahrhundert vor dem 1. Weltkrieg:

Eine Krankheit namens «Black Veil» sorgt für Angst und Schrecken. Zélie (Zélie Rixhon) und ihre Mutter (Isabelle Anciaux) werden von ihrem streng religiösen Vater und Ehemann Jacob (Thierry Frémont) terrorisiert und schikaniert. Jacob wünscht sich noch einen Sohn und hat derweil alle Hände voll zu tun, um Infizierte zu beseitigen. Als ein Infizierter auf dem Dachboden der Scheune auftaucht sieht Zélie eine mögliche Chance gekommen, ihren Vater damit beseitigen zu lassen…

Meine Meinung:

Mit Quarxx kam ich auch an einem vergangenen NIFFF erstmals in Berührung, als ich mir All the Gods in the Sky ansah. Diesen fand ich dazumal sehr interessant. The Ones Who Grieve ist nun bereits der dritte Spielfilm von Quarxx, der am NIFFF zu sehen ist. Pandemonium habe ich letztes oder vorletztes Jahr verpasst und/oder ausgelassen. Quarxx ist für sein kontroverses und provokantes Kino bekannt, daher buchte ich The Ones Who Grieve.

Quarxx stellte den Film am NIFFF vor. Es geht um das Patriarchat, sagte er, und er sah sich danach den kompletten Film, wenn ich nicht irre, handelte es sich um die Weltpremiere, vor Ort an. Und er erwähnte «Zombies» und meinte damit wohl die Opfer der Seuche «Black Veil». The Ones Who Grieve ist erneut ein nicht uninteressanter, spezieller und auch provokanter Film. Jedoch konnte mich der Film weniger fesseln als All the Gods in the Sky. Quarxx arbeitet hier wieder mit Schauspielern aus seinen vergangenen Filmen zusammen.

The Ones Who Grieve wirkte fast zu überladen und übertrieben. Teilweise hatte ich auch fast mehr den Eindruck, eine Art Satire und Parodie zu sehen. Quarxx sprach vom Patriarchat und das wird in dem Film und deren Darstellung massiv auf die Spitze getrieben. Und das kam auch bei den Zuschauern des Filmes nicht gut an. Auf Letterboxd schrieb z.B. jemand: «Introduced as a film about patriarchy and there is no arguing that. It may be 100% critical of the monsters it portrays but factually this is just two hours of women suffering, pointless.».

Ich fragte mich, ob es Quarxx wirklich darum ging, dass Patriarchat kritisch darzustellen oder ob er mehr mit der Erwartungshaltung der Zuschauer zu dem Thema spielte. Denn Jacob ist wirklich ein sehr grosses Ekel, aber teilweise mutet der Film fast mehr wie eine schwarze Komödie an, als ein echtes Drama. Und wenn jemand wie Jacob so wie im Film dargestellt wird und von allen mehr und mehr gehasst wird, was sollte dann das Ende? Das dürfte so ziemlich alle Zuschauer vor den Kopf stossen. Wo bleibt die Gerechtigkeit? Das das nicht gefallen wird, kann ich verstehen. Der Applaus am Ende war sehr verhalten. Ich denke, viele waren aufgrund des Endes irritiert. Auf der anderen Seite gefiel mir das. Denn so lässt sich ein Regisseur nicht in eine Schublade stecken.

Der Film ist technisch gut gemacht, mehr oder weniger «unterhaltsam» (die Zeit geht beim Schauen vorbei) und als Zuschauer stellt man sich die Frage, wo der Film hinsteuert. Jedoch wirkt der Film mit seinen Themen auch überladen und einige Dinge hätten besser beleuchtet und/oder ggf. besser weggelassen werden sollen. Patriarchat, Kritik an Religion und Kirche, Seuche, Wissenschaft vs. Religion oder Mad-scientist Motive, Familiendrama, sucht es euch aus. Und was sollte die Szene, in der sich die Mutter einen riesigen Wurm (?) oder Parasiten (?) aus der Vagina oder dem Anus zieht? Schade, wurde darauf nicht mehr eingegangen…

Fazit: Quarxx dürfte mit seinem neusten Film erneut polarisieren = alles richtig gemacht!

Infos:

O: Les Âmes en peine

Frankreich 2026

R: Quarxx

D: Thierry Frémont, Zélie Rixhon, Isabelle Anciaux

Laufzeit der Kinofassung: Ca. 116 Min.

Gesehen am: NIFFF 2026

Fassungen: Gesehen am NIFFF 2026 im Originalton und ggf. mit englischen Untertiteln. Es gibt noch keine DVD, Blu-Ray oder UHD (Stand: Juli 2026).

Montag, 29. Juni 2026

Terror Firmer

Terror Firmer

Story:

Der blinde Regisseur Larry Benjamin (Lloyd Kaufman) will mit seiner Crew (u.a. Charlotte Kaufman, Trent Haaga, Alyce LaTourelle, Reverend Jen Miller, Yaniv Sharon, Mo Fischer, Debbie Rochon, Roy David, Lyle Derek, Will Keenan) eine Fortsetzung zu The Toxic Avenger drehen. Doch ein irrer Killer stört die Dreharbeiten...

Meine Meinung:

Terror Firmer muss ich sacken und auf mich wirken lassen. Es gab einen Zeitpunkt während der Sichtung, wo ich dachte, den werde ich verkaufen und nicht mehr in der Sammlung lassen. Aber gegen Ende wird der Film nochmal verrückter und irgendwie hat der Film etwas in mir ausgelöst, so dass ich den Film vorerst noch behalten werde. Bei Terror Firmer handelt es sich um einen Troma-Film aus dem Jahr 1999 von und mit Lloyd Kaufman (Poultrygeist: Night of the Chicken Dead, The Toxic Avenger, Vampire Zombies…from Space!).

Der Film bietet viele Film-in-Film Momente (es wird eine Fortsetzung zu The Toxic Avenger gedreht) und der Auto-Crash (aus der Troma-Produktion Sgt. Kabukiman N.Y.P.D.) wurde erneut in den Plot integriert (ein Running Gag in Troma-Filmen). Daneben gibt es Cameos von Namen wie Lemmy, den South Park Schöpfern Matt Stone und Trey Parker inklusive Ron Jeremy. Alles Namen und Gesichter, die in Vergangenheit in Troma-Filmen zu sehen waren (= Cannibal! The Musical, Tromeo & Juliet, Citizen Toxie: The Toxic Avenger IV). Daneben lässt Lloyd Kaufman sogar alte Bekannte (Fleischberg Joe Fleishaker) oder die eigene Familie (Töchterchen Charlotte) im Film auflaufen.

