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Donnerstag, 9. Juli 2026

At the Place of Ghosts

NIFFF 2026 Spezial

At the Place of Ghosts

Story:

Zwei Brüder (Blake Alec Miranda und Forrest Goodluck) mit schwerer Vergangenheit sind gezwungen, sich wieder zu vereinen. Sie müssen, um einen Geist aufhalten zu können, tief in die Wälder eindringen…

Meine Meinung:

At the Place of Ghosts hat mir nicht wirklich gefallen. At the Place of Ghosts ist ein kanadisch-belgischer Film im Indigenen Setting. Der Film ist aber nicht wirklich eine grosse Auseinandersetzung mit den australischen Ur-Völkern, eigentlich auch kaum ein Ghost-Film und schon gar kein Folkhorror-Film, obwohl öfters als solcher betitelt. Viel mehr ist das ein Familiendrama um zwei Brüder, die seit ihrer Kind- und Jugendzeit ein schweres Geheimnis hüten. Die sich entfremdet haben. Es geht um Kummer, Trauma und Vergebung.

At the Place of Ghosts hat einige schöne Naturaufnahmen und überzeugt durch die Settings. Die Musik war authentisch und zum Setting passend. Zudem war der Film von den mir unbekannten Darstellern gut gespielt. Leider blieben die Figuren relativ blass charakterisiert, so dass ich mit ihnen nicht mit gefiebert habe. Es entstehen nicht wirklich Sympathien für die zwei Brüder. Inhaltlich hat mich der Film auch nicht abgeholt. Richtig spannend wurde es nie und die Zeitreisen während ihrer Reise in den Wäldern wirkte mehr irritierend oder aufgesetzt, so z.B., wenn die Ureinwohner von ausländischen Soldaten angegriffen werden.

Laut KI starteten Kämpfe zwischen australischen Ureinwohnern und ausländischen Kolonisten im Jahr 1788. Dass es dazumal schon Power-Frauen als Soldatinnen gab (dazu noch lesbisch, so wie es dargestellt wurde), ist einfach unglaubwürdig. Die Szene nahm vielleicht fünf Minuten im Film ein und wirkte unpassend und aufgesetzt. Vielleicht waren das Auflagen, die integriert sein mussten, um Fördergelder zu bekommen (einer der Brüder ist auch homosexuell, und daraus wird für den Plot eigentlich auch wenig gemacht). Das Finale war enttäuschend und die CGI-Effekte waren schlecht. Ich mag keine CGI.-Geister (die sich dann in Blätter auflösen) und ganz übel und schlecht waren die Szenen mit den CGI-Wölfen. Einfach nur grauenhaft und peinlich. Klar, dass ist eine Independent Produktion, aber trotzdem. Dann lieber gar nicht solche Szenen drehen, als solchen Mist zu zelebrieren.

Da hatte ich leider falsche Erwartungen. Ich hatte mir mehr (Folk)Horror versprochen, so dass ich am Ende mit At the Place of Ghosts nur wenig anzufangen wusste…

Infos:

O: Sk+te'kmujue'katik

Kanada, Belgien 2025

R: Bretten Hannam

D: Blake Alec Miranda, Martha Irving, Forrest Goodluck

Laufzeit der Kinofassung: Ca. 81 Min.

Gesehen am: NIFFF 2026

Fassungen: Gesehen am NIFFF 2026 im Originalton und ggf. mit englischen Untertiteln. Es gibt noch keine DVD, Blu-Ray oder UHD (Stand: Juli 2026).

Samstag, 4. Juli 2026

Species

NIFFF 2026 Spezial

Species

Story:

Margot Loiseau (Mara Taquin) arbeitet neu als Assistenzärztin im Notfall. Sie will Ärztin werden. Sie steht unter der Leitung der renommierten, aber knallharten Ärztin Dr. Vergile (Karin Viard). Mit anderen Kandidaten (Kim Higelin, Sami Outalbali) nimmt der Konkurrenzdruck zu. Nachdem Margot eine Patientin mit sonderbarem Rückenausschlag behandelt hat, nimmt sie kurze Zeit später auch an sich Veränderungen wahr…

Meine Meinung:

Auf Species, so der englische Titel dieses französischen Filmes, war ich gespannt. Von Species wusste ich praktisch nichts. Ich glaube, dass es zu dem Zeitpunkt, als ich mir am NIFFF die Vorstellung gebucht habe, auch noch keinen Trailer zum Film existierte. Das ist nicht Mal so unüblich. Das kommt bei Filmen, die an Filmfestivals laufen, ab und zu vor (oder dass noch kein Filmplakat existiert). Aber auch solche Filme haben ihren Reiz, da der Zuschauer wirklich nicht weiss, was er da zu sehen bekommt. Es ist nicht möglich, sich anhand eines Trailers oder eines Plakates Vorstellungen zum Film zu machen.

Das Setting im Krankenhaus fand ich als Diplomierter Pflegefachmann (so heisst die Ausbildung der Krankenschwester in der Schweiz), der seit über 16 Jahren im Pflegeberuf arbeitet, spannend. Gerade im Bezug auf einen möglichen Horrorfilm mit möglichen Themen wie Paranoia, Infektionen, Zombies bzw. Infizierte. Um was genau geht es denn in Species? Der Film war inhaltlich spannend, konnte mich aber am Ende nicht ganz überzeugen. Der Film ist eine übertriebene und sozialkritische Satire. Das kann der Zuschauer gut finden. Für mich war der Film, der sich zuerst realistisch gibt, am Ende zu überdreht.

