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Freitag, 28. November 2025

Paganini Review

Paganini

Story:

Der Film zeigt das Leben des begnadeten Violinisten Paganini (Klaus Kinski), der sich durch sein Können einen Namen gemacht hat. Künstler auf der einen Seite und Frauenheld auf der anderen Seite, mit all seinen Schattenseiten…

Meine Meinung (Director's Cut):

Als Klaus Kinski (Jack the Ripper, The Hand That Feeds the Dead, Der letzte Ritt nach Santa Cruz) noch für Nosferatu in Venedig vor der Kamera stand, war ihm sein nächstes Projekt, eines seiner persönlichsten Werke, bereits bekannt: er wollte in die Rolle des italienischen Violinisten Paganini schlüpfen. Ein Künstler und eine Legende. Kinski hat seine Version von Paganini auf die Leinwand gezaubert. Er spielte die Hauptrolle (als Paganini), schrieb das Drehbuch und führte Regie (es sollte seine einzige Regiearbeit werden).

Dabei lässt Kinski jedoch auch sein Leben in den Film fliessen. Es ist also nicht nur eine Biografie von Paganini, sondern es steckt auch ganz viel Kinski im Film. Der Film wirkt so, als hätte Werner Herzog Regie geführt (ausgenommen die expliziten Sexszenen und die Tier-Snuff-Momente). Der Film kann definitiv dem Arthouse-Kino zugeschrieben werden. Paganini hat eigentlich kaum einen Plot. Kinski hat auch seine Familie im Film integriert: sein Sohn Nikolai spielt im Film seinen Sohn und seine damalige (deutlich jüngere) und spätere Ehefrau Debora spielt seine Geliebte.

Laut dem Interview mit Debora Caprioglio auf der US-Blu-Ray hätte Kinski auch gerne Nastassja (eine seiner Töchter) im Film gehabt. Diese sei aber, als sie bereits gedrehte Szenen des Filmes (einige der Sexszenen) sah, angewidert gewesen und hätte abgelehnt, was ihren Vater rasend vor Wut gemacht haben soll. Interessantes Detail. In der Tat gibt es viele Sexszenen im Film zu sehen. Der Film ist dabei schön gefilmt. Ausstattung, Kostüme und Settings sind top. Wer das ca. 50minütige Behind the Scenes Spezial (auch auf der US-Blu-Ray zu sehen) gesehen hat, weiss, wie wichtig Kinski auch die kleinen Details waren (inklusive einiger Ausraster). Kinski spielt Paganini toll. Glaubhaft, intensiv.

Fazit: Nicht uninteressant und stimmungsvoll! Für Kinski Fans zu empfehlen (Plus die Extras der US-Blu-Ray)!

Infos:

O: Paganini

Frankreich, Italien 1989

R: Klaus Kinski

D: Klaus Kinski, Debora Caprioglio (als Debora Kinski), Nikolai Kinski, Dalila Di Lazzaro, Tosca D'Aquino, Eva Grimaldi, Beba Balteano

Laufzeit der US-Blu (Director's Cut): 94:13 Min.

Gesehen am: 29.08.25

Fassungen: Mir lag die Region-All-US-Blu-Ray von Vinegar Syndrome vor. Nebst der regulären Kinofassung (angeblich durch die Produzenten und gegen den Willen von Klaus Kinski erstellt) als Hauptfassung liegt auch Kinskis expliziterer Director's Cut vor. Jedoch nur als VHS-Kopie (Vollbild, Englische Sprache, keine Subs, nicht restauriert). In ein bis zwei (Sex)Szenen war die Fassung zu dunkel, sonst hat die dunkle Bildqualität jedoch gut zur düsteren Stimmung des Filmes gepasst. Es gibt Unmengen an interessanten Extras: Cannes-Ausraster von Kinski (ein anderer als jener denn man von YouTube und Co. kennt), ca. 50mintüiges Behind the Scenes Spezial (sehr interessant) und viele exklusive Interviews (das mit Kinskis Ex-Frau Debora Caprioglio kann ich empfehlen). In Deutschland von SPV auf DVD zu haben. Auf dieser befindet sich die Kinofassung (nur mit deutschen Subs) und auch der längere Director's Cut (nur in Englisch ohne Subs).

