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Freitag, 28. November 2025

Paganini Review

Paganini

Story:

Der Film zeigt das Leben des begnadeten Violinisten Paganini (Klaus Kinski), der sich durch sein Können einen Namen gemacht hat. Künstler auf der einen Seite und Frauenheld auf der anderen Seite, mit all seinen Schattenseiten…

Meine Meinung (Director's Cut):

Als Klaus Kinski (Jack the Ripper, The Hand That Feeds the Dead, Der letzte Ritt nach Santa Cruz) noch für Nosferatu in Venedig vor der Kamera stand, war ihm sein nächstes Projekt, eines seiner persönlichsten Werke, bereits bekannt: er wollte in die Rolle des italienischen Violinisten Paganini schlüpfen. Ein Künstler und eine Legende. Kinski hat seine Version von Paganini auf die Leinwand gezaubert. Er spielte die Hauptrolle (als Paganini), schrieb das Drehbuch und führte Regie (es sollte seine einzige Regiearbeit werden).

Dabei lässt Kinski jedoch auch sein Leben in den Film fliessen. Es ist also nicht nur eine Biografie von Paganini, sondern es steckt auch ganz viel Kinski im Film. Der Film wirkt so, als hätte Werner Herzog Regie geführt (ausgenommen die expliziten Sexszenen und die Tier-Snuff-Momente). Der Film kann definitiv dem Arthouse-Kino zugeschrieben werden. Paganini hat eigentlich kaum einen Plot. Kinski hat auch seine Familie im Film integriert: sein Sohn Nikolai spielt im Film seinen Sohn und seine damalige (deutlich jüngere) und spätere Ehefrau Debora spielt seine Geliebte.

Laut dem Interview mit Debora Caprioglio auf der US-Blu-Ray hätte Kinski auch gerne Nastassja (eine seiner Töchter) im Film gehabt. Diese sei aber, als sie bereits gedrehte Szenen des Filmes (einige der Sexszenen) sah, angewidert gewesen und hätte abgelehnt, was ihren Vater rasend vor Wut gemacht haben soll. Interessantes Detail. In der Tat gibt es viele Sexszenen im Film zu sehen. Der Film ist dabei schön gefilmt. Ausstattung, Kostüme und Settings sind top. Wer das ca. 50minütige Behind the Scenes Spezial (auch auf der US-Blu-Ray zu sehen) gesehen hat, weiss, wie wichtig Kinski auch die kleinen Details waren (inklusive einiger Ausraster). Kinski spielt Paganini toll. Glaubhaft, intensiv.

Fazit: Nicht uninteressant und stimmungsvoll! Für Kinski Fans zu empfehlen (Plus die Extras der US-Blu-Ray)!

Infos:

O: Paganini

Frankreich, Italien 1989

R: Klaus Kinski

D: Klaus Kinski, Debora Caprioglio (als Debora Kinski), Nikolai Kinski, Dalila Di Lazzaro, Tosca D'Aquino, Eva Grimaldi, Beba Balteano

Laufzeit der US-Blu (Director's Cut): 94:13 Min.

Gesehen am: 29.08.25

Fassungen: Mir lag die Region-All-US-Blu-Ray von Vinegar Syndrome vor. Nebst der regulären Kinofassung (angeblich durch die Produzenten und gegen den Willen von Klaus Kinski erstellt) als Hauptfassung liegt auch Kinskis expliziterer Director's Cut vor. Jedoch nur als VHS-Kopie (Vollbild, Englische Sprache, keine Subs, nicht restauriert). In ein bis zwei (Sex)Szenen war die Fassung zu dunkel, sonst hat die dunkle Bildqualität jedoch gut zur düsteren Stimmung des Filmes gepasst. Es gibt Unmengen an interessanten Extras: Cannes-Ausraster von Kinski (ein anderer als jener denn man von YouTube und Co. kennt), ca. 50mintüiges Behind the Scenes Spezial (sehr interessant) und viele exklusive Interviews (das mit Kinskis Ex-Frau Debora Caprioglio kann ich empfehlen). In Deutschland von SPV auf DVD zu haben. Auf dieser befindet sich die Kinofassung (nur mit deutschen Subs) und auch der längere Director's Cut (nur in Englisch ohne Subs).

Sonntag, 28. September 2025

Fitzcarraldo Review

Fitzcarraldo

Story:

Fitzcarraldo (Klaus Kinski) plant, im Dschungel eine Oper aufzuführen. Er wird von seinem Umfeld (Claudia Cardinale) unterstützt. Mit einer Crew (u.a. José Lewgoy, Paul Hittscher, Huerequeque Enrique Bohorquez, Miguel Ángel Fuentes) und einem Schiff macht er sich auf den gefährlichen Weg, seinen Traum zu verwirklichen…

Meine Meinung:

Vierte von fünf Zusammenarbeiten zwischen Regisseur Werner Herzog, einem Arthouse Regisseur, sowie Klaus Kinski (Crawlspace, Nosferatu in Venedig, Death Smiles on a Murderer). Beide verband eine Art Hassliebe. Die Filme wurden, auch im Ausland, zu grossen Erfolgen. Fitzcarraldo wurde zu Ehren von Claudia Cardinale, von der ich vom Kollegen noch weitere Filme empfohlen bekommen habe (Der Tag der Eule, Die Rache der Camorra, Der Aufstieg des Paten, Gewalt und Leidenschaft, Kennwort: Salamander), geschaut, welche vor einigen Tagen verstorben ist.

Von den ganzen Werner Herzog und Klaus Kinski Zusammenarbeiten hatte ich Fitzcarraldo als interessantesten Beitrag abgespeichert. Die bisher letzte und einzige Sichtung ist fast 20 Jahre her. Fitzcarraldo ist auch nach der 2. Sichtung ein nicht uninteressanter, ungewöhnlicher und auch mutiger Film. Der Film, an dem mehr als ein Jahr und unter schwersten und gefährlichen Bedingungen gedreht wurde, sollten sich Fans von Klaus Kinski nicht entgehen lassen. Claudia Cardinale kommt vor allem im ¼ und dann am Ende wieder vor. Sie ist jedoch während der Reise nicht anwesend.

