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Samstag, 4. Juli 2026

Fifteen

NIFFF 2026 Spezial

Fifteen

Story:

Ligia und Mayte (Greta Martí, Macarena Oz) werden bald 15 Jahre alt und freuen sich auf ihre Quinceañera (= «ein traditionelles lateinamerikanisches Fest zum 15. Geburtstag eines Mädchens»). Doch als Ligia von ihrem Freund, der infiziert scheint, schwanger wird, hat das ungewollte Folgen und die Quinceañera wird anders, als erhofft…

Meine Meinung:

Fifteen ist ein mexikanischer Beitrag und ein Mix aus Sozialkritik (Abtreibungen, Klassenunterschied, Mobbing, Gesellschaftliche Erwartungen), Coming of Age, Komödie und Body- sowie Schwangerschaftshorror und erinnert dabei inhaltlich an Filme wie Carrie oder Ginger Snaps. Der Film ist kein Kracher, aber am heutigen ersten NIFFF-Tag fühlte ich mich während Fifteen am besten unterhalten, was meine drei Vorstellungen betrifft.

Ich sah am NIFFF zwar schon bessere Coming of Age Filme (= Alpha, Grave), aber auch schlechtere (= Mi bestia) oder in etwa gleich gute (Teddy, It Lives Inside). Fifteen war für meinen Geschmack mehr oder weniger unterhaltsam, auch wenn es hier und da einige Mängel und Hänger gab. Manchmal ging der Film ein Schritt vorwärts, und danach gleich wieder zwei Schritte zurück. Das Brüder-Regisseuren-Paar ist zumindest in Mexiko für ihre Independent-Filme bekannt. Vor Fifteen drehten sie bereits einen Horrorfilm mit Bodyhorror-Elementen (The Containment).

Fifteen hat mir vor allem deshalb gefallen, da sich der Film nicht ernst nimmt, ich ihn auf eine Art und Weise wirklich auch amüsant fand, es praktische Effekte gab statt CGI Gore (auch wenn nur wenige) und am besten waren die zwei jungen Schauspielerinnen Greta Martí und Macarena Oz. Die waren herausragend. Auch die anderen Jung-Darstellerinnen haben Spass gemacht, auch wenn ihre Rollen bewusst überzeichnet dargestellt wurden (z.B. die reiche Göre). Da haben die Filmemacher aber auch gekonnt damit gespielt. So wird z.B. die Figur, die am meisten nervt, am Ende am brutalsten getötet.

Von den beiden Mädels scheint zumindest Greta Marti keine Erfahrungen im Filmgeschäft zu haben. Ein beachtliches Debüt. Einige der Erwachsenendarsteller spielten bereits in Genre-Filmen mit, welche ich auch am NIFFF oder am BIFFF gesehen habe (Huesera: The Bone Woman, Deus Irae). Richtig spannend ist der Film nicht, dennoch fühlte ich mit den Mädels mit und hoffte, dass am Ende beide wieder zusammenfinden. Dass ich mit den Figuren sympathisiert habe, spricht auch für die Inszenierung. 

Inhaltlich und wie der Film inszeniert wurde, wirkte der Film aber hier und da steinig. Nach Nachvollziehbarkeit und Logik sollte nie gesucht werden. Wer den Film zu realistisch nimmt, dürfte sich dabei den Kopf zerbrechen. Mehr Tempo, mehr Horrorparts und mehr handgemachte Effekte wären dem Film sicher gutgestanden. Dass es jedoch bei solchen Independent-Produktionen nicht unendlich Budget für Effekte gibt, sollte sich jedoch auch von selbst verstehen.

Fazit: Absolut ok!

Infos:

O: Quince

Mexiko, Argentinien 2026

R: Jack Zagha Kababie, Yossy Zagha

D: Greta Martí, Macarena Oz, Aminta Ireta, Enrique Arreola, Mercedes Hernández, Cloe Juresa Furgan

Laufzeit der Kinofassung: Ca. 97 Min.

Gesehen am: NIFFF 2026

Fassungen: Gesehen am NIFFF 2026 im Originalton und ggf. mit englischen Untertiteln. Es gibt noch keine DVD, Blu-Ray oder UHD (Stand: Juli 2026).

Freitag, 15. Mai 2026

Born Under Crossed Stars

 

Born Under Crossed Stars

Story:

Japan in den 20ern:

Jûkichi Suzuki (Ken Yamauchi) ist ehrgeizig und will was werden. Er gerät mit seinem Vater in Konflikt und später sind es zwei Frauen, die ihm den Kopf verdrehen. Taneko (Yumiko Nogaw) ist modern, frech und charmant. Suzuko (Masako Izumi) ist traditionell und altmodisch veranlagt. Nach und nach gerät Jûkichis Leben aus den Fugen und er kämpft gegen seine eigenen Prinzipien an…

Meine Meinung:

Mit Born Under Crossed Stars habe ich Arrow Videos Edition Seijun Suzuki the Early Years Vol. 1 endlich beendet. Und ich muss sagen, dass der Kauf für mich ein Fehlkauf darstellt. Die Frühwerke von Seijun Suzuki (The Boy Who Came Back, The Wind-of-Youth Group Crosses the Mountain Pass, Teenage Yakuza sowie The Incorrigible) sind, zur Liebe zu den späten Klassikern (Detective Bureau 2-3: Go to Hell Bastards!, Branded to Kill, Tokyo Drifter, Youth of the Beast) des Regisseurs, nicht meine Kragenweite. Definitiv nicht.

Es sind vielleicht zwei ganze Filme aus dem Set, die leicht besser sind (Teenage Yakuza und The Incorrigible), aber dennoch von Must See Titeln weit entfernt sind. Und den Rest kann man knicken. Born Under Crossed Stars wartet teilweise mit dem gleichen Cast aus The Incorrigible auf. Letzterer war aber besser. Born Under Crossed Stars ist zwar gut gespielt und optisch schick, aber der Inhalt fesselt wenig. Der Film war mir auch viel zu lustig. Das hätte ich nicht erwartet und war störend. So muss man um die Figuren nie Angst haben und der Film, der Coming of Age und New Wave Vibes beinhaltet, wirkt dadurch zu wenig dramatisch. Die komischen und lustigen Momente haben hier definitiv gestört.

Was den Cast angeht, macht vor allem Yumiko Nogaw eine gute Figur. Sie spielte auch in späteren Filmen von Seijun Suzuki mit (Gate of Flesh sowie Story of a Prostitute) und war auch abgesehen davon in vielen Genre-Filmen zu sehen (Hokuriku Proxy War, Killer’s Mission). Ken Yamauchi war aufgrund des Overacting wenig überzeugend. Er konnte danach auch nicht wirklich auf eine bekannte Filmographie zurückblicken. Masako Izumi (Haunted Samurai) war solide, aber bliebt im Schatten von Yumiko Nogaw. Alles in allem machten die Schauspieler ihre Sache solide.