Wo der Film für mich punktet, ist einerseits seine schier unglaubliche (perverse) Kreativität und seine vielen skurrilen Ideen und Momente. Das muss man gesehen haben, um es zu glauben. Daneben empfand ich den Ekelfaktor als positiv. Es gab wirklich mehrere Szenen, die auch in mir Ekel hervorgerufen haben (vor allem die Szene, in der alle im Auto erbrechen). Die war echt supereklig, auch weil es einfach so echt aussah. Bäh! Und wenn einem Film gelingt, solche Gefühle in dem Zuschauer zu wecken, dann macht man da schon was richtig. Das Nächste, was mir gefiel war die Tatsache, dass der Film, insbesondre aus heutiger Sichtweise, extrem politisch unkorrekt ist (sogar im Abspann geht es dementsprechend weiter, z.B. die Namen-Bezeichnungen der Figuren).

Die Effekte sind derb, blutig und gut getrickst. Und nebst Splatter gibt es sämtliche Fäkalien zu sehen, die man sich nur vorstellen kann. Der Film beinhaltet viel pubertierenden, geschmacklosen und infantilen Fäkalhumor. Die Schauspieler sind mutig und bemüht. Was ich am Film hingegen ankreiden kann, sind Längen. Mit einer Laufzeit von fast zwei Stunden war mir der Film doch zu lang und es gibt lahme Füllszenen. Es gab mir auch zu viele (total unerotische) Sexszenen. Da hätte ich lieber mehr Morde vom Killer gesehen. Und es gab mir zu viele nackte Männer in dem Film. Das ist aber Geschmackssache, auch wenn die Gender-Frage hier sowieso groteske Züge annimmt, auch wenn eigentlich im Horror-Genre nichts Neues (siehe Psycho, Das Schweigen der Lämmer, Blutgericht in Texas, The Tenant oder Monster: Die Geschichte von Ed Gein).  

Fazit: Troma-Fans können einen Blick riskieren, aber danach duschen nicht vergessen!

Infos:

O: Terror Firmer

USA 1999

R: Lloyd Kaufman

D: Charlotte Kaufman, Lloyd Kaufman, Joe Fleishaker, Trent Haaga, Alyce LaTourelle, Reverend Jen Miller, Yaniv Sharon, Mo Fischer, Debbie Rochon, Roy David, Lyle Derek, Will Keenan, Matt Stone, Trey Parker, Lemmy, Ron Jeremy

Laufzeit der US-DVD: 114:14 Min.

Gesehen am: Vor 2006 / Neusichtung am: 29.06.26

Fassungen: Mir lag die Doppel-DVD aus den USA von Troma vor = bis auf fehlende Englische Subs eine anständige Fassung = qualitativ i.O., Uncut, O-Ton, viele Extras. Den Film gibt es in Deutschland von '84 Entertainment auf Blu-Ray (Deutsch/Englisch, keine Subs, Uncut).

Dienstag, 5. Mai 2026

Nazareno Cruz and the Wolf

 

Nazareno Cruz and the Wolf

Story:

Nazareno Cruz (Juan José Camero) wird als siebtes Kind geboren. Als er die schöne Griselda (Marina Magali) kennen und lieben lernt, erscheint Nazareno später der mysteriöse Fremde (Alfredo Alcón). Dieser verspricht ihm Macht und Reichtum, wenn er von Griselda ablässt. Kommt Nazareno dem nicht nach, wird er als Werwolf sein Dasein fristen. Nazareno glaubt den Geschichten des Fremden nicht und bleibt seiner Griselda treu. Mit fatalen Folgen…

Meine Meinung:

Nazareno Cruz and the Wolf ist ein Mitte der 70er Jahre Werwolf-Film aus Argentinien und basiert auf einer Idee, die zunächst als Hörspiel konzipiert war. Und diese Idee soll angeblich auf einer Folklore aus Paraguay basieren. Der Film ist in Argentinien sehr bekannt und gilt als Klassiker. Ausserhalb Argentiniens widerfuhr dem Film weniger Erfolg und Anerkennung. Mir gefiel der Film nicht wirklich. Der Film wirkt wie ein Mix aus Werwolf-Film, Musical, Märchen, Komödie, Arthouse und wie ein Theaterstück.

Der Film wirkte mit seinen nur 86 Minuten deutlich länger. Es gab Längen und der Film ist alles andere, als eine Mainstream-Produktion. Das Schauspiel mutet öfters laienhaft und theatralisch an. Der Film war mir oft zu laut, zu windig (Dauerwind) und zu hysterisch (Protagonisten, die am Schreien sind). Die Musik oft auch unpassend. Einige Stücke stammten wohl wirklich aus einer Oper und Operngesang in nun wirklich nicht meins. When A Child Is Born, welches ich bisher nur aus Mondos kannte (Magia Nuda), passte da schon besser zur Surrealität seiner Szenen.

Die Darsteller sind mir allesamt unbekannt. Der Plot ist nicht gradlinig. Zu oft verliert sich der Film in ellenlangen Nebensequenzen, unbedeutenden oder sich wiederholenden Bildern. Hier und da gibt es einige stimmungsvolle oder interessante Aufnahmen zu sehen. Eine Art Darstellung der Hölle im letzten Viertel war nicht uninteressant. Der hier und da durchsickernde Klamauk gefiel mir nicht, passte aber zum Film als Ganzes. Wer auf Monster- und Werwolf-Effekte hofft, sollte diese Erwartungen gleich wieder im Keim ersticken. Als «Werwolf» dient ein normaler Wolf, der gefilmt wurde.

Fazit: Sicher stark Geschmackssache, aber Nazareno Cruz and the Wolf war definitiv nicht mein Fall…

Infos:

O: Nazareno Cruz y el lobo

Argentinien 1975

R: Leonardo Favio

D: Juan José Camero, Marina Magali, Alfredo Alcón

Laufzeit der US-Blu: Ca. 88 Min.