Klaus Kinski hat das, wie auch der restliche Cast, fantastisch gespielt. Einfach ein wunderbarer Schauspieler. Absolut vielfältig. Es wurden auch echte Eingeborene für die Produktion gebraucht und Unmengen an Urwald abgeholzt (etwas, was vor allem junge Menschen in der Datenbank Letterboxd massiv kritisieren und gegen weisse, alte Männer hetzen). Eine Szene, in der die Eingeborenen die Neuankömmlinge mustern erinnerte mich leicht an Cannibal Holocaust, in der Robert Kerman von den (weiblichen) Stammesangehörigen «empfangen» und «untersucht» wird.

Der Film wirkt phasenweise mehr wie eine Doku, statt ein echter Spielfilm. Teilweise mutet der Film wie ein surrealer Traum an.  Der Aufwand, der betrieben wurde, ist eindrücklich. Der Grössenwahn von Fitzcarraldo kommt gut zur Geltung und übertragt sich auf den Zuschauer. Der Film entwickelt einen Sog, dem sich der Zuschauer nur schwer entziehen kann. Ich hatte das Ende jedoch falsch im Kopf. Ich dachte, es gäbe kein «Happy End». Daher war ich etwas enttäuscht, als es eines gab. Nach einer Nacht darüber schlafen, gefiel mir das Ende dann doch relativ gut. Es motiviert, auch an schier unmögliche Träume zu glauben. Das ist eigentlich eine schöne Metapher. Dennoch ist der Film mit seiner stolzen Laufzeit von ca. 150 Minuten zu lang geraten. Es gibt auch definitiv Längen.

Fazit: Ein interessantes Stück Filmgeschichte!

Infos:

O: Fitzcarraldo

Deutschland 1982

R: Werner Herzog

D: Klaus Kinski, Claudia Cardinale, José Lewgoy, Paul Hittscher, Huerequeque Enrique Bohorquez, Miguel Ángel Fuentes

Laufzeit der deutschen DVD: 150:45 Min.

Gesehen am: Sept. 2008 / Neusichtung am: 24.09.25

Fassungen: Gesehen via deutsche DVD-Box (= Klaus Kinski Werner Herzig Exklusiv Edition) von Arthouse/Kinowelt = Uncut, Deutsch/Englisch (gute deutsche Synchro), keine Untertitel, solide Bild- und Tonqualität (speziell die Bildqualität hat Luft nach oben, entspricht nicht mehr heutigen Standards). Dem Set liegt eine Doku bei (Die Last der Träume). Den Film gibt es in der Zwischenzeit vom gleichen Label auch auf Blu-Ray.

Mittwoch, 24. September 2025

Crawlspace Review

Crawlspace

Story:

Ein Psychopath (Klaus Kinski), fasziniert vom Tod und eine dunkle Vergangenheit habend, spioniert, entführt und tötet Hausbewohner…

Meine Meinung:

Crawlspace wurde zu Ehren von Sergio Salvati angesehen. Es ist unendlich viele Jahre her, seit ich den Film zuletzt gesehen habe (irgendwann vor 2006). Sergio Salvati starb vor einigen Tagen (17.09.25). Wer war Sergio Salvati? Ein Italienischer Kameramann, der vor allem für seine Zusammenarbeiten mit Lucio Fulci bekannt wurde. Er machte sich dank Kultklassiklern wie The Beyond, Zombi 2, City of the Living Dead oder The House by the Cemetery einen Namen und dank ihm gab es diese schaurig-stimmungsvollen Bilder in den oben genannten Filmen zu sehen. Er fing diese ein.

Leider kommt sein Talent hier nur beschränkt zum Einsatz. Die Settings (Schächte und Mietwohnungen) sind limitiert und eintönig. Die Arbeit von ihm ist solide, aber mehr nicht. Kein Vergleich zu seinen Ital. Arbeiten. Dasselbe gilt für die (wenigen) Effekte, die von John Carl Buechler (Friday the 13th Part VII: The New Blood, To Die For, Prison) und seinem Team realisiert wurde. David Schmoeller, der Regisseur, hat vor allem für Full Moon Features Filme gedreht (das Studio von Charles Band). Crawlspace ist hingegen keine Full Moon Features Produktion, auch wenn Charles Band als Produzent zur Seite stand.

Ich nehme stark an, dass das grösste Budget für Klaus Kinski (Creature, I Am Sartana, Your Angel of Death, Leichen pflastern seinen Weg) «geopfert wurde». Die Dreharbeiten mit ihm sollen schwierig gewesen sein (überrascht das jemanden?). Hat der Film die Neusichtung bestanden? Leider nicht wirklich. Der Film ist nicht wirklich gut. Völlig uninteressante Charaktere, spannungsarme und klischeebeladene Story, billig wirkende Musik und auch das Schauspiel der Figuren haut nicht vom Hocker. Kinski wirkt lustlos und gelangweilt (nur bei seiner Heil Gunther Szene musste ich Schmunzeln). Gegen Ende dreht der Film zwar auf, dann ist es aber schon zu spät.

Fazit: Mittelmässig! Besser Sleep Tight, der ein ähnliches Thema beinhaltet, schauen!

Infos:

O: Crawlspace

USA 1986

R: David Schmoeller

D: Klaus Kinski, Talia Balsam, Barbara Whinnery, Carole Francis, Tane McClure

Laufzeit der US-DVD: 80:19 Min.

Gesehen am: Vor 2006 / Neusichtung am: 21.09.25

Fassungen: Mir lag die US-DVD von MGM vor = Double Feature mit The Attic, Uncut, sehr gute Bild- und Tonqualität, englische Subs vorhanden. Gibt es inzwischen auch on Deutsch Uncut (früher als Killerhaus aber auf Blu-Ray inzwischen mit dem Originaltitel) und auf Blu-Ray (interessant ist, dass weder die Blu-Ray aus den USA, England noch Deutschland Untertitel zum Hauptfilm bietet).

