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Freitag, 17. Februar 2023

Die 120 Tage von Sodom Review

Die 120 Tage von Sodom

 

Story:

 

Vier reiche Männer (Paolo Bonacelli, Giorgio Cataldi, Aldo Valletti, Uberto Paolo Quintavalle) lassen in Italien zur Nazizeit Jungen und Mädchen (Dorit Henke, Renata Moar, Franco Merli) in ein Schloss entführen, um sie dort zu quälen, zu erniedrigen und sie für ihre Gelüste zu gebrauchen. Diverse Erzählerinnen (Hélène Surgère, Elsa De Giorgi, Caterina Boratto) erzählen in einem streng kontrollierten Tagesablauf Geschichten von Passionen, welche sie in ihrem Sexleben als Prostituierte erlebt haben…

 

Meine Meinung:

 

Nachdem ich nach vielen Monaten endlich Die 120 Tage von Sodom zu Ende gelesen hatte, war nun die Zeit der Neusichtung zum Film an der Reihe. Pier Paolo Pasolini, von dem ich sonst keine Filme kenne, nahm sich der kontroversen literarischen Vorlage von de Sade an und hat den Stoff verfilmt. Der Inhalt wurde in die Nazi-Zeit verfrachtet, was eigentlich gut passt: mehr Kontroversen! Zum Film und die Hintergründe gibt es viele Aspekte, Facetten und Theorien (Kritik am Faschismus oder der kapitalischten Gesellschaft der 70er Jahre).

 

Da Pier Paolo Pasolini am 02.11.75 getötet wurde, kann er selbst dazu keine Auskunft mehr geben. Sein Tod ist ebenso mysteriös und kontrovers, wie seine Arbeiten. Bis zum heutigen Tag. Die 120 Tage von Sodom darf als gelungene Verfilmung bezeichnet werden, an welcher auch de Sade selbst seinen "Spass" gehabt hätte, wenngleich der Film weitaus weniger explizit ist, als der Roman. Gewisse Dinge lassen sich halt einfach nicht 1:1 verfilmen.

 

Der Film wurde auch zur Zielscheibe von Behörden – Zensuren, Indizierungen und Verbote waren die Folge. Inzwischen ist dies in vielen Ländern jedoch kein Thema mehr – mehr dazu unter Fassungen. Dem Film sieht man seinen Arthouse-Charakter definitiv an. Der Film ist gelungen, aber nichts mehr, was ich in der Sammlung stehen haben muss. Dazu fand ich einige Szenen einfach doof, peinlich, laden zum Fremdschämen ein und das Schauspiel einiger Beteiligten war hier und da in einzelnen Szenen wenig glaubhaft. Man sieht es, dass teilweise Laien-Darsteller benutzt wurden.

 

Mutig waren die Darsteller, welche die Opfer spielten. Namen wie Dorit Henke oder Renata Moar. Auf der anderen Seite haben diese Erfahrungen mit dem Ital. Erotikfilm/Exploitation-Film der damaligen Zeit. Man sah die beiden z.B. in Filmen wie Der Tod trägt schwarzes Leder, Vrouwenkamp oder Krankenschwestern-Report. Die vier adeligen Perversen werden von Paolo Bonacelli (Caligula), Giorgio Cataldi, Aldo Valletti (Salon Kitty) und Uberto Paolo Quintavalle dargestellt. Davon hat mich Aldo Valletti nicht überzeugt. Interessant ist, das bis auf Paolo Bonacelli die Namen der vier Lüstlinge kaum grosse Karrieren im Film/Kino-Geschäft hatten.

 

Im Gegensatz zu de Sades Roman wird im Film der Inhalt zu Ende erzählt – und diese Szenen, in denen der Zuschauer in die Rolle eines Voyeurs gesteckt wird, sind optisch und stimmungsvoll sehr gelungen. Sehr intensiv und definitiv nichts für Zartbesaitete. Auch die Musik passt. Die Schlussszene lässt Interpretationen offen. In den Szenen zuvor kommt fast ein wenig Cannibal Holocaust und Emanuelle in America Stimmung auf. Ein Film, der quasi zur richtigen Zeit entstanden ist und über den auch heute noch kontrovers diskutiert wird.