Gesehen am: 05.05.26

Fassungen: Mir lag die US-Blu-Ray von Severin Films vor (All The Haunts Be Ours: A Compendium of Folk Horror Vol. 2) = Uncut, gute Bild- und Tonqualität, O-Ton und englische Subs vorhanden. Andere Fassungen sind mir nicht bekannt und es gibt keine deutsche Fassung (Stand: Mai 2026).

Samstag, 25. April 2026

Fuck My Son!

Brugggore Filmfestival 2026 Spezial

Fuck My Son!

Story:

Eine Frau (Robert Longstreet) entführt eine Mutter (Tipper Newton) und deren Tochter (Kynzie Colmery) und zwingt die Mutter, ihren schwer behinderten, deformierten Sohn (Steve Little) zu entjungfern…

Meine Meinung:

Auf Fuck My Son! war ich sehr gespannt. Warum? Im Trailer sah ich Ekelszenen und handgemachte Effekte, zudem hörte sich der Inhalt sehr provokant, makaber und schwarzhumorig an. Durchaus sehr gewagte Themen, die Fuck My Son! da angeht. Dass es sich sogar um eine Comic-Verfilmung handelt, war mir nicht bewusst. Für ein Filmfestival ist ein solches Werk natürlich ein gefundenes Fressen. Aber selbst hier hatte es Zuschauer, die die Vorstellung verlassen haben (aber nur sehr wenige). Der Geschmack des Filmes ist schlecht. Peter Jacksons Filmtitel «Bad Taste» kommt mir da als Vergleich in den Sinn.

Der Film ist eine groteske Ekel-Horror-Komödie, die bewusst provozieren will. Da ich die Comics nicht kenne, kann ich nicht vergleichen. Im Abspann gibt es noch einige Bilder aus dem Comic zu sehen. Diese Vergleiche scheinen gut gelungen zu sein. Ansonsten erinnert der Film auch etwas ans Backwood-Kino, was nicht überrascht, da sich Regisseur Todd Rohal auch von Blutgericht in Texas inspirieren liess. Der Retro-Stil gefiel. Die anderen Einschübe (der Anfang des Filmes) und die digitalen Zwischensequenzen (mit den Fleischfiguren, dem «Himmel» oder schräge Musik- und Nackteinlagen) waren teilweise schräg und, so wie ich jetzt gelesen habe, auch AI zu verdanken. Die wirkten teilweise schon auch unpassend, fand ich.

Die Darsteller haben ihre Sache alle ordentlich gemacht. Mutige Rollen, denn der Inhalt wird nicht allen schmecken. Ich kenne niemanden aus der Produktion. Auf jeden Fall war der Film eine tolle Wahl für eine Art «Midnight Screening» am Brugggore Filmfestival. Das Kino war zwar nicht voll, aber das war die bisher beste Stimmung welche ich am diesjährigen Filmfest erlebt habe. Das Publikum hat viel gelacht. Die Ekelszenen waren hübsch innovativ und wenn man meint, schon das höchste Level erreicht zu haben, kommt was Neues dazu. Für die handgemachten Effekte und das eklige Aussehen des Jungen zeichnete sich Robert Kurtzman (Wishmaster, Nightwish, Vampire) zuständig. Etwas schade ist, dass im Finale auch noch digitale Effekte zum Einsatz kommen (bei den Shoot-Outs). Das kann aber auch als Stilmittel so gewollt gewesen sein. Der digitale Vorspann (Fleisch und Würste) fand ich gewöhnungsbedürftig und schräg war, dass die Entführte, trotz der Tatsache, dass sie den Sohn «entjungfern musste», nie nackt zu sehen war (typisch Amerikaner, trotz dem derben Inhalt gleichzeitig prüde).

Fazit: Mutig, eklig, lustig und abgefahren! Der perfekte Festival-Film!

Infos:

O: Fuck My Son!

USA 2025

R: Todd Rohal

D: Tipper Newton, Steve Little, Robert Longstreet, Kynzie Colmery, George Sample III

Laufzeit der Kinoversion: Ca. 94 Min.

Gesehen am: Brugggore Filmfestival 2026

Fassungen: Gesehen am Brugggore Filmfestival 2026 in Englisch. Uncut. Eine DVD, Blu-Ray oder UHD ist noch nicht angekündigt (Stand: April 2026).

Freitag, 24. April 2026

The Treehouse

Brugggore Filmfestival 2026 Spezial

The Treehouse

Story:

Ale (Sandra Escacena) und Jesús (Claudio Portalo) machen einen romantischen Ausflug in den Wald, den Jesús nicht überlebt. Ein Jahr später kehr das traumatisierte Ale zurück an den Ort des Schreckens, auf der Suche nach Antworten…

Meine Meinung:

The Treehouse hat mir nicht sonderlich gefallen. Es handelt sich um einen spanischen Genrefilm. Ich wusste kaum etwas über den Film und auch nach der Sichtung bleiben viele Fragen offen. Mehr als vorher. Der Film von Regisseur Luis Calderón, der vor allem Musikvideos und Kurzfilme drehte, erinnert dabei an Filme wie Timecrimes, Sleepaway Camp (vor allem) sowie an den franz. Slasher- und Backwood Film High Tension.

Eine für den Film eigentlich unnötige und für den Plot unwichtige Szene beinhaltet ein Rohr und eine Ratte. Wer den American Psycho Roman gelesen hat, weiss, was damit geschieht. Es gibt einige blutige Momente, klassische Musik (vor allem im Vor- und Abspann), einen Hauch Erotik und lobend, ob einem der Film jetzt zusagt oder nicht, ist die Tatsache, dass der Film inhaltlich Mal was Neues und Anderes gewagt hat.

Abgesehen davon sollten kein Realismus gefordert werden. Es gibt viele typische Horrorklischees, die erst aufgrund des Twists am Ende über Bord geworfen werden. Die Kameraarbeit fand ich nicht speziell erwähnenswert. Über das Ende, welches stark Geschmackssache ist und sicherlich polarisieren wird, kann man streiten. Welche Aussage Luis Calderón damit treffen will oder ob er Privates im Plot integriert und/oder offengelegt hat, ist mir unbekannt und ehrlich gesagt auch gleichgültig.

