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Mittwoch, 10. Januar 2018

Manson Review



Manson

Story:

Der Film erzählt die Geschichte von Charles Manson (Marcelo Games) und seiner Manson Family – die Entwicklung der Familie (mit viel Sex, Drogen, Predigten, versuchter Karriere seitens Manson) bis hin zu den bekannten Morden (Tate und LaBianca Morde), Interviews mit ehemaligen Manson Mitgliedern (nicht echt), Szenen aus einem (fiktiven) TV-Studio, dessen Angestellte von einer Gruppe Manson Jünger, welche ihrem Idol nacheifern, bedrängt und heimgesucht werden…

Meine Meinung:

Manson ist ein langjähriges Projekt (zehn Jahre) des Amateur-Filmemachers Jim Van Bebber, den Horrorfans vor allem wegen seinem Deadbeat At Dawn (soll 2018 von Arrow Video erscheinen) kennen dürften. Der Amerikaner (dachte immer sei Holländer), der sich in der Szene definitiv einen Namen gemacht hat, war vor allem für seine Kurzfilme bekannt.

Auch Manson, der eigentlich The Manson Family heisst, war ein abgedrehtes und schwieriges Projekt teilweise mit echtem Sex und Drogengebrauch. Jim Van Bebber, der im Film Bobby spielt und auch für die ultrabrutalen Effekte verantwortlich war inklusive Produzent, soll den Film u.a. gar mittels Blutspenden finanziert haben. Darsteller Marcelo Games, ein schüchterner Freund des Regisseurs, soll das Projekt auch frühzeitig verlassen haben und schlussendlich war es wohl dem US-Label Blue Underground zu verdanken, dass der Film überhaupt jemals auf Heimmedium sprich DVD erschienen ist, nachdem er viele Jahre zuvor nur an unbekannten Festivals zu sehen war. Blue Underground hat den Film, nachdem ein früher Cut an Filmfestivals lief, die Post-Produktion finanziert, so dass Jim Van Bebber die heutige bekannte Fassung verwirklichen konnte (feierte 2003 am London FrightFest Festival Premiere).

Als ich den Film 2004 das erste Mal sah, wusste ich noch kaum etwas von Charles Manson, einem der bekanntesten Killer der amerikanischen Geschichte nebst vielen anderen wie Ed Gein, Henry Lee Lucas, John Wayne Gacy, Jeffrey Dahmer, Ted Bundy, Richard Ramirez, Albert Fish oder Fritz Haarmann (Deutsche Geschichte) obwohl er selbst, übrigens diesen Monat verstorben, selbst nie jemanden umgebracht hat sondern seine Anhänger und Jünger. Wenn man sich mehr mit dem Horror-Genre, Hintergründen, Inspirationen etc. befasst, stösst man irgendwann früher oder später auf diesen oder einige der oben genannten Namen. Denn zum Teil waren sie, besonders in den USA, berühmt berüchtigt und/oder haben die Popkultur geprägt.

Charles Manson = Sänger Marilyn Manson wählte seinen Künstlernamen u.a. wegen Charles Manson aus, es gibt unzählige Dokumentationen, Filme (z.B. Helter Skelter von 2004) oder TV-Serien über ihn (z.B. Aquarius mit David Duchovny). Auch über die anderen Serienkiller gibt es Filme: Fritz Haarmann = Der Totmacher mit Götz George, Ed Gein = Inspiration für Filme wie Blutgericht In Texas, Psycho oder Deranged, Henry Lee Lucas = wurde in der verstörenden True Crime Inszenierung von John McNaughton in Henry – Portrait Of A Serial Killer verfilmt, in Deutschland von Bildstörung als Blu Ray erhältlich, John Wayne Gacy = wurde verfilmt (Dear Mr. Gacy 2010, auf einem echten Hintergrund beruhend), Jeffrey Dahmer = lief am Fantasy Film Fest 2017 der neue Film My Friend Dahmer der die Jungendzeit des Killers zeigen soll, Albert Fish = wird von Sid Haigs Figur in Haus der 1000 Leichen zitiert, Jack The Ripper = Verfilmt in From Hell mit Johnny Depp oder Andrei Chikatilo = die Story zum russischen Serienkiller wurde vom US-Sender HBO verfilmt (Citizen X, 1995). Das neuste Beispiel dürfte die Netflix Serie Mindhunter sein (über Jagd zu Serienkiller, US FBI Profiler), welche auf dem FBI Agenten Robert K. Ressler bzw. dessen Arbeiten basiert (wenn man Bücher zum Thema US Serienkiller liest, wird man früher oder später auch auf Robert K. Ressler stossen).