 

Fazit: Gelungene Verfilmung von Marquis de Sades Die 120 Tage von Sodom. Wer den Roman mag und/oder interessant findet, sollte den Film zumindest auch Mal gesehen haben. 

 

Infos:

 

O: Salò o le 120 giornate di Sodoma

 

Frankreich, Italien 1975

 

R: Pier Paolo Pasolini

 

D: Paolo Bonacelli, Giorgio Cataldi, Aldo Valletti, Uberto Paolo Quintavalle, Dorit Henke, Renata Moar, Franco Merli, Hélène Surgère, Elsa De Giorgi, Caterina Boratto

 

Laufzeit der deutschen DVD (1. Auflage): 110:56 Min.

 

Neusichtung am: 08.02.23

 

Fassungen: Mir lag zuerst die UK-DVD von BFI vor (Ital. mit englischen Subs, Uncut) und danach die deutsche DVD von Legend. Wie ich nun feststellte, ist deren 1. Auflage um einen Monolog zensiert. Die 2. Auflage ist Uncut. Liegt wohl am Master = auch im Master aus den USA (Criterion von MGM) fehlt diese Szene. Die DVD von Legend hat eine solide Bild- und Tonqualität. Jedoch ist diese nicht mehr zeitgemäss. Auch ist das Bild nicht anamorph. Die deutsche Synchronisation ist hingegen gelungen. O-Ton und Subs wären auch vorhanden. Fans sollten die UK-Blu-Ray kaufen und/oder auf die kommende deutsche Blu-Ray von Wicked Vision warten. Eine DVD aus Japan habe ich schon seit langem verkauft.

Donnerstag, 16. Februar 2023

Die 120 Tage von Sodom Buch Empfehlung

120 Tage von Sodom

Inhalt:

Zitat Back-Cover:

 

"Marquis de Sade

 

Werke

 

Die 120 Tage von Sodom

Die Philosophie im Boudoir

Justine oder die Leiden der Tugend

Juliette oder die Wonnen des Lasters

 

Fast 30 Jahre saß de Sade hinter Gittern – in Gefängnissen und zuletzt in der Irrenanstalt von Charenton. Im 19. Jhdt. totgeschwiegen oder als bloße Illustration psychopathologischer Verirrung abgetan, erfuhr sein Werk erst mit Baudelaire und später mit den Surrealisten literarische Anerkennung. Seine geistesgeschichtliche Bedeutung wurde schließlich von den Vertretern der Frankfurter Schule Horkheimer und Adorno anerkannt."

 

Meine Meinung:

 

Dieses Buch umfasst vier Geschichten von Marquis de Sade, dem "Erfinder" des "Sadismus". Das Buch beinhaltet die Romane Die 120 Tage von Sodom (welches jedoch leider nie zu Ende geschrieben wurde), Die Philosophie im Boudoir, Justine oder die Leiden der Tugend und Juliette oder die Wonnen des Lasters. Erstmals habe ich Die 120 Tage von Sodom zwischen 2006-2008 gelesen. Ich wusste kaum mehr etwas. Nun war ich motiviert, den Roman, der später von Pier Paolo Pasolini verfilmt wurde (Salò o le 120 giornate di Sodoma), erneut zu lesen. Warum das Werk nie vollendet wurde? Scheinbar gingen de Sade die Ressourcen aus (Schreibmaterial und/oder Papier).

 

De Sade schrieb den Roman im Jahr 1785 während 37 Tagen (in Haft). In kleinster Schrift auf einer 12 Meter langen Papierrolle. Seit 2017 gilt das Werk als Nationalgut in Frankreich. So können sich die Zeiten ändern. Früher geächtet, verboten und zensiert (Roman und auch der Film), so ist dies aktuell nicht mehr der Fall (der Film ist zudem seit dem 01.12.22 auch vom Index). Wer meinen Blog aufmerksam verfolgt weiss, dass ich 2022 viele Bücher las: u.a. die gesamte Der Dunkle Turm Reihe. Später fing ich mit Die 120 Tage von Sodom an. Es gab Pausen (in denen ich z.B. Naked Lunch gelesen habe). Es dauerte nun viele Monate, bis ich den Roman ein 2. zu Ende gelesen habe. Warum? Dies aus zwei Gründen:

 

1. Auf der Arbeit habe ich nachts (ich arbeite als Nachtwache) mehr zu tun. Wir haben neu Ämtli und Zusatzaufgaben, wo wir vorher keine hatten.