Freitag, 15. November 2024

Im Stillen klagte ich die Welt an: Als "Pflegekind" im Emmental

Im Stillen klagte ich die Welt an: Als "Pflegekind" im Emmental

Inhalt:

«Im Sommer 1934 werden zwei Mädchen aus der Stadt Bern auf einen abgelegenen Bauernhof in Pflege gegeben. Auf dem Hof herrscht ein harsches Regiment, die beiden werden als Gratismägde ausgenutzt und wegen Kleinigkeiten verprügelt, der Bauer stellt ihnen nach. Dann kommen die Missstände aus, die Kinder werden umplatziert. Aber wieder verrichten sie harte Arbeit, wieder werden sie geschlagen. Als der Alptraum nach vier Jahren ein Ende hat, sind die Elf- und Zwölfjährige für ihr Leben geprägt: vom Gefühl, nichts wert zu sein.»

Meine Meinung:

Verdingkinder sind ein dunkles Geheimnis der Schweizer Geschichte. Ich selbst wusste bis vor kurzem nicht viel darüber. Ich arbeite in der Pflege. Als ich dazumal 2003, vor über 20 Jahren, eines meiner ersten Praktika in einem Wohn- oder Alter/Pflegeheim absolvierte, hatten wir einen Heimbewohner. Dieser war ein Verdingkind. Ein Knecht. Mir blieb in Erinnerung, wie schön er die Zeit im Pflegeheim empfand. Regelmässig zu Essen, ein eigenes Zimmer oder wöchentlich einmal baden zu dürfen. Dinge, die für ihn früher undenkbar gewesen waren. Und er wirkte so zufrieden, ab den «normalsten Dingen der Welt».

In einem späteren Pflegeheim hatten wir ein Ferienbett. In diesem war eine Bewohnerin, die ein Buch über ihre Kindheit schrieb. Das Buch wurde veröffentlicht und die Bewohnerin trat auch in den Medien auf. Der Schweizer Free-TV Sender SF1 strahlte beim «Aeschbacher» am 31.03.2005 eine Sendung aus, in welcher die Heimbewohnerin und natürlich auch Autorin des Buches, Dora Stettler ist ihr Name, für ca. 15 Minuten auftrat. Ihr Auftritt wird wie folgt beschrieben: «Dora Stettler ging als Verdingkind durch die Hölle und hat die Welt im Stillen angeklagt. Bis zu ihrer Pensionierung hat sie mit niemandem darüber gesprochen. Erst jetzt konnte Dora Stettler das Schweigen brechen und mit ihrem Buch eines der dunkelsten Kapitel der Schweizer Geschichte thematisieren.».

Dazumal hat sie, wenn ich nicht irre, auch ihr Buch promotet. Nun bekam ich das Buch von Dora Stettler geliehen. Es macht bei uns im Pflegeheim die Runde. Vor mir hatte es der Heimarzt. Mit nur 174 Seiten (darin sind auch ein Nachwort und schweizerdeutsche Ausdrücke erklärt) ist das Buch, welches sie als «Befreiung» sieht, schnell gelesen. Da ihre Geschichte in Bern spielt, dem Kanton in welchem auch ich geboren und aufgewachsen bin sowie lebe und ihr Leidesweg auch an Orten stattfindet, welche ich kenne, ist es ein informatives aber auch hartes Werk. Ich hatte es schnell verschlungen und im Gegensatz zu jedem Horrorfilm sind die Inhalte um Missbrauch, Erniedrigung und Misshandlung, schwer zu verdauen. Ich denke, viele Menschen, vor allem im Ausland, würden nicht meinen, dass sich in der reichen Schweiz ein solches Kapitel zugetragen hätte.

