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Mittwoch, 4. März 2026

November

 

November

Story:

Estland im 19. Jahrhundert, im November und zu Zeiten der Pestgefahr:

Für das einfache Volk, Bauern und Dorfbewohner sind es schwere Zeiten. Zwar helfen die Kratts bei der Arbeit, doch nicht selten verlieren Menschen ihre Seele, um mit dem Teufel zu Geschäften und sich Vorteile zu erhoffen. Liina (Rea Lest) verliebt sich in Hans (Jörgen Liik). Dieser hat jedoch nur Augen für die Tochter (Jette Loona Hermanis) des Barons (Dieter Laser). Da beschliesst es Liina mit einem Zauber…

Meine Meinung:

November, in wunderschönen Schwarzweiss-Bildern gedreht, basiert auf dem Roman Der Scheunenvogt (Rehepapp ehk November) von Andrus Kivirähk. Einem Roman, der als unverfilmbar galt. Den Film, den ich via Severin Films Box All The Haunts Be Ours: A Compendium of Folk Horror Vol. 2 sah, ist ein Mix aus Romann-Verfilmung, Folklore, Märchen und Arthouse-Film. Ob der Roman 1:1 übernommen und verfilmt wurde, weiss ich nicht, da ich diesen nicht kenne.

Regisseur Rainer Sarnet hatte die Idee zum Film bereits im Jahr 2005. Es dauert jedoch bis 2014, ehe der den Film drehen konnte (innerhalb von 60 Tagen zwischen 2014-2016). Ich sah mir den Film ohne jegliches Vorwissen an. Optisch sind die Bilder ein Genuss und zuweilen sehr stimmungsvoll. Absolut zum Geniessen. Der Fantasy- und Märchen-Anteil ist ebenfalls sehr hoch. Ich hätte gerne etwas mehr von den Kratt gesehen. Die Kratt sind die «Kreaturen», die in der estnischen Folklore aus Gegenständen zusammengebaut und dann dank einer Seele Leben eingehaucht bekommen. Diese könnten direkt (optisch) aus einem Horrorfilm stammen.

Es geht jedoch primär nicht um die Kratt. Inhaltlich könnte ich fast von einem Style over Substance Faktor sprechen. Mit einer Laufzeit von fast 120 Minuten war mir der Film jedoch zu lang, der Plot zu dünn, der Humor unpassend und die Figuren und deren Schicksale (eine tragische Love-Story gibt es obendrein) uninteressant. Das ist schade. Die Dramatik und Tragik färben nicht auf den Zuschauer ab, da die Figuren einem nichts an Herz wachsen, auch wenn ich das Ende, da kein Happy End, doch mochte. The Human Centipede Star Dieter Laser ist hier in einer kleinen Nebenrolle und übrigens in seiner letzten Rolle zu sehen, bevor er kurze Zeit später starb.

Fazit: Optisch toll, sonst weniger mein Fall.

Infos:

O: November

Estland, Polen, Holland 2017

R: Rainer Sarnet

D: Jörgen Liik, Dieter Laser, Katariina Unt, Rea Lest, Mari Abel, Arvo Kukumägi, Jaan Tooming, Jette Loona Hermanis

Laufzeit der US-Blu-Ray: Ca. 119 Min.

Gesehen am: 04.03.26

Fassungen: Gesehen als US-Blu-Ray von Severin Films (All The Haunts Be Ours: A Compendium of Folk Horror Vol. 2) = Hervorragende Bild- und Tonqualität, Uncut, O-Ton und englische Subs vorhanden. Gibt es in Deutschland auf Blu-Ray von donau film / ALIVE (Uncut, Deutsch/Estnisch mit deutschen Subs).

Mittwoch, 21. August 2024

Der City Hai

Der City Hai

Story:

Sheriff Mark Kaminski (Arnold Schwarzenegger) willigt ein, sich Undercover in eine Mafia-Organisation einzuschleusen. Ihm wird versprochen, danach wieder beim FBI tätig sein zu dürfen. Ziel ist es, den Mafia-Boss Luigi (Sam Wanamaker) zu beseitigen…

Meine Meinung:

In dieser Mitte der 80er Jahre Dino De Laurentiis-Produktion (Halloween III: Season of the Witch, Amityville II: The Possession) nimmt es der damalige Action-Star Arnold Schwarzenegger (Commando, Running Man, Red Heat, Prey, Predator) gegen eine mafiöse Gangster-Organisation auf. Undercover-Einsatz. Wer klischeehafte 80er Jahre US-Actionfilme mag, wird den Film lieben! Ich sah Der City Hai, der deutsche Titel ist eine Anspielung an Cobra, der in D als Die City-Cobra veröffentlicht wurde, bisher nur einmal. Ich wusste nichts mehr. Der Film hat die 2. Sichtung bestanden.