 

2. Der Inhalt ist nicht per se spassig (ok, manchmal schon) und die Art und Weise, wie der Roman geschrieben wurde, ist teilweise mühsam zum Lesen. Lange Sätze, viele (französische) Namen, wo ich nicht Mal weiss, wie man diese aussprechen tut. Das Lesen fällt nicht leicht, so waren mehrere Pausen nötig. Keine Lektüre, die man an einem Abend verschlingt. Teilweise war der Inhalt auch zu repetitiv und mit der Zeit «lahm» (wenn sich die Figuren gegenseitig anfurzen oder in die Münder defäkieren, irgendwann "hat man es gesehen").

 

Die Inhalte sind ein Mix aus de Sades Weltanschauung (Menschenbild, Religion…), einer Kritik am System, welches ihn viele Jahre seines Lebens (für illegale Vergehen) ins Gefängnis brachten, satirische Momente (einzelne Szenen/Beschreibungen sind so übertrieben, dass man sie nicht ernst nehmen kann und hier und da musste ich auch wirklich Schmunzeln) und Vorlieben/Perversionen/Fetischen. De Sade war damit und den Beschreibungen seiner Zeit weit voraus (Sexuelle Präferenzen/Fetische/Beschreibungen). In der Hinsicht sind die Fussnoten des Übersetzers interessant, der hier und da Fakten und Hintergrundinfos im Roman beschreibt.

 

Es werden 150 Passionen in Form von Geschichten, welche die Erzählerinnen selbst erlebt haben, beschrieben. Dies stellt den ersten Handlungsabschnitt dar (beschriebt eine Zeitspanne von 30 Tagen). Laut Wiki werden diese als "einfachen Passionen" betitelt. Spannend ist, dass es scheinbar auch Benennungen der drei nie fertig gestellten/geschriebenen Passionen gibt, ich zitiere vom Wiki Eintrag:

 

"Die 150 komplexen Passionen

 

 (Diese Passionen enthalten Erzählungen über Praktiken wie das Vergewaltigen von Kindern, Inzest, Flagellation, sadomasochistischen Gruppensex.)

 

Die 150 verbrecherischen Passionen

 

 (Diese Passionen enthalten Erzählungen über Praktiken wie Analverkehr mit Kleinkindern, sexuelle Handlungen an Leichen, Verkehr mit Tieren, das Verstümmeln des Sexualpartners.)

 

Die 150 meuchlerischen Passionen

 

 (Diese Passionen enthalten Erzählungen über Praktiken wie das Töten von Kindern vor ihren Müttern, das Herumwühlen in den Eingeweiden noch lebender Körper, das Masturbieren während des Folterns einer Vielzahl von Frauen und Männern bis zu ihrem Tode.)"

 

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Die_120_Tage_von_Sodom_(Buch)

 

Laut dem Übersetzer des Romans (in der Schlussbemerkung) existiert von den "drei anderen Teilen" ein "Plan mit präzisen" Beschreibungen der sexuellen Perversitäten, die darin besprochen hätten werden sollen. Mehr Infos habe ich zu diesem "Plan" nicht. Der Wiki-Eintrag zeugt aber davon, dass diese Inhalte recherchiert werden könnten. Inhaltlich geht es darum, dass vier adelige Männer mit diversen Bediensteten (Köchin etc.) und verschleppten Jugendlichen (Jungen und Mädchen) auf ein Anwesen ziehen und sich dort unter strikten Regeln, Hausordnungen und Strafen an den Verschleppten vergehen. "Aufgelockert" wird der Plot, indem vier Erzählerinnen aus ihrem Leben erzählen = die ersten 150 Passionen sind im Werk beschrieben. Die Qualität der Episoden ist unterschiedlich. Einige Episoden werden nur in paar wenigen Sätzen erzählt, andere werden weitaus expliziter beschrieben.

