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Mittwoch, 4. März 2026

November

 

November

Story:

Estland im 19. Jahrhundert, im November und zu Zeiten der Pestgefahr:

Für das einfache Volk, Bauern und Dorfbewohner sind es schwere Zeiten. Zwar helfen die Kratts bei der Arbeit, doch nicht selten verlieren Menschen ihre Seele, um mit dem Teufel zu Geschäften und sich Vorteile zu erhoffen. Liina (Rea Lest) verliebt sich in Hans (Jörgen Liik). Dieser hat jedoch nur Augen für die Tochter (Jette Loona Hermanis) des Barons (Dieter Laser). Da beschliesst es Liina mit einem Zauber…

Meine Meinung:

November, in wunderschönen Schwarzweiss-Bildern gedreht, basiert auf dem Roman Der Scheunenvogt (Rehepapp ehk November) von Andrus Kivirähk. Einem Roman, der als unverfilmbar galt. Den Film, den ich via Severin Films Box All The Haunts Be Ours: A Compendium of Folk Horror Vol. 2 sah, ist ein Mix aus Romann-Verfilmung, Folklore, Märchen und Arthouse-Film. Ob der Roman 1:1 übernommen und verfilmt wurde, weiss ich nicht, da ich diesen nicht kenne.

Regisseur Rainer Sarnet hatte die Idee zum Film bereits im Jahr 2005. Es dauert jedoch bis 2014, ehe der den Film drehen konnte (innerhalb von 60 Tagen zwischen 2014-2016). Ich sah mir den Film ohne jegliches Vorwissen an. Optisch sind die Bilder ein Genuss und zuweilen sehr stimmungsvoll. Absolut zum Geniessen. Der Fantasy- und Märchen-Anteil ist ebenfalls sehr hoch. Ich hätte gerne etwas mehr von den Kratt gesehen. Die Kratt sind die «Kreaturen», die in der estnischen Folklore aus Gegenständen zusammengebaut und dann dank einer Seele Leben eingehaucht bekommen. Diese könnten direkt (optisch) aus einem Horrorfilm stammen.

Es geht jedoch primär nicht um die Kratt. Inhaltlich könnte ich fast von einem Style over Substance Faktor sprechen. Mit einer Laufzeit von fast 120 Minuten war mir der Film jedoch zu lang, der Plot zu dünn, der Humor unpassend und die Figuren und deren Schicksale (eine tragische Love-Story gibt es obendrein) uninteressant. Das ist schade. Die Dramatik und Tragik färben nicht auf den Zuschauer ab, da die Figuren einem nichts an Herz wachsen, auch wenn ich das Ende, da kein Happy End, doch mochte. The Human Centipede Star Dieter Laser ist hier in einer kleinen Nebenrolle und übrigens in seiner letzten Rolle zu sehen, bevor er kurze Zeit später starb.

Fazit: Optisch toll, sonst weniger mein Fall.

Infos:

O: November

Estland, Polen, Holland 2017

R: Rainer Sarnet

D: Jörgen Liik, Dieter Laser, Katariina Unt, Rea Lest, Mari Abel, Arvo Kukumägi, Jaan Tooming, Jette Loona Hermanis

Laufzeit der US-Blu-Ray: Ca. 119 Min.

Gesehen am: 04.03.26

Fassungen: Gesehen als US-Blu-Ray von Severin Films (All The Haunts Be Ours: A Compendium of Folk Horror Vol. 2) = Hervorragende Bild- und Tonqualität, Uncut, O-Ton und englische Subs vorhanden. Gibt es in Deutschland auf Blu-Ray von donau film / ALIVE (Uncut, Deutsch/Estnisch mit deutschen Subs).

Sonntag, 27. April 2025

Chainsaws Were Singing

Brugggore Filmfestival 2025 Spezial

Chainsaws Were Singing

Story:

Maria (Laura Niils) wird von einem Kettensägen schwingenden Irren entführt. Ihr Freud Tom (Karl Ilves) setzt alles daran, Maria aus dessen Fängen zu befreien…

Meine Meinung:

Nach The Black Hole der zweite Betrag aus Estland am diesjährigen Brugggore Filmfestival. Den Film nahm ich nur schon aufgrund des Titels und des Plakates in mein persönliches Programm auf. Der Film, der an unzähligen Film Festivals rund um die Erde gezeigt wird und der sich zehn Jahre (!!!) in der Post-Produktion befand, kann nicht nur als Hommage an Tobe Hoopers Blutgericht in Texas verstanden werden, sondern auch als rabenschwarte, total verrückte und sympathische Idee seitens Regisseur Sander Maran und seinem Bruder, wobei letzterer im Film auch mitspielt.