Fazit: War leider weniger mein Fall…

Infos:

O: La casa en el árbol

Spanien 2025

R: Luis Calderón

D: Sandra Escacena, Claudio Portalo, Kandido Uranga

Laufzeit der Kinoversion: Ca. 80 Min.

Gesehen am: Brugggore Filmfestival 2026

Fassungen: Gesehen am Brugggore Filmfestival 2026 in Spanisch mit Untertiteln. Uncut. Eine DVD, Blu-Ray oder UHD ist noch nicht angekündigt (Stand: April 2026).

Karmadonna

Brugggore Filmfestival 2026 Spezial

Karmadonna

Story:

Die Schwangere Jelena (Jelena Đokić) wird via Telefonanruf von Buddha gezwungen, Menschen zu töten…

Meine Meinung:

Karmadonna ist das Regiedebüt von Aleksandar Radivojevic. Er erlangte mit A Serbian Film, den ich persönlich sehr überbewertet finde, Bekanntheit. Aleksandar Radivojevic schrieb das Drehbuch zu A Serbian Film.

Der Film, der leicht an Baby Blood sowie Prevenge erinnert, ist in der Tat ein innovatives und für ein Regiedebüt beachtliches Werk, auch wenn der Film für mich persönlich kein Kracher ist. Es gibt aber genug abgefahrene Szenen, die perfekt in einen Festival-Beitrag wie diesen passen.

Im Vergleich zu A Serbian Film geht es in Karmadonna verhältnismässig harmlos zu, was nicht heissen soll, dass es nicht auch Splatterszenen und Gewalt zu sehen gibt. Die gibt es zu sehen, aber nur sporadisch wirklich explizit. Einige der Effekte sind stark inszeniert, während mir einige der digitalen Effekte nicht sonderlich gefallen haben (z.B. das Leuchten der Augen).

Dem Film gelingt es zunächst, eine gewisse Spannung aufzubauen. Doch der Verlauf des Plots zieht sich mit einigen Sub-Plots. Mit der Zeit gibt es auch einige dialoglastige Längen und speziell vor dem Finale wird der Film dank der Laufzeit von fast zwei Stunden, zu einer zähen Angelegenheit. Jelena Djokic war als Lead eine passende und motivierte Wahl. Der Inhalt kann als eine Art verrückte und innovative Sozialkritik am System, Social Media und Co. gesehen werden.

Wer Mal was Anderes im Kino sehen möchte, macht mit diesem satirischen und wilden Trip alles richtig

Infos:

O: Karmadonna

Serbien 2025

R: Aleksandar Radivojevic

D: Jelena Đokić, Sergej Trifunović, Milutin 'Mima' Karadžić, Milica Stefanović, Branislav Jevtić, Miloš Lolić

Laufzeit der Kinoversion: Ca. 118 Min.

Gesehen am: Brugggore Filmfestival 2026

Fassungen: Gesehen am Brugggore Filmfestival 2026 in Serbisch mit Untertiteln. Uncut. Eine DVD, Blu-Ray oder UHD ist noch nicht angekündigt (Stand: April 2026).

Donnerstag, 23. April 2026

Mad Mask

Brugggore Filmfestival 2026 Spezial

Mad Mask

Story:

Ein Barkeeper (Nagano) fungiert ebenso als Serienmörder, der seinen Opfern die Gesichtshaut abzieht und diese selbst trägt. Als er ein drittes Opfer in einem Fitnessstudio aufsucht, wendet sich das Blatt, als er zuerst von einem Unbekannten, der ebenfalls eine Gesichtshaut mit sich herumträgt, und einer Fatso-Gang in seinen Handlungen gestört wird. Danach flieht der Killer und wird mehrheitlich von der Pressure Organization durch Japan verfolgt…

Meine Meinung:

Mad Mask ist wildes, abgefahrenes, anarchistisches Underground-Kino aus Japan. Comedian Nagano führte Regie und der Film basiert Comedy-Sketch, den er vor 13 Jahren performt hatte. Er spielt auch die Hauptrolle und viele der Rollen im Film wurden mit Musikern (Sängerin, Gitarrenspieler etc.) besetzt. Der Film wurde auf 16mm gedreht, was dem Ganzen einen tollen Retro-Look und Charme verleiht. Der Film hat praktisch keinen Plot, sondern wirkt mehr wie eine Ansammlung von einem Sketsch zum nächsten. Was das ganze soll (eine Art Sozialkritik an dies und jenem?), wird der Zuschauer nie erfahren. Sich darüber den Kopf zu zerbrechen, bringt auch nichts.

Mad Mask sollte einfach ohne Hintergedanken konsumiert werden. Obwohl nicht alles lustig war (Vieles war einfach nur blöd und unlustig), ist der Film sehr eigen und nur schon deshalb für ein Filmfestival wie in Brugg (Brugggore Filmfestival) bestens geeignet. Mad Mask stellt übrigens auch das Spielfilmdebüt von Nagano dar. Dank der kurzen Laufzeit, der vielen abgefahrenen Ideen und dem definitiv nicht vorhersehbaren Plot (welcher Plot?) wird Mad Mask zu keiner Sekunde langweilig. Und einige schön saftige Ideen, schwarzen Humor und sogar eine Animationssequenz dürfen auch nicht fehlen. Es wird sich zeigen, ob Nagano mit diesem Konzept im Spielfilmsektor Erfolg haben wird oder nicht.

Fazit: Wer Mal was Neues im Kino sehen möchte, ist mit Mad Mask bestens bedient!

Infos:

O: 매드 마스크

Japan 2025

R: Nagano

D: Nagano, Nobuaki Kaneko, AiNA THE END, D.O, Shota Totsuka, Seiji, Jonio Iwai

Laufzeit der Kinoversion: Ca. 73 Min.

Gesehen am: Brugggore Filmfestival 2026

Fassungen: Gesehen am Brugggore Filmfestival 2026 in Japanisch mit Untertiteln. Uncut. Eine DVD, Blu-Ray oder UHD ist noch nicht angekündigt (Stand: April 2026).