Donnerstag, 13. März 2025

Der letzte Ritt nach Santa Cruz

Der letzte Ritt nach Santa Cruz

Story:

Banditen (u.a. Mario Adorf, Klaus Kinski) stehlen Geld und Entführern den Sohn eines Ex-Sheriffs. Ihr Ziel: Mexiko. Doch der Vater (Edmund Purdom) des Kindes ist ihnen auf der Spur…

Meine Meinung:

Das war ein Blindkauf, den ich 2019 in Zürich auf einer Filmbörse gekauft habe. Ich dachte bei den Namen wie Mario Adorf (Milano Kaliber 9, Malastrana, Mafian Kosto) und Klaus Kinski (Nosferatu in Venedig, Kinski – Ich brauche Liebe, Death Smiles on a Murderer) natürlich an einen Italo-Western. Leider falsch gedacht. Es handelt sich um einen österreichischen-deutschen Film aus dem Jahr 1964. Regie führte der Deutsche Rolf Olsen (Shocking Asia 1 + 2), der den grossartigen Blutiger Freitag realisierte.

Leider erreicht Der letzte Ritt nach Santa Cruz nie und nimmer Blutiger Freitag Qualitäten. Schade. Das wäre schon ein Hammer gewesen: «Italo Western» Setting und Grössen wie Klaus Kinski und Mario Adorf dabei, beide selbstverständlich als Bösewichte und in Hauptrollen. Der letzte Ritt nach Santa Cruz ist absolut ok, aber mehr nicht. Den Film kann man gut weggucken, wie man so schön im Volksmund sagt. Die besten Stellen kommen natürlich Mario Adorf und Klaus Kinski, wobei ich letzteren Aufgrund seines Outfits und der schlimm-miesen Bildqualität der deutschen DVD kaum erkannt habe.

Der Soundtrack ist nicht erwähnenswert und der restliche Cast war uninteressant. Die Actionsequenzen warn sehr unspektakulär. Dass wohl nicht wirklich viel Budget vorhanden war, sieht man dem Werk zu jeder Sekunde an. Es gibt, wenn ich mich korrekt erinnere, nicht einen Tropfen Blut zu sehen (ich mag unblutige Shoot-Outs nichts, da unrealistisch und theatralisch). Zudem sind der Film und der Wahnsinn, der von der Bande im Verlauf ausgeht, sehr harmlos. Da wäre mehr Härte wünschenswert gewesen. So wirkt Mario Adorf trotz allem nie wirklich wie die Bestie, wie er im Film dargestellt werden soll.

Fazit: Trotz grosser Namen enttäuschend. Besser Blutiger Freitag schauen!

Infos:

O: Der letzte Ritt nach Santa Cruz

Deutschland, Österreich 1964

R: Rolf Olsen

D: Edmund Purdom, Mario Adorf, Marianne Koch, Klaus Kinski, Marisa Mell, Walter Giller, Thomas Fritsch

Laufzeit der deutschen DVD: Ca. 93 Min.

Gesehen am: 03.01.25

Fassungen: Mir lag die deutsche DVD von Eyecatcher Movies vor = Uncut, Deutscher O-Ton, falsches Bildformat, sehr schlechte Bildqualität, Uncut. Der Film wurde danach in Deutschland neu von Filmjuwelen / AL!VE auf DVD veröffentlicht. Ob diese qualitativ besser ist, weiss ich nicht. Ich denke aber schon. Es gibt keine Blu-Ray/UHD (Stand: Jan. 2025).

Mittwoch, 19. Oktober 2022

Nosferatu in Venedig Review

 
Horroktober 2022

Nosferatu in Venedig

Story:

Venedig 1786:

Professor Paris Catalano (Christopher Plummer) reist nach Venedig, um das Mysterium um Nosferatu (Klaus Kinski) zu lösen…

Meine Meinung:

Nosferatu in Venedig, eine Fake Fortsetzung zu Nosferatu mit Klaus Kinski und von Werner Herzog, wirkt wie ein zusammengeflickter Mondo. Das liegt an der chaotischen Produktion zum Film: der Film bot insgesamt vier verschiedene Regisseure plus Klaus Kinski, der z.T. auch das Runder übernommen haben soll. Dass die Regisseure immer wieder gefeuert oder von sich aus gingen, sieht man der wirren Produktion an. Zu ihrem Nachteil…

Ich bin zwar ein grosser Fan des damaligen Italo-Kinos und auch Klaus Kinski mag ich als Schauspieler (Leichen pflastern seinen Weg, Creature, Jack the Ripper), aber Nosferatu in Venedig hat mir wirklich auch nicht gefallen. Daher war ich froh, diese alte deutsche DVD gratis vom Kumpel bekommen zu haben, statt viel Geld für das Mediabook ausgegeben zu haben.

Der Plot ist wirr, kaum vorhanden und nichtlinear. Aber das verwundert eben auch nicht, wenn es hinter der Kamera bei Cast & Crew solche Probleme gab. Von Klaus Kinski Auftritt, sind Chaos und Panik keine Seltenheit. Er soll sich sogar vor der Kamera an zwei der Schauspielerinnen sexuell vergangen haben (an Barbara De Rossi und Elvire Audray). Heutzutage unvorstellbar. Warum haben die Filmemacher da nicht eingegriffen?

Mehrheitlich schleicht Klaus Kinski in Nebel-Settings durchs menschenleere Venedig. Teilweise sind diese Szenen stimmig und schön gefilmt. Grösstenteils gelingt es dem Film aber nicht, eine fesselnde Atmosphäre zu generieren. Die Musik war nicht mein Fall und der Plot ist lahm und eine Spannung nicht vorhanden. Ich bin beim Schauen fast eingeschlafen. Gore darf man kaum erwarten, dafür gibt es, zumindest in der 2. Hälfte, viel nackte Haut zu sehen.

Der Cast ist mehr oder weniger auch wenig interessant. Barbara De Rossi überzeugt vor allem durch ihre Optik und Nacktszenen und Christopher Plummer war gut. Aber der restlich Cast war total verschenkt oder wurde nur geholt, um für den Film werben zu können. Dies trifft vor allem auf Halloween Star Donald Pleasence zu, der kaum zu sehen ist. Und Klaus Kinski beste Zeiten waren damals definitiv vorbei!