Nebst Dora Stettler gibt es heute weitere Romane von Betroffenen zu dem Thema und auch die Politik wurde aktiv. Gesetze wurden angepasst und Opfer haben ein Recht auf eine Zahlung von 25'000 CHF.  Bis ins Jahr 2019 waren bereits 9000 Gesuche um solche Zahlungen fällig. Die Dunkelziffer dürfte höher sein. Obwohl Dora Stettler früher keine Autorin war (sie war 36 Jahre lang technische Zeichnerin), sind die Texte wahnsinnig glaubhaft geschrieben. Als Leser konnte ich mich sofort vorstellen, was sie beschrieb. Eine Spannung war trotz dem harten Inhalt immer vorhanden. Es hat mich gefesselt. Auch sensible Tierliebhaber bekommen einiges zu schlucken (Verzehr von Katzen etc.). Überraschend und interessant war die Tatsache, dass Dora Stettlers Vater schlussendlich, und wir sprechen hier von den 30ern oder 40ern, das Sorgerecht für seine Kinder bekam! Das hätte ich also nicht erwartet. Damit waren die Kinder aus dem Alptraum befreit. Die letzten Zeilen waren rührend! Das Buch wird durch 2-3 Fotos, die Dora Stettler und ihre Geschwister zeigen, abgerundet.

Fazit: Geschichtlich hochinteressante Lektüre! Danke Dora Stettler!

Infos:

In Deutschland erschienen: Unbekannt

Sprache: Deutsch

Verlag: Limmat Verlag Zürich

Anzahl Seiten: 174

Roman/Sachbuch: Biographie

Art: Gebunden

Autor: Dora Stettler, mit einem Nachwort von Jacqueline Fehr

Erschienen: 3. Auflage 2009 (2004)

Sonntag, 21. Januar 2024

Rise of the Footsoldier

Rise of the Footsoldier

Story:

Der Film erzählt vom echten Ex-Hooligan- und Gangster Carlton Leach (Ricci Harnett).

Meine Meinung:

Rise of the Footsoldier bekam ich geschenkt. Den Film, von welchem ich noch nie was hörte und der mehrere Fortsetzungen nach sich zog, ist quasi eine True-Crime Verfilmung von Carlton Leach. Laut Cover einem Hooligan, Bouncer, Gangster und Legende. Laut Wikipedia ein ehemaliger Hooligan und eine bekannte Person aus der englischen Unterwelt. Heute Schriftsteller. Rise of the Footsoldier basiert auf Carlton Leachs eigenem Roman Muscle. Eine Biographie über sein Leben.

Ob im Film alles 1:1 identisch ist, mit dem Roman, ist mir nicht bekannt. Ich denke aber schon. Der Film endet mit dem Mord an drei Kollegen von Carlton Leach und Schrifttafeln über die Verurteilung der potenziellen Täter und dem Abtauchen des Zeugen ins Zeugenschutzprogramm. Ich mag Gangster-Filme und Gangster-Settings. Vor allem wenn es britische und französische Filme- und Serien sind. Aber auch aus den USA oder Italien gibt es sehenswerte Serien mit Gangster/Mafia-Settings.

Ich denke da an Titel wie Gangs of London (nur 1. Season, die 2. war in allen Belangen massiv schwächer), Kin (irische Serie), Snatch (von Guy Ritchie), Bube, Dame, König, Gras (erneut von Guy Ritchie), Bank Job (Jason Statham), Ganglands (zwei Staffeln), Braquo (von den vier Staffeln sah ich bisher nur zwei), Fargo (die ersten vier Staffeln fand ich hervorragend, die 5. noch nicht gesehen), Suburra (drei Staffeln), Allein gegen die Mafia (eine der besten Serien überhaupt), Romanzo criminale (zwei Staffeln), Gomorrha (fünf Staffeln), Avengement (Scott Adkins), Tschugger (kenne bisher nur die ersten beiden Staffeln) oder Tulsa King (Sylvester Stallone). Auf der Wunschliste steht zudem noch Blood Coast (neue Serie aus Frankreich).

Zurück zu Rise of the Footsoldier: der Film sagte mir nicht sonderlich zu. Vom Ablauf her hat mich der Film an HK-Filme aus den 90er Jahren erinnert. Aufstieg und Fall eines Gangsters. Der Fall wird mit dem Tod der drei Freunde von Carlton Leach erreicht. Der Aufstieg beginnt in der Hooligan-Szene, die früher in England gewütet hat und heuer in anderen Ländern problematischer ist. Obwohl ich englischen Fussball mag (bin Manchester United Fan), mochte ich den Film nur wenig. Das lag hauptsächlich daran, dass mir die Figuren egal waren. Die Schicksale waren mir gleichgültig und praktisch alle Figuren waren durch die Bank unsympathisch und Arschlöcher.