Sonntag, 27. April 2025

Chainsaws Were Singing

Brugggore Filmfestival 2025 Spezial

Chainsaws Were Singing

Story:

Maria (Laura Niils) wird von einem Kettensägen schwingenden Irren entführt. Ihr Freud Tom (Karl Ilves) setzt alles daran, Maria aus dessen Fängen zu befreien…

Meine Meinung:

Nach The Black Hole der zweite Betrag aus Estland am diesjährigen Brugggore Filmfestival. Den Film nahm ich nur schon aufgrund des Titels und des Plakates in mein persönliches Programm auf. Der Film, der an unzähligen Film Festivals rund um die Erde gezeigt wird und der sich zehn Jahre (!!!) in der Post-Produktion befand, kann nicht nur als Hommage an Tobe Hoopers Blutgericht in Texas verstanden werden, sondern auch als rabenschwarte, total verrückte und sympathische Idee seitens Regisseur Sander Maran und seinem Bruder, wobei letzterer im Film auch mitspielt.

Beim Film handelt es sich um einen Mix aus Hommage, Backwood-Horror, Musical, Liebesgeschichte und Komödie/Satire. Eine wilde Mischung, die so erstaunlich gut funktioniert. Low Budget hin oder her, der Film hat sehr viel Spass gemacht, auch wenn bei Leibe nicht alles perfekt geworden ist. Mit einer Laufzeit von zwei Stunden ist der Film, der mehreren der Hauptpersonen ein Kapitel widmet, in denen ihre Vorgeschichte erzählt wird, sicher etwas zu lange geraten. Zumindest die Figur Cobra und dessen Sub-Plot (Bukkake…) hätte man z.B. zuhanden einer etwas kürzeren Laufzeit komplett weglassen können.

Der Film, der viele Blutgericht in Texas Vibes bietet, ist charmant und auch die Mehrheit der Figuren fand ich sympathisch. Vor allem die Helden und die Guten. Speziell Tom, Maria und Jaan waren super gespielt. Auch die kannibalistische Redneck Familie war gut gespielt: total verrückt und überzeichnet, aber meine Sympathien galten den Helden, nicht der Kannibalen-Familie. Auch Nebenfiguren (die trotteligen Cops z.B.) waren amüsant und der Film bot allgemein extrem viel zu lachen. Mit Blut wird auch nicht gespart. Der Film kaschiert das kleine Budget wunderbar.

Fazit: Sicher einer der wildesten, fantasievollsten und verrücktesten Filme, den ich in den letzten Jahren an einem Filmfestival sah! Tolles Konzept, welches in seiner Entstehungsgeschichte an Bad Taste erinnert.

Infos:

O: Mootorsaed laulsid

Estland 2024

R: Sander Maran

D: Karl Ilves, Laura Niils, Martin Ruus, Janno Puusepp, Rita Rätsepp

Laufzeit der Kinofassung: Ca. 117 Min.

Gesehen am: Brugggore Filmfestival 2025

Fassungen: Film am Brugggore Filmfestival gesehen = Uncut, O-Ton und englische Subs. Es gibt noch keine DVD, Blu-Ray oder UHD (Stand: April 2025).

Mittwoch, 23. April 2025

Monkey's Magic Merry Go Round

Brugggore Filmfestival 2025 Spezial

Monkey's Magic Merry Go Round

Story:

Kindershow-Moderator James (Michael Gilio) führt eine (Hand)Puppen-Show für ein junges Publikum. Doch plötzlich erinnert sich James nicht mehr. Er leidet an einer Amnesie. Er versucht mehr über sich herauszufinden und seine Co-Stars, die Puppen, versuchen ihm zu helfen. Doch was nach und nach zu Tage gefördert wird, ist nichts für Kinder…

Meine Meinung:

Obwohl es für Monkey's Magic Merry Go Round weder ein offizielles Plakat noch einen Trailer gibt, habe ich mich am Brugggore Filmfestival zur Sichtung des Filmes entschieden. Warum? Die ein-zwei Bilder, welche ich vom Film sah, sahen wunderbar stimmungsvoll und hübsch creepy aus. Puppen und Affen können, ähnlich wie Clowns, perfekte Sujets in einem Horrorfilm sein. So stellte ich mich darauf ein, einen schrägen Film, von dem ich praktisch nichts weiss, anzusehen.

Monkey's Magic Merry Go Round ist ein Spielfilmdebüt. Regisseur Aidan Leary hatte zuvor «nur» Kurzfilme realisiert. Der Film ist, vor allem auch für ein Debüt, sehr gelungen. Das Konzept des Filmes ist erfrischend anders und originell. Natürlich auch gewöhnungsbedürftig. Ähnlich wie in einem Giallo wird am Ende alles aufgeklärt. Der Weg dorthin ist hübsch fies, unheimlich, originell, schwarzhumorig und auch lustig. So ein Film steht oder fällt mit dem Hauptdarsteller.

Der mir unbekannte Michael Gilio macht dabei einen herausragenden, fantastischen Job und spielt einen übertrieben herzensguten und freundlichen Host, der jedoch zwei Gesichter hat. Sein Schauspiel und sein Wandel sind dabei grandios gespielt. Auch das Spiel mit der Kamera und wie die Puppen, die zunächst überhaupt nicht unheimlich wirken, in späteren Szenen direkt aus der Hölle kommen könnten, eingesetzt werden, verdient viel Lob. Speziell der Affe war wirklich gruselig. So steht es im Vergleich zu The Monkey 1:0 für Monkey's Magic Merry Go Round.

Was ich dem Film ankreiden könnte ist die Laufzeit. Die wirkte etwas zu lang, obwohl der Film nur ca. 90 Minuten läuft. Gegen Ende fühlte sich die Laufzeit länger an. Der Inhalt hätte sich wohlmöglich für einen Kurzfilm besser geeignet und das Ende, welches dann alle Fragen klärt, kann daher als eine Art «Happy End» interpretiert werden. Mir hätte ein böses und mehr düsteres Ende mehr meinem Geschmack entsprochen. Abgesehen davon ein beachtliches Regie-Debüt und alles andere als ein 08/15 Film. Bravo!

Infos:

O: Monkey's Magic Merry Go Round

USA 2024

R: Aidan Leary

D: Michael Gilio, Frank Cesario, Connar Brown Sprenger

Laufzeit der Kinofassung: Ca. 91 Min.

Gesehen am: Brugggore Filmfestival 2025

Fassungen: Film am Brugggore Filmfestival gesehen = Uncut und in Englischer Sprache. Es gibt noch keine DVD, Blu-Ray oder UHD (Stand: April 2025).