Fazit: Nicht wirklich zu empfehlen, da wirr, belanglos und langweilig!

Infos:

O: Nosferatu a Venezia

Italien 1986

R: Augusto Caminito, Mario Caiano, Luigi Cozzi, Klaus Kinski, Maurizio Lucidi

D: Klaus Kinski, Christopher Plummer, Donald Pleasence, Barbara De Rossi, Yorgo Voyagis, Anne Knecht, Elvire Audray

Laufzeit der deutschen DVD: 89:37 Min.

Gesehen am: Okt. 2022

Fassungen: Mir lag die deutsche DVD von VPS Video vor = Uncut, Deutsch/Englisch/Ital. ohne Subs. Die Bild- und Tonqualität sind nicht wirklich gut. Aber zum Schauen reichte es allemal, zudem ich die DVD gratis bekam. Für Fans gäbe es auch bessere Blu-Ray Alternativen aus den USA (Severin Films) oder Deutschland (Mediacs). Interessant ist dabei die 80minütige neue Doku Creation is Violent über Klaus Kinski.

Dienstag, 3. November 2020

Kinski – Ich brauche Liebe

Kinski – Ich brauche Liebe

Inhalt:

Zitat Back-Cover:

«„… Sie sind der Gegensatz des Roboters, des programmierten Computers, der Metall-Struktur und des Stahl-Betons … Ja, Sie leben und atmen wie ein freies Tier … Sie sind das pulsende Leben, das wir vergessen haben … Sie haben die Mähne des Löwen, den Blick des Adlers, das Lächeln des Wolfes, die raue Schönheit des tobenden Meeres und die wilde Hässlichkeit der schmelzenden Lava, blutrot, wie ein blutendes Herz, am Abhang des düsteren Vulkans … Sie sind der Mann, von dem man immer wieder sprechen wird, aber an den sich niemand mehr erinnern kann … die Legende … Mensch zu sein …“(anonymer Brief an Kinski, Paris 1989)»

Meine Meinung:

Klaus Kinski hat schon immer Kontroversen ausgelöst. Ich kenne ihn nebst Talk Shows und anderen Ausraster Videos vor allem aus dem Kino: Italo-Western (Leichen pflastern seinen Weg), Jess Franco (Jack the Ripper), seine Werke mit Werner Herzog. Ein Weltstar und ein begnadeter Schauspieler, der vor allem Schurken und Psychopathen «spielte». Nach seiner Schauspielkarriere hat Kinski seine «Autobiographie» Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund geschrieben. Ich brauche Liebe ist nun eine erweiterte und überarbeitete Fassung davon. Was überarbeitet und/oder neu und/oder hinzugefügt wurde ist mir nicht bekannt.

Ich las das Buch zu Jugendzeiten und wusste aktuell kaum mehr etwas darüber. Ich plante schon länger, es neu zu lesen. Dazu kamen 2013 die Enthüllungen von Kinskis Tochter Pola, welche Kinski beschuldigt, sie missbraucht zu haben (die Ereignisse hielt sie in ihrem Buch Kindermund fest). Ich hatte zuletzt viele ruhige Nächte, so dass ich das Buch, diesmal mit gemischten Gefühlen, las.

Nun muss ich meine Meinung über Kinski ändern. Ich bin zwar der Meinung, zwischen Kinski als Menschen und als Schauspieler zu unterscheiden, auf der anderen Seite bin ich der Meinung, dass Kinski gar nicht spielte, sondern er «sich selbst war». Auf der anderen Seite ist Kinski schon länger verstorben (Herzleiden, was er im Buch fast schon vorausschauend ahnte und beschrieb) und kann sich somit zu den Vorwürfen nicht äussern.

Das Buch hat viele eklige Passagen die Polas Aussagen bekräftigen und die einen sehr ekligen Nachgeschmack zurücklassen. Das Wort Vergewaltigung kommt mehrfach vor und auch wenn viele der Sex-Geschichten wohl mehrheitlich Kinskis kranker Fantasie entsprungen sein dürften (Inzest mit der Schwester, die vielen Geschichten über Minderjährige, Jungfrauen und Schülerinnen), ist seine Weltanschauung klar und deutlich zu erkennen: ich nehme mir, was ich will, wenn es sein muss auch gegen den Willen der Frau und mit Gewalt. Sehr unschön…

Auch von Polas Aussagen losgelöst betrachtet ist das Frauenbild von Kinski kritisch frauenfeindlich. Vergleicht man die Passagen über seine Töchter Pola & Nastassja mit denen seines Sohnes Nanhoï (seinem Babyboy = für mich das neue Unwort des Jahres 2020) wird dies besonders deutlich: über die Töchter wird verhältnismäßig wenig geschrieben während Nanhoï sich im letzten Viertel immer stärker ins Buch einprägt und für Kinski sein Ein und Alles ist.

Fast schon ein Gott. Sehr übertriebene Texte zu Nanhoï als Kind. Empfand ich als sehr nervend und habe ich dann mehr und mehr überflogen bis bewusst ausgelassen (bin ja auch nicht der grosse Kinderfreund und Kinskis Beschreibungen waren viel zu übertrieben euphorisch). Der Roman ist ihm auch gewidmet (Zitat: "Für meinen über alles geliebten Sohn Nanhoï"). Daher empfand ich das Buch auch als langweilig und ich hatte verhältnismässig lange, es fertig zu lesen.

Das einzige amüsante waren die Beschreibungen zu den Regisseuren und der Filmwelt von Kinski (vor allem über Herzog). Das gefiel mir. Ich fand es auch toll, dass er negativ über Kubrick schrieb. Über Jess Franco hat er kaum gemotzt, was Francos Qualität nur beweist.  Die Passagen über Herzog allein sind die Highlights des Buches. Amüsant sind auch seine Weltbild-Ansichten und seine Äusserungen gegen die Filmwelt, Künstler und das Beamtentum. Leider nehmen diese Passagen wenig Platz ein, da das Buch zu 90% sexuelle Fantasien eines möglichen Kinderschänders entsprechen.