Sollen sich die Gangster doch gegenseitig foltern und erledigen = weniger Abschaum auf der Welt, perfekt! Das Menschliche und Emotionale blieb total auf der Strecke. Eine Spannung war auch kaum gegeben, da ich wusste, dass Carlton Leach später auf der Szene ausstieg. Soll heissen eine Spannung war nie gegeben, wenn Carlton Leach im Film bedroht wurde, da klar, dass ihm nichts passieren würde. Die Kameraführung fand ich grauenhaft, die teils mehrjährigen Zeitsprünge sorgten nie dafür, dass sowas wie eine Stimmung oder Atmosphäre aufkommt (sondern alles unzusammenhängend wirkt) und die Gewalt-Momente waren selbstzweckhaft und übertrieben sadistisch/brutal.

Fazit: Nicht empfehlenswert!

Gefolgt von: Return of the Footsoldier

Infos:

O: Rise of the Footsoldier

Großbritannien 2017

R: Julian Gilbey

D: Ricci Harnett, Terry Stone, Craig Fairbrass, Roland Manookian, Frank Harper, Billy Murray, Neil Maskell

Laufzeit der österreichischen DVD: 114:18 Min.

Gesehen am: 10.12.23

Fassungen: Mir lag die Dopple-DVD von NSM (Österreich) vor = Uncut, 2. Disc mit Extras, Deutsch/Englisch mit deutschen Subs. Die Bild- und Tonqualität sind sehr gut. Gibt es inzwischen auch auf Blu-Ray (Ascot Elite).

Freitag, 10. November 2023

Giger

Giger

Inhalt:

«Der Schweizer Künstler HR Giger (1940–2014) wurde vor allem durch die Gestaltung des Weltraummonsters für Ridley Scotts Scifi-Horrorfilm Alien (1979) berühmt, für das er mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Das Alien ist zweifellos der Star aus Gigers umfangreichem Arsenal biomechanischer Geschöpfe, doch nur eines von vielen Zwitterwesen aus Mensch und Maschine, mit denen Giger unsere Albträume bevölkerte, Kreaturen von eindringlicher Kraft, schrecklicher Schönheit, morbid-erotischer Drastik und surrealer Fantastik. Giger schuf eine völlig eigenständige Bildwelt und verlieh den kollektiven Ängsten seiner Epoche Ausdruck: Angst vor dem Atomkrieg, vor Überbevölkerung und knappen Rohstoffen und einer Zukunft, in der das Überleben unserer Körper von Maschinen abhängen wird.

Dieser Band erzählt anhand autobiografischer Texte und einer Fülle exzellent-schauriger Abbildungen Gigers Lebensgeschichte und gibt Einblick in ein überaus facettenreiches Werk. Er zeigt Gigers Skulpturen, Interieurs, Zeichnungen, Gemälde und Plattencover, seine ausgefeilten Setdesigns für Filme wie Species, Alien oder Dune, das einzigartige Giger-Museum und die fantastische, ganz von Giger designte Bar in der Kleinstadt Gruyères in der französischen Schweiz. Das Vorwort schrieb Gigers Freund Timothy Leary.»

Quelle: 

https://www.amazon.de/Giger-HR/dp/3836533170/ref=sr_1_2?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&keywords=giger&s=books&sr=1-2

Meine Meinung:

Ich besuchte Mitte Oktober dieses Jahres in Gruyères, einer Ortschaft im französischen Teil der Schweiz, das H.R. Giger Museum. Auf den Schweizer Künstler H.R. Giger wurde ich früher durch Alien aufmerksam – für die tollen Effekte gewannen er und sein Team (u.a. Carlo Rambaldi) den Oscar. Dazu noch Species und Alien 3. Dass er noch in weiteren Filmprojekten involviert war, wusste ich nicht (u.a. Poltergeist II: The Other Side, den japanischen Film Tokyo: The Last War und in weiteren Teilen der Alien Fortsetzungen).