Die anti-kapitalistische Sozialkritik von Regisseurin Marion Le Coroller am Ende gefiel mir nicht. Auf der einen Seite ist es schön, dass sie schützend die Hand über die Gen-Z und deren Arbeitsmoral hält und mögliche Folgen, auf satirische und übertriebene Art und Weise, aufzeigt. Auf der anderen Seite sehe ich selbst tagtäglich im Beruf, dass viele der heutigen jüngeren Arbeitskräfte eine schlechte Arbeitsmoral haben und teilweise im Beruf unbrauchbar sind. Der Film zeigt diese Auswirkungen aus der Sicht aus zwei Berufen: im Pflegeberuf und im Bankwesen. Ich selbst habe diese Erfahrungen, die Margot im Film macht, nicht gemacht, obwohl ich seit über 16 Jahren und mit den beiden Ausbildungen zusammen 22 Jahre im Pflegeberuf tätig bin. Ok, sie ist Assistenzärztin, ich «nur» Pflegefachmann.

Natürlich werden Menschen im Beruf ausgenutzt, aber viele lassen das halt auch zu. Ich bin der Meinung, dass viele auch selbst schuld sind und nicht zu sich schauen. Ich spreche jedoch aus der Sicht der Langzeitpflege (Alters- und Pflegeheime) und nicht aus dem Akut d.h. nicht aus der Sicht einer Angestellten im Krankenhaus. In der Langzeitpflege ist das krasse Gegenteil der Fall: da kann die Angestellte auch grottenschlecht arbeiten, lügen, immer krank sein, gefährliche Pflege leisten, psychisch auffällig sein, bei Angehörigen Reklamationen auslösen, Rückmeldungen nie annehmen und nie umsetzen, Weisungen missachten etc. und es passiert nichts. Es wird weggeschaut und geduldet da Personalmangel (und schlechte Vorgesetzte). Das ist erschreckend. Da wünschte ich mir, dass man Menschen, die nichts im Pflegeberuf verloren haben, da krank, manipulativ, nicht teamfähig, nicht reflektierend und einfach nur faul und asozial, aussortieren würde. Aber Pustekuchen. Das ist der Alltag in der Langzeitpflege.

Species ist zwar eine Zeitlang inhaltlich spannend, bevor klarer wird, wo die Reise hinsteuert, technisch innovativ und toll gespielt, aber das Problem ist für mich die Tatsache, dass der Film stark an The Substance und vor allem die Serie The Beauty erinnert. Vor allem an Letztere fühlte ich mich sehr erinnert, da sich auch dort die Opfer verändern und aggressive Tendenzen entwickeln, ähnlich wie hier. Und andere auch angesteckt werden können. Daher muss ich sagen, dass ich den Inhalt in Species nicht wirklich neu, erfrischend oder original fand. Die Bodyhorror-Momente hätten für meinen Geschmack auch gerne ekliger sein dürfen. Die Musik von Rob war passend, dennoch kommen die Klänge nicht an seine Arbeit aus Maniac heran.

Fazit: Geschmackssache. Viele werden Species abfeiern. Ich fand den Film absolut in Ordnung, aber ich fühlte mich zu sehr an die Serie The Beauty erinnert und das Ende traf meinen persönlichen Geschmack nicht = Es dürfte bei dieser Sichtung bleiben…

Infos:

O: Sanguine

Frankreich, Belgien 2026

R: Marion Le Coroller

D: Mara Taquin, Karin Viard, Kim Higelin, Sami Outalbali

Laufzeit der Kinofassung: Ca. 103 Min.

Gesehen am: NIFFF 2026

Fassungen: Gesehen am NIFFF 2026 im Originalton und ggf. mit englischen Untertiteln. Es gibt noch keine DVD, Blu-Ray oder UHD (Stand: Juli 2026).

Samstag, 12. Juli 2025

Alpha

NIFFF 2025 Spezial

Alpha

Story:

Ein unbekanntes und tödliches Virus verbreitet Angst und Schrecken. Als sich die 13jähjrige Alpha (Mélissa Boros) auf einer Party ein Tattoo stechen lässt und sich die Wunde infiziert, löst dies in ihrem schulischen Umfeld Angst, Mobbing und Stigmata aus. Alphas Mutter (Golshifteh Farahani), die im örtlichen Krankenhaus arbeitet, hat alle Hände voll zu tun. Nebst dem Virus und der infizierten Wunde von Alpha taucht noch ihr drogensüchtiger Bruder (Tahar Rahim) bei ihr auf, was für zusätzliche Spannungen sorgt…

Meine Meinung:

Als ich sah, dass es sich bei Alpha um den neuen Film von Julia Ducournau handelt, war ein Besuch am NIFFF beschlossene Sache. Ihr Raw gefällt mir auch heute noch aussenordentlich gut und schon den sah ich dazumal am NIFFF (2017). Ich wusste über Alpha praktisch nichts. Die Inhaltsangabe oben habe ich nach der Sichtung angepasst. Mein Vorwissen bezog sich auf zwei Elemente: es geht um einen Virus und die 13jähjrige Alpha lässt sich ein Tattoo stechen. Ich erwartete einen Mix aus Coming of Age und Bodyhorror (zum Teil wird der Film auch als Bodyhorror Film bezeichnet).