Ich hatte am Film grosse Freude. Obwohl der Film auch viele Momente bietet, in denen es keine Action-Sequenzen zu bestaunen gibt, empfand ich den Film zu keiner Sekunde als langweilig. Ich mag solche Themen: FBI, Undercover-Cops, Maulwürfe, Mafia, One-Liners eines US-Actionhelden und alle die anderen Klischees, welches in diesen Actionfilmen vorherrschen. Das, was ich von dem Film von John Irvin erwartet habe, habe ich auch erhalten. Die Action und speziell die Shoot-Outs waren z.T. sogar blutiger, als ich diese in Erinnerung hatte. Im Finale gibt es mehrere Szenen, die an The Terminator erinnern (Disco Schiesserei).

Nebst Arnie haben auch die ganzen anderen Gestalten in ihren Rollen überzeugt. Toll gecastet. Die haben alle perfekt zu ihren Rollen, egal ob Cops, Gangster oder Spitzel gepasst. Das muss man den Amerikanern lassen: das konnten sie einfach perfekt! Die passenden Darsteller den passenden Rollenbildern zuordnen, damit das Gezeigte glaubwürdig wirkt. Da sind Namen dabei Robert Davi (Die Hard, The Expendables 3), Ed Lauter (True Romance, Death Wish 3), Darren McGavin (Dead Heat, Happy Hell Night), Joe Regalbuto (The Sword and the Sorcerer) oder Victor Argo (Taxi Driver, Bad Lieutenant).

Fazit: Fans von 80er Jahre US-Actionfilmen und Arnold Schwarzenegger absolut zu empfehlen!

Infos:

O: Raw Deal

USA, Holland 1986

R: John Irvin

D: Darren McGavin, Arnold Schwarzenegger, Paul Shenar, Sam Wanamaker, Kathryn Harrold, Ed Lauter

Laufzeit der deutschen DVD: 101:02 Min.

Gesehen am: Vor 2006 / Neusichtung am: 16.08.24

Fassungen: Mir lag die deutsche DVD von Kinowelt vor = Uncut, sehr gute Bild- und Tonqualität, Deutsch/Englisch mit Untertitel Optionen. Die deutsche Sprachfassung ist sehr gelungen. Den Film gibt es inzwischen auch auf Blu-Ray und UHD.

Freitag, 12. April 2024

Krazy House

BIFFF 2024 Spezial

Krazy House

Story:

Der religiöse Christ Bernie (Nick Frost) und seine «Sitcom-Family» (Alicia Silverstone, Gaite Jansen, Walt Klink) haben in der Wohnung einen Wasserschaden. Drei Russen (Chris Peters, Jan Bijvoet, Matti Stooker) bieten ihre Diente an, suchen in der Wohnung aber nach etwas anderem und sind in Wahrheit gesuchte Verbrecher. Nach und nach verliert Berne seine gutmütige Geduld, als sich herausstellt, dass das Trio nichts Gutes im Schilde führt…

Meine Meinung:

Von Krazy House wusste ich im Vorfeld kaum etwas. Ich sah mir auch keinen Trailer an. Mir genügte die Info, dass es sich um den neuen Film von Steffen Haars und Flip Van der Kuil handelt. Die holländischen Filmmacher haben mich damals am NIFFF 2012 mit New Kids Nitro überzeugt und daher war der Besuch von Krazy House eine klare Sache für mich. Ich wusste nur, dass auch Ausländische Stars mitwirken (Alicia Silverstone oder Nick Frost aus Shaun of the Dead) und der Film in Englisch gedreht wurde inklusive dem Sitcom-Setting.

Krazy House war besser als erwartet. Der Film hat echt Spass gemacht und der Humor war absolut derb und geschmacklos. Da Bernie ein Hardcore-Christ ist, gehe die Jokes halt zulasten der Christen. Und da hat der Film den Nerv der Zeit getroffen: immer mehr Menschen wenden sich ab, pädophile Taten und damit verbundene Austritte ihrer Schäfchen aus der Kirche sind an der Tagesordnung. Das merkte man auch gut an den Reaktionen des Publikums. Die Kritik an der Kirche wurde gefeiert.