Beim Film handelt es sich um einen Mix aus Hommage, Backwood-Horror, Musical, Liebesgeschichte und Komödie/Satire. Eine wilde Mischung, die so erstaunlich gut funktioniert. Low Budget hin oder her, der Film hat sehr viel Spass gemacht, auch wenn bei Leibe nicht alles perfekt geworden ist. Mit einer Laufzeit von zwei Stunden ist der Film, der mehreren der Hauptpersonen ein Kapitel widmet, in denen ihre Vorgeschichte erzählt wird, sicher etwas zu lange geraten. Zumindest die Figur Cobra und dessen Sub-Plot (Bukkake…) hätte man z.B. zuhanden einer etwas kürzeren Laufzeit komplett weglassen können.

Der Film, der viele Blutgericht in Texas Vibes bietet, ist charmant und auch die Mehrheit der Figuren fand ich sympathisch. Vor allem die Helden und die Guten. Speziell Tom, Maria und Jaan waren super gespielt. Auch die kannibalistische Redneck Familie war gut gespielt: total verrückt und überzeichnet, aber meine Sympathien galten den Helden, nicht der Kannibalen-Familie. Auch Nebenfiguren (die trotteligen Cops z.B.) waren amüsant und der Film bot allgemein extrem viel zu lachen. Mit Blut wird auch nicht gespart. Der Film kaschiert das kleine Budget wunderbar.

Fazit: Sicher einer der wildesten, fantasievollsten und verrücktesten Filme, den ich in den letzten Jahren an einem Filmfestival sah! Tolles Konzept, welches in seiner Entstehungsgeschichte an Bad Taste erinnert.

Infos:

O: Mootorsaed laulsid

Estland 2024

R: Sander Maran

D: Karl Ilves, Laura Niils, Martin Ruus, Janno Puusepp, Rita Rätsepp

Laufzeit der Kinofassung: Ca. 117 Min.

Gesehen am: Brugggore Filmfestival 2025

Fassungen: Film am Brugggore Filmfestival gesehen = Uncut, O-Ton und englische Subs. Es gibt noch keine DVD, Blu-Ray oder UHD (Stand: April 2025).

Donnerstag, 24. April 2025

The Black Hole

Brugggore Filmfestival 2025 Spezial

The Black Hole

Story:

Diverse Bewohner in Estland, die in einem Wohnblock leben, bekommen es mit Aliens, mit mysteriösen Spinnen und mit der Suche nach unerfüllten Wünschen zu tun…

Meine Meinung:

The Black Hole dürfte wohl der erste Spielfilm aus Estland sein, den ich gesehen habe. Ich wusste im Voraus nicht viel über den Inhalt. Ich wusste nur, dass es mit Bewohner aus einem Wohnblock, einem schwarzen Loch und mit Aliens zu tun hat. Ich habe mir einen wilden Genre-Mix aus Sci-Fi, Komödie und Sozialkritik versprochen und ggf. noch etwas Gore (aufgrund einiger Szenen aus dem Trailer). The Black Hole wirkt nach der Sichtung unausgeglichen.

Für meinen Geschmack hatte der Film zu wenig Aliens und zu viel Sozialkritik. Der Film läuft fast zwei Stunden, was seine Laufzeit angeht. Dabei machen die Aliens leider nur ca. 20% aus. Die Spinnen kommen sogar noch viel weniger vor. Was ich im Vorfeld auch nicht wusste ist die Tatsache, dass sich Regisseurin Moonika Siimets für ihren dritten Spielfilm (zuvor hat sie mehrere Kurzfilme realisiert) drei Kurzgeschichten angenommen hat, welche sie verfilmt und in einem Film untergebracht hat. Das dürfte auch der Grund sein, warum der Film unausgegoren wirkt und die Aliens eben nicht das Hauptthema ausmachen.