Mittwoch, 6. November 2024

The Substance

 

The Substance

Story:

Promi Elisabeth Sparkle (Demi Moore) kämpft und hadert mit dem Älterwerden. Auf dem Schwarzmarkt findet sie eine Droge namens «Substance», welche den Alterungsprozess aufhalten soll. Sie testet das Mittel. Ein Fehler...

Meine Meinung:

Ich sah einen Trailer des Filmes und las danach von meinem Kumpel aus Zürich ein vielversprechendes Review, so dass ein Kinobesuch für mich beschlossene Sache war. Der Film von Coralie Fargeat, dessen Revenge mir persönlich nicht wirklich zusagte, läuft derzeit auch in Deutschland am Fantasy Film Fest. Ans BIFFF, Brugggore Movie Festival oder ans NIFFF hat es der Film hingegen nicht geschafft. Dafür gewann der Film in Cannes den Preis für das beste Drehbuch.

The Substance läuft über zwei Stunden und bietet dabei bis zum Enden einen spannenden Plot. Einen nicht vorhersehbaren Plot. Der Film ist auf jeden Fall ein ungewöhnlicher Film und abseits vom Mainstream angelegt. Ein Film, den ich auch erst Mal wirken lassen sollte und dem ich sicherlich auch später, auf Blu-Ray, eine weitere Sichtung schenke. Gespannt, wie der Film dann wirken wird. Ein Film, der eine Botschaft erzählt. Was diese für das Individuum bedeutet, ist jedoch individuell.

Der Film ist dabei stark gespielt, voller What the Fuck Momente und grandiosen, so nicht erwarteten Effekten. Der Film ist ein wilder Mix aus Satire, Sozialkritik und Bodyhorror. Dementsprechend fällt auch das Overacting aus. Demi Moore, Margaret Qualley & Dennis Quaid (was für ein wunderbares Ekel = seine Fressszenen) liefern. Im Finale fühlte ich mich ans Kino von Frank Henenlotter (Basket Cage), Dario Argento (Tenebre) oder Yoshihiro Nishimura erinnert. Muss man gesehen haben, um es zu glauben! Was musste ich lachen!

Fazit: Abgefahren!

Infos:

O: The Substance

USA, Grossbritannien 2024

R: Coralie Fargeat

D: Margaret Qualley, Dennis Quaid, Demi Moore, Hugo Diego Garcia, Joseph Balderrama, Oscar Lesage, Gore Abrams

Laufzeit der Kinofassung: Ca. 140 Min.

Gesehen am: 19.09.24

Fassungen: In Bern im Kino gesehen = Originalton und deutsche Subs, Uncut. Erscheint am 09.12.24 in Finnland auf Blu-Ray. Andere Versionen sind noch nicht angekündigt (Stand: Sept. 2024).

Sonntag, 14. April 2024

Love Lies Bleeding

BIFFF 2024 Spezial

Love Lies Bleeding

Story:

Lou (Kristen Stewart), die in einem Gym arbeitet und dessen einflussreicher Vater (Ed Harris) in der Gegend krumme Dinger betreibt, verliebt sich in Jackie (Katy O'Brian), eine Bodybuilderin. Diese befindet sich auf dem Weg nach Las Vegas, um an einem Wettbewerb teilzunehmen. Doch ihre Liebe wird durch einen Mord und dem Entsorgen der Leiche auf eine harte Probe gestellt…

Meine Meinung:

Love Lies Bleeding ist ein interessanter Film und eine A24-Produktion. Bei A24-Produktionen weiss der Zuschauer manchmal nicht genau, was ihm vorgesetzt wird und/oder wo die Reise hinführt. Love Lies Bleeding ist lange relativ «normal» und gradlinig, um am Ende dennoch mit einigen Überraschungen aufzuwarten, die ich so wirklich nicht erwartet hätte. Das finde ich cool, auch wenn es nicht allen gefallen wird.

Regisseurin Rose Glass hat schon mit Saint Maud für A24 abgeliefert. Love Lies Bleeding ist eine Aufwertung: grösser, internationaler Cast, aufwändiger. Der Film bietet eine gewisse Kleinstadtstimmung, wie ich sie mag, dunkel Geheimnisse die Figuren betreffend und ein passendes Lesben-Duo in der Bodybuilding-Szene und eine dramatische Liebesgeschichte. Die Bodybuilding-Szene ist nicht unbedingt ein Setting, welches mich wirklich interessiert (auch wenn ich z.B. Arnie mag) oder begeistert, aber es hat seine Pflicht erfüllt und die Machart war glaubhaft inszeniert. 

Es wird auf skurrile Momente (Insekten, die Bodybuilding-Show in Las Vegas) ebenso wenig verzichtet wie auf nackte Tatsachen, leidenschaftlichen Sex aber auch krude Gewaltspitzen und surreale Momente. Kristen Stewart (hab die zuerst mit Kirsten Dunst verwechselt), Katy O'Brian und Ed Harris (A History of Violence) wie auch alle anderen Beteiligten waren glaubhaft und superb gecastet. Ed Harris steht die Rolle des Bösewichtes einmal mehr sehr gut.  Die Kameraarbeit ist gelungen wie auch die Musik.

Fazit: Pflichtprogramm für A24-Fans!

Infos:

O: Love Lies Bleeding

Grossbritannien, USA 2024

R: Rose Glass

D: Anna Baryshnikov, Kristen Stewart, Dave Franco, Katy M. O'Brian, Jena Malone, Ed Harris, Orion Carrington

Laufzeit der Kinofassung: Ca. 104 Min.

Gesehen am: BIFFF 2024

Fassungen: Gesehen am BIFFF 2024, Uncut und im O-Ton. Eine DVD oder Blu-Ray sind noch nicht angekündigt (Stand: April 2024). Der Film bekommt am 25.04.24 einen regulären Schweizer Kinostart.