Mehr wusste ich nicht. Dass der Film z.B. in den 80ern spielen soll, wurde mir während der Sichtung nicht klar (hätte mir auffallen müssen, da niemand ein Handy hat). Dass das Virus übergeordnet für den HIV-Virus steht, hatte ich so auch nicht interpretiert (ich dachte zuerst mehr daran, dass das Covid-Thema im Film eingeflossen ist). Der Kumpel (aus Zürich, der auch am NIFFF war) und viele negative Rezessionen liessen meine Erwartungen vor der Sichtung in den Keller senken bzw. ich ging neutral an den Film heran. Ich versuchte, mich davon nicht beeinflussen zu lassen. Der Film fühlte sich wie ein Überraschungs-Ei an. Ich wusste nicht, was mich wirklich erwarten würde. Nach der Sichtung kann ich sagen, dass ich positiv überrascht wurde.

Alpha hat mich zum Teil emotional sehr berührt und hat meine sensible Seite stark getroffen, auch wenn die Musik in einigen Szenen leider unpassend gewählt war, fand ich. Der Film hat meiner Meinung nach nichts mit Bodyhorror zu tun, auch wenn die Infizierten sich körperlich (phantastisch) verändern. Ich sehe das mehr als Metapher. Dass es sich im Film um das HIV-Virus handeln soll, wird nie gesagt. Das Virus bekommt im Film keinen Namen und der Plot mit dem Virus ist nur das Setting und die Rahmenhandlung. Es geht per se aber nicht darum. Auch die Coming of Age Szenen sind zahlenmässig kleiner als erwartet.

Es geht mehr um Inhalte wie Sucht, Co-Abhängigkeit, Traumata, Verlust und Tod inklusive soziokultureller Themen. Das waren die zentralen Inhalte des Filmes und der drei Hauptfiguren. Und die mir unbekannten Darsteller haben ihre Sache einfach grandios gemacht. Intensives Schauspiel von Mélissa Boros, Golshifteh Farahani sowie Tahar Rahim (spielt in Inside einen der Polizisten). Da hat es einige Szenen, die gefühlsmässig unter die Haut gehen und Emotionen auslösen können. Der Film ist im Vergleich zu Raw viel sperriger und weniger dem Mainstream unterzuordnen. Der Film ist ruhig. Der Plot wird nicht immer chronologisch erzählt und Gegenwart und Vergangenheit verschmelzen auch Mal.

Fazit: Stark! Landet auf der Wunschliste!

Infos:

O: Alpha

Frankreich, Belgien 2025

R: Julia Ducournau

D: Emma Mackey, Golshifteh Farahani, Tahar Rahim, Finnegan Oldfield, Jean-Charles Clichet, Mélissa Boros

Laufzeit der Kinofassung: Ca. 128 Min.

Gesehen am: NIFFF 2025

Fassungen: Am NIFFF 2025 im O-Ton mit englischen Subs gesehen. Uncut. Es gibt noch keine DVD, Blu-Ray oder UHD (Stand: Juli 2025).

Freitag, 20. Juni 2025

Flow

Flow

Story:

Eine Katze flieht und versucht vor einer Überschwemmung und den damit verbundenen Folgen zu überleben…

Meine Meinung:

Das Plakat und Artwork von Flow sah ich hier und da Online, vor allem in Foren oder auf Social Media. Ich habe mich aber nie um den Film, der sogar einen Oscar gewann (bester Animationsfilm, zudem war er noch in einer 2. Kategorie nominiert), bemüht. So wusste ich nichts bis ich auf eine Rezession meines Kumpels stiess, dem der Film gefiel. Und danach entschloss ich mir den Film im Kino anzusehen. Ausserdem, als «Vater» von zwei Katzen, was sollte da schon schiefgehen? Die schwarze Katze auf dem Plakat erinnerte mich an meine.

So sah ich mir Flow, eine europäische Produktion (u.a. Lettland), im Kino an. Ich fand Flow interessant, spannend und vor allem unterhaltsam. Zwar kein Film für meine Sammlung, Katze als Hauptfigur hin oder her, aber wirklich gut animiert und Katzen-Liebhaber kommen voll auf ihre Kosten, auch wenn noch andere Tiere vorgekommen (Wal, Vögel, Hunde). Die Katze ist aber definitiv die «Hauptfigur». Der Film hat keine Dialoge. Ist Flow ein Kinderfilm? Kann man so auch nicht sagen. In unserer Vorstellung war nur ein einziges Kind, welches in 1-2 Momenten sogar ängstlich schrie, obwohl der Film eigentlich harmlos ist.

Was, denn das Kind wie ich dazumal in jungen Jahren, z.B. Unten am Fluss (oder Felidae) gesehen hätte, den Google u.a. auch als «Kinderfilm» betitelt?! Was mir in Flow besonders gefiel war auch der Plot. Infos oder Erklärungen dazu gibt es während des Schauens keine. Es gibt auch keine Menschen zu sehen. Ich fragte mich, in welcher Zeit Epoche der Film spielt. Und wo die Reise hin geht. Die Tiere werden mehr als nur einmal Gefahren ausgesetzt, die sie meistern müssen. Die animalischen Züge sind toll. So viel ich weiss, gibt es nach dem Abspann noch eine Szene, die auf einen Hinweis zum Inhalt zeigt. Den habe ich leider verpasst. Das würde einladen, den Film nochmals zu sehen…

Fazit: Katzen Liebhaber können bedenkenlos einen Blick riskieren!

Infos:

O: Flow

Belgien, Lettland, Frankreich 2024

R: Gints Zilbalodis

D: -

Laufzeit der Kinofassung: Ca. 85 Min.

Gesehen am: 23.03.25

Fassungen: In Bern im Kino gesehen. Uncut. Es gibt keine Dialoge. Eine deutsche DVD, Blu-Ray oder UHD sind noch nicht angekündigt (Stand: März 2025).