Der Film ist technisch sehr stark in Szene gesetzt. Die Sci-Fi-Effekte (Raumschiff, Lichtstrahl, die Aliens, die Reise durch de Galaxie) sind tricktechnisch fantastisch anzusehen. Da kann sich Hollywood eine Scheibe von abschneiden. Es gibt nicht einen schlechten (CGI) Effekt zu sehen. Zum Teil würde ich sogar auf handgemacht Effekte und Kostüme/Creature-Effects tippen. Auch die Spinne war, in ihrer leider viel zu kurzen Szene, toll anzusehen. Davon hätte ich gerne mehr gesehen. Das Schauspiel war stark und der Humor, der öfters zum Tragen kommt, auch nicht von schlechten Eltern.

Der Plot kann zunächst Spannung generieren, da der unvorbereitete Zuschauer nicht weiss, wo die Reise hingeht. Mit der Zeit, nachdem die Aliens mehr und mehr von der Bildfläche verschwinden, wird der Plot allerdings lahm. Und es herrscht dominierende Sozialkritik. Und aussergewöhnlich auffallend ist, dass der Mann dabei schlecht wegkommt. Dies kann aus mehreren Ansichten im Film so gesehen werden (Schwul ist willkommen, noch besser sind rein lesbische Beziehungen und der letzte Ausweg ist, wenn sich Frauen an die Aliens ranmachen da es keine guten Männer mehr gibt. Der Hetero Mann ist natürlich ein Frauenschläger). Das hatte schon einen faden Nachgeschmack. Das Ende und letzte Viertel, indem dann plötzlich wieder das Alien auftaucht, gefiel mir gar nicht.

Fazit: Stark Geschmackssache. The Black Hole (ein schwarzes Loch in dem Sinne kommt im Film übrigens nicht vor) hat dabei leider weniger meinen Geschmack getroffen, trotz starken Effekten und überzeugendem Schauspiel!

Infos:

O: Must auk

Estland 2024

R: Moonika Siimets

D: Ursel Tilk, Liina Tennosaar, Rea Lest

Laufzeit der Kinofassung: Ca. 115 Min.

Gesehen am: Brugggore Filmfestival 2025

Fassungen: Film am Brugggore Filmfestival gesehen = Uncut, im O-Ton mit englischen Subs. Es gibt noch keine DVD, Blu-Ray oder UHD (Stand: April 2025).

Sonntag, 9. Juli 2017

Lake Bodom Review

 
NIFFF 2017 Spezial
Lake Bodom

Story:

1960 wurden am Bodom Lake vier Jugendliche erstochen. 50 Jahre später wollten einige Jugendliche den Ort aufsuchen – keine gute Idee…

Meine Meinung:

Lake Bodom ist nur ein durchschnittlicher Slasher, den man sich höchstens einmal ansehen kann. Nicht gesehen = nichts verpasst und es gibt viele bessere Slasher.

Der Film startet solide und teilweise mit einer geringfügig vorhandenen Spannung und Stimmung, welche sich dann jedoch Mitte des Filmes, nach dem ersten Twist, komplett verabschiedet. 

Man versucht halt origineller zu sein und nicht nur nach dem 08/15 Prinzip zu funktionieren, doch das muss nicht immer gut sein, vor allem wenn dabei Atmosphäre und Spannung drauf gehen. 

Für einen Slasher wurden dann auch zu wenig Drogen konsumiert, Nacktszenen/Sex gibt es überhaupt nicht und die Figuren waren nicht wirklich sympathisch. 

Die Story und Motive waren zudem sehr unglaubwürdig und es gab bei den kaum vorhandenen Kills auch viel zu wenig Blut. 

So gesehen sind auch alle positiven "theoretischen" Aspekte eines tollen Slashers nicht gegeben, so dass ich den Film nicht wirklich empfehlen kann. Reiner Durchschnitt.

Infos:

O: Bodom

Estland, Finnland 2016

R: Taneli Mustonen

D: Mimosa Willamo, Nelly Hirst-Gee, Mikael Gabriel, Santeri Helinheimo Mäntylä, Ilkka Heiskanen

Laufzeit der Kinoversion: Ca. 85 Min.

Gesehen am: Am NIFFF (Neuchatel International Fantasy Film Fest): Juli 2017

Fassungen: Am NIFFF (Neuchatel International Fantasy Film Fest) gesehen im O-Ton mit franz. UT. Wird in Deutschland Ende Juli auf DVD / Blu Ray erscheinen.