Fazit: Nur für Kinski Fans zu empfehlen. Ich fand das Buch zu langweilig (Sex-Fantasien) oder nervend (Babyboy Passagen). Nach Polas Aussagen kommt das Buch mit zweifelhaftem Ruhm daher…

Infos:

Anzahl Seiten: 491

Sprache: Deutsch

In Deutschland erschienen: Ja

Autor: Klaus Kinski

Verlag: Heyne

Roman/Sachbuch: Autobiographie

Erschienen: 1991 (18. Auflage)

Art: Taschenbuch

Samstag, 11. Juli 2020

Death Smiles on a Murderer Review


Death Smiles on a Murderer

Story:

Eine unbekannte Frau (Ewa Aulin) wird bei einem Kutschenunfall verletzt vorgefunden. Dr. Sturges (Klaus Kinski) bringt die Frau, die Greta heisst, ins Anwesen von Eva und Walter von Ravensbrück (Angela Bo, Sergio Doria). Dort erholt sie sich. Und bald darauf verdreht sie dem Ehepaar Walter den Kopf, mit tödlichen Folgen…

Meine Meinung:

Death Smiles on a Murderer, in Deutschland bekannt als Die Mörderbestien, habe ich seit Jugendjahren nicht mehr gesehen. Der Film des späteren Pornofilmers Joe D’Amato (Buio Omega, Emanuelle and the Last Cannibals, Antropophagus) ist ein Mix aus Erotik, Giallo- und Horrorfilm, dessen Erzählung und einzelnen Szenen mich an Filme wie Two Evil Eyes und Sergio Martinos Your Vice Is a Locked Room and Only I Have the Key erinnerten.

Die Handlung ist wirr, verworren und nach Logik sollte man nicht suchen. Man sollte versuchen, den Film als leicht surrealistisches Werk, in dem alles möglich scheint, auf sich wirken zu lassen. Am Ende bleiben auch Fragen offen. Die Musik und Optik hingegen haben mir sehr gut gefallen. Joe D’Amato gelang es, für den Film ein bekanntes Gesicht zu gewinnen: Weltstar Klaus Kinski (Jack the Ripper, Creature, Leichen pflastern seinen Weg).

Er spielt jedoch nur eine kleine Nebenrolle. Als Hauptrolle konnte man die wunderschöne Schwedin Ewa Aulin gewinnen, welche mich zuletzt in der Ital.-Franz.-Co-Produktion Death Laid an Egg überzeugte – sie hier zu sehen, war toll, zumal Joe D’Amato immer ein gutes Händchen beweist, wenn es darum geht, knisternde Erotik stimmungsvoll in Szene zu setzen. Und sie mittendrin. Jede Szene ein Genuss.

Die erste Filmhälfte, sehr stimmungsvoll, ruhig, mysteriös und mit mehr Erotik ausgestattet, sagte mir mehr zu als die zweite Filmhälfte, in der es mehr Action, Horror und blutige Effekte zu sehen gab. Ewa Aulin gerät nämlich etwas in den Hintergrund und mit der Erotik ist es aus in der zweiten Filmhälfte – dafür gefiel dann wieder das Ende des Filmes.

Fazit: Für Fans von Euro-Cult Filmen aus Italien und Joe D’Amato zu empfehlen!

Fazit:

Infos:

O: La Morte ha sorriso all' Assassino

Italien 1973

R: Joe D’Amato

D: Klaus Kinski, Ewa Aulin, Angela Bo, Sergio Doria, Attilio Dottesio

Laufzeit der UK-Blu: Ca. 89 Min.

Gesehen am: Vor 2006 / Review überarbeitet am: 06.04.20

Fassungen: Mir lag die alte deutsche DVD von X-Rated und die neue UK-Ausgabe (als Blu-Ray) von Arrow Video vor = die ultimative Fassung zum Film. Bild- und Tonqualität sind hervorragend, es gibt Englischen oder Ital. Ton, englische Subs, ein informatives Booklet und informatives und exklusives Bonusmaterial (z.B. ein ca. 40minütiges Interview mit Ewa Aulin).

Mittwoch, 15. April 2020

Leichen pflastern seinen Weg Review

Leichen pflastern seinen Weg

Story:

Loco (Klaus Kinski) ist ein gefürchteter Kopfgeldjäger. Bei ihm gibt es keine Gefangenen. Sehr zum Ärger des neuen Sheriff Gideon Burnett (Frank Wolff), dem Loco ein Dorn im Auge ist. Gleichzeitig heuert die Schwester eines Verstorbenen (Marisa Merlini) den Revolverhelden Silence (Jean-Louis Trintignant) an, um Loco zu töten und ihren getöteten Bruder zu rächen…

Meine Meinung:

Auch wenn ich einige Italo-Western kenne, bin ich in diesem Sub-Genre aus Italien noch immer wenig vertraut würde ich sagen. Ich kenne nicht allzu viele Filme aber Sergio Corbuccis Leichen pflastern seinen Weg gefiel mir schon immer ausserordentlich gut. Ich sah den Film bisher nur einmal (lange her: Sept. 2007) und auch nach neuster Sichtung muss ich festhalten:

Ein kleines Meisterwerk, sehr gut und sicherlich (zumindest für mich) einer der besten Italo-Western überhaupt!

Gründe:

Die schneeverschneite und weisse Landschaft gibt dem Film eine sonderbare, intensive Stimmung und Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Der krasse Kontrast zum Dreck und Schlamm aus Django und Co. Dazu kommt tolle Musik von Ennio Morricone zum Einsatz, die perfekt zu den Bildern passt.

Desweitern wartet der Film mit einem grossartigen Cast auf: Jean-Louis Trintignant aber allen voran Frank Wolff (I Am Sartana, Your Angel of Death, Death Walks on High Heels) und Klaus Kinski (Jack the Ripper, The Hand That Feeds the Dead, If You Meet Sartana…Prey for Your Death, Creature) tragen den Film komplett alleine. Grandioses Schauspiel.