Samstag, 26. April 2025

Else

Brugggore Filmfestival 2025 Spezial

Else

Story:

Anx (Matthieu Sampeur) und Cass (Edith Proust) versuchen in Anx Wohnung zu überleben, während draussen eine unbekannte Pandemie ausbricht. Die Opfer verschmelzen mit der Umgebung. Anx und Cass verweilen isoliert in Anx Wohnung…

Meine Meinung:

Belgien = Salah Abdeslam, Marc Dutroux, Van Damme, (nervendes und z.T. stinkendes) BIFFF Publikum. Daher bin ich bei belgischen Filmen immer skeptisch. Die Idee, den Film während einer unbekannten Pandemie erzählen zu lassen mit zwei Menschen, die sich erst gerade kennengelernt haben und voneinander noch kaum was wissen, ist vielversprechend. Im Verlauf Paranoia à la Bug einzubauen plus Body-Horror- und vor allem Arthouse- und Experimental-Elemente, sind auch nicht verkehrt.

Else ist eine Co-Produktion aus Belgien und Frankreich. Froschschenkel werden in beiden Ländern gegessen, also passt das so. Ich kenne keine anderen Filme von Regisseur Matthieu Sampeur. Obwohl ich den mir unbekannten Cast um Thibault Emin sowie Edith Proust stark, glaubhaft und sympathisch fand, konnte mich der Film, technisch stark inszeniert hin oder her, nicht überzeugen oder abholen. Der Film beginnt stark und ist zunächst interessant.

Eine Spannung ist erst Mal gegeben. Aber nach einer Weile verliert der Zuschauer das Interesse, da der Film immer abgefuckter und futuristischer wird. Am Ende gibt es keine Erklärungen. Schade ist, dass die Effekte vor allem digitale Kreationen sind. Body-Horror à la Die Fliege und Co. wären mir deutlich lieber gewesen. Die Kreationen sind auch sehr abstrakt. Zudem sind die meisten Kreationen nur kurz zu sehen. Die Umgebung stockfinster oder die Kamera verwackelt. Es wirkt so, als hätten die Macher selbst nicht gewusst, was sie da eigentlich tun. Schade.

Fazit: Pseudo-Arthouse Film, der sich im geistigen Nirvana verliert und am Ende einfach langweilt.

Infos:

O: Elsa

Belgien, Frankreich 2024

R: Thibault Emin

D: Lika Minamoto, Edith Proust, Matthieu Sampeur

Laufzeit der Kinofassung: Ca. 100 Min.

Gesehen am: Brugggore Filmfestival 2025

Fassungen: Film am Brugggore Filmfestival gesehen = Uncut, im O-Ton mit englischen Subs. Es gibt noch keine DVD, Blu-Ray oder UHD (Stand: April 2025).

Mittwoch, 17. April 2024

Interstate

BIFFF 2024 Spezial

Interstate

Story:

Gangster Franck (Joey Starr) lässt sein Opfer (Michaël Abiteboul) laufen, statt es zu töten. Das ist die Nacht, in der er und seine Geliebte, Anna (Asia Argento), ihren Chef Cesar (Michele Riondino) den Rücken kehren und ihn verlassen, was sie selbst auf die Abschussliste setzt. Franck und Anna wollen sich in Marseille treffen. Doch als Franck einen Anhalter mitnimmt, wird seine Flucht zu einem tödlichen Katz und Maus-Spiel…

Meine Meinung:

Auf Interstate, eine Co-Produktion zwischen Belgien, Frankreich und Italien, war ich gespannt, auch wenn ich nicht genau wusste, was mich erwarten würde. So gibt es bis heue 17.04 kein Plakat zum Film. Der Film feierte gestern am BIFFF seine Weltpremiere. Interstate ging dann auch in eine andere Richtung, als erwartet. Ich mag französische Gangster-Filme und/oder Serien. Daher mochte ich die Ausgangslage, dass ein Killer seien Job an den Nagel hängen will. In der Regel gefällt das dem Gangsterboss nicht und der Killer wird selbst zum Gejagten.

Aber Interstate geht einen Schritt weiter. Der Film mixt das Gangster-Setting mit einem Serienkiller-Plot (à la Hitcher, der Highway Killer) um im Finale gar noch mit Übernatürlichem aufzuwarten. Das ist sonderbar, fantastisch aber wird nicht allen gefallen. Zumindest das Ende selbst gefiel mir so auch nicht. Hier und da gibt es Logiklöcher. Aber langweilig war Interstate nie. Der Film fesselt, ist wunderbar gefilmt, es gibt viele Autofahrten, die hypnotisch gefilmt (plus viel klassische Musik) sind und auch der Cast vermag zu überzeugen.

Bis auf Asia Argento (Demons 2, Dark Glasses, Land of the Dead, The Church, La Sindrome di Stendhal, Dracula 3D, Die Bartholomäusnacht) war mir der Cast völlig unbekannt. Sie machen alle eine gute Figur. Niemand fällt ab. Joey Starr kennt der Fan schon aus anderen Gangsterfilmen wie Colt 45 oder 22 Bullets. Ihm nimmt man den Gangster problemlos ab. Wo der Film leichte Schwächen hatte, waren die traumatischen Flashbacks, die zeigen, wie Franck zum Killer wurde. Das hatte fast Giallo Vibes, war aber optisch wenig ansprechend umgesetzt.

Fazit: Interessanter Mix aus Gangster- und Serienkiller-Plot! 

Infos:

O: Jour de colère

Belgien, Italien, Frankreich 2024

R: Jean Luc Herbulot

D: Asia Argento, Joey Starr, Michele Riondino, Joaquim Fossi

Laufzeit der Kinofassung: Ca. 90 Min.