Fazit: Kein Must Have Titel, auch nicht für Fans von Seijun Suzuki!

Infos:

O: Akutarôden: Waruihoshi no Shita Demo

Japan 1965

R: Seijun Suzuki

D: Ken Yamauchi, Masako Izumi, Yumiko Nogaw, Jun Tatara, Kotoe Hatsui, Masahiko Tanimura, Masao Mishima

Laufzeit der UK-Blu: 96:52 Min.

Gesehen am: 15.05.26

Fassungen: Gesehen via UK-Blu-Ray von Arrow Video (Seijun Suzuki the Early Years Vol. 1) = Hervorragende Bild- und Tonqualität, fünf Filme und Booklet in einem Set (jeweils auf DVD und Blu-Ray), in Japanisch mit englischen Subs. Born Under Crossed Stars ist zensiert (Hahnenkämpfe). Es gibt keine deutsche Fassung (Stand: Mai 2026).

Freitag, 2. Januar 2026

The Incorrigible

Japanuary 2026

The Incorrigible

Story:

Togo Konno (Ken Yamanouchi) ist ein schwieriger Jugendlicher. Deshalb wird er von seiner Mutter bei einem Bekannten, der in einer anderen Stadt lebt, abgeladen. Sie verlässt ihn danach. Bei dem Bekannten soll er zu etwas werden. Doch auch hier bringt sich Togo in Schwierigkeiten, als er aneckt und/oder sich verliebt…

Meine Meinung:

Im Grossen und Ganzen würde ich heute sagen, dass der Kauf dieser Edition (Seijun Suzuki the Early Years Vol. 1) ein Fehler war. Ich wurde erst 2017 auf Seijun Suzuki aufmerksam. Dank dem NIFFF. Das war ein tolles Jahr, seine besten Filme im Kino entdecken zu dürfen. Und dabei hätte ich es auch bleiben sollen. Die Frühwerke von Seijun Suzuki sind eigentlich, für meinen Geschmack, keine Must See oder Must Have Titel. Das ist auch der Grund, warum ich mich so schwertue, die Filme der Box, anzusehen. Und ich bekam die Box im Feb. 2018.

The Incorrigible ist zwar nach Teenage Yakuza der zweite bessere Titel aus der Box, aber dennoch nichts, was ich eigentlich in der Sammlung stehen haben müsste, um es mal neutral auszudrücken. Die Handlung von The Incorrigible spielt im Jahr 1910. Der Film ist ein Mix aus Drama und Coming of Age. Gangster- oder Yakuza-Settings sucht der Zuschauer fast vergebens. Ich mochte den Mix aus Drama und Coming of Age, auch wenn ich zuerst einen Gangster-Film erwartet hatte.

Der Film ist stark gespielt. Die Darsteller sind mir namentlich nicht bekannt. Lead Ken Yamanouchi spielte zwei Jahre später in Seijun Suzukis Born Under Crossed Stars mit. Das ist der letzte Film aus der Box, den ich mir noch ansehen muss. Ken Yamanouchi hatte seinen filmischen Höhepunkt in den 60ern. Masako Izumi, die die weibliche Rolle spielt, kenne ich u.a. aus dem Samuraifilm Haunted Samurai. Beide harmonieren gut in dem Film. Es knistert richtig und eigentlich wünscht man beiden ein Happy End. Aber das es anders kommt, war fast zu erwarten (was ich aber auch mochte).

Und was Asao Sano (Cops vs. Thugs) angeht, den sah man später noch in weiteren Filmen von Seijun Suzuki = Kagero-za, Fighting Elegy oder Detective Bureau 2-3: Go to Hell, Bastards!. Die Darsteller machen ihre Sache ordentlich, auch unter der Berücksichtigung ihres z.T. jungen Alters. Der Film ist optisch schön gefilmt und die Schwarzweissbilder sind stimmungsvoll. Die Settings wie auch die Kostüme wirken authentisch. Eine gewisse Naivität der Figuren und/oder Vorhersehbarkeit des Plots waren leicht schade, aber abgesehen davon hat der Film als Drama und Coming of Age Film bestens funktioniert.

Fazit: Kein Must See Titel, aber Fans von Seijun Suzuki können einen Blick riskieren!

Infos:

O: Akutarô

Japan 1963

R: Seijun Suzuki

D: Ken Yamanouchi, Masako Izumi, Midori Ashiro, Chiharu Kuri, Shinsuke Ashida

Laufzeit der UK-Blu: Ca. 95 Min.

Gesehen am: Jan. 2026

Fassungen: Gesehen via UK-Blu-Ray von Arrow Video (Seijun Suzuki the Early Years Vol. 1) = Uncut, O-Ton, englische Subs, hervorragende Bild- und Tonqualität. Es gibt keine deutsche Fassung (Stand: Jan. 2026).

Samstag, 13. September 2025

Nomad Review

Nomad

Story:

Zwei Pärchen (Pat Ha Man-Jik, Leslie Cheung, Cecilia Yip Tung, Kent Tong Chun-Yip) geniessen das Leben, lieben sich, haben Träume. Sie verbringen die Zeit auf einer Insel. Vor der Küste befindet sich ihr Segelboot. Die Nomad. Auf dieser befindet sich Shinsuke (Stuart Ong), der kurz zuvor aus Japan nach Hong Kong kam. Auf der Flucht vor der Japanese Red Army…

Meine Meinung:

Die letzte Sichtung von Nomad, einem New Wave Film aus dem Jahr 1982 und einer Hong Kong Produktion, ist 13 Jahre her. Dazumal gefiel mir der Film nicht wirklich. Jedoch waren auch andere Gründe dafür verantwortlich, an deren Einfluss ich nichts ändern konnte. Die Fassung war zensiert und die Inhaltsangabe der HK-DVD soll falsch und nicht sinngemäss gewesen sein (gemäss meinem alten Review), so dass ich dazumal mit falschen Erwartungen an den Film ging.

Regie führte Patrick Tam, der schon die sehenswerten Filme The Sword, Love Massacre sowie My Heart Is That Eternal Rose realisiert hat. Nomad reiht sich gut in diese Titel ein und der Film hat mir heuer in einer würdigen Fassung auch deutlich besser als früher gefallen. Der Film, der 1983 an den HK-Film Awards für 14 (!) Preise nominiert war, gefällt durch seinen Genre-Mix (Drama, New Wave, Coming of Age, Love-Story), seine visuellen Einfälle (die dank der neuen Restauration auch voll zur Geltung kommen) und einem starken Cast von dazumal noch neuen, unverbrauchten Jung-Darstellern.