 

Wer einen schwachen Magen hat, sollte sich nicht an den Roman wagen. Sensible Menschen könnten schockiert sein. Die Inhalte sind pervers, eklig und böse. Die Tugend und auch Gott bekommen ihr Fett weg (fand ich als Atheist amüsant und zum Schmunzeln anregend). Dies wurde später ja immer wieder Thema in den Arbeiten von de Sade. Siehe z.B. seinen Roman Justine oder die Leiden der Tugend. Wer Gutes tut, wird bestraft, es zählt sich nicht aus etc. Diese Weltanschauung finde ich amüsant und interessant (in der Fiktion). Einzelne Passionen waren interessant, mehrheitlich wars aber zu repetitiv und zu pervers. Da waren die Füllszenen (das Philosophieren und die beschriebene Weltanschauung der Figuren nach dem Erzählen der Passionen) interessanter. Da die Geschichte nie zu Ende geschrieben wurde, kann kein Gesamtbild gezeichnet werden.

 

Fazit: Wegweisende und wichtige Literatur, die viel Raum für Interpretationen bietet aber sicherlich nicht für jedermann geeignet ist! Bis ich die drei anderen Geschichten in diesem Sammelband lese, dürften wohl einige Jahre ins Land ziehen…

 

Infos:

 

In Deutschland erschienen: Ja

 

Sprache: Deutsch

 

 Verlag: Parkland

 

Anzahl Seiten: 324

 

Roman/Sachbuch: Roman

 

Art: Gebunden

 

Autoren: Marquis de Sade

 

Erschienen: 2. Auflage 2004

Samstag, 30. Januar 2021

Woods Are Wet Review


Japanuary 2021

Woods Are Wet

Story:

 

Die junge Sachiko (Hiroko Isayama) flüchtet von zu Hause. Gerüchte machen die Runde, dass sie ihren Ehemann getötet haben soll. Auf ihrem Weg begegnet sie einem Paar (Rie Nakagawa, Hatsuo Yamaya). Diese nehmen Sachiko bei sich auf. Sachiko erkennt zu spät, dass sie sich einem sadistischen Paar hingegeben hat…

 

Meine Meinung:

 

Woods Are Wet hat mir gut gefallen. War besser als erwartet. Bei dieser Nikkatsu-Erotik-Produktion handelt es sich um die Verfilmung einer De Sade Geschichte (Justine). Diese ist mir von den Büchern von De Sade und von Jess Franco De Sade Verfilmungen bereits bestens bekannt. Nikkatsu hat jedoch auch schon im Erotiksektor auf De Sade gesetzt: Marquis De Sade's Prosperities of Vice.

 

Woods Are Wet ist mehr als bloss simple Aneinanderreihung von Soft-Sex. Im Gegenteil: so viel Sex gabs gar nicht! Tatsumi Kumashiro, der bewusst grosse Zensurbalken für die Geschlechtsteile verwendet hat, wollte damit seine Kritik am Rating- und Zensurboard Eirin zum Ausdruck bringen. Der Film ist sehr künstlerisch erzählt und in Szene gesetzt. Das fand ich schön.

 

Es wird Wert auf Story, Ausstattung, Schauspiel und Charakterzeichnung gelegt. Daher hat der Film in meinen Augen mit dem «Kunstanspruch» und Inhalt/Setting sicherlich mehr Anspruch als andere Nikkatsu-Erotik-Filme. Regie führt Tatsumi Kumashiro (The Inferno) und von dem Trio an Hauptdarstellern haben mir vor allem die Mädels, Hiroko Isayama (Female Prisoner Scorpion: Jailhouse 41) und Rie Nakagawa (The Hell-Fated Courtesan = der lief an einer NIFFF Retroperspektive) sehr zugesagt.