Gesehen am: BIFFF 2024

Fassungen: Gesehen am BIFFF im O-Ton und mit englischen Subs, Uncut. Eine DVD/Blu-Ray sind noch nicht angekündigt (Stand: April 2024).

Samstag, 9. März 2024

Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders

 

Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders

Story:

18. Jahrhundert Paris:

Jean-Baptiste Grenouille (Ben Whishaw) kommt mit einer Behinderung zur Welt: er hat keinen eigenen Körpergeruch. Dafür ist sein Geruchssinn exzellent und viel feiner, als jene von anderen Menschen. Diese Gabe macht sich der Parfümeur Guiseppe Baldini (Dustin Hoffman) zu nutzen, als er Jean-Baptiste Grenouille unter seine Fittiche nimmt. Kurze Zeit später kommt es zu einer Serie von Frauenmorden…

Meine Meinung:

Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders ist eine Zusammenarbeit aus diversen Ländern. So war auch Constantin Film aus Deutschland eine der Firmen, die den Film produziert haben. Der Film wirkt auch deutlich mehr wie ein europäischer Film, als ein 08/15 Hollywood-Film. Es handelt sich bei Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders um eine Roman-Verfilmung von Patrick Süskind. Regie führt der deutsche Tom Tykwer.

Ich kenne den Roman nicht. Den Film werde ich nun, nach einer 2. Sichtung, aus der Sammlung entfernen. Nicht dass Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders schlecht wäre, aber ich muss etwas Platz schaffen und Filme wie dieser, fallen nun Mal weniger in mein aktuelles Interessengebiet. Ich hätte mir den Film sogar schlechter erwartet d.h. er hat mir nach der 2. Sichtung besser gefallen als erwartet. Trotz der langen Laufzeit ist der Film eigentlich nicht langweilig und vor allem vor dem Finale richtig spannend.

Ob die Verfilmung gelungen ist und sich mehr oder weniger an den Inhalt des Romans hält oder nicht, kann ich nicht beantworten, da ich diesen nicht kenne. Ggf. werde ich mir den Roman holen und lesen, da der Inhalt doch nicht uninteressant ist. Ich mag das Setting: Paris im 18. Jahrhundert. Die Szenerie zu Beginn, die dreckige Geburt von Jean-Baptiste Grenouille inmitten des Fischmarktes und die Abfolge von Ekel-Szenen (Maden, kotzender Mann, Tier-Innereien) war schon ziemlich cool.

Der Plot ist interessant und quasi in zwei Hälften geteilt. Die eine führt die Figur und dessen Können ein. Dustin Hoffman spielt und agiert wunderbar, entfällt aber für die 2. Hälfte des Filmes, was etwas schade ist. Die Mädels sind allgemein recht hübsch anzusehen, aber vor allem nur Kanonenfutter. Die 2. Hälfte war eine Mischung aus Action (Jagd nach Opfern, Verbessern des Parfüms) aber auch lahmen Szenen, da repetitiv. Stirb langsam Star Alan Rickman hat mir ausgezeichnet gefallen. Ein Punkt, den ich wenig mochte, war Ben Whishaw als Titelfigur Jean-Baptiste Grenouille. Er hat mich da eigentlich nur im sonderbaren, kuriosen Finale überzeugt. Was mit seiner Figur passiert, war mir gleichgültig. Musik, Kameraführung und Ausstattung sind ausgezeichnet.

Fazit: Nicht uninteressante Roman-Verfilmung, die nun das Interesse am Roman geweckt hat!

Infos:

O: Perfume: The Story of a Murderer

Deutschland, Frankreich, Spanien, USA, Belgien 2006

R: Tom Tykwer

D: Ben Whishaw, Dustin Hoffman, Rachel Hurd-Wood, Alan Rickman, Karoline Herfurth

Laufzeit der deutschen DVD: 141:26 Min.

Gesehen am: Mai 2008 / Neusichtung am: 22.01.24

Fassungen: Mir lag die auf 7777 Stück limitierte deutsche Doppel-DVD in einer Holzbox von Constantin Film / Highlight vor = Uncut, Deutsch/Englisch mit deutschen Subs, gute Bild- und Tonqualität. Gibt es inzwischen auch auf Blu-Ray und UHD.

Samstag, 2. März 2024

The Deep House

The Deep House

Story:

Ein Paar findet beim Tauchen in einem See ein Haus unter dem Wasser. Sie stellen unter Wasser, angezogen von der Neugier, Nachforschungen an. Keine gute Idee…

Meine Meinung:

Der Trailer zu The Deep House sah stimmungsvoll aus. Ich fand die Idee eines Unterwasser-Hauses vermischt mit einer Found Footage und Geister-Story interessant und vielversprechend. Daher den Film auf die Wunschliste gesetzt und nun angesehen. Ich bin froh, einen günstigen Import und nicht das teure Set aus Deutschland erworben zu haben, denn der Film landet nicht in der Sammlung. Für eine einmalige Sichtung ist The Deep House, eine französisch-belgische Produktion, i.O. Aber mehr auch nicht.

Der Plot ist simpel und eigentlich auch wenig originell. Dazu kommt, dass mir der Film doch deutlich zu wenig spannend, stimmungsvoll und gruselig war. Ich bin auch nur 1x zusammengezuckt. Der Film braucht auch zu lange, um in die Gänge zu kommen und vielen Szenen sind vorhersehbar. Dazu kommt, dass mir das offene Ende nicht gefiel. Fand ich doof. Daher war es auch leicht zu entscheiden, den Film zu entsorgen/weiter zu verkaufen.