Leslie Cheung (Rouge, A Chinese Ghost Story 2, Little Dragon Maiden) ist sicher der bekannteste Name, der im Film mitspielt. Aus ihm sollte ein grosser Star werden und dank seinem tragischen und zu frühen Ableben geniesst er bei vielen Fans Kultstatus. Interessant, dass er hier schon homosexuelle Tendenzen an den Tag legte, die er später auch in anderen Rollen (und/oder im echten Leben) ausleben sollte. Kent Tong Chun-Yip (Red Spell Spells Red, Vengeance Is Mine) war ebenso überzeugend und stark waren auch die Mädels um Pat Ha Man-Jik und Cecilia Yip Tung.

Das war die zweite Rolle von Cecilia Yip Tung (Esprit D'amour, Coolie Killer) und die erste Rolle von Pat Ha Man-Jik (Profile in Anger, My Name Ain't Suzie). Beide spielen sehr verschiedene Persönlichkeiten und beide machen das absolut überzeugend. Starke Leistungen für dazumal neue und junge Darsteller. Als Japaner und in einer Nebenrolle ist Stuart Ong (Robotrix, Maybe It's Love) zu sehen, der seine Sache auch ordentlich macht.

Fazit: Optisch wunderschön und die letzten fünf Minuten sind ein starker Tonwechsel und an Dramatik kaum zu übertreffen!  

Infos:

O: Lie huo qing chun

HK 1982

R: Patrick Tam

D: Leslie Cheung, Pat Ha Man-Jik, Cecilia Yip Tung, Kent Tong Chun-Yip, Stuart Ong, Yu Ka-Man

Laufzeit der UK-Blu: 92:40 Min.

Gesehen am: Jan 2012 / 2. Sichtung: 13.06.25

Fassungen: Die alte HK-DVD war zensiert. Ebenso die jap. DVD, die aber scheinbar länger lief und/oder gewisse zensierte Szenen als Bonus auf der Disc hatte. Nun hat das UK-Label Radiance Films den Film als 4K Restauration und als Director’s Cut veröffentlicht = 4K-Restauration, Uncut-Fassung, Booklet (mit Interview), diverse Extras, O-Ton, Subs. Die Bild- und Tonqualität sind der Wahnsinn und das kommt dem Film und der Farbgestaltung sehr gut zu stehen. Was die Extras angehen empfand ich jenes von Tony Rayns am besten. Warum? Der zeigt sogar Szenen einer Workprint-Fassung mit alternativen Szenen, die auch im DC so nicht zu sehen sind (Leslie Cheung hört die Musik seiner Mutter und masturbiert dazu). Spannende Hintergrundinfos. Es gibt keine deutsche Fassung (Stand: Juni 2025). Zusammen mit My Heart Is That Eternal Rose in einem Set veröffentlicht worden.

Donnerstag, 7. August 2025

Thirteen

 

Shawgust 2025

Thirteen

Story:

Die 13jährige Lu Chih-Pai (Tien Niu) verguckt sich in «ihren Onkel» Shih Hsin-Chiao (Ling Yun). Sie beginnt für ihr zu schwärmen. Doch Shih Hsin-Chiao ist nicht interessiert. Da trifft Lu Chih-Pai auf den Macho Hung Sen (Wong Yu). Letzterer vergewaltigt und schwängert sie. Lu Chih-Pai will abtreiben, doch ihr fehlt das Geld. Dazu kommt, dass ihr Vater im Krankenhaus im Sterben liegt. Soll sie Shih Hsin-Chiao um Hilfe bitten?

Meine Meinung:

Auf der Suche nach Titeln für meinen «Shawgust» wollte ich auch Titel integrieren, die ich nur via ZiiEagle-Box schauen kann. Da gibt es noch Filme aus Genres abseits des Kung Fu Kinos = Musicals, Dramen, Komödien oder Erotik-Filme. Ich stiess auf den Film Thirteen von Regisseur Sung Tsun-Shou. Letzterer hat in seiner Karriere vor allem Dramen gedreht und war eigentlich kaum für die Shaw Brothers aktiv. Ein-zwei Filme stechen aus seiner Karriere jedoch heraus und sind untypisch für seine Genre-Wahl. Zum einen der taiwanesische Schwertkampffilm Iron Petticoat, zum anderen Filme mit Ghost (Ghost of the Mirror = mit Brigitte Lin drehte er mehrfach) oder Fantasy-Inhalten (The Legend of the Parrot = gibt es als VHS in Südkorea). Ungesehen (und als US-VHS) liegt mir noch sein Hard Man with Guts vor.

Bei Thirteen handelt es sich um einen Mix aus Drama, Love-Story und Coming of Age-Film. Anhand einiger Infos, welche ich im Netz finde, handelt es sich um eine Verfilmung eines Romans einer Frau. Das Ende wurde für den Film abgeändert (im Roman schlägt sich das junge Mädel am Ende allein durch, im Film braucht sie am Ende die Hilfe ihres Onkels). Das Originalende hätte mir mehr zugesagt. Der Film ist solide, aber nichts für die private Film-Sammlung (auf DVD, Blu-Ray etc.). Tien Niu (Lackey and the Lady Tiger, City War, Just Heroes), damals 15 oder 16 Jahre alt, spielt eine 13jährige. In ihrer Sex/Nacktszene (in der ZiiEagle Fassung zensiert) kam ein Body-Double zum Einsatz. Sie spielt das naiv und gut. Mit gekonnt gewolltem Lolita-Effekt.

Abgesehen von dieser einen Szene ist der Film in keiner Art und Weise explizit und wirklich nur ein harmloses Drama. Ling Yun (Eagle Flying in September, The Beauty Escort), in diversen Shaw-Arbeiten zu sehen (Killers on Wheels), war solide. Aber nicht erwähnenswert gut oder eine Leistung, die in Erinnerung bleiben wird. Sehr überzeugt und interessant empfand ich hingegen die Rolle des jungen Wong Yu (Executioners from Shaolin, Dirty Ho, The Young Avenger). Er, der mich in vielen Shaw-Filmen aufgrund seines Comic-Charakters nervte, überzeugt hier als «Playboy», der sich dem jungen Mädel annimmt, sie zum Sex zwingt und sie schlussendlich schwängert. Er war in dieser für ihn ungewohnten Rolle überzeugend und eine gute Wahl.