Es war mein 2. Besuch in Gruyères. Ich habe meinen Vater und meine Stiefmutter ins Museum eingeladen. Zuvor gingen wir in Gruyères Mittagessen – auch dies war Teil des (Geburi)Geschenk an meinen Vater und meine Stiefmutter. Das Essen war gut und es gab auch Wild – eines von vielen Wild-Restaurant-Besuchen (16 Besuche sind bisher geplant). Nach dem Museum besuchten wir noch die Bar HR Giger, welche im Alien-Look eingerichtet ist. Auch dazu wurden beide eingeladen. Danach gab es, zumindest für mich, noch Meringue zu essen, erneut in einem der Restaurants. Es war ein schöner Tag: super Wetter, wenig Leute (halt durch die Woche), von mir aus mit dem ÖV schnell zu erreichen und nicht wahnsinnig teuer.

Obwohl ich das Museum vor vielen Jahren schon Mal besuchte, war ich erstaunt, wie gross das Museum war und wie viel es bot. Ich hatte das Museum gar nicht als so gross in Erinnerung. Auffallend bei seiner Kunst waren u.a. der Einbezug von Waffen, Baby-Köpfe und Verschmelzungen von Körper und futuristischen Einheiten. Wir trafen im Museum zufällig H.R. Gigers Frau: Carmen Maria Scheifele Giger. Sie suchte, und das ist kein Witz, eine verirrte Fledermaus, welche im Museum gesehen worden ist.

Sie hat uns viel über Giger erzählt. Unter anderem, dass das Museum nicht subventioniert wird und Geld immer ein Problem ist, dass versucht wurde, das Grab von Giger zu öffnen (kamen fast Charlie Chaplin Vibes auf, dessen Leichnam ausgegraben und gestohlen wurde, als Erpressungsmittel), dass der blasphemische Christ Table von Giger von einem Priester kritisiert wurde, der inzwischen als pädophil gilt und Giger diesen sogar in ein Kunstwerke hat einfliessen lassen, dass Giger schüchtern und ein Waffenliebhaber war und dass Giger sie im Bett als «Beretta» bezeichnet hat.

Ich wollte mehr über Giger, über den ich eigentlich kaum etwas wusste, wissen und kaufte mir im Museum das Buch Giger von HR Giger. Mit anderen Worten: das Buch, eine Art Biographie, hat Giger selbst geschrieben und an einer Biographie war ich interessiert. Das Buch bietet viele tolle Bilder und Illustrationen zu seiner Kunst. Es gibt ein Vorwort von Timothy Leary. Danach folgen chronologisch Erzählungen zu seinem Leben. «Churer Jugenderinnerungen», «Mein Vater», «Geisterbahn II», «Meine ersten Publikationen» oder «Die chinesische Folter».

Die Infos sind interessant und vermitteln, durch welchen Menschen oder Situationen, sich Giger beeinflussen und inspirieren liess. Teilweise sind die Texte schwarzhumorig, makaber, kontrovers geschrieben («Leider galt es als unfein, Mädchen zu hauen»). Sicherlich bewusst. Und auf einiges wird nicht weiter eingegangen (z.B., wer war die «Fremdperson», die ihn «beinahe in seinem Schlafzimmer erschossen» hat?). Besonders cool, informativ und zusammenfassend war am Ende der Teil «HR Giger 1940-2014 Leben und Werk". Da ist zeitlich und chronologisch alles aufgegliedert und es werden noch mehr Infos und Details zu Giger präsentiert. Spannend!

Fazit: Wer mehr über Giger erfahren möchte, kann sich bedenkenlos an das Buch wagen! Informativ, schnell gelesen und auch für das Auge bietet es viel!