 

Das VHS hat leider eine sehr dürftige und unscharfe Bildqualität. Ich denke, dass ist ein Fall, wo eine gute Bildqualität den Film zusätzlich aufwerten würde. Denn die Farben, Kameraeinstellungen, Settings, Kleider und Requisiten sehen ansatzweise wundervoll aus – teilweise sah man aber wenig, gerade in den sadistischen Orgien im inneren der Behausung. So musste ich in einzelnen Szenen auch mutmassen (kommt es bei der Dinner-Szene z.B. zu kannibalistischen Akten oder nicht…) was dort geschah, was doch schade war.

 

Fazit: Für Fans der Nikkatsu-Erotikfilme zu empfehlen! Landet als jap. Blu-Ray auf der Wunschliste…

 

Infos:

 

O: Onna Jigoku: Mori Wa Nureta

 

Japan 1973

 

R: Tatsumi Kumashiro

 

D: Hiroko Isayama, Rie Nakagawa, Hatsuo Yamatani, Moeko Ezawa, Akira Takahashi

 

Laufzeit der jap. VHS: 65:36 Min.

 

Gesehen am: Jan. 2021 / 2. Sichtung (UK-Blu-Ray): Mitte Dez- 2024

 

Fassungen: Mir lag das VHS aus Japan vor = Uncut, O-Ton, englische Subs, Fogging-Zensur, Tauschgeschäft mit Londoner Sammler. Die Bildqualität ist relativ schwach und vor allem sehr unscharf. Selbes gilt für die englische Subs. Gibt es in Japan auch auf DVD (keine englischen Subs) und auf Blu-Ray (soll englische Subs haben). Es gibt keine deutsche Fassung (Stand: Jan. 2021). Nachtrag Mitte Dez. 2024: Ich sah den Film 2021 als VHS aus Japan (sogar mit englischen Subs). Dieses bekam ich via Tauschgeschäft. Der Film gefiel mir dazumal, vor allem aufgrund der Optik, der kunstvollen Bildern und der De Sade Story. Allerdings hatte das VHS eine sehr schwache Bildqualität, so dass einige Szenen nur noch zu erahnen waren, statt sie klar zu sehen. Die neue Blu-Ray aus England (88 Films) bietet den Film in einer restaurierten HD-Fassung, Uncut, im O-Ton mit Subs. Nebst Blu-Ray liegt der Film auch auf DVD vor. Im Bonusmaterial darf Mio Hatokai (eine wissenschaftliche Mitarbeiterin) über den Film und die Hintergründe sprechen (ca. neun Minuten). Dazu gibt es noch einen AK. Der Film, der während einer Anzeige gegen Nikkatsu gedreht wurde (die Nikkatsu dann gewann), lässt dies kritisch in den Film einfliessen: Regisseur Tatsumi Kumashiro hat Szenen mit Geschlechtsteilen nicht "normal" zensiert (unkenntlich gemacht), wie das Eirin (jap. Rating/Zensurbehörde) wünscht, sondern z.T. das halbe Bild mit einem schwarzen Balken unkenntlich gemacht. Der Film hat für Nikkatsu Verhältnisse eher wenig Sexszenen, sondern legt mehr Wert auf Story, Ausstattung und Schauspiel.

Donnerstag, 3. Dezember 2020

Cries of Pleasure Review

Cries of Pleasure

Story:

Antonio (Antonio Mayans) plant zusammen mit seiner Bekannten Julia (Lina Romay) seine Ehefrau Martina (Rocío Freixas), welche am Wochenende aus einer Nervenheilanstalt nach Hause entlassen wird, zu töten um danach ihr ganzes Vermögen zu verprassen…

Meine Meinung:

Von Cries of Pleasure war ich, sogar als Jess Franco (The Bloody Judge) Fan, enttäuscht bzw. der Film gefiel mir nur wenig, da vor allem langweilig. Auf der anderen Seite und eine Nacht darüber schlafend gibt es doch einige nennenswerte Punkte am Film, so dass ich mir vorstellen kann, dass mir Cries of Pleasure bei einer späteren 2. Sichtung mit angepassten Erwartungen mehr zusagen wird. Mit anderen Worten: langweilig hin oder her, der Film bliebt vorerst (und auch weil ich die Extras noch ausführlich sichten möchte) in der Sammlung.