Der Film ist phasenweise unglaublich spannend (das Finale, in der sich Kinski und Trintignant ohne Dialoge lange gegenüberstehen knistert vor Spannung!) und im Gegensatz zu anderen Italo-Western wird auf Humor gänzlich verzichtet. Im Gegenteil: der Film ist düster, trostlos, pessimistisch. Diese Grundeinstellung und Atmosphäre mochte ich sehr, wie auch das Ende! Stark und genau nach meinem Geschmack!

Fazit: Einer der besten Italo-Western und für Fans des Genres unbedingt ein Must See Titel!

Infos:

O: Il Grande silenzio

Frankreich, Italien 1968

R: Sergio Corbucci

D: Klaus Kinski, Jean-Louis Trintignant, Frank Wolff, Marisa Merlini

Laufzeit der deutschen DVD: 100:27 Min.

Gesehen am: Sept. 2007 / Review überarbeitet: 25.02.20

Fassungen: Mir lag die deutsche DVD von Kinowelt vor = Uncut, gute Bild- und Tonqualität, Deutsch/Ital. Audio mit deutschen Subs. Die deutsche Sprachfassung ist hervorragend synchronisiert und zu bevorzugen. Gäbe es inzwischen in D von Filmjuwelen Uncut auf Blu-Ray. Die Kinowelt Disc reicht mir jedoch völlig aus.

Mittwoch, 16. Januar 2019

I Am Sartana, Your Angel of Death Review

I Am Sartana, Your Angel of Death

Story:

Eine Bank wird überfallen. Die Täter tarnen sich als Sartana (Gianni Garko), auf dessen Kopf ein hohes Kopfgeld ausgesetzt wird. Sartana selbst versucht die Hintermänner und das gestohlene Geld zu finden, doch nebst Polizei sind auch diverse Kopfgeldjäger (u.a. Klaus Kinski) hinter ihm her…

Meine Meinung:

Der zweite Teil nach If You Meet Sartana…Prey for Your Death hat mir nicht ganz so gut gefallen wie Teil eins. Grund: es fehlte mir ein Charakter wie William Berger, der eine enorme Präsenz ausstrahlte und einen ebenwürdigen Gegenspieler zum Helden gab – dies fehlte mir in Teil zwei. Zwar gibt es in der Fortsetzung mehr Action und mehr Klaus Kinski (andere Rolle, er starb schliesslich in Teil eins), aber das ist eben nicht alles.

Losgelöst von diesem Vergleich ist auch Teil zwei ein sehenswerter Film und jedem Italo Western Fan zu empfehlen! Nebst Klaus Kinski kehrt erneut Gianni Garko als Sartana als Titelheld zurück. Dieser spielt, wie schon in Teil eins, sehr gut. Kinski zuzusehen macht auch viel Spass und mehr Kinski Screentime gibt es immer zu begrüssen (schliesslich war das für die Filmemacher sicher auch immer eine Budget-Frage).

Die anderen Darsteller sind auch solide, aber die Figuren sind in ihrer Darstellung, Darbietung und Charisma leider nur wenig interessant. Der Hauptgegner bekommt sehr wenig Screentime, was nachvollziehbar ist, da Sartana ja reingelegt wurde und er selbst dem wahren Täter nachjagt – dies schnell zu offenbaren, hätte bedeutet, Spannung zu eliminieren.

Nebst den actionreichen Shoot-Outs, hier und da einem Schuss Humor gefällt der Film vor allem optisch (Vorspann à la James Bond und/oder Eastern à la Bruce Lee und/oder Shaw Brothers) und auch der Soundtrack gefiel mir besser als im ersten Film. Klingt einfach herrlich! Und der Film ist zudem wunderschön gefilmt – vor allem das Finale ist sehr stimmungsvoll geworden.

Ein weiteres Plus: es gibt viele Gamble-Szenen zu sehen, was den Inhalt abwechslungsreich werden lässt.

Fazit: Für Italo Westen Fans zu empfehlen! Ich bin sehr auf die weiteren Fortsetzungen gespannt... 

Gefolgt von: Sartana’s Here…Trade Your Pistol for a Coffin

Infos:

O: Sono Sartana, il vostro becchino

Italien 1969

R: Giuliano Carnimeo

D: Gianni Garko, Frank Wolff, Klaus Kinski, Gordon Mitchell, Ettore Manni

Laufzeit der UK Blu: Ca. 102 Min.

Gesehen am: 15.11.18

Fassungen: Siehe Teil eins If you Meet Sartana…Prey for Your Death mit der Ausnahme, dass es Teil zwei in Deutschland nur zensiert gibt (Stand: Nov. 2018).

Donnerstag, 15. November 2018

If You Meet Sartana…Prey for Your Death Review

If You Meet Sartana…Prey for Your Death

Story:

Zwei Banker (Sydney Chaplin und Gianni Rizzo) lassen ihre eigene Kutsche und Ladung Gold überfallen und stehlen. Doch die durchführenden Gangster (William Berger und Klaus Kinski) spielen ein doppeltes Spiel und versuchen, sich gegenseitig zu betrügen. Dazu kommt, dass auch ein mexikanischer General (Fernando Sancho) und der mysteriöse Sartana (Gianni Garko) hinter dem Gold her sind. Ein Katz und Maus Spiel beginnt…

Meine Meinung:

Dieser Italo Western und Auftakt zur 5teiligen Sartana Reihe hat mir sehr gut gefallen. Ich fühlte mich bestens unterhalten und der Film war unterhaltsam und zu keiner Sekunde langweilig. Wie sich die ganzen Parteien versuchen, unschädlich zu machen, ein doppeltes Spiel spielen oder sich gegenseitig versuchen «zu betrügen», ist schon köstlich und amüsant in Szene gesetzt – dem Treiben hätte ich sogar noch länger, als die Laufzeit hergibt, zusehen können.