Fazit: Solides Drama!

Infos:

O: Zao Shou

HK 1974

R: Sung Tsun-Shou

D: Tien Niu, Ling Yun, Wong Yu, Gigi Wong Suk-Yee, Teresa Ha Ping, Chin Han

Laufzeit der ZiiEagle Fassung: Ca. 90 Min.

Gesehen am: Aug. 2025

Fassungen: Gesehen via ZiiEagle Box = gute Bild- und Tonqualität, O-Ton, englische Subs aber nicht ganz Uncut. In der Sexszene zwischen Tien Niu und Wong Yu fehlen ca. sechs Szenen (Nackt-Szenen und die Vergewaltigung und weitere Szenen nach dem Akt). Uncut dürfte die DVD aus Taiwan von Deltamac und die aus Hong Kong von IVL sein. Es gibt keine Blu-Ray und keine deutsche Fassung (Stand: Aug. 2025).

Samstag, 12. Juli 2025

Alpha

NIFFF 2025 Spezial

Alpha

Story:

Ein unbekanntes und tödliches Virus verbreitet Angst und Schrecken. Als sich die 13jähjrige Alpha (Mélissa Boros) auf einer Party ein Tattoo stechen lässt und sich die Wunde infiziert, löst dies in ihrem schulischen Umfeld Angst, Mobbing und Stigmata aus. Alphas Mutter (Golshifteh Farahani), die im örtlichen Krankenhaus arbeitet, hat alle Hände voll zu tun. Nebst dem Virus und der infizierten Wunde von Alpha taucht noch ihr drogensüchtiger Bruder (Tahar Rahim) bei ihr auf, was für zusätzliche Spannungen sorgt…

Meine Meinung:

Als ich sah, dass es sich bei Alpha um den neuen Film von Julia Ducournau handelt, war ein Besuch am NIFFF beschlossene Sache. Ihr Raw gefällt mir auch heute noch aussenordentlich gut und schon den sah ich dazumal am NIFFF (2017). Ich wusste über Alpha praktisch nichts. Die Inhaltsangabe oben habe ich nach der Sichtung angepasst. Mein Vorwissen bezog sich auf zwei Elemente: es geht um einen Virus und die 13jähjrige Alpha lässt sich ein Tattoo stechen. Ich erwartete einen Mix aus Coming of Age und Bodyhorror (zum Teil wird der Film auch als Bodyhorror Film bezeichnet).

Mehr wusste ich nicht. Dass der Film z.B. in den 80ern spielen soll, wurde mir während der Sichtung nicht klar (hätte mir auffallen müssen, da niemand ein Handy hat). Dass das Virus übergeordnet für den HIV-Virus steht, hatte ich so auch nicht interpretiert (ich dachte zuerst mehr daran, dass das Covid-Thema im Film eingeflossen ist). Der Kumpel (aus Zürich, der auch am NIFFF war) und viele negative Rezessionen liessen meine Erwartungen vor der Sichtung in den Keller senken bzw. ich ging neutral an den Film heran. Ich versuchte, mich davon nicht beeinflussen zu lassen. Der Film fühlte sich wie ein Überraschungs-Ei an. Ich wusste nicht, was mich wirklich erwarten würde. Nach der Sichtung kann ich sagen, dass ich positiv überrascht wurde.

Alpha hat mich zum Teil emotional sehr berührt und hat meine sensible Seite stark getroffen, auch wenn die Musik in einigen Szenen leider unpassend gewählt war, fand ich. Der Film hat meiner Meinung nach nichts mit Bodyhorror zu tun, auch wenn die Infizierten sich körperlich (phantastisch) verändern. Ich sehe das mehr als Metapher. Dass es sich im Film um das HIV-Virus handeln soll, wird nie gesagt. Das Virus bekommt im Film keinen Namen und der Plot mit dem Virus ist nur das Setting und die Rahmenhandlung. Es geht per se aber nicht darum. Auch die Coming of Age Szenen sind zahlenmässig kleiner als erwartet.

Es geht mehr um Inhalte wie Sucht, Co-Abhängigkeit, Traumata, Verlust und Tod inklusive soziokultureller Themen. Das waren die zentralen Inhalte des Filmes und der drei Hauptfiguren. Und die mir unbekannten Darsteller haben ihre Sache einfach grandios gemacht. Intensives Schauspiel von Mélissa Boros, Golshifteh Farahani sowie Tahar Rahim (spielt in Inside einen der Polizisten). Da hat es einige Szenen, die gefühlsmässig unter die Haut gehen und Emotionen auslösen können. Der Film ist im Vergleich zu Raw viel sperriger und weniger dem Mainstream unterzuordnen. Der Film ist ruhig. Der Plot wird nicht immer chronologisch erzählt und Gegenwart und Vergangenheit verschmelzen auch Mal.

Fazit: Stark! Landet auf der Wunschliste!

Infos:

O: Alpha

Frankreich, Belgien 2025

R: Julia Ducournau

D: Emma Mackey, Golshifteh Farahani, Tahar Rahim, Finnegan Oldfield, Jean-Charles Clichet, Mélissa Boros

Laufzeit der Kinofassung: Ca. 128 Min.

Gesehen am: NIFFF 2025

Fassungen: Am NIFFF 2025 im O-Ton mit englischen Subs gesehen. Uncut. Es gibt noch keine DVD, Blu-Ray oder UHD (Stand: Juli 2025).

Dienstag, 8. Juli 2025

Bokshi

NIFFF 2025 Spezial

Bokshi

Story:

Anahita (Prasanna Bisht) ist aufgrund des Verschwindens ihrer Mutter in grosser Trauer und traumatisiert. Um einen klaren Kampf zu bekommen schliesst sich Anahita ihrer Lehrerin (Mansi Multani) und einer Exkursion an. Keine gute Idee…

Meine Meinung:

Bokshi stellte meinen ersten NIFFF 2025 Besuch dar und ich freute mich auf den Kinobesuch. Der Trailer sah stimmungsvoll (inhaltlich) und optisch vielversprechend aus. Bokshi (= Hexe) ist das Spielfilmdebüt von Regisseur Bhargav Saikia, der das NIFFF bereits einmal mit einem Kurzfilm besuchte (ich glaube vor zehn Jahren). Bokshi wird als Folkhorror betitelt. Seit Severin Films All The Haunts Be Ours: A Compendium of Folk Horror Collection bin ich Feuer und Flamme für Folkhorror-Inhalte. Also war der Besuch von Bokshi beschlossene Sache.