Wer sich schnell gruseln lässt, wird ggf. anders empfinden. Die Darsteller waren glaubhaft, solide und authentisch. Der Film zudem technisch auch einwandfrei in Szene gesetzt. Die Filmemacher verstanden ihr Handwerk und das sieht man dem Film des Duos Alexandre Bustillo (Leatherface, Inside) und Julien Maury auch zu jeder Sekunde an. In der Hinsicht enttäuscht die Produktion nicht. Zudem gibt es Elemente, die an frühere Filme des Duos erinnern (z.B. Among the Living mit Kindern als Opfern).

Fazit: Für mich persönlich zu wenig gruselig, und daher nichts für meine Filmsammlung, aber Horrorfilmfans können durchaus einen Blick riskieren

Infos:

O: The Deep House

Frankreich, Belgien 2021

R: Alexandre Bustillo, Julien Maury

D: Camille Rowe, James Jagger, Eric Savin

Laufzeit der UK-Blu-Ray: Ca. 85 Min.

Gesehen am: 11.01.24

Fassungen: Mir lag die UK-Blu-Ray von Universal vor = Uncut, O-Ton, englische Subs, hervorragende Bild- und Tonqualität. Gibt es in Deutschland von Turbine/Universal auf DVD, Blu-Ray oder UHD. Nur im limitierten Mediabook, daher holte ich mir die viel günstigere UK-Ausgabe. In Deutschland soll im Feb. dieses Jahres eine Amaray -Version erscheinen.

Freitag, 7. Juli 2023

Flowing

 
NIFFF 2023 Spezial

Flowing

Story:

Rom wird von Dauerregen heimgesucht. Der Dampf, der als Folge aus der Kanalisation dampft, löst in den Menschen etwas Tödliches aus. Vor allem Vater Thomas (Fabrizio Rongione) und Sohn Enrico (Francesco Gheghi) spüren die Folgen davon…

Meine Meinung:

Flowing bietet keine uninteressante Grundidee. Die Idee, dass ein mysteriöser Nebel, der aus Abflüssen (Lavabo Küche, Badewanne) oder der Kanalisation steigt, die Menschen verrückt werden und Dinge sehen lässt, welche sie für real halten und sich davon negativ leiten und beeinflussen lassen, ist erstmal interessant. Leider wurde der Film, der in mehrere Kapitel unterteilt ist (scheint mehr und mehr in Mode zu kommen, warum auch immer), nicht wirklich spannend umgesetzt.

Zwar gibt Regisseur Paolo Strippoli seinen Figuren ausreichend menschliche Tiefe, aber das Drama und die Klischees waren kaum zu ertragen und nervend. Immerhin hat sich Paolo Strippoli gemacht, denn seinen A Classic Horror Story aus dem Jahr 2021 (Netflix) war grottenschlecht. Und Flowing kämpft aktuell sogar in der internationalen Sparte am NIFFF um den Gewinn des Hauptpreises (wird er sicher nicht gewinnen).

Die Figuren waren, obwohl sie Raum und Tiefe bekommen, wenig sympathisch. Das Schicksal ist dem Zuschauer fast egal. Besonders Sohn Enrico nervt wie Hölle. Dass er überlebt, ist eine Schande! Total unsympathische Figur. Die Musik war auch gar nicht mein Fall und die Horrorparts waren der Sparte 08/15 und nichts Besonderes entsprungen. Die besten Szenen hat der Film am Anfang und Mittelteil, wo sich das Grauen langsam steigert und das explosive und effektive Finale/letzte Kapitel anzukünden beginnt.

Fazit: Einen Film, den man sich Mal ansehen kann, aber nichts Besonderes! Wäre auf Netflix und Co. besser aufgehoben gewesen…

Infos:

O: Piove

Italien, Belgien 2022

R: Paolo Strippoli

D: Fabrizio Rongione, Cristiana Dell'Anna, Francesco Gheghi

Laufzeit der Kinofassung: Ca. 93 Min.

Gesehen am: NIFFF 2023

Fassungen: Am NIFFF 2023 gesehen im O-Ton mit Subs. Eine DVD/Blu-Ray/UHD ist noch nicht angekündigt (Stand: Juli 2023).

Mittwoch, 25. Mai 2022

Vortex Review



Vortex

Story:

 

Lui (Dario Argento) sorgt sich um seine an Demenz erkrankte Ehefrau Elle (Françoise Lebrun). Die Demenz nimmt zu, Probleme nehmen zu. Lui will das Elternhaus nicht verlassen. Sohn Stéphane (Alex Lutz) hat eigene Probleme und kann nicht helfen…

 

Meine Meinung:

 

Vortex ist der neuste Film von Skandal-Regisseur Gaspar Noé (Climax) und im Vergleich zu seinen früheren Werken wie Menschenfeind, Irreversibel oder Enter the Void ein verhältnismässig ruhiger und zahmer Film, was Provokationen angehen. Dennoch ist der Inhalt nicht ohne. Vortex hat mir, auch gerade, weil ich im Pflegeberuf tätig bin, gefallen.

 

Es geht ums Altern, die Krankheit Demenz, das Leben und den Tod. Das wird in Vortex schonungslos, traurig und dramatisch erzählt. Nüchtern, authentisch, realistisch. Das dass nicht «unterhält» im Sinne von Spass machen, versteht sich von selbst. Aber der Inhalt war fesselnd, trotz seiner langen Laufzeit.