Nun nahm sich Jim Van Bebber diesem Stoff an, der damals ganz Hollywood in Angst und Schrecken versetzte. Der Film, ein Mix aus Amateur-, Arthouse und Experimentalfilm, spielt sich auf mehreren Ebenen ab. Der Film erzählt 1. die Story um Charles Manson (hält sich mehr oder weniger an die Tatsachen). 2. erzählt der Film die Geschichte eines fiktiven Reporters, welche eine Manson Doku gedreht haben. Diese werden als 3. Story-Strang von einer Gang von Satanisten, welche Manson huldigen, in der heutigen Gegenwart, bedroht. Als 4. Story-Element kommen Interviews mit ehemaligen Manson Jüngern zum Einsatz, welche jedoch nicht echt sind (wusste ich als Greenhorn 2004 bei der Erstsichtung noch nicht).

Das sorgt für einen nicht uninteressanten, teilweise sehr abgedrehten, bunten, wilden, kruden und experimentellen Mix, den man sich als Fan des Regisseurs gut ansehen kann. Alle anderen Zuschauer, welche mit Amateur-Filmen nichts anzufangen vermögen, seien gewarnt: das ist kein Film, der euch gefallen wird, Interesse an Manson hin oder her – da empfehle ich lieber eine Dokumentation oder andere Filme zu schauen (z.B. Helter Skelter). Die Amateur-Darsteller haben ihre Sache gut gemacht. Die nicht gradlinige Story ist nicht förderlich, sofern man sich mit Mansons Hintergrundgeschichte nicht expliziter befasst hat soll heissen: erschwert das Schauen, da man bei der Sache sein muss – auch wegen den vier Story-Elementen und Zeitsprüngen ist es gut, wenn man sich über Manson und seine Taten im Voraus ein wenig informiert. Daher empfand ich z.B. Deadbeat At Dawn auch als unterhaltsamer im Sinne des Mediums Film – da eine fiktive, total überdrehte Story an welcher man sich auch erfreuen kann (auch wegen den schön blutigen Spezialeffekten). Der Unterhaltungswert in Manson hingegen ist nicht gegeben – obwohl die Effekte auch stark in Szene gesetzt sind. Im Wissen des realen Hintergrundes sind diese Szenen harter Tobak und schockieren erfolgreich anstatt «zu unterhalten». Man muss jedoch bis zum letzten Viertel des Filmes warten, was hier und da, wenn man sich mit Manson und Materie schon gut befasst hat, auch für einige Längen sorgen kann.

Fazit: Für Jim Van Bebber zu empfehlen! Wer mit Amateurstreifen nichts anzufangen vermag, sollte den Film meiden, auch als Charles Manson «Fan»...

Infos:

O: The Manson Family

USA 1997

R: Jim Van Bebber

D: Jim Van Bebber, Marcelo Games, Marc Pitman, Leslie Orr, Sage Stallone, Maureen Allisse

Laufzeit der tschechischen DVD: 92:25 Min.

Gesehen am: Jugendzeit (Dez. 2004) / Review überarbeitet am: 03.12.17

Fassungen: Mir lag die tschechische DVD von Intersonic vor, welche ich damals in meiner Jugendzeit an einer Zürcher Filmbörse gekauft habe. O-Ton Englisch liegt vor, aber keine englischen Subs. Uncut, gute Bildqualität. Titel des Filmes/DVD: Manson. Die dt. DVD ist stark cut, nicht zu empfehlen. Wer englische Subs will muss die Anchor Bay DVD aus UK kaufen (nicht Leih DVD) oder die US DVD von Dark Sky Films. Wer eine Blu Ray will muss zur UK Fassung von Severin greifen (keine englischen Subs) oder zur Fassung von Dragon (In Deutsch und Uncut, da über Österreich veröffentlicht, keine Subs zum O-Ton).

Kommentare:

  1. Hi, du bringst es auf den Punkt. Man muss auf den Amateur Look stehen - eben auch als Manson Interessierter. Bin schon gespannt was Tarantino aus der Materie macht?

    Grüess

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    1. Bin auch gespannt was Tarantino aus dem Stoff machen wird!

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