Cries of Pleasure, der laut Vorspann auf einer De Sade Story beruhen soll (was nicht wirklich korrekt ist, aber an den Handlungen der Figuren hätte selbst De Sade Freude gehabt), erinnerte mich an den Jess Franco Film Sinfonía erótica. Beide haben einen ähnlichen Plot, nur dass mir Sinfonía erótica mehr zusagte.

Cries of Pleasure, billig in der Behausung des Produzenten-Paares Larraga im wunderschönen Spanien (Stadt Calp nahe Alicante) gedreht, beginnt mit dem Ende des Filmes. Man sieht einen nackten Mann tot im Pool treiben. Durch den geistig zurückgebliebenen Fenul (eine Art «Gärtner») wird die Story erzählt (Stimme: Jess Franco). 

Ein Plot ist kaum vorhanden. Es werden mehr oder weniger nur Ausschweifungen gefeiert. Alleine, zu zweit, zu dritt, zu viert. Immerhin sind nebst Antonio Mayans drei schöne Frauen mit an Bord: Rocío Freixas spielt die schizophrene Nymphomanin und Ehefrau, Lina Romay das Mitbringsel, welches die Ehefrau zusammen mit Antonio Mayans töten soll und die kleinste Frauen-Rolle hat Elisa Vela als Haushaltsdienst-Mädchen inne.

Gewalt oder Effekte gibt es so gut wie nichts zu sehen (wenig Budget). Da werden aber schon Mal während dem Sex Pläne geschmiedet oder dann in die Tat umgesetzt. Der Sex ist nicht wirklich schockierend oder erotisch in Szene gesetzt. Eher belanglos und lahm. Es fehlte mir das Gewisse Etwas. Etwas Surreales, Halluzinatorisches, Abwechslung.

Andere Franco Werke liessen solche Attribute (oder die Nähe zum Horror Genre) zu, boten mehr Settings, mehr Abwechslung oder immerhin auch noch paar Effekte. Dies darf in Cries of Pleasure nicht erwartet werden. Die Musik ist wenig erwähnenswert. Was technisch eindrücklich ist, sind die Kamera-Zooms, für die Franco so bekannt ist.

In Cries of Pleasure treibt er es wie folgt auf die Spitze: laut dem Buch Flower of Perversion Vol. 2 bietet der komplette Film weniger als 50 (!) Kameraeinstellungen! Und dies über den ganzen Film verteilt. Ein normaler Film hat deutlich mehr Einstellungen. Wie dies kommt? Franco zoomt und zoom und zoomt. Das sorgt jedoch in einzelnen Szenen dafür, dass in einer Einstellung parallel zwei unterschiedliche Handlungen und Figuren zu sehen sind.

Dies ist technisch stark gemacht, da es eine gute Vorbereitung braucht und auch clever zugleich, da man danach weniger Szenen zusammenschneiden muss = man spart Zeit und Budget.

Fazit: Sicher kein Kracher und nach Erstsichtung zu «lahm». Ich bin auf eine zukünftige 2. Sichtung mit angepassten Erwartungen gespannt und gebe dem Film nochmal eine Chance. Andere De Sade Verfilmungen von Jess Franco lohnen aber definitiv mehr (Sinfonía erótica, Marquis de Sade: Justine)!

Infos:

O: Gemidos de placer

Spanien 1983

R: Jess Franco

D: Lina Romay, Rocío Freixas, Antonio Mayans, Elisa Vela, Juan Soler

Laufzeit der US-Blu: Ca. 87 Min.

Gesehen am: 13.09.20

Fassungen: Mir lag die US-Blu Ray von Severin Films vor = Uncut, erstklassige Bild- und Tonqualität (Spanisch mit englischen Subs), exklusive Extras (u.a. Interview mit Jess Franco und Lina Romay). Es gibt keine deutsche Fassung (Stand: Sept. 2020).