Infos:

In Deutschland erschienen: Ja

Sprache: Deutsch

Verlag: Taschen

Anzahl Seiten: 95

Roman/Sachbuch: Biographie, Sachbuch

Art: Gebunden

Autor: H.R. Giger

Erschienen: 2021

Donnerstag, 25. August 2022

My Friend Dahmer Review

My Friend Dahmer

Story:

 

Erzählt wird die Jugendzeit des späteren US-Serienkillers Jeffrey Dahmer (Ross Lynch)…

 

Meine Meinung:

 

Derf Backderf besuchte während der Schulzeit als Jugendlicher die gleiche Klasse wie der spätere US-Serienkiller, Kannibale und Nekrophile Jeffrey Dahmer. Nach Dahmers Tod 1994 begann Derf Backderf an einem Jeffrey Dahmer Comic zu arbeiten, welches später als My Friend Dahmer verkauft wurde (als Graphic Biographies/Graphic Novels). Es zeigt die Zeit Dahmers als Jugendlicher, der nicht so recht ins System passt und aneckt.  

 

US-Serienkiller von dazumal übten einen grossen Reiz aus. Die Presse, Schaulustige und Groupies waren keine Seltenheit. Egal ob die Täter Charles Manson, Ted Bundy oder Jeffrey Dahmer hiessen. Während meines Urlaubes schaute ich die Dokumentation Fresh Meat: Jeffrey Dahmer (A Tubi Original). Die war interessant, wenn auch nicht allzu viel Neues dabei rauskam. Interessant waren aber Interviews mit Menschen, die mit Dahmer zu tun hatten (Drag Queen, Nachbarn, Interviewerin).

 

 

 


 

Desweitern guckte ich mir ein fast zweistündiges Court Video (Trial of Jeffrey Dahmer) an, in welchem die Antwort auf die Frage, ob Dahmer verrückt sei oder nicht, zu beantworten war. In diesen Aufnahmen kommen Polizisten, entflohene Opfer, Psychiater, Dahmer selbst und die Angehörigen von Opfern zu Wort. Aufnahmen, die unter die Haut gehen. Als der My Friend Dahmer Comic im Jah 2017 verfilmt wurde, wurde der Independent Film in Deutschland auf dem Fantasy Film Fest aufgeführt. Durch deren Magazin zum Filmfest wurde ich auf den Film aufmerksam, der seither auf der Wunschliste stand.

 

Nebst diesen zwei Dokus zu Jeffrey Dahmer guckte ich mir also auch My Friend Dahmer an, wenn sich dafür schon Mal gratis die Gelegenheit bietet. Ich fand den Film ok, aber kein Kracher. Viel Neues kommt eigentlich nicht bei raus. Was mich überraschte war die Tatsache, dass im Film Jeffrey Dahmer doch einen grösseren Freundeskreis und diverse Kontakte hatte. Etwas, was in Dokus, welche ich bisher sah, nie ein Thema war. Ob dies stimmt? In einem 1-Stern Amazon Review zur Graphic Novel wird folgendes geschrieben:

 

"I thought that this book would include special moments between Dahmer and his so called "friends" but Backderf even admits that Dahmer didn't really have friends! Backderf even acknowledged that he didn't know much about Dahmer because they weren't very close and rarely spent time together."

 

Auch im Buch The Encyclopedia of Serial Killers (Second Edition) zu Jeffrey Dahmer findet sich kein Wort über Freude während der Schulzeit. Ein anderes, meiner Meinung nach wichtiges Detail, wird im Film hingegen nicht angesprochen: Dahmer wurde 1968 als Junge von einem Nachbarsjungen sexuell belästigt. Ein wichtiges Detail, welches Dahmer für spätere Aktionen in seinem Leben geprägt haben könnte. Dies hätte eigentlich auch irgendwie noch in den Film gehört, auch wenn dieser spezifisch die Jugendjahre beleuchtet.

 

Der Film erzählt nicht von den Taten Dahmers, sondern von seiner Schulzeit. Wie er aneckt und nicht ins System passt. Der Film ist also mehr Biographie, Drama und fast schon Coming of Age Film statt True-Crime-Genre. Dem sollten sich Fans bewusst sein. Wer True-Crime Geschichten à la Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile, Henry - Portrait of a Serial Killer und Co. erwartet, dürfte enttäuscht werden. Der Film endet, als er sein erstes Opfer findet. Im Grossen und Ganzen war der Film zu lang, aber doch ok.