Bokshi ist im Grossen und Ganzen ein sehr solides Regiedebüt geworden. Allerdings krankt der Film an einer zu langen Laufzeit (142 Minuten) und inhaltlich wirkt der Film auch überladen. Der Film will zu vieles sein: Coming of Age, Kritik am Patriarchat und Folkhorror. Hier und da wirkten einige Momente sogar unfreiwillig komisch, die sicher nicht so gemeint waren. Aus Sicht des Regisseurs verständlich und er ist nicht der Einzige, der als Spielfilmdebüt-Regisseur in solche Fussstapfen tritt. Hier und da fühlte ich mich leicht an Midsommar erinnert.

Eine leichte Spannung ist inhaltlich zwar gegeben, aber geübte Horrorfans werden wenig Neues vorfinden. Richtig gruselig ist der Film nie. Ansonsten war der Film nicht uninteressant. Optisch war der Film gelungen und die Effekte waren stark anzusehen. Die Drehorte waren authentisch. Ich hätte mir den Film jedoch deutlich stimmungsvoller erhofft. Mir hätte es mehr zugesagt, wenn man sich mehr auf das einzelne Thema Folkhorror vertieft hätte. Was den Cast angesehen, waren Prasanna Bisht und Mansi Multani superb.

Fazit: Fans von Folkhorror können einen Blick riskieren!

Infos:

Indien 2025

R: Bhargav Saikia

D: Prasanna Bisht, Mansi Multani, Swaroopa Ghosh, Rohit Tiwari

Laufzeit der Kinofassung: Ca. 142 Min.

Gesehen am: NIFFF 2025

Fassungen: Am NIFFF 2025 im O-Ton mit englischen Subs gesehen. Uncut. Es gibt noch keine DVD, Blu-Ray oder UHD (Stand: Juli 2025).

Sonntag, 27. April 2025

Grafted

Brugggore Filmfestival 2025 Spezial

Grafted

Story:

Die Austauschschülerin Wei (Joyena Sun) leidet an einer Hauterkrankung. Das belastet ihr Selbstwertgefühl und ihr Sozialleben an der Schule. Als ihr Vater, der an einem Heilmittel zu dieser Hautkrankheit arbeitete, stirbt, führt Wei dessen Arbeiten weiter. Mit unangenehmen Folgen…

Meine Meinung:

Grafted ist das Regiedebüt von Sasha Rainbow, welche zuvor Kurzfilme und Musikvideos realisiert hat. Sie nimmt sich in ihrem Erstlingswerk einem sozialkritischen Thema an. Ähnlich ging es der Überraschungsfilm und Oscar-Kandidat The Substance an. Welchen Einfluss hat Social Media auf junge Frauen? Die Frage um das Schönheitsideal. Der Film vereint dabei vor allem Body-Horror mit Mad Scientist sowie Coming of Age Inhalten.

Eine interessante Mischung. Sogar Elemente des John Woo Meisterwerks Im Körper des Feindes kommen vor. Zu einem grossen Teil. Das machte den Plot interessanter, da die Hauptfigur Wei dann gezwungen ist, sich als andere Figuren und deren Fähigkeiten auszugeben. Und Wei, eine Austauschstudentin aus China, der westlichen Kultur völlig fremd, hat zunächst Mühe damit. Das sorgt für Schmunzeln, schwarzen Humor aber auch Spannung. Und die Darsteller können wechselhaft agieren, was ich mochte.

Die mir unbekannten Darsteller haben ihre Sache im Grossen und Ganzen ordentlich gemacht. Was dem Film negativ anzusehen ist, ist zuweilen das Drehbuch, und wohin die Sache steuert. Teilweise wirkt das unlogisch und es gibt quasi Sprünge im Plot (als die Polizei am Ende sofort auf die fliehende Wei trifft, warum eigentlich?). Nach Logik sollte nicht gesucht werden (der immer bellende Hund = Gefahr für Wei, entdeckt zu werden, warum hat sie sich nie um den Hund gekümmert?). Auch die Effekte haben etwas unter dem kleinen Budget gelitten. Speziell die gesichtslosen Gesichter waren viel zu simpel als Effekt gestaltet worden. Dafür empfand ich das moralische und fiese Ende als sehr gelungen.

Fazit: Erreicht nicht die Qualität von anderen Coming of Age Filmen dieser Art (z.B. Raw), aber war für eine Sichtung absolut ok und solide.

Infos:

O: Grafted

Neuseeland 2024

R: Sasha Rainbow

D: Jess Hong, Jared Turner, Mark Mitchinson, Eden Hart

Laufzeit der Kinofassung: Ca. 96 Min.

Gesehen am: Brugggore Filmfestival 2025

Fassungen: Film am Brugggore Filmfestival gesehen = Uncut und in Englisch. Es gibt noch keine DVD, Blu-Ray oder UHD (Stand: April 2025).

Dienstag, 11. März 2025

On the Wrong Track

On the Wrong Track

Story:

Yueh (Yueh Hua) ist Polizist. Er ist geschieden und seine Frau wohnt in Taiwan. Yueh plant, seine zwei Söhne Paul (Andy Lau) und De (Yim Chau-Wah) nach Taiwan zu schicken. Diese weigern sich. Sie haben zudem Probleme, die neue Freundin von Yueh zu akzeptieren. In ihrer Perspektivlosigkeit sorgen sie mit Gang-Aktivitäten für weitere Sorgen und Spannungen zwischen ihnen und ihrem Vater. Als sich Paul in eine illegal eingereiste Vietnamesin (Prudence Liew Mei-Kwan) verliebt und Paul und De eines nachts von einem Cop (Lau Kwok-Shing) überrascht werden, eskaliert die Situation…

Meine Meinung:

Wie viele andere Regisseure oder spätere Darsteller hat auch Regisseur Clarence Ford Erfahrungen bei den Shaw Brothers gesammelt. Sein Film On the Wrong Track wurde 1983, zwei Jahre, bevor die Shaw Brothers ihre Kinoproduktionen einstellen sollten, realisiert. Es dürfte sich um die dritte Regie-Arbeit des dazumal jungen Regisseurs handeln. Zu Ehren von Regisseur Clarence Ford (Naked Killer, Thunder Cop, Cheap Killers, Special ID), dessen Tod erst vor paar Tagen Online kommuniziert wurde, kam es zu einer Neusichtung des Shaw Brothers Filmes. Der Film spielt im modernen Setting und ist ein Mix aus New Wave, Jugenddrama und Coming of Age.

