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Donnerstag, 14. Mai 2026

Vier Fliegen auf grauem Samt

Vier Fliegen auf grauem Samt

Story:

Roberto (Michael Brandon) wird von einem unbekannten, mysteriösen Hutträger verfolgt und beschattet. Eines nachts folgt Roberto dem Hutträger um ihn zur Rede zu stellen. Bei dem Handgemenge stirbt der Hutträger. Derweil hält eine Person, die eine Maske trägt, den Akt auf Fotos fest. Danach wird Roberto von einem unbekannten Killer terrorisiert. Roberto heuert einen Detektiv (Jean-Pierre Marielle) an, um mehr herauszufinden. Es kommt zu Morden an Robertos Umfeld…

Meine Meinung:

Vier Fliegen auf grauem Samt ist Dario Argentos (Tenebrae, Sleepless, Phenomena) dritter Teil seiner Tier-Trilogie nach Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe und Die neunschwänzige Katze. Leider hat der Film seine Zweitsichtung, diesmal sah ich mir den Film erstmals in Deutscher Sprache an, nicht bestanden. Vier Fliegen auf grauem Samt ist leider nur eine durchschnittliche und relativ öde Angelegenheit. Das hatte ich besser in Erinnerung, denn der Film gefiel mir früher, warum auch immer, besser.

Der Plot ist minimalistisch, wie oft bei Argento. Es geht um die Suche nach dem Mörder und Motiv. Das erinnert an frühere und spätere Auflösungen im Schaffen von Dario Argentos Filmwelt. Das Detail mit den Fliegen fand ich einen interessanten Ansatz und gefiel mir. Ebenso der Traum mit der Köpfung. Die Kameraführung war zuweilen erneut exzellent, fantasievoll und innovativ. Die Musik war hingegen ein zweischneidiges Schwert. Einerseits tolle Klänge von Ennio Morricone (Compañeros, Das Ding aus einer anderen Welt, Malastrana), andererseits hat mich nicht jedes Stück abgeholt.

Leider war der Film für seine Laufzeit sehr langweilig. Zudem haben mir, praktisch durch die Bank, alle Figuren missfallen. Ich fand diese nicht wirklich sympathisch oder charismatisch. Was die Morde angehen, muss gesagt werden, dass der Bodycount relativ klein und der Film in Sachen Blutgehalt relativ harmlos und blutleer ausgefallen ist. In der Hinsicht waren andere Filme von Dario Argento fieser. Etwas, was mich während dieser zweiten Sichtung am meisten gestört hat, war der unpassende Klamauk und Humor. Das ist nebst der Langeweile auch der Hauptgrund, warum der Film jetzt aus der Sammlung fliegt. Wie ich das früher nicht bemängeln konnte, wissen nur die Sterne.

Fazit: Wird seinem Ruf nicht gerecht. Zu langweilig und zu lustig…

Infos:

O: 4 mosche di velluto grigio

Italien 1971

R: Dario Argento

D: Michael Brandon, Francine Racette, Mimsy Farmer, Bud Spencer, Jean-Pierre Marielle, Marisa Fabbri

Laufzeit der deutschen Blu-Ray: 103:16 Min.

Gesehen am: Mitte Feb. 2009 / Neusichtung am: 14.05.26

Fassungen: Mir lag das deutsche Mediabook (Drei Discs d.h. DVD, Blu-Ray, Bonusdisc sowie Booklet) von Koch Media vor = bis auf ein-zwei Handlungsszenen, die aus einer schwächeren Quelle stammen, gute bis sehr gute Bildqualität, Uncut, Deutsch, Englisch oder Ital. mit deutschen Untertiteln. Die deutsche Synchronisation ist gut. Den Film gibt es inzwischen von Plaion Pictures auch als UHD (inklusive Blu-Rays und Soundtrack CD).

Dienstag, 5. Mai 2026

The Killer Must Kill Again

The Killer Must Kill Again

Story:

Giorgio (George Hilton) plant, um an Geld zu kommen, seine Ehefrau (Teresa Velázquez) zu töten. Als er nachts einen Mörder (Antoine Saint-John) bei der Beseitigung einer Leiche beobachtet, handelt er mit diesem einen Deal aus. Der Plan scheint aufzugehen. Doch als das Auto mit der Leiche im Kofferraum gestohlen wird, nimmt der Fall unerwartet Wendungen an und Unbeteiligte (Femi Benussi, Cristina Galbó, Alessio Orano) geraten zