Swordsman
Story:
Eine wertvolle Schriftrolle wird gestohlen. Wer die Inhalte
dieser Schriftrolle kennt und umsetzen kann, der wird unbesiegbar sein. Der
oberste Richter (Lau Shun) und seine rechte Hand (Jacky Cheung) machen es sich
zur Aufgabe, die Schriftrolle zu finden. Dazu haben sie auch Dritte (u.a. Yuen
Wah) beauftragt. Auch diverse Clans sind hinter dieser her. Ling Wu Chung (Sam
Hui) sowie Kiddo (Cecilia Yip Tung) geraten in einer Färberei zwischen die
Fronten der Parteien…
Meine Meinung:
Swordsman ist der Auftakt in eine dreiteilige Wuxia-Reihe mit
fantasievollen Kämpfen, unzähligen Figuren und rasanter Wire-Work-Action. Obwohl
die Dreharbeiten von Swordsman durch diverse Tatsachen chaotisch waren und
zudem in die Länge gezogen wurden, wirkt das Endergebnis rund und
zufriedenstellend. Je nach Datenbanken sind nämlich ganze fünf bis sechs Namen
als Regisseure geleistet: Tsui Hark (The Blade), King Hu (Come Drink with Me),
Ann Hui (The Secret), Andrew Kam (The Big Heat), Ching Siu-Tung (Duel to the Death) sowie Raymond Lee Wai-Man (Dragon Inn).
Tsui Hark wollte sein Idol King Ku auf dem Regiestuhl haben.
Doch unterschiedliche Ansichten und Differenzen inklusive des
Gesundheitszustands von King Hu sorgten dazu, dass dieser vor Beendigung des
Filmes seinen Posten verliess. Dadurch wurde das Projekt vorübergehend auf Eis
gelegt. Auf Druck von Produzenten und Investoren ging es später weiter und Tsui
Hark sah sich gezwungen, selbst Regie zu führen. Da er jedoch noch in anderen
Projekten feststeckte, wurden Ann Hui (sie half King Hu noch in Taiwan), Ching
Siu-Tung (er sorgte für die Actionchoreographie), Raymond Lee Wai-Man & Andrew
Kam angeheuert, damit sich Tsui Hark zeitweise auch anderen Produktionen widmen
konnte.
Wie gesagt, dem Film sieht man diese "Störungen" nicht negativ an.
Von den Originalszenen von King Hu soll nur sehr wenig Material im Film
gelandet sein. Der Film wirkt in der Tat wie ein typischer 90er Jahre Wuxia à
la Tsui Hark und Ching Siu-Tung. Es handelt sich bei dem Erstlingswerk der
Reihe übrigens um eine Wuxia Literatur Verfilmung. Verfilmt wurde die
Geschichte The Smiling, Proud Wanderer. Ob diese gelungen ist, kann ich nicht
beurteilen, da ich diese nicht kenne. Swordsman sah ich seit fast 20 Jahren
nicht mehr. Der Film hat die Neusichtung bestanden. Der Film erreicht jedoch
keine Kracher-Qualitäten. Dafür gab es die ein oder andere lahme Sequenz. Mit
einer Laufzeit von fast zwei Stunden war der Film auch zu lang.
Zudem gab es mind. drei Gesangsmomente, die ich zum
Fremdschämen fand und die ich spulen musste. Da aber Sam Hui (The Private Eyes,
Aces Go Places II, The Last Message) die Hauptrolle verkörperte (auch Sänger),
war klar, dass er auch singen würde. Er bringt je nach Szene auch etwas zu viel
Humor in den Film und ihm nehme ich den Action-Star nicht ganz ab, auch wenn er
in der Hinsicht auch in anderen Filmen erfolgreich war (Dragon from Russia).
Die Auftritte von Wu Ma (14 Blades) sowie Lam Ching-Ying (mit total billigem
Fake-Bart) hätte man genau so gut streichen können. Die bringen kaum Mehrwert
und werden gegen Ende als Flashback sogar nochmals unnötig wiederholt.
Wo der Film für mich nebst den rasanten und fantasievollen
Actionmomenten überzeugte, war seine Wahl der Bösewichte. Yuen Wah (Iceman Cometh, Kung Fu vs. Acrobatic) war sehr solide und noch mehr Freude
hatte ich Jacky Cheung (Bullet in the Head, Tiger Cage) sowie Lau Shun. Jacky
Cheung passt mir manchmal gar nicht (z.B. Bullet for Hire). Hier war er aber
von Anfang an stark, da er einen Bösewicht und die rechte Hand des
Oberbösewichts spielt. Ohne humorvolle Slapstick-Einlagen. Und in dieser Rolle gefiel
er mir ausserordentlich gut. So auch Lau Shun (The Ultimate Vampire), der am
29.06.26 verstorben ist. Er spielt den Eunuchen (in den deutschen Untertiteln
als «oberster Richter») und Hauptbösewicht (und ich liebe das in dem Genre,
wenn Eunuchen die Endgegner sind) und jede Szene mit ihm war ein Genuss. Die
Färberei (welche fast wie ein abgelegenes Gasthaus wirkt) hatte zudem Dragon
Inn, The Green Dragon Inn und Co. Vibes.
Fazit: 90er Jahre Wuxia-Fans zu empfehlen!
Gefolgt von: Swordsman II
Infos:
O: Siu Ngo Gong Woo
HK, TW 1990
R: Tsui Hark, King Hu, Ann Hui, Andrew Kam, Ching Siu-Tung, Raymond
Lee Wai-Man
D: Lau Shun, Jacky Cheung, Yuen Wah, Sam Hui, Cecilia Yip
Tung, Lau Siu-Ming, Sharla Cheung Man, Fennie Yuen Kit-Ying, Wu Ma, Lam
Ching-Ying
Laufzeit der deutschen DVD: 113:02 Min.
Gesehen am: Juni 2008 / Neusichtung am: 01.06.26
Fassungen: Mir lag die deutsche DVD von e-m-s vor = reguläre
HK-Fassung Uncut, in Deutsch/Kantonesisch mit deutschen Subs, sehr gute Bild-
und Tonqualität. Die Taiwan-Fassung (ZDF-Free TV, deutsche Blu-Ray von T&G
Vision Film / Cargo Records, deutsche VHS-Fassungen) ist länger, aber die
Erweiterungen sind bis auf eine Szene (blutige Handgelenkverletzung von einer
Sekunde) vernachlässigbar. In Deutschland ist der Film als Meister des
Schwertes veröffentlicht worden.