Das Sitcom-Setting ist klasse. Mir kam vor allem die kultige Serie Married with Children in den Sinn. Viele Momente und Aufnahmen könnten fast 1:1 aus der amerikanische Kult-Serie stammen. Daher war es ein kluger Schachzug, auch auf einen internationalen Cast zu greifen. Nick Frost und Alicia Silverstone waren super, wie auch die Kids oder die «Russen». Mit Gaite Jansen und Jan Bijvoet sind gleich zwei Peaky Blinders Stars an Bord.

Der Film bietet nebst Sitcom-Setting viel kruden Humor (verpackt hier und da mit Sozialkritik, aber mehr dem Zufall geschuldet als bewusst gewollt), blutige Shoot-Outs, Film-im-Film Momente, abgefahrene Traum- und Visionen-Szenen (mit Jesus) und einige epische Momente, die mich z.T. an Street Trash erinnert haben. Dort gibt es die verrückte und ulkige Szene, in der auf einem Schrottplatz einem Penis hinterhergejagt wird. So was Ähnliches gibt es hier auch. Muss man gesehen haben, um es zu glauben.

Fazit: Derb spassige Rückkehr von Steffen Haars und Flip Van der Kuil und klar besser als ihr letzter Film Ron Goossens Low Budget Stuntman.  

Infos:

O: Krazy House

Holland 2024

R: Steffen Haars, Flip Van der Kuil

D: Nick Frost, Alicia Silverstone, Kevin Connolly

Laufzeit der Kinofassung: Ca. 90 Min.

Gesehen am: BIFFF 2024

Fassungen: Gesehen am BIFFF 2024, Uncut im O-Ton. Eine DVD/Blu-Ray sind noch nicht angekündigt (Stand: April 2024).

Montag, 13. März 2023

Chinese Kung Fu Against Godfather Review


Chinese Kung Fu Against Godfather 

Story:

 

Tong (Cliff Lok) wird von seiner Mutter (Lai Cheuk-Cheuk), der er verspricht, anständig zu bleiben, zum Arbeiten aus China nach Amsterdam zu Cousin Charles (Eddy Ko) geschickt. Doch dieser führt das China-Restaurant unseriös. Das Geld fliesst durch Drogen. Charles arbeitet für den Godfather (Jan Willem Stoker). Als sich Tong weigert und zu Robert (Lee Kwan) flüchtet, schickt der Godfather seine Männer los, um ihn und die Drogen zu finden…

 

Meine Meinung:

 

Noch vor The China White (1989) und Amsterdam Connection (1978) gingen asiatische Filmemacher nach Europa drehen. Besser gesagt nach Amsterdam (vor allem) und nach Paris (noch vor John Liu und seinen Filmen). Nach seiner Arbeit für die Shaw Brothers mit Crazy Nuts of Kung Fu stand Taiwanese Lee Tso-Nam (King of Dinosaurs) mit Chinese Kung Fu Against Godfather noch an seinen Anfängen. Ich empfand den Film, obwohl kein Kracher, als sehr kurzweilig und unterhaltsam.

 

Wie zuletzt Kung Fu Männer im Wilden Westen (Kung-Fu Brothers in the Wild West) zieht es hier den mir nicht sonderlich sympathischen Cliff Lok (Shaolin Death Squads) nach Holland. Er spielt den typisch naiven Good Guy. Seriös, unsicher, naiv. Zusammen mit seinem geringen Charisma und damaligen «Schauspieltalent» sorgt er für einige unfreiwillig komische Szenen.

 

Für gewollt komische Szenen ist hingegen Lee Kwan (The Rebellious Reign) zuständig. Viel Overacting und Comic-Charakter (z.B. die Kung Fu Übungen mit den westlichen Frauen). Wer HK-Klamauk nicht mag, wird dessen Figur und seine Szenen hassen. Eddy Ko (The Postman Fights Back) ist mehr in einer Neben- statt einer Hauptrolle zu sehen. Zudem sollten Fans wissen, dass er nur im Finale am kämpfen ist. Zuvor nie.

 

Ich empfand den Film, obwohl kein Kracher, als sehr kurzweilig und unterhaltsam. Das lag vor allem am Humor, dem Trash-Faktor und dem Holland/Amsterdam und Paris-Setting. Es hätte gerne mehr und bessere Kampfszenen geben dürfen. Eigentlich überzeugen nur die Finalkämpfe, in denen der Cliff Lok gegen diverse Gweilo-Gangster, Eddy Ko und am Ende gegen den "Godfather" kämpft. Das Vollbild stört hier zum Teil.