Donnerstag, 31. Mai 2018

Der Henker von Paris Buchtipp

Der Henker von Paris

Inhalt:

Zitat Backcover vom Buch:

«Mein Grossvater war Charles-Henri Sanson, der grosse Henker der Französischen Revolution. Man nannte ihn ehrfürchtig Monsieur de Paris. Er hat mir alles erzählt. Mein Vater hat sich kaum dafür interessiert. Die Geschichte wird ihn vergessen. Aber meinen Grossvater, den wird man nicht vergessen.»

Meine Meinung:

Der Henker von Paris wurde mir von einem Kollegen empfohlen. Gegen geschichtliche Inhalte, die auf z.T. wahren Ereignissen, Zitaten und Personen beruhen (im Buch gibt es dazu am Ende unter «Nachwort» noch mehr Infos, die interessant sind, Vergleich Praxis und Theorie) und auch zum Teil das Splatterherz mit grausigen Details (nichts ist Grausamer als die Realktät und der Erfindungsgeist der Menschen) erfreuen (weil halt wirklich so gewesen), habe ich nie etwas einzuwenden. Von den hier vorgestellten Büchern kann ich Der Henker von Paris daher am ehesten mit Walliser Totentanz vergleichen, wobei diese doch viel komplexer ist.

Ansonsten kenne ich die geschichtlichen Hintergründe zur Franz. Revolution nur aus der Serie Lady Oscar, welche ich als Kind auf Sender wie RTL2 und Co. gesehen habe, die während der franz. Revolution spielt. Dem mir nicht bekannten Autor Claude Cueni gelingt es mir seiner Erzählung und Schilderung schnell, den Leser zu fesseln und das Interesse aufrecht zu erhalten. Man kann sich gut ein Bild machen, wie es damals dem Menschen ergangen sein muss – und welche Sitten und Bräuche mit all seinen Vor- und Nachteilen herrschten und Einzug ins Leben des Henkers nahm.

Dazu kommt, dass die Figuren gut charakterisiert werden. Der Henker von Paris ist eine traurige aber auch sehr sympathische Gestalt, da von Herzen ein guter Mensch. Sein Umfeld wird ebenso interessant geschildert (Ehefrauen, Kinder, der Wissenschaftler, der Reporter, ehemaliger Studien»freund» Fouquier (sehr fies), seine grosse Liebe Dan-Mali) und sogar der Erfinder des Sadismus, Marquis de Sade, bekommt einen Gastauftritt. Dan-Mali sorgt dafür, das ganze tragisch zu machen da der Part als obligatorische Liebesgeschichte angesehen werden kann, um der Figur des Henkers Motive und Gefühle zu geben. 

Doch das tut der Qualität keinen Abbruch. Im Gegenteil: der Inhalt wird somit spannender, dramatischer, intensiver da die Beziehung am Ende auf eine harte Probe gestellt wird. Doch – auch wenn es blöd tönt, wird das tragische Schicksal dieser Beziehung abgeschwächt wegen dem Glauben von Dan-Mali (sie ist eine starke Persönlichkeit). Und danach wird – es tönt ebenso blöd, doch noch Gerechtigkeit walten gelassen (Fouquiers Schicksal betreffend). Und das gab dem Zuschauer immerhin eine gewisse Genugtuung in einer Form eines «Happy Ends».

Es gibt einige Passagen, die grausam geworden sind und welche ungeübte Leser vor eine harte Probe stellen dürften. Es gibt aber auch, zumindest für mein Wesen, auch immer Mal wieder schwarzen Humor zwischen den Zeilen zu entdecken und oft konnte ich mir ein Schmunzeln nicht unterbinden. Alles in allem eine kurzweilige Lektüre, die prima unterhält und die man schnell gelesen hat!

Wer sich an klassischen Settings nicht stört, dem sei dieses Buch zu empfehlen! Ich habe den Tipp des Kollegen nicht bereut – im Gegenteil!

Infos:

Autor: Claude Cueni

Herausgeber: Lenos Verlag

Sprache: Deutsch

Buchart: Gebunden

Anzahl Seiten: 389

Roman/Sachbuch: Roman, der z.T. auf echten Figuren, Zitaten und Tatsachen beruht