Samstag, 13. Mai 2023

The Holy Mountain

The Holy Mountain 

Story:

 

Ein Alchimist (Alejandro Jodorowsky) und ein bunt zusammengewürfelter Haufen von Personen sind auf ihrem fantasievollen Weg, um am Ende den heiligen Berg zu erreichen…

 

Meine Meinung:

 

Nachdem ich vor paar Monaten/Wochen El Topo aufgefrischt habe, war mir klar, dass auch die anderen Filme von Alejandro Jodorowsky mit Ausnahme von Santa Sangre das gleiche Schicksal teilen würden: dem Ausschluss aus meiner Film-Sammlung! The Holy Mountain ist zwar wie El Topo nicht uninteressant, aber einfach zu mühsames Kino. Für mich persönlich gab es zu wenige Highlights.

 

Der Film war, nicht zuletzt dank dem immensen Erfolg von El Topo in den USA und dem Zeitgeist-Faktor, der eine grosse Rolle spielte, ebenso ein grosser Erfolg. "Skandal" in Cannes hin oder her. Eine bessere Werbung kann es ja fast nicht geben. Den Plot von The Holy Mountain zu beschreiben, fällt schwer. Der Film hat definitiv einige herrlich coole, bizarre und verrückt-fantasievolle-Sequenzen. Kritik am (sozialen) System, Glaube/Religionen und Symbole aller Art sind Inhalte des Filmes.

 

Auf der anderen Seite gibt es auch Längen, uninteressante Szenen und Inhalte, die zum Fremdschämen einladen und/oder unfreiwillig komisch sind. Auch auf potenziellen Tier-Snuff müssen sich Zuschauer erneut einstellen. Das Ende des Filmes war seiner Zeit sicher voraus und sehenswert. Wie im Vorgänger schlüpft Alejandro Jodorowsky nicht nur auf den Regiestuhl, sondern auch wieder als Hauptdarsteller in den Film (nebst anderen Familienangehörigen wie z.B. Valerie Jodorowsky).

 

Alejandro Jodorowsky schrieb auch das Drehbuch, produzierte den Film, erstellte die Kostüme etc. Einige Szenen, Kostüme oder andere Inhalte (Krüppel und Behinderte) erinnern an El Topo. Meiner Meinung nach stand Alejandro Jodorowsky sicher auch unter Drogeneinfluss, als er den Film drehte und/oder das Drehbuch schrieb. Anders kann ich mir die vielen schrägen Inhalte nicht erklären. Das würde ja auch gut zur Zeit passen, dass mit Drogen experimentiert und Horizonte erweitert wurden (Nachtrag: Wiki gibt mir da als Quelle z.T. recht = in einigen Szenen wurden Drogen konsumiert, Pilze und LSD).

 

Fazit: Wer El Topo mochte, wird auch The Holy Mountain mögen! Wer gerne experimentelle Arthouse-Filme schaut, macht auch alles richtig! Für das Mainstream-Publikum definitiv nicht zu empfehlen, da einfach zu abgedreht!

 

Infos:

 

O: The Holy Mountain

 

Mexiko 1973

 

R: Alejandro Jodorowsky

 

D: Alejandro Jodorowsky, Horacio Salinas, Zamira Saunders, Juan Ferrara, Valerie Jodorowsky

 

Laufzeit der US-DVD: 115:24 Min.

 

Neusichtung am: 17.04.23

 

Fassungen: Mir lag die US-DVD von Anchor Bay vor = Englischer Ton und englische Subs, Uncut, sehr gute Bild- und Tonqualität. Gibt es inzwischen von Bildstörung in Deutschland (als Der Heilige Berg) auf Blu-Ray.

Freitag, 10. März 2023

Natural Born Killers Review

Natural Born Killers 

Story:

 

Mickey (Woody Harrelson) und Mallory (Juliette Lewis) ziehen mordend durchs Land und werden zu gefeierten Stars à la Charles Manson und Co, bis sie schlussendlich im Gefängnis landen. Dort will Direktor Dwight McClusky (Tommy Lee Jones) ihren Tod. Er beauftragt Detektiv Jack Scagnetti (Tom Sizemore) mit dem Job. Dem Cop, der sie gefangen genommen hat. Doch als ein Reporter (Robert Downey Jr.) im Gefängnis ein Live-Interview mit Mickey ausstrahlt und es gleichzeitig zu einer Revolte der Gefangenen kommt, eskaliert die Situation…

 

Meine Meinung:

 

Natural Born Killers zählte ich früher zu meinen Lieblingsfilmen. Der Tod des Schauspielers Tom Sizemore führte nun zu der aktuellen Neusichtung. Die letzte Sichtung ist ewig her. Zu Ehren von Tom Sizemore und dessen Ableben wählte ich Natural Born Killers aus. True Romance wurde erst vor nicht allzu langer Zeit aufgefrischt, Black Hawk Down habe ich schon lange entsorgt und ansonsten wäre noch The Relic (wohl nebst NBK seine beste Rolle) zur Auswahl gestanden. Ein durch und durch toller Tierhorror- und Monsterfilm.

 

Natural Born Killers von Oliver Stone und nach einer Story von Quentin Tarantino (Reservoir Dogs) war ein grosser Erfolg, auch wenn Quentin Tarantino danach sagte, den Film nie komplett gesehen zu haben und nicht zu mögen, da zu viele Veränderungen, die Stone für die Verfilmung vorgenommen hatte. Der Plot ist an sich nichts Besonderes: "Bonnie und Clyde" Geschichte mit Beimischungen namens Sozialkritik (Killer als Stars, siehe z.B. das Buch Natural Born Celebrities Serial Killers in American Culture) und optische Spielereien, die genau so gut aus einem MTV-Music-Videoclip stammen könnten (s/w Bilder, Flashbacks, Zeichentrick-Animationen…).

 

Und diese zwei Punkte (Sozialkritik und die optischen Spielereien) zusammen mit der Musik und den Figuren macht den Film extrem unterhaltsam und sehenswert. Technisch ist der Film stark und die Optik mochte ich. Teilweise kommt fast eine Style over substance Stimmung auf, in der der Zuschauer vor Musik und Ton begeistert getragen wird, egal was gerade auf dem Bildschirm passiert. Ich mag den Film, aber es gibt auch 1-2 kleine Mankos.