 

Fazit: "Fans" von Jeffrey Dahmer können einen Blick riskieren! Nach der Sichtung kann ich sagen: war ok, Zeit ging beim Schauen vorbei aber kein Film für die Sammlung! 

 

PS: Den Roman Dahmer's Not Dead von Edward Lee kann ich an der Stelle hingegen empfehlen!

 

Infos:

 

O: My Friend Dahmer

 

USA 2017

 

R: Marc Meyers

 

D: Ross Lynch, Vincent Kartheiser, Anne Heche, Dallas Roberts, Alex Wolff

 

Laufzeit der Originalversion: Ca. 107 Min.

 

Gesehen am: Mitte August 2022

 

Fassungen: Im Urlaub in New York im Hotel gesehen (via Tubi Stream über den TV). Uncut und in Englisch. Den Film gibt es bisher nicht in Deutschland (Stand: Aug. 2022). Da müssen sich Fans mit Importen (UK, USA; Australien) begnügen.

Dienstag, 19. Januar 2021

Graveyard of Honor Review

Japanuary 2021

Graveyard of Honor

Story:

 

Japan in der Nachkriegszeit 1946:

 

der Film erzählt die Geschichte vom Aufstieg und Fall des True-Life Yakuza Rikio Ishikawa (Tetsuya Watari)…

 

Meine Meinung:

 

Graveyard of Honor gilt als Yakuza-Klassiker von Kinji Fukasaku (Battle Royale 2) der teilweise wie eine Doku über das Leben von Rikio Ishikawa wirkt (inklusive Sprecher, echten Aufnahmen und Texteinblendungen über sein Leben). Am ehesten vergleichbar mit Kinji Fukasakus Battles Without Honor and Humanity Reihe.

 

Graveyard of Honor hat mir jedoch im Vergleich schlechter gefallen. Dies lag am Inhalt. Obwohl der Inhalt auf einer wahren Geschichte zu basieren scheint, unterscheidet sie sich nicht von anderen Filmen dieser Art. Das Hauptproblem ist, dass Rikio Ishikawa sehr unsympathisch wirkt. Man baut keine Sympathien zu dem Mann auf. Sein Verhalten gefällt nicht.

 

Das ist das grösste Problem des Filmes: keine Identifikationsfigur. Die eindimensionale Figurenzeichnung ist es auch, die dafür sorgt, dass sich Tetsuya Watari nicht entfalten kann. So kommt dieser nicht an andere (Top)-Leistungen ran (z.B. Outlaw: Gangster VIP, Tokyo Drifter), was schade ist. Und es fehlt eine Art Gegenspieler (vom Schlag Bunta Sugawara).

 

Ansonsten gibt es wenig zu meckern: optisch ist der Film wild, experimentell und sehenswert. Doku-Charakter, optische Spielerein, wilde Kamerafahrten. Der Actiongehalt hätte für meinen Geschmack höher sein dürfen. Dasselbe gilt für den Blutgehalt. Es gibt nur wenige Szenen, die vor Blut triefen, dann dafür aber so richtig! Gegen Ende wird der Film besser, da dramatischer und nihilistischer und garantiert Happy End frei.

 

Fazit: Den Klassiker-Status kann ich zwar nachvollziehen, aber für mich lange nicht so stark wie Battles Without Honor and Humanity! Dazu ist die Hauptfigur zu wenig sympathisch und es fehlt an Charakteren, die als Gegenpol fungieren…

 

Infos:

 

O: Jingi no hakaba

 

Japan 1975

 

R: Kinji Fukasaku

 

D: Tetsuya Watari, Tatsuo Umemiya, Yumi Takigawa, Eiji Gô, Noboru Ando

 

Laufzeit der UK-Blu: 93:38 Min.

 

Gesehen am: Jan. 2021

 

Fassungen: Mir lag die Arrow Video Blu-Ray aus England vor = zusammen mit dem Takashi Miike «Remake» in einer Box = Spezialverpackung, Booklet, Uncut, O-Ton, englische Subs, erstklassige Bild- und Tonqualität und viele Extras. Gibt es in Deutschland Uncut auf DVD von rem.