The Blade
Story:
Ting On (Vincent Zhao Wenzhuo) rettet die Tochter (Valerie
Chow Kar-Ling) seines Meisters (Austin Wai Tin-Chi) und verliert dabei einen
Arm und stürzt in den vermeintlichen Tod. Doch Ting On überlebt und bringt sich
selbst, auch mit nur einem Arm, eine Kampftechnik bei, die es ihm erlaubt, zu
überleben. Denn er kennt nur ein Ziel: Rache am Killer (Xiong Xinxin) seines
Vaters zu üben!
Meine Meinung:
The Blade von Tsui Hark (Shanghai Blues, Dragon Inn) stellt ein Remake des Shaw Brothers Klassikers The One-Armed Swordsman mit Jimmy Wang Yu dar. Dem Chang Cheh Klassiker. Der Film entstand
1995 und zu einer Zeit, als das goldene HK-Kino schon fast erloschen war. Die
Unsicherheit aufgrund politischer und geschichtlicher Ereignisse (1997 die
Rückkehr nach China) wirkte sich auch negativ auf das HK-Kino aus. Zudem liess
sich Tsui Hark vom Arthouse-Regisseur Wong Kar-Wai beeinflussen.
Obwohl The Blade teilweise sehr gute Kritiken bekam, nehme
ich den Film als überbewertet wahr. Zudem ist The Blade nicht das, was ich von
einem richtigen HK-Film der 90er erwarte. Ich sah mir The Blade heute, wenn ich
mich nicht irre, zum dritten Mal an. Im Januar 2006 sah ich den Film via UK-DVD
und empfand den gemäss meinem uralten Review als gelungen. Als Warner Archive
dazumal ihre DVD veröffentlichte, empfand ich The Blade nur noch als mittelmässig.
Dies hat sich auch mit der neusten Sichtung nicht geändert.
Somit blieben Tsui Harks beste Filme nach wie vor Titel wie Once Upon a Time in China oder seine ersten drei Titel, die für die New Wave Bewegung immens
wichtig waren: The Butterfly Murders, We're Going to Eat You sowie Dangerous Encounter - 1st Kind. Die drei Titel sind für meinen Geschmack nach wie vor die
besten Titel, die Tsui Hark realisiert hat. Was mich seit der 2. Sichtung an
The Blade am meisten gestört hat, störte mich auch bei der heutigen Sichtung.
Trotz angepassten Erwartungen. Die Erzählweise des weiblichen Charakters und
ihre Kommentare waren einfach nur nervend. Sie kommentiert das Geschehen und
all ihre Szenen hätten entfernt gehört.
Ohne ihre nervenden Momente wäre der Film auch kurzweiliger
gewesen. Die Dreiecksbeziehung fesselt nicht und man fiebert mit ihr auch nicht
mit. Es ist zwar ganz nett, am Ende als alte Frau in der Rolle der Siu Ling
einen Altstar wie Suet Nei (A Mysterious Weapon, Paragon of Sword and Knife 1 +
2) zu sehen, aber im Grossen und Ganzen waren praktisch alle Momente mit Siu
Ling und ihren philosophischen Dialogen ermüdend, nervend und zogen den Film
unnötig in die Länge. Das war das grosse Minus des Filmes, dessen Laufzeit mit
109 Minuten zu lang ausgefallen ist. Desweitern gibt es vor allem in den ersten
53 Minuten auch kaum sehenswerte Actionsequenzen zu sehen.
Trotz Beteiligung von Namen wie Stephen Tung Wai (Mars Villa),
Mang Hoi (The Blonde Fury) oder Yuen Bun (legt auch einen Gastauftritt hin) ist
die Choreographie der Kampfszenen so schnell, so verwackelt und so
unübersichtlich gefilmt, dass davon oft sowieso so gut wie nichts erkannt
werden kann. Drei solche Choreographen an Bord zu haben und dann solche
Actionszenen zu realisieren, grenzt schon fast an Arbeitsverweigerung. Dass weitere
bekannte Gesichter in Gastauftritten nicht aufgefallen sind, überrascht bei der
wilden Kameraführung nicht. Da wären u.a. auch CAT. III Psycho William Ho
Ka-Kui (Daughter of Darkness) und Ngai Sing (Flash Point) zu sehen gewesen.
Dennoch hat mich die wilde Kameraarbeit in den Kampfszenen
diesmal nicht mehr sonderlich gestört. Da konnte ich die Erwartungen anpassen
und damit meinen Frieden tätigen. Denn rein optisch ist der Film halt schon
auch sehr gelungen und düster. Es gibt einige innovative Kamerafahrten die im
Mix aus Geschrei, Chaos, Blut und Schlamm (zudem ohne einen Funken Humor inszeniert)
bestens funktionieren und in der Tat einen interessanten Mehrwert darstellen. Vincent
Zhao Wenzhuo (Once Upon a Time in China 4 & 5, Fong Sai Yuk) gibt alles und
am meisten Freude hatte ich an Xiong Xinxin (Once Upon a Time in China and America) als Bösewicht. Der hat mich schon bei der ersten Sichtung absolut
überzeugt und der Finalkampf allein empfand ich schon immer als sehenswert. Da
kommen Samurai- und Italo-Western Vibes zum Tragen! Sehr cool!
Fazit: Ein Film mit Licht und Schatten. Für mich leider nur
eine durchschnittliche Arbeit, die aufgrund des Finalkampfes und der Optik des
Filmes knapp in der Sammlung bleibt…
Infos:
O: Dao
HK 1995
R: Tsuo Hark
D: Vincent Zhao Wenzhuo, Valerie Chow Kar-Ling, Xiong Xinxin,
Austin Wai Tin-Chi, Moses Chan Ho, Suet Nei, William Ho Ka-Kui, Michael Tse
Tin-Wah, Ngai Sing, Yuen Bun
Laufzeit der US-DVD: Ca. 106 Min.
Gesehen am: Jan. 2006 / Neusichtung am: 14.05.26
Fassungen: Mir lag die US-DVD von Warner Archive vor =
Uncut, sehr gute Bild- und Tonqualität, O-Ton und englische Subs. In
Deutschland gibt es den Film nur in Deutsch auf DVD (Titel: The Blade - Das
zerbrochene Schwert). Die deutsche Synchronisation soll «miserabel» sein. Wer
eine Blu-Ray möchte, muss nach USA oder England schauen (The Criterion
Collection).