 

Die Kulissen hingegen sind schön abwechslungsreich und exotisch. Es gibt viel Sightseeing zu sehen. Am Anfang und im Finale Windmühlen (auch in den Kampf involviert), der Eiffelturm kommt kurz vor, das weltberühmte Rotlichtviertel (es wird vor einem Sex-Shop gekämpft), eine Grachtenrundfahrt ist zu sehen (Füllszene) wie auch ein Zoo-Besuch mit Löwen und Giraffen. Letzterer ebenso als Füllmaterial aber auch, um eine Verbindung zwischen die durch Cliff Loks gespielter Figur und der Holländerin Ine van Veen aufzubauen.

 

Fazit: Fans von 70er Jahre Low-Budget Kung Fu Filmen können einen Blick riskieren! Kein Kracher, aber macht vor allem durch das Setting und den Trash-Gehalt (und die kurze Laufzeit) Spass!

 

Infos:

 

O: Da Xiang Li Da Nao Ou Zhou

 

Taiwan, HK, Holland 1974

 

R: Lee Tso-Nam

 

D: Cliff Lok, Eddy Ko, Jan Willem Stoker, Lee Kwan, Peter Yim, Lai Cheuk-Cheuk, Ine van Veen, Erwin Gijsberta, Willie Van Egmond

 

Laufzeit der südkoreanischen VHS: 76:11 Min.

 

Gesehen am: 21.01.23

 

Fassungen: Mir lag das südkoreanische VHS von Fine vor = solide Bildqualität, nur Vollbild, in einer Nackt-Szene zensiert (Brüste), O-Ton (90% Mandarin & 10% Englisch) mit englischen, chinesischen und koreanischen Subs. Scheinbar gibt es zwei Fassungen: eine mit mehr Sex und in einer stirbt Cliff Lok am Ende, in der anderen überlebt er. In Deutschland lief der Film zumindest im Kino (Kung Fu tötet den Paten). Eine deutsche Fassung scheint es jedoch nicht zu geben (Stand: Jan. 2023). Es gibt auch keine DVD/Blu-Ray (Stand: Jan. 2023).

Montag, 3. Oktober 2022

Speak No Evil Review

 
ZFF 2022

Speak No Evil

Story:

 

Zwei Familien (eine aus Dänemark, eine aus Holland) treffen sich zu einem gemeinsamen Wochenende. Doch was als idyllischer Ausflug gedacht war, nimmt bald ungemütliche Folgen an…

 

Meine Meinung:

 

Speak No Evil wirkt am besten, wenn man im Voraus gar nichts weiss. Ich wusste 1-2 Dinge und habe auch von Vergleichen mit anderen Filmen (Funny Games, den ich persönlich gar nicht mochte) gelesen. Zusammen mit 1-2 Aussagen des ZFF-Vorstellers im Kino, konnte man sich schon auf einen ungemütlichen Film einstellen. Das ist auf eine Art schade. Unvoreingenommen, wäre die Wirkung sicher noch intensiver gewesen. Auf eine Art erinnerte der Film auch an den NIFFF-Streifen Coming Home in the Dark.

 

Der dänische Film vom dänischen Regisseur und Vater Christian Tafdrup ist sozialkritisch gemeint. Dieser war auch in Deutschland am Fantasy Film Fest anwesend (Film lief auch dort). Die Idee hinter dem Film sei es, zu zeigen, wie sich gewisse Menschen nicht unbeliebt machen wollen und statt etwas zu sagen, Frust oder Ärger hinunterschlucken. Nur um andere möglicherweise nicht vor den Kopf zu stossen. Sich überangepasst zu verhalten. Auf eine Art und Weise wird das in Speak No Evil auf sehr übertriebe Art und Weise dargestellt.

 

Ob die Dänen wirklich so sind, wie im Film dargestellt? Das erinnerte mich an eine Diskussion im redcafe Forum (= Manchester United Forum), wo ein dänischer Manchester United Fan gefragt wurde, ob die Dänen mehr Typ Christian Eriksen oder Lord Bendtner sind. Um das zu beantworten, kann man sich gut Speak No Evil anschauen. Der Film ist zuerst schwarzhumorig und amüsant, auch wenn man weiss, dass es im Unheil enden wird. Eine gewisse Spannung ist gegeben.