 

Die Filme von Gaspar Noé haben meist eine lange Laufzeit. So auch Vortex, der ca. 140 Minuten auf die Waage bringt. Trotz seiner langen Laufzeit war der Film zu keiner Sekunde langweilig. Im Gegenteil: ich fand den Inhalt fesselnd. Und: hat mich berührt! Wo die Reise hingeht, ist klar. Aber nicht, wie. Und wer das Sterben verdrängt (und in der Gesellschaft ist der Tod oder Krankheiten noch oft mit Tabus verbunden), der wird am Inhalt zu knabbern haben.

 

Der Film hat wenig Szenen à la Noé. Mir kommen da der Vorspann (= fast wie ein Abspann zu Beginn) und am Ende eine lange Kamerafahrt à la Enter the Void in den Sinn. Und der Film startet nach dem Vorspann mit einem passenden Song, dessen Text perfekt zum Film passt (Mon amie la rose von Françoise Hardy). Abgesehen davon gibt es keine Musikuntermalung mehr. Der Film wirkt fast wie eine Amateur-Doku, die ein sterbendes Ehepaar auf Schritt und Tritt begleitet.

 

Das wurde optisch interessant eingefangen mit Doppelbildern – z.B. begleitet eine Kamera den Ehemann, die andere Kamera die an Demenz erkrankte Ehefrau. Gleichzeitig auf zwei Screens nebeneinander. Die Darsteller sind allesamt toll und glaubhaft. Ein wichtiges Detail, um intensiv und athenisch auf den Zuschauer wirken zu können. Besonders Dario Argentos (Cat O'Nine Tails) Schauspiel war eine Wucht. Schön, die Horrorlegende auch Mal vor der Kamera zu sehen. Aber auch der restliche Cast war super. Schön auch, dass Argento einen Autor und Kino-Liebhaber spielt (plus Metropolis Plakat an der Wand).

 

Fazit: Ein schonungsloser, deprimierender und trauriger Film, der perfekt in Gaspar Noé Filmographie passt!

 

Infos:

 

O: Vortex

 

Belgien, Frankreich, Monaco 2021

 

R: Gaspar Noé

 

D: Dario Argento, Françoise Lebrun, Alex Lutz, Kylian Dheret, Vuk Brankovic

 

Laufzeit der Kinofassung: Ca. 140 Min.

 

Gesehen am: 21.04.22

 

Fassungen: Gesehen im O-Ton mit deutschen Subs im Schweizer Kino. Eine DVD/Blu-Ray sind noch nicht angekündigt (Stand: April 2022). Nachtrag 03.03.24: Film nun nach Kinobesuch zum zweiten Mal gesehen (UK-Blu-Ray von Picture House Entertainment. Ich brauchte am Anfang etwas Zeit, um in den Film zu kommen und vor allem die richtige Stimmung zu finden. Der Film hat von seiner Wirkung nichts eingebüsst. Der Plot und Inhalt sind real und einfach, vor allem gegen Ende und die letzten Szenen, schonungslos grausam. Dabei ist der Film stark gespielt. Die Musik (Mon amie la rose am Beginn, später einmal ein Ennio Morricone-Theme) sind passend gewählt. Da der Film die Story in einem ständigen Splitscreen zeigt, war das Gezeigte deutlich weniger gut zu erkennen als noch im Kino. Natürlich hat dies spielerisch seinen Reiz, da man beide Figuren beobachten kann, aber auf einem TV kommt das halt viel kleiner zur Geltung als noch im Kino auf einer grossen Leinwand. 

Donnerstag, 3. März 2022

Benedetta Review



Benedetta

Story:

 

17. Jahrhundert, Italien, Stadt Pescia: die junge Benedetta entscheidet von ihren wohlhabenden Eltern unterstützend ein Leben im Kloster führen zu wollen, um Gott zu dienen. 20 Jahre später:  Benedetta (Virginie Efira) nimmt Bartolomea (Daphne Patakia) unter ihre Fittiche. Sie starten eine (heimliche) lesbische Beziehung und Benedetta wird gleichzeitig von Visionen und Stigmata heimgesucht. Ist sie das Werkzeug Gottes? Bald schon wird sie die neue Äbtissin, was einigen im Kloster nicht zusagt und man versucht, Benedetta zu zerstören…

 

Meine Meinung:

 

Auf Benedetta, dessen Premiere (Filmfest in Cannes) aufgrund Corona verschoben wurde, bekam im Dez. dieses Jahres tatsächlich einen kleinen Kinostart spendiert. Als Fan von Paul Verhoeven (Spetters, Flesh + Blood, Elle) war der Kinobesuch Pflichtprogramm. Paul Verhoeven nahm sich die literarische Vorlage Immodest Acts: The Life of a Lesbian Nun in Renaissance Italy zur Brust und hat daraus einen für religiöse Menschen kontroversen Film geschaffen.

 

Der Kinobesuch hat sich gelohnt: Benedetta gefiel mir besser als erwartet und stellte wohl den besten Kinobesuch im Jahr 2021 dar (nach durchschnittlichen Filmen wie Candyman, Halloween Kills, The Green Knight, Spell…). Teilweise kamen Flesh + Blood und/oder Liebesbriefe einer portugiesischen Nonne Vibes auf. Die europäische Produktion hat mir viel Spass bereitet.

 

Benedetta ist toll gespielt. Alle Beteiligten haben mir gut gefallen. Die Mädels sehen hübsch aus (Virginie Efira) und auch die Gegenseite – die Äbtissin oder die männlichen Figuren, haben mir gut gefallen, da die Kirche und dessen Handlungen doppeldeutig wegkommen. Kritik und Satire mit viel amüsantem Wortwitz und herrlichen Figurenzeichnungen. Kino à la Verhoeven!