Dazu kommt, dass der Film mit vielen sympathischen Figuren die Geschichte, die im Genre sicher nicht neu ist, erzählt. Nicht nur Gianni Garko als geheimnisvoller Sartana ist sympathisch, sondern auch der restliche Cast. Den Figuren zusehen, macht einfach viel Spass. Sartana kündigt sein Kommen mit einer Uhr, die beim Öffnen eine Melodie abspielt, an. Das hat mich an Henry Silvas Figur aus Die Rache des Paten erinnert (dort kündigt das Antiheld sein Kommen mit pfeifen an).

Fast noch charismatischer war William Berger als Gegner von Sartana – und die ganze Zeit über steigt die Vorfreude und Spannung, wenn sich beide die Finale endlich gegenüberstehen. Er spielt sehr gut, nahe dem Overacting, aber ohne peinlich oder lächerlich zu wirken. Sehr sympathischer Auftritt. William Berger ist ein Schauspieler, der mir zuvor nichts sagte. Der Österreicher spielte in seiner langen Karriere aber in vielen Italo-Filmen unterschiedlichen Genres mit. Egal ob Horror (Spider Labyrinth, Maya, Der Monster-Hai), Italo-Western (Djangos Rückkehr, Keoma - Das Lied des Todes), Ausflüge ins Jess Franco Universum (Die Liebesbriefe einer portugiesischen Nonne, The Sinister Eyes of Doctor Orloff, Im Schatten des Mörders), Giallo (Five Dolls For An August Moon) oder im Poliziotteschi (Der Tag der Cobra, Ich, die Nonne und die Schweinehunde) Genre. Ein gefragter Mann.

Ein gefragter Mann war auch Klaus Kinski (Creature, The Hand That Feeds the Dead) – der hier aber nur in einer Nebenrolle zu sehen ist (wäre wohl zu teuer geworden als Hauptrolle). Er macht aber trotzdem einen fanatischen Job. Die beste Szene, die vor Spannung und Intensität nur so knistert, ist jene, in der sich die drei Männer alle beim Barbier treffen! Spannend war auch die Gamble-Szene. Auch die Nebenrollen sind perfekt besetzt – sehr passende Darsteller für ihre Rollen (Gianni Rizzo als fetter, schmieriger Banker oder Fernando Sancho als mexikanischer General).

Die Action-Szenen sind sehr solide und effektiv (paar blutige Shoot-Outs, man darf aber keine John Woo oder Sam Peckinpah Qualitäten erwarten und manchmal gibt es auch gar keine Einschusslöcher zu sehen) inszeniert. Der Soundtrack ist solide und der Film ist überdurchschnittlich gut gefilmt. Die Actionszenen stellen zufrieden, sind aber nicht das Highlight des Filmes. Der Film lebt von der unterhaltsamen Story und die tolle Zeichnung seiner Figuren, so dass als Highlights die Dialog-Szenen statt die Action-Szenen zu gefallen wissen. 

Fazit: Jedem Italo Western Fan zu empfehlen! 

Gefolgt von: I Am Sartana, Your Angel of Death

Infos:

O: Se incontri Sartana prega per la tua morte

Italien, Deutschland, Frankreich 1968

R: Gianfranco Parolini

D: Gianni Garko, William Berger, Klaus Kinski, Fernando Sancho, Sydney Chaplin, Gianni Rizzo

Laufzeit der UK Blu: Ca. 96 Min.

Gesehen am: 11.08.18

Fassungen: Mir lag die Sartana Box aus England von Arrow Video vor = alle fünf Filme (neue Master), Englisch/Ital. mit englischen Subs, viele Extras, Booklet, Uncut Fassungen, Wendecover etc. Schickes Sammelstück. Teil eins gibt es auch in Deutschland Uncut (Blu-Ray) von Colosseo Film (Deutsch/Ital. und deutsche Subs).

Samstag, 8. September 2018

Mädchen, Machos und Moneten Buchtipp

Mädchen, Machos und Moneten

Inhalt:

"Mädchen, Machos und Moneten: die unglaubliche Geschichte des Schweizer Kinounternehmers Erwin C. Dietrich. Verlag Scharfe Stiefel, Eppenberger/Stapfer Hardcover, Deutsche Sprache. Auf über 200 Seiten und in Großformat wird das Leben und reichhaltige Schaffen des erfolgreichsten Schweizer Kinopioniers aufgezeigt. Mit ca. 150 farbigen Abbildungen! Daniel Stapfer (Eugen/Achtung, Fertig, Charlie) und Comic-Autor Benedikt Eppenberger haben ein Standardwerk geschaffen, was seinesgleichen sucht!"

Quelle: amazon.de

Meine Meinung: 

Das Buch habe ich vom Kollegen ausgeliehen bekommen. Erwin C. Dietrich war mir als Filmfan vor allem durch seine Jess Franco Zusammenarbeiten ein Begriff. Später durch seinen Verleih (Ascot, welches jetzt von seinen Nachkommen Ralph Dietrich und Karin Dietrich geführt wird - und auch ein Ex-Atlantis Chef Marzio Frei arbeitet für Ascot) und als ich dieses Jahr von seinem Tod erfuhr, guckte ich mir ihm zu Ehren einen Film an (siehe dieses Update). 

Das Buch ist sehr zu empfehlen! Sehr informativ, bietet schöne Bilder und Plakate (aber nicht nur) und ein wunderschönes Cover-Motiv (gezeichnet). Das Ganze ist sehr amüsant und locker geschrieben, so dass das Lesen viel Spass bereitet. Das ganze ist sehr gut und interessant recherchiert, so dass man als Fan viele Infos bekommt. Das ganze wird chronologisch (wie eine Biographie) erzählt und ist in diverse Kapitel gegliedert (z.B. Kapitel über die Franco Jahre etc.). 

Ich habe mir paar Infos notiert, welche ich nicht wusste oder welche mir zusagten: 

1. Dietrich hat den Film Seitenstrassen der Prostituation, obwohl die FSK Zenrusauflagen verordnet hat, trotzdem in Deutschland Uncut gezeigt, nachdem er der FSK zuvor eine zensierte Fassung vorlegte. So viel Mut muss man erst Mal haben! 