 

Der Film ist schön gefilmt und das Schauspiel, auch wenn die Handlungen der Figuren vor den Kopf stossen können, stark. Die Musik ist Geschmackssache. Viel Operneinsatz und klassische Musik würde ich sagen. Es werden diverse Fragen nicht beantwortet. Man kann sich Dinge aber denken. Über das Ende wird die Fangemeinde gespalten sein. Schockierend ja, aber obs gefällt oder nicht ist eine andere Frage. Auf jeden Fall ist das Finale diskussionswürdig. Das sieht man auch an geteilten Meinungen zum Film oder an meinem Kumpel und mir, wir waren da teilweise auch unterschiedlicher Ansicht.

 

Fazit: Wenn über einen Film so gesprochen wird, dann haben die Filmemacher bereits alles richtig gemacht!

 

Infos:

 

O: Gæsterne

 

Dänemark, Niederlande 2022

 

R: Christian Tafdrup

 

D: Morten Burian, Sidsel Siem Koch, Fedja van Huêt, Karina Smulders, Liva Forsberg, Marius Damslev

 

Laufzeit der Kinofassung: Ca. 97 Mn.

 

Gesehen am: ZFF 2022

 

Fassungen: Gesehen am ZFF Uncut, im O-Ton und mit englischen Subs. Eine DVD und/oder Blu-Ray sind noch nicht angekündigt (Stand: Okt. 2022).

Donnerstag, 3. März 2022

Benedetta Review



Benedetta

Story:

 

17. Jahrhundert, Italien, Stadt Pescia: die junge Benedetta entscheidet von ihren wohlhabenden Eltern unterstützend ein Leben im Kloster führen zu wollen, um Gott zu dienen. 20 Jahre später:  Benedetta (Virginie Efira) nimmt Bartolomea (Daphne Patakia) unter ihre Fittiche. Sie starten eine (heimliche) lesbische Beziehung und Benedetta wird gleichzeitig von Visionen und Stigmata heimgesucht. Ist sie das Werkzeug Gottes? Bald schon wird sie die neue Äbtissin, was einigen im Kloster nicht zusagt und man versucht, Benedetta zu zerstören…

 

Meine Meinung:

 

Auf Benedetta, dessen Premiere (Filmfest in Cannes) aufgrund Corona verschoben wurde, bekam im Dez. dieses Jahres tatsächlich einen kleinen Kinostart spendiert. Als Fan von Paul Verhoeven (Spetters, Flesh + Blood, Elle) war der Kinobesuch Pflichtprogramm. Paul Verhoeven nahm sich die literarische Vorlage Immodest Acts: The Life of a Lesbian Nun in Renaissance Italy zur Brust und hat daraus einen für religiöse Menschen kontroversen Film geschaffen.

 

Der Kinobesuch hat sich gelohnt: Benedetta gefiel mir besser als erwartet und stellte wohl den besten Kinobesuch im Jahr 2021 dar (nach durchschnittlichen Filmen wie Candyman, Halloween Kills, The Green Knight, Spell…). Teilweise kamen Flesh + Blood und/oder Liebesbriefe einer portugiesischen Nonne Vibes auf. Die europäische Produktion hat mir viel Spass bereitet.

 

Benedetta ist toll gespielt. Alle Beteiligten haben mir gut gefallen. Die Mädels sehen hübsch aus (Virginie Efira) und auch die Gegenseite – die Äbtissin oder die männlichen Figuren, haben mir gut gefallen, da die Kirche und dessen Handlungen doppeldeutig wegkommen. Kritik und Satire mit viel amüsantem Wortwitz und herrlichen Figurenzeichnungen. Kino à la Verhoeven!

 

Auch die Settings passten (Pest, Inquisition). Unschön fielen dabei nur 2-4 miese CGI Szenen ins Auge (Hintergründe, Feuer, Schlangen). Das sind kleine Details, die unschön waren. Schade, dass man z.B. die Szenen mit den Schlangen oder dem Feuer nicht auf altmodische Art und Weise drehte. Dies wäre möglich gewesen, denke ich. Aber wie ich sagte: es sind nur kleines Details...