 

Die "Married with Children" Persiflage gefiel mir noch nie. In dieser wird gezeigt, wie sich Mickey und Mallory kennenlernen. Dann das Overacting: Juliette Lewis (Kap der Angst) und Robert Downey Jr. waren teilweise zu übertrieben dargestellt, so dass es a) ins Unrealistische und b) ins Lächerliche driftet. Woody Harrelson war dazumal sehr gefragt im Hollywood-Kino (Weiße Jungs bringen's nicht, Larry Flynt - Die nackte Wahrheit) und macht seine Sache hingegen ordentlich. Am besten haben mir nach dieser Neusichtung Tommy Lee Jones (Alarmstufe: Rot) und Tom Sizemore gefallen. Obwohl Gefängnis-Direktor bzw. Detektiv, haben beide auch mächtig Dreck am Stecken. Schmierig, fies, sympathisch, extrem cool gespielt. Die Szenen im Gefängnis sind dann auch brutal, actionreich, spannend und episch!

 

Fazit: Sehenswert und nebst The Relic der beste Film mit Tom Sizemore!

 

Infos:

 

USA 1994

 

R: Oliver Stone

 

D: Woody Harrelson, Juliette Lewis, Tom Sizemore, Tommy Lee Jones, Robert Downey Jr.

 

Laufzeit der deutschen DVD: 116:52 Min.

 

Neusichtung am: 05.03.23

 

Fassungen: Mir lag die 3 Disc Deluxe Edition (Deutsche DVD) von Laser Paradise vor = Schuber, Booklet, Hauptfilm erstmalig in Deutsch als Director's Cut (Dialoge neu gesprochen aber mit den gleichen Synchro-Sprechern der Kinofassung), Deutsch/Englisch mit Subs und auf zwei DVDs gibt es viele Extras. Bild- und Tonqualität sind sehr gut. DTS Ton zuweilen asynchron. Gibt es derweil (von Marketing Film) auch als deutsche Blu-Ray (auch DC-Fassung).

Sonntag, 26. Februar 2023

Apeshit Buch Empfehlung

Apeshit

Inhalt:

Zitat Back-Cover:

 

"Sechs College-Teens auf dem Weg zu einem Wochenende voller Sex und Alkohol. Die einsame Hütte verspricht jede Menge Spaß. Doch im Wald lauert bereits ein sadistischer Psycho-Killer. Als es ihnen gelingt, den Irren zu töten, steht er wieder auf…wieder auf…wieder auf…

 

Bizarro-König Carlton Mellick III wilder für diese abgedrehte Story in beinahe jedem Horrorfilm-Klischee: unsterbliche Serienmörder, freizügige Teenager, das Knacken von Ästen im Dunkel, das Brechen von menschlichen Knochen. Zusammen mit einer großen Portion Blut und Gedärm dreht er alles durch den Fleischwolf: Fertig ist der feuchte Traum eines jeden Splatter-Geeks.

 

Grindhouse und moderne Groteske – für Fans von Evil Dead bei Eurotrash und solche, die es noch werden möchten!"

 

Meine Meinung:

 

Apeshit bekam ich geschenkt. Nach dem doch relativ anstrengenden Die 120 Tage von Sodom war ich froh, etwas Leichteres und weniger Komplexes lesen zu können. Gar etwas Oberflächiges. So schien mir zumindest der Backwood-Inhalt, der mir als Horrorfilmfan aus Filmen wie Blutgericht in Texas, Tanz der Teufel und Co. bekannt ist, nichts Neues zu sein. Ich hatte keine Erwartungen und dachte an einen soliden Backwood-Horror-Plot mit den üblichen Klischees. Zumal ich den Titel schräg fand, das Artwork nicht speziell mochte und von Autor Carlton Mellick III noch nie was gehört hatte.

 

Die Arbeiten von Carlton Mellick III werden im Roman gar mit Franz Kafka/John Waters ("Franz Kafka trifft John Waters"), Takashi Miike/William S. Burroughs ("Takashi Miike trifft William S. Burroughs") oder dem Japanischen Kino/David Lynch ("Japanisches Kino unter der Regie von David Lynch") vergleichen. Oder mit Märchen ("Alice in Wonderland für Erwachsene"). Carlton Mellick III Romane gelten als "Bizarro Fiction". Ein Sub-Genre, von welchem ich zuvor nie hörte. Diese Beschreibungen las ich erst, nachdem ich den Roman gelesen hatte.

 

Und was soll ich sagen? Die Vergleiche sind gar nicht Mal so verkehrt. Am ehesten würde ich Carlton Mellick III aber mit Edward Lee vergleichen, von dem ich schon unzählige Bücher gelesen habe (Header 2, Header 3, Sacrifice, The Dunwich Romance, The Stickmen). Und DAS hätte ich eben nicht erwartet. Was als 08/15 Backwood-Quatsch mit modernem Zeitgeist-Flair (Geschlechterwechsel…) startet ändert sich schnell zu einem nicht vorhersehbaren, perversen und fantasievollen Lesevergnügen, das einfach herrlich unterhält und zum Schmunzeln einlädt. Derber, schwarzer Humor gepaart mit brutalen aber auch total ekligen Momenten, wobei die Spannung in einzelnen Momenten durchaus gegeben ist.

 

Wer die kranke, abartige, übertriebene und amüsante Fantasie eines Edward Lee liebt, der wird auch an den Inhalten in Apeshit Freude haben. Jedes Mal, wenn ich dachte, dass ist ja Mal krank und kann nicht getoppt werden, wurde ich kurze Zeit eines Besseren belehrt. Die Charakterisierungen der Figuren und all deren Fantasien, Probleme und Fetische hat einfach unglaublich viel Spass gemacht! Da waren perverse Ideen darunter, welche ich nicht Mal von Edward Lee kenne. Und das will was heissen! Nur im Finale flacht der Plot dann etwas ab und Erklärungen gibt es (natürlich) nicht. Dafür aber eine Hommage an Header (von Edward Lee)!

 

Fazit: Wer die kranke Fantasie der Romane von Edward Lee mag, kann hier bedenkenlos zuschlagen! Mir hats besser gefallen als erwartet, so dass ich mich mit Carlton Mellick III genauer beschäftigen werde…

 

Infos:

 

In Deutschland erschienen: Ja

 

Sprache: Deutsch

 

 Verlag: Festa

 

Anzahl Seiten: 204

 

 Roman/Sachbuch: Roman

 

Art: Gebunden

 

Autor: Carlton Mellick III

 

Erschienen: Einmalige Auflage September 2021 / limitiert auf 1111 Stück