 

Auch die Settings passten (Pest, Inquisition). Unschön fielen dabei nur 2-4 miese CGI Szenen ins Auge (Hintergründe, Feuer, Schlangen). Das sind kleine Details, die unschön waren. Schade, dass man z.B. die Szenen mit den Schlangen oder dem Feuer nicht auf altmodische Art und Weise drehte. Dies wäre möglich gewesen, denke ich. Aber wie ich sagte: es sind nur kleines Details...

 

Auch den Plot mochte ich. Ich habe mich nicht informiert, so dass ich nicht wusste, wie der Film enden wird. Verhoeven hätte ich alles zugetraut. Die Story fand ich phasenweise sogar spannend. Sexy ist der Film teilweise auch, aber nicht immer obwohl es doch viel nacktes Fleisch zu sehen gibt. Virginie Efiras Körper und Rundungen agieren dabei wir die Kreatur in einem Tierhorrorfilm: mit dem Fortschreiten der Geschichte sieht man immer mehr und länger die Objekte der Begierde.

 

Fazit: Kommt auf die Wunschliste! Auf Paul Verhoeven ist Verlass!

 

Infos:

 

O: Benedetta

 

Frankreich, Belgien, Holland 2021

 

R: Paul Verhoeven

 

D: Charlotte Rampling, Lambert Wilson, Virginie Efira, Olivier Rabourdin, Daphne Patakia, Clotilde Courau, Satya Dusaugey, Louise Chevillotte

 

Laufzeit der Kinoversion: Ca. 131 Min.

 

Gesehen am: 02.12.21

 

Fassungen: Gesehen im Schweizer Kino im O-Ton, mit deutschen Subs und Uncut. In Deutschland soll der Film von Koch Films am 24.02.21 erscheinen. Nachtrag Aug. 2024: für eine 2. Sichtung lag mir nun die deutsche Blu-Ray von Capelight vor = Uncut, O-Ton mit deutschen Subs, Wendecover, sehr gute Bild- und Tonqualität. Ich kaufte die Single-Disc Edition. Diese bietet paar wenige Standart-Extras. Nicht alles am Film ist toll = das teilweise kleine Budget sieht man dem Film an, Hintergründe und andere CGI-Momente sind billig (Feuer, Schlangen) und die Optik wirkt zu sauber für den Inhalt. Nebst lesbischen Sexszenen gibt es jedoch noch andere positive Inhalte wie Machtmissbrauch, Kritik an der Kirche, Folter und Pest. Mag ich.

Montag, 8. November 2021

Shining Sex

Shining Sex

Story:

 

Eine Stripperin (Cynthia) wird von einem ausserirdischen Wesen (Evelyne Scott) und ihrem Sklaven (Raymond Hardy) als Sex- und Mörderwerkzeug missbraucht…

 

Meine Meinung:

 

Shining Sex war ein bis dato seltener Jess Franco (The Sadist of Notre Dame, A Virgin Among the Living Dead) Film da dieser bisher, zumindest nicht auf digitalem Medium, zu bekommen (u.a. gab es eine VHS in Japan) war, was Dank Severin films nun der Vergangenheit angehört. Der Film hat mir gefallen und ist nicht uninteressant.

 

Aber man muss Jess Franco und seine Arbeiten schon mögen, sich darauf einlassen können und in der richtigen Stimmung sein, damit es klappt. Shining Sex ist ein Mix aus style over substance, Erotik/Sex-Film und Science-Fiction. Ein Plot ist jedoch kaum vorhanden. Auch Dialoge sind spärlich. Der Film hat phasenweise eine ganz spezielle Atmosphäre, die, wenn man für Franco-Filme offen und zugänglich ist, in seinen Bann ziehen kann.

 

Der Film wirkt zuweilen sehr surrealistisch und wie ein langer (sexueller) Fiebertraum, der von passenden Klängen und (unscharfen) Kamerafahrten und Zooms à la Franco abgerundet wird. Fans von ihm wissen sofort, was ich meine. Die Musik hört sich teilweise experimentell an und auch der von Franco geliebte Jazz ist mehrfach zu hören. Die Musik passt gut zu den stimmungsvollen Bildern.

 

Der Film, der ganz leicht (im Entferntesten) an den neuen Film Under the Skin erinnert, wartet in den Hauptrollen mit Raymond Hardy (dazumal noch Ehemann von Lina), Evelyne Scott und einer total rasierten Lina Romay (Two Female Spies with Flowered Panties, Bahia Blanca) auf, die mehrfach Einblicke in ihre Intimzone gewährt. Jess Franco, für dessen sich Lina später von ihrem Ehemann trennen sollte, ist in einer unbedeutenden Nebenrolle zu sehen (als ein im Rollstuhl sitzendes Medium).

 

Fazit: Für Erotik-, Jess Franco- und Lina Romay Fans klar zu empfehlen!

 

Infos:

 

O: Shining Sex

 

Belgien, Frankreich, Italien, Schweiz 1977

 

R: Jess Franco

 

D: Lina Romay, Jess Franco, Raymond Hardy, Evelyne Scott

 

Laufzeit der US-Blu-Ray: Ca. 106 Min.

 

Gesehen am: Ende Juli 2021

 

Fassungen: Mir lag die Region All Blu-Ray aus den USA von Severin films vor = Schuber, Uncut, Englischer Dub, restauriert.  Bild- und Tonqualität sind superb. Es gibt englische Subs und Unmengen an Extras (u.a. HC-Szenen, Interviews etc.). Es gibt keine deutsche Fassung. Eine Fassung im O-Ton mit englischen Subs ist mir nicht bekannt (Stand: Juli 2021).