 

Auch den Plot mochte ich. Ich habe mich nicht informiert, so dass ich nicht wusste, wie der Film enden wird. Verhoeven hätte ich alles zugetraut. Die Story fand ich phasenweise sogar spannend. Sexy ist der Film teilweise auch, aber nicht immer obwohl es doch viel nacktes Fleisch zu sehen gibt. Virginie Efiras Körper und Rundungen agieren dabei wir die Kreatur in einem Tierhorrorfilm: mit dem Fortschreiten der Geschichte sieht man immer mehr und länger die Objekte der Begierde.

 

Fazit: Kommt auf die Wunschliste! Auf Paul Verhoeven ist Verlass!

 

Infos:

 

O: Benedetta

 

Frankreich, Belgien, Holland 2021

 

R: Paul Verhoeven

 

D: Charlotte Rampling, Lambert Wilson, Virginie Efira, Olivier Rabourdin, Daphne Patakia, Clotilde Courau, Satya Dusaugey, Louise Chevillotte

 

Laufzeit der Kinoversion: Ca. 131 Min.

 

Gesehen am: 02.12.21

 

Fassungen: Gesehen im Schweizer Kino im O-Ton, mit deutschen Subs und Uncut. In Deutschland soll der Film von Koch Films am 24.02.21 erscheinen. Nachtrag Aug. 2024: für eine 2. Sichtung lag mir nun die deutsche Blu-Ray von Capelight vor = Uncut, O-Ton mit deutschen Subs, Wendecover, sehr gute Bild- und Tonqualität. Ich kaufte die Single-Disc Edition. Diese bietet paar wenige Standart-Extras. Nicht alles am Film ist toll = das teilweise kleine Budget sieht man dem Film an, Hintergründe und andere CGI-Momente sind billig (Feuer, Schlangen) und die Optik wirkt zu sauber für den Inhalt. Nebst lesbischen Sexszenen gibt es jedoch noch andere positive Inhalte wie Machtmissbrauch, Kritik an der Kirche, Folter und Pest. Mag ich.

Freitag, 30. Oktober 2020

Frankenstein's Army Review

Horroktober 2020 / NIFFF 2013

Frankenstein's Army

Story:

Ende des 2. Weltkrieges:

Russische Soldaten entdecken ein geheimes Nazi Labor, in welchem Doktor Frankenstein an "Super Soldaten" experimentiert...

Meine Meinung:

Frankenstein's Army sah ich 2013 am NIFFF. Nun folgte die 2. Sichtung des Euro-Fun-Splatter. Fazit: der Film sagt mir nicht mehr zu und wird aus der Sammlung verbannt. Der Film ist eine Weiterführung des Filmes Worst Case Scenario, der jedoch nie entstand (es gab aber einen Trailer). Die Hauptidee stammt von Richard Raaphorst inklusive Brian Yuzna (Bride of Re-Animator).

Was das Found-Footage Genre angeht, bin ich kein allzu grosser Freund. Sicher, es gibt positive Ausnahmen: Cannibal Holocaust, As Above, So Below, Trollhunter, Man Bites Dog oder Devil's Pass. Dazwischen gab es viel Mittelmässiges (Quarantäne, REC Reihe) bis Schlechtes (Blair Witch, The Sacrament, Grave Encounters). Frankenstein's Army würde ich in die Stufe «Mittelmass» einteilen.

Die verwackelte Kamera empfand ich teilweise als negativ. Der Film hat nur vereinzelte Splatter-Highlights, vielleicht 2-3 Szenen. Die wahren Highlights sind die Super-Soldaten, die cool und fantasievoll getrickst wurden (ohne CGI). Aber auch hier: die Kamera hätte gerne länger und vor allem ruhiger ins Geschehen filmen dürfen…

Ansonsten wird eine vorhersehbare und spannungsarme Story (Experimente der Nazis im 2. Weltkrieg) abgespult, die mit Längen, zu wenig Gore und mässigen Figurenzeichnungen / Darstellern aufwartet. Dass alle Russen Englisch sprechen war nervig wie der Humor, den ich doof fand. Eine ernste Inszenierung wäre wünschenswert gewesen.

Fazit: Gutes Konzept aber es hapert an einer dürftigen Umsetzung!

Infos:

O: Frankenstein's Army

Niederlande, Tschechische Republik, USA 2013

R: Richard Raaphorst

D: Karel Roden, Joshua Sasse, Robert Gwilym, Alexander Mercury, Luke Newberry

Laufzeit der deutschen Blu: 84:07 Min.