2. Dietrich hat ein Fake-Format, den Uraniascope, erfunden und in einigen Filmen "gebraucht" - so zu Lesen im Vorspann und/oder Plakat einzelner Filme (z.B. Die Nichten der Frau Oberst"). 

3. Die Hammer-Studios und Rogar Corman waren Vorbilder von Erwin C. Dietrich. 

4. Es gibt Einblicke in die Zensurgeschichte der Schweiz.

5. Über Jsss Franco sagte Dietrich, Zitat: "lebender Mythos und Abgott einer weltweiten Kultgemeinde". Wie wahr!

6. Dass Howard Vernon Schweizer ist und mit bürgerlichem Namen eigentlich Mario Lippert heisst, wusste ich nicht! Gehörte als Stammschauspieler zu vielen Filmen von Jess Franco!

7. Jess Franco hat das Treatment zu Frauengefängnis im Zug von Rom nach Zürich geschrieben, um es Dietrich fristgerecht vorlegen zu können. 

8. Lina Romays Ehemann gehörte auch zu den Franco Stammschauspielern (was mich überraschte, da Franco und Lina später ein Paar wurden). 

9. Dietrich musste wegen Ilsa vor Gericht. Teil 1 lief mit dem Titel Ilsa, die Hündinnen vom Liebeslager 7 in den Schweizer Kinos und wurde von 180'000 Schweizern gesehen! 

10. Auf die vier "Ilsa" Filme bezogen ein Zitat aus dem Buch s109: "So ausgleichend gerecht ist die Exploitation-Welt; ob in Deutschland, Lateinamerika, Saudiarabien oder der Sowjetunion: sadistische Lesben gibt es überall!". 

11. Das Bildnis der Doriana Grey soll Franco als Abschluss für Dietrich, quasi als Geschenk und ohne dessen Gelder, gedreht haben. Grund: Franco hat mit dem ersten Film (und Geld) für/von Dietrich heimlich zwei Filme realisiert, einen davon aber nur in Frabkreich veröffentlicht. Dietrich hatte daran keine Freude. Die Franco Filme für Dietrich, vor allem später zu DVD-Zeiten (die VIP Collection), sollte Dietrichs grösster finanzieller Erfolg gewesen sein.

12. Ein Franco Schauspieler für eine Dietrich Produktion wurde mit der RAF in Verbindung gebracht und tauchte unter.

13. Die Info, dass Evelyne Kraft mit einem "SB" (Shaw Brothers) verheiratet war, konnte ich nicht verifizieren. Vielleicht auch nur eine Redewendung, die ich nicht verstehe da Kraft in zwei Shaw Brothers Produktionen mitwirkte. Verheiratet war die Schweizerin laut Blick.ch später mit einem gewissen Felix Matthys. 

14. Dietrich zeigt Marketing Strategien der Franzosen auf: diese nahmen auch schon Mal einen Dietrich Film, haben im Vorspann einfach die Namen gewechselt und französiche Namen verwendet, um Dietrichs Film als ihren verkaufen zu können inklusive neuen Filmtitel. 

15. Richard Harris erhielt vertraglich ein Alkoholverbot während den Dreharbeiten zu The Wild Geese

16. An Die Wildgänse kommen soll Dietrich am meisten verdient haben (Kino).

17. Kommando Leopard war in der Schweiz ein grosser Erfolg - es gab viele Berichte zum Film und Dietrich. Mit: Klaus Kinski und dem Schweizer (ehemaligem Bobfahrer und Olympia Siger 1972) Hans Leutenegger. Letzterer wurde als "Burt Reynolds aus dem Thurgau" betitelt - da kommt mir der Vergleich Chan Sing - "Charles Bronson Asiens" in den Sinn (wurde immer im deutschen Eastern Lexikon so genannt). Kinski und Leutenegger haben für den Film viel Werbung gemacht. Unvergessen der ca. sechsminütige Auftritt 1985 im WWF Club wo Kinski keine Fragen beantwortet hat und, als das Interview vorbei war (das Moderator sagte Kinski in etwa, dass die sechs Minuten immer recht schnell vorbei sind), sagte Kinski: "Wir haben den Motor laufen lassen draussen im Auto". Kann man sich auf Youtube anschauen = "Klaus Kinski Interview (WWF Club 1985)" als Suchbegriff eingeben. 

18. Dietrich war immer gegen "Brutalos" und gegen (HC)Pornos. Bsp: Mad Foxes fiel für Dietrich unter die Kategorie Brutalos, auch wenn der Film ein ziemlich grosser Erfolg war.

19. Dietrich hat in der Schweiz die ersten zwei Multiplex Kinos gebaut - das Capitol (5 Säle) und später das Cinemax (10 Säle). Beide in Zürich. Der erste Film, der im Cinemax lief, war Cliffhanger

21. Nachdem Dietrich dem Sex-Geschäft abschwor und ein eigenes Kino hatte, gestattete sich die Zusammenarbeit mit anderen Anbietern als schwer. Man versuchte zunächst, Dietrich aus dem Geschäft zu mobben. Zitat aus dem Tagesanzeiger vom 12.12.83: "Lieber schliesse ich meine Kinos oder verkaufe sie, als dass ich mich mit Herrn Dietrich an einen Tisch setze. Das hat mit Stil zu tun". 

22. 1984 war Dietrich: Produzent, Verleiher und Kinobesitzer. 

23. Kitag hat gegen Dietrich geklagt: man wollte nicht, dass Dietrich in seinen Kinos Jurassic Park zeigen durfte - Kitag verlor die Klage. An seinem 75jährigen Geburtstag hat ein gesundheitlich angeschlagener Dietrich nach langem Kampf seine zwei Kinos an Kitag verkauft. 

Infos:

Autor: Daniel Stapfer, Benedikt Eppenberger

Herausgeber: Verlag Scharfe Stiefel

Sprache: Deutsch

Buchart: Gebunden

Anzahl Seiten: 198

Roman/Sachbuch: Sachbuch

Erwähnung: Am Ende gibt es noch eine Filmografie der Dietrich Produktionen und für das Vorwort zeichnete sich Jess Franco verantwortlich!