Der Film, der leicht an einige Chang Cheh Werke wie The Delinquent und Co. erinnert, hat definitiv New Wave Vibes. Der Film ist jedoch kein Kracher, aber absolut ok. Mir fiel es schwer, mich mit den Figuren zu identifizieren. Yim Chau-Wah, Yueh Hua (seine Rolle erinnerte mich an Lo Liehs Rolle aus Söldner kennen keine Gnade) und Lau Kwok-Shing spielen alle sehr unsympathische Figuren. Sie spielen das zwar glaubhaft und souverän, aber man fiebert da mit den einzelnen Namen nicht wirklich mit. Da gefiel mir ein Lo Lieh in Söldner kennen keine Gnade besser als Yueh Hua (Challenge the Invincible, The Green Dragon Inn, The Unique Lama).

Zudem werden einige inhaltliche Themen im Film mit Ausnahme bis auf ein-zwei Dialoge im Finale gar nie erwähnt und/oder angeschnitten (z.B. der Brudertod). Das fand ich etwas komisch. Canto-Pop-Sänger Andy Lau (The Dragon Family, The Prince of Temple Street, Shanghai 13), hier in seinem dritten Film zu sehen, ist nebst Prudence Liew Mei-Kwan die einzige Figur, die etwas mehr Tiefe bekommt. Er verliebt sich in die Vietnamesin, die abgeschoben werden soll, was in einem tragischen Akt endet. Einige Auto-Crashs und echte Explosionen waren toll und das Happy End freie und nihilistisch Ende gab Pluspunkte. Schön düster und genau nach meinem Geschmack.

Fazit: Nicht uninteressantes Frühwerk von Clarence Ford und Andy Lau!

Infos:

O: Wai Mit Hiu Dei Che

HK 1983

R: Clarence Ford

D: Yueh Hua, Andy Lau, Yim Chau-Wah, Prudence Liew Mei-Kwan, Lau Kwok-Shing

Laufzeit der HK-DVD: 88:04 Min.

Gesehen am: Okt. 2011 / Neusichtung: 08.03.25

Fassungen: Mir lag die Code-3-DVD aus Hong Kong von IVL vor = Uncut, sehr gute Bild- und Tonqualität, O-Ton, englische Subs. In Deutschland gibt es den Film auf Netflix zu sehen und daher gibt es auch erstmals eine Fassung mit deutschen Subs zu sehen. Es gibt keine Blu-Ray (Stand: März 2025).

Donnerstag, 11. Juli 2024

Mi bestia

NIFFF 2024

Mi bestia

Story:

Bogotá 1996:

Bald steht die Mondfinsternis an. Es sind Feste und Zeremonien geplant. Gleichzeitig verschwinden immer wieder junge Mädchen. Die 13jährige Mila (Stella Martinez) nimmt Veränderungen an sich und ihrem Umfeld war. Sie gerät mehrfach an ihre Mutter und deren neuen Freund. Gleichzeitig fühlt sie sich zu einem Jungen aus der Schule angezogen…

Meine Meinung:

Mi bestia ist eine Co.-Produktion zwischen Frankreich und Kolumbien. Warum der Amateurfilm so eine Bühne erhält, ist mir nicht bekannt. So lief der Film auch in Cannes* und nun am NIFFF. Die Regisseurin Camila Beltrán war gestern vor Ort am NIFFF. Mi Bestia stellt nach Kurzfilmen ihr Regiedebüt dar. Camila Beltrán machte vor dem Publikum und vor der Sichtung einen unmotivierten und gelangweilten Eindruck, also genau wie ihr Film.

*ACID Cannes aims to support independent filmmakers and promote the distribution of their films internationally.

Die Verbindung des Coming of Age Genres mit Fantastischem ist wahrlich nichts Neues, aber selten so unspektakulär und billig umgesetzt wie hier. Und fantastische Elemente sind sehr rat gesät. Diese kommen nur vereinzelt und dann nur im schwachen Finale (à la Carrie) vor. Die Optik wirkt wie bei einer HK-90er Jahre TV-Serie oder einer schlechten NSTC zu PAL-Wandlung mit Ruckeln. Gewöhnungsbedürftig. Der Film, der nur knapp 76 Minuten läuft, bietet keinen wirklichen Mehrwert.

Das dürfte auch der Grund sein, warum es von diesem Film z.B. noch keinen Trailer gibt. Die Figuren haben ihre Sache hingegen ordentlich gemacht, auch wenn Mila ihre Gefühlsschwankungen mit mehr Power hätte ausleben dürfen. Sie bleibt mehrheitlich sehr passiv und die Handlungen sind repetitiv.  So stellen sich trotz der kurzen Laufzeit Längen ein und der Film war für mich vor allem sinnlos. Wer Coming of Age Inhalte vermischt mit Horror und/oder Bodyhorror mag, dem empfehle ich andere Werke (Humanist Vampire Too Sensitive to Kill, It Lives Inside, Teddy, Grave).

Fazit: Zeitverschwendung.

Infos:

O: Mi bestia

Frankreich, Kolumbien 2024

R: Camila Beltrán

D: Stella Martinez, Mallerly Murillo, Marcela Mar, Héctor Sánchez

Laufzeit der Kinofassung: Ca. 76 Min.

Gesehen am: NIFFF 2024

Fassungen: Am NIFFF 2024 gesehen im O-Ton mit englischen Subs. Es gibt noch keine DVD, Blu-Ray, UHD oder eine deutsche Fassung (Stand: Juli 2024).

Samstag, 20. April 2024

Humanist Vampire Too Sensitive to Kill

BIFFF 2024 Spezial

Humanist Vampire Too Sensitive to Kill

Story:

Sasha (Sara Montpetit), eine junge Vampirin, ist zu sensibel, um Menschen zu töten und deren Blut trinken zu können. Doch dann läuft ihr Paul (Félix-Antoine Bénard) über den Weg, der suizidale Gedanken hegt und verspricht, sie mit seinem Blut zu retten…

Meine Meinung:

Aka Humanist Vampire Seeking Consenting Suicidal Person. Für Holland wurde ein neuer Titel ausgewählt: Humanist Vampire Too Sensitive to Kill! Warum, ist mir nicht bekannt. Vielleicht wurde der andere Titel als zu kontrovers angesehen. Humanist Vampire Too Sensitive to Kill ist nämlich ein Coming of Age Film aus Kanada. Ein Mix aus Drama, Grusel, Liebesgeschichte, Vampiren und Coming of Age Inhalten.

Der Film hat mir, bis auf das Ende, sehr gut gefallen. Der Film war in der Tat lustig, unterhaltsam und auch herzlich. Ich fieberte mit den Figuren mit und der Film hat viele tolle Aufnahmen zu bieten. Sowohl lustige, wie auch gefühlsmässig. Am Ende ging dann aber alles zu schnell. Schlag auf Schlag und mit Zeitspringen und ohne Erklärungen. Das fand ich dann doch etwas schade. Da hätte ich eigentlich gerne noch mehr vertieft gesehen, wie sich das entwickelt hat.

Ich bin kein spezieller Freund von Coming of Age Filmen. Aber da gibt es doch auch hin und wieder paar tolle Filme (Grave). Oder eben wie in diesem Fall gute Festival-Filme, aber nichts für die Sammlung (dazu gehörten auch Filme wie It Lives Inside, Teddy) und leider auch viele Werke, die mir gar nicht zusagen. Dass Coming of Age Filme in die Sammlung kommen, ist bei mir persönlich selten der Fall. Hätte mir das Ende in Humanist Vampire Too Sensitive to Kill besser gefallen, hätte ich drüber nachdenken können.

Der Film stellt das Regiedebüt von Ariane Louis-Seize dar, die zuvor Kurzfilme realisierte. Das Debüt darf als gelungen bezeichnet werden. Der Film ist fesselnd, unterhaltsam, technisch einwandfrei in Szene gesetzt und das Schausiel aller Beteiligten war erste Sahne. Ein Debüt, welches schwer zu toppen sein wird. Vom Cast war natürlich Sara Montpetit hervorragend. Sie trägt den ganzen Film allein und macht einen eindrücklichen Job. Sie hätte auch gut Wednesday in der Netflix-Serie Wednesday spielen können…

Fazit: Starkes Regie-Debüt! 

Infos:

O: Vampire humaniste cherche suicidaire consentant

Kanada 2023

R: Ariane Louis-Seize

D: Sara Montpetit, Félix-Antoine Bénard, Steve Laplante, Sophie Cadieux, Noémie O'Farrell, Lilas-Rose Cantin

Laufzeit der Kinofassung: Ca. 90 Min.

Gesehen am: BIFFF 2024

Fassungen: Gesehen am BIFFF 2024 im O-Ton mit englischen Subs. Uncut. Die deutsche DVD und/oder Blu-Ray sollen am 24.10.24 erscheinen.

Dienstag, 4. Juli 2023

It Lives Inside

 
NIFFF 2023 Spezial

It Lives Inside

Story:

Sam (Megan Suri) ist ein indisch-amerikanisches Mädchen. Sie wird von den anderen Jugendlichen angenommen, passt sich an, findet Freunde. Dafür gibt es zu Hause, vor allem mit Mutter (Neeru Bajwa), Streit. Eben deshalb, weil sich Sam von ihrer ursprünglichen Kultur entfremdend und sich zu integrieren versucht. Als Sam eines Tages von ihre ehemaligen besten Freundin Tamira (Mohana Krishnan) um Hilfe gebeten wird, ändert sich Sams Leben von einem Schlag auf den anderen…

Meine Meinung:

Auf It Lives Inside freute ich mich. Den Trailer sah ich nicht zu Ende, aber was ich sah, sprach mich an, auch wenn es mich etwas an den Film It Follows erinnert hat. Dies muss ich nach dem Schauen revidieren: einzelne Szenen erinnern z.B. an Stephen Kings Es (das Haus), Stranger Things (Teen-Mädel auf Fahrrad unterwegs) oder A Nightmare on Elm Street 4 (Brustkorb mit Menschenköpfen/Gesichtern). Abgesehen davon ist es interessant zu sehen, dass der Film indische Grusel-Folklore als Setting bietet.

Indische Monster/Gottheiten sind Mal was Neues, auch wenn der Film an sich nicht wirklich originell wirkt. Damit meine ich, die Inszenierung ist nicht gross anders, als bei sonstigen Gruselfilmen dieser Art. Solche Szenen hat man alle schon besser gesehen. In einer wird sogar dreist aus japanischen Gruselfilmen gestohlen (The Grudge, Ringu). Der Film war in einzelnen Phasen leicht spannend. Aber leider nicht sehr spannend und auch erschrocken bin ich nie. Der Film setzt hier und da auf Jump-Scares, aber Hauptmotivation ist es, durch Plot, Figuren und Stimmung Grusel und Atmosphäre zu generieren. Was auch oft gelingt.

Der Film, der optisch schön gefilmt ist und auch einen guten und authentischen Cast bietet, ist unterhaltsam und alles andere als ein schlechter Film. Horrorfans können definitiv einen Blick riskieren und man merkt, dass Regisseur Bishal Dutta, der auch selbst ein grosser Horrorfan ist, das Genre liebt und mag. Und das in den Film hat einfliessen lassen. Ich denke, auch deshalb gibt es im Finale die grosse Überraschung von Practical effects und/oder ein Gummimonster-Anzug. 

Das war schon ziemlich cool und gibt Pluspunkte. Der Film wirkt teilweise auch fast mehr wie ein Monster- oder Tierhorrorfilm (Watchers etc.). Bishal Dutta liefert nach Kurzfilmen und TV-Arbeiten mit It Lives Inside sein Spielfilm-Debüt. Zwar gefiel mir das Ende, das eine Fortsetzung offen lässt, nicht. Dafür gibt es sonst einige Überraschungen (z.B. die mögliche Love-Story, die schnell im Keim erstickt wird). Einige sehen die Zukunft des Horrorfilmes in Bishal Dutta. Mal schauen, ob sich dies bewahrheiten wird…

Infos:

O: It Lives Inside

USA 2023

R: Bishal Dutta

D: Megan Suri, Neeru Bajwa, Mohana Krishnan

Laufzeit der Kinofassung: Ca. 98 Min.

Gesehen am: NIFFF 2023

Fassungen: Am NIFFF 2023 gesehen im O-Ton (Englisch & Hindi) mit englischen Subs. Eine DVD/Blu-Ray/UHD ist noch nicht angekündigt (Stand: Juli 2023).

Freitag, 16. Dezember 2022

Bones and All Review


Bones and All 

Story:

 

Die junge Maren (Taylor Russell), auf der Suche nach ihrer Mutter, trifft auf ihrer Reise auf Lee (Timothée Chalamet). Beide verlieben sich und starten einen Road-Trip der etwas anderen Art…

 

Meine Meinung:

 

Als ich, noch einen Kinogutschein habend, das aktuelle Kinoprogramm überprüfte, stach mir der Film Bones and All ins Auge. Der Film, der laut Kumpel auch am ZFF gelaufen wäre, stellt eine amerikanisch-italienische Produktion von Luca Guadagnino dar, dessen Suspiria Remake mir nicht sonderlich zusagte. Ich guckte mir einen Trailer zu Bones and All an (die Version mit der Musik aus You Want It Darker von Leonard Cohen) und fand diesen, und was ich über den Film gelesen habe (Kannibalen-Inhalte), interessant und vielversprechend.

 

Bones and All schaut man sich am besten mit wenig Vorwissen an. Würde man nur den ersten Trailer und keine Inhaltsangabe kennen, wäre sogar der Kannibalen-Inhalt eine ziemliche makabre Überraschung, da der Film diesbezüglich auch paar ganz fiese und gut gemachte Szenen beinhaltet. Bones and All ist ein schöner Film und ein spannender, fesselnder und rührender Mix aus Road-Movie, Coming of Age, Drama, Kannibalenfilm und Liebesgeschichte.

 

Der Film startet gut, fies und schockierend (die Szene mit dem Finger). Das Schauspiel der mir unbekannten Darsteller ist toll: die in den Hauptrollen agierenden Taylor Russell, Timothée Chalamet und Mark Rylance waren fabelhaft. Aber auch die Nebenfiguren sind stark gespielt. Spannung bietet der Film durch die Frage, ob es am Ende für das Paar ein Happy End gibt oder nicht, bei der Beschaffung von Opfern/Nahrung und die zufälligen Treffen von anderen "Eaters". Da dem Zuschauer die Figuren nicht gleichgültig ist, fiebert man auch mit.

 

Der Film basiert auf dem gleichnamigen (Coming of Age) Roman von Camille DeAngelis. Ob der Film abgeändert wurde ist mir nicht bekannt. Ebenso wenig, ob es den Roman auch in Deutsch gibt. Ich werde (nach dem Roman) Ausschau halten, sobald ich Die 120 Tage von Sodom zu Ende gelesen habe (wird noch dauern). Obwohl der Film, der extrem schöne Bilder bietet (halt ein Trip durch mehrere Bundesstaaten, wenn ich dies richtig im Kopf habe) & toll gefilmt wurde, 130 Minuten Spielzeit bietet, war der Streifen zu keiner Sekunde langweilig. Das Einzige, was vielleicht nicht wirklich toll oder erwähnenswert war, was das Intro oder die Musik. Und das Ende dürfte nicht allen gefallen.

 

Fazit: Wie Natural Born Killers als Coming of Age Film mit Kannibalen-Story!

 

Infos:

 

O: Bones and All

 

USA, Italien 2022

 

R: Luca Guadagnino

 

D: Michael Stuhlbarg, Timothée Chalamet, Chloë Sevigny, Mark Rylance, Jessica Harper, Taylor Russell, David Gordon Green

 

Laufzeit der Kino-Fassung: Ca. 130 Min.

 

Gesehen am: 24.11.22

 

Fassungen: Gesehen im Schweizer Kino, wo der Film zum Glück auch im O-Ton mit Subs lief statt nur auf Deutsch. Uncut, ab 16 Jahren freigegeben. Einen Termin für eine deutsche DVD/Blu-Ray ist noch nicht angekündigt (Stand: Nov. 2022). Nachtrag 02.06.24: für eine 2. Sichtung lag mir nun die UK-Blu-Ray von Warner/MGM vor = Schuber, Uncut, gute Bild- und Tonqualität, englische Subs zum O-Ton vorhanden. Das Master wirkte auf mich, selbst in den Tagszenen, störend zu dunkel. Dies fiel mir im Kino nicht auf. Der Film hat die 2. Sichtung bestanden und erinnerte mich dazu, noch den Roman zu kaufen. Nur die Musik im Film gefiel mir nicht wirklich. 

Montag, 28. November 2022

Piggy Review


Piggy

Story:

 

Die adipöse Jugendliche Sara (Laura Galán) wird während den Sommerferien von einer Mädchen-Gang schikaniert, gedemütigt und gemobbt. Doch bald wendet sich das Blatt auf unerwartete Art und Weise…

 

Meine Meinung:

 

Mit dem spanischen Fantasy Film Fest Beitrag Piggy spendiert Regisseurin Carlota Pereda ihren Langfilm zu ihrem im Jahr 2018 veröffentlichten Kurzfilm (15 Min.) Piggy. Mit dabei ist der adipöse Star des Kurzfilmes, Laura Galán, welche glaubhaft und stark agiert. Mit viel Fett zum Detail! Den Film hätte ich dazumal gerne am ZFF dieses Jahres gesehen, aber an allen Daten musste ich arbeiten. Nun habe ich die Sichtung in Zürich in einem der vielen Arthouse-Kinos nachgeholt.

 

Und? Hat sich die Reise nach Zürich dafür gelohnt? Leider heisst die Antwort «nein, definitiv nicht!». Piggy wirkt wie ein typischer 08/15-Festivalfilm und typischer "aus einem Kurzfilm machen wir nun einen Spielfilm Film". Das geht oft auch besser (Terrifier 2*, Smile), aber nicht selten lohnt sich das eben auch nicht, wenn ich andere Festival-Filme in Betracht ziehe (Frank & Zed). Und leider lohnt das auch im Fall von Piggy nicht wirklich.

 

*Terrifier 2011

 

Zwar ist der Mix aus Sozialkritik (Mobbing, Schönheitswahn, Social Media), Satire, Horror/Backwood und Coming of Age nicht uninteressant, aber die Motive einzelner Figuren oder diverse Handlungsstränge sind unglaubwürdig und/oder werden nicht erklärt. Das Ende gefiel mir nicht. Vor allem jene, die eine blutige Rache-Geschichte erwarten und hoffen, dass die Mobber genau das bekommen, was sie verdienen, dürften enttäuscht werden. Den Kurzfilm Piggy kenne ich nicht, daher kann ich keine Vergleiche liefern, ob das Ende identisch blieb oder für den Spielfilm geändert wurde. Zudem gab es zu wenig Inhalt für die Laufzeit. Zur Hälfte war der Film auch viel zu dunkel, so dass ich den Film nicht wirklich empfehlen kann.

 

Fazit: Dann doch lieber Filme wie Raw (Grave)!

 

Infos:

 

O: Cerdita

 

Spanien 2022

 

R: Carlota Pereda

 

D: Claudia Salas, Carmen Machi, Pilar Castro, Camille Aguilar, Mabel del Pozo, Julián Valcárcel, Laura Galán

 

Laufzeit der Kinofassung: Ca. 90 Min.

 

Gesehen am: 09.11.22

 

Fassungen: In Zürich im Arthouse Kino gesehen = Spanischer O-Ton, deutsche Subs, Uncut. In Bern lief der Film nur in Deutsch. Soll in Deutschland am 02.12.22 auf DVD/Blu-Ray erscheinen (Deutsch/Spanisch mit Subs).