Gesehen am: NIFFF 2013 / Review überarbeitet am: Okt. 2020

Fassungen: Für die 2. Sichtung lag mir die deutsche Blu-Ray von Ascot Elite vor = Schuber, Uncut, Deutsch/Englisch mit deutschen Subs. Die Bild- und Tonqualität sind hervorragend.

Donnerstag, 10. September 2020

Spookies Review


Spookies

Story:

Ein irrer Zauberer braucht Menschenopfer, um seine kranke Frau in einem abgelegenen Anwesen am Leben zu erhalten. Da kommt ihm eine Gruppe Teens, welche sich verirrt haben und einen Platz zum Schlafen brauchen, gerade Recht…

Meine Meinung:

Ich dachte immer, dass es sich bei Spookies um eine UK-Produktion handelt. Aber es scheint eine Amerikanisch-Holländische Produktionen zu sein. Vielleicht lag es daran, dass der Film auch von Michael Lee, dem Gründer des UK-Horrorlabels VIPCO, produziert wurde? Vielleicht…

Die letzte Sichtung ist auch schon 12 Jahre her. Ich freute mich auf eine Neusichtung. Spookies war ein Titel in meiner Sammlung, wo eine bessere Fassung Pflicht war. Es gibt einige Filme, welche ich neu kaufen würde/werde, sobald es bessere Alternativen gibt (= besseres Bildformat, O-Ton statt Dubbed, Uncut statt Cut, Subs als Optionen statt keine Subs…).

Spookies gehörte dazu und die neue US-Blu Ray ist für Fans klares Pflichtprogramm. Was Besseres, in jeder Hinsicht, wird es nicht geben. Der Film ist kein Kracher. Aber es gibt einige Szenen, die toll geraten sind. Es wird eine Art Backwood-Story mit abgelegenem Haus erzählt. Dumme Teens, die mehrheitlich nicht sympathisch wirken und vor allem eins sind: Kanonenfutter. Plus: Inhalte, die an The Evil Dead erinnern.

Der Film, der chaotische Produktionsbedingungen über sich ergehen lassen musste (Crew die gefeuert wurde, Nachdrehs mit anderen Schauspielern), überzeugt durch das Ende, welches mir persönlich gefiel, aber vor allem durch seine Make-Up Effekte. Die Teens bekommen es mit zig unterschiedlichen Monstern zu tun, nicht nur Zombies, sondern auch viele andere Geschöpfen.

Die Arbeit des Maskenbilder und Effekte-Spezialisten war erste Sahne! Es gibt viele liebevolle, sympathisch und charmante Effekte, Monster-Masken und Gummimonster zu sehen! Eine richtige Ansammlung von obskuren Kreaturen. Schön. Das ist auch der Grund, warum der Film, obwohl bei Leibe nicht perfekt und man die Auswirkungen der chaotischen Produktionsbedingungen auch negativ wahrnimmt, trotzdem ansieht und Freude haben kann.

Fazit: Nur schon wegen den Effekten für 80er Jahre Horrorfilmfans interessant!

Infos:

O: Spookies

USA, Holland 1986

R: Thomas Doran, Brendan Faulkner, Genie Joseph

D: Felix Ward, Maria Pechukas, Dan Scott, Alec Nemser, A.J. Lowenthal

Laufzeit der US-Blu-Ray: Ca. 85 Min.

Gesehen am: Mai 2008 / Review überarbeitet am: 04.07.20

Fassungen: Mir lag für die Neusichtung die US-Blu Ray von Vinegar Syndrome vor = Uncut, exklusive Extras, neues Master, hervorragende Bild- und Tonqualität und englische Subs vorhanden. So gut sah man den Film zuvor nie. Die UK DVD von Vipco wird entsorgt. In Deutschland nur Uncut auf DVD zu haben (Fullscreen).

Mittwoch, 15. April 2020

The Human Centipede (First Sequence) Review

The Human Centipede (First Sequence)

Story:

Der irre Dr. Heiter (Dieter Laser) entführt drei Touristen (Akihiro Kitamura, Ashley C. Williams, Ashlynn Yennie) um aus ihnen operativ einen menschlichen Tausendfüssler zu erschaffen…

Meine Meinung:

Zu Ehren des deutschen Charakter-Schauspielers Dieter Laser, der bereits im Februar dieses Jahres verstarb (wurde jedoch erst im April 2020 öffentlich kommuniziert), gab es eine Neusichtung der provokativen The Human Centipede-Reihe. Mir war Dieter Laser zuvor unbekannt.

2009 machte der holländische Skandalfilm The Human Centipede von sich reden, um dessen Film-Reihe sich so was wie ein kleiner Kult aber auch Hype (vor allem um Teil zwei) abzeichnete inklusive Hommagen in der Pop-Kultur (sogar die Serie South Park widmete sich in einer Episode dem Inhalt von The Human Centipede).

Kann die Reihe mehr, als nur schocken? Werden die Filme nach der 2. Sichtung weiterhin in der Sammlung bleiben? Fragen über Fragen – zumindest für Teil eins kann ich klar sagen: ja, bleibt in der Sammlung! Schon nach Erstsichtung der drei Filme war mir der erste am liebsten. Dies dürfte auch so bleiben.

Trotz skeptischem Beginn des Filmes (Bilder einer Autobahn, sterile Optik, zunächst kein Soundtrack wahrnehmbar, 08/15 Beginn à la Backwood/Slasher-Film mit doofen und nervenden Figuren) wird der Film mit dem Verlauf der Story besser und besser. Zwar bedient man sich auch krassen Klischees (Dass der Mad Scientist ausgerechnet ein Deutscher sein muss mit den Namen Josef = Anspielung auf Dr. Mengele), aber wer sich daran nicht stört, findet mit The Human Centipede einen nicht uninteressanten und vor allem sehr fantasievollen Film vor, der im Horror-Genre endlich Mal was Neues, Originelles und noch nie Dagewesenes bietet.

Der Film überzeugt nebst Story und Verlauf vor allem durch das starke Schauspiel von Dieter Laser, der den Film alleine trägt. Stark! Dem Film kommt die Authentizität zugute – es wird Deutsch, Englisch und Japanisch gesprochen, da die Opfer Touristen sind. Der Japaner versteht z.B. kein Wort, was ihm gesagt wird (z.B. bei der krassen Aufklärung von Dr. Heiter, als er den Opfern vorführt, um was für eine Operation es sich handelt – Mund zu Anus Verbindungen via Naht um einen menschlichen Tausendfüssler zu kreieren) = was den Schrecken einzelner Szenen nur noch intensiver macht.

Der Japaner spielt, was die Touristen angeht, am besten. Die zwei Mädels nerven zuerst, aber sind danach nur noch «Statisten». Die zwei Cops im Finale waren schwächer und mässig – in den Szenen war das Overacting von Dieter Laser teilweise auch zu viel des Guten. Der Film ist kein Splatter-Film. Einzelne Szenen ekeln wegen der Information, der Vorstellung, der Grundidee. Es ist teilweise mehr psychologischer Schrecken/Tortur, der im Film verbreitet wird (paar blutige Details gibt es natürlich trotzdem zu sehen).

Der Film nimmt sich mit der Story und der Beziehung des irren Arztes zu seiner Erschaffung Zeit. Es gibt einige urkomische Szenen in dem ansonsten ernsten Film – hier und da ist ein kleines Mass an bitterbösem, schwarzem Humor zu erkennen, wenn Dr. Heiter z.B. seinen Tausendfüssler «trainiert». Gegen Ende gewinnt der Film sogar an Spannung (Cops tauschen auf, die Opfer versuchen der entkommen etc.), so dass The Human Centipede, sobald der Film Mal Fahrt aufgenommen hat, kurzweilig mit interessanter, böser, fieser und ekliger Story und einem absolut motivierten Dieter Laser zu überzeugen vermag!

Fazit: Muss man gesehen haben, um es zu glauben!


Infos:

Holland 2009

R: Tom Six

D: Akihiro Kitamura, Dieter Laser, Andreas Leupold, Ashley C. Williams, Ashlynn Yennie

Laufzeit der UK-DVD: 88:13 Min.

Gesehen am: Okt. 2010 / Review überarbeitet am: 15.04.20

Fassungen: Mir lag die UK-DVD von Bounty Films vor = Uncut, O-Ton (90% Englisch, 5% Deutsch, 5% Japanisch) mit englischen Subs, exklusiven Extras. Die Bild- und Tonqualität sind sehr gut. Die deutschen Fassungen sind nur zensiert. Über Österreich gibt es jedoch (von NSM auf DVD oder Blu-Ray) Uncut-Fassungen. Es lohnt sich, Film im O-Ton zu schauen. In durchgängigem Deutsch kann der Film wegen der Sprachbarriere im O-Ton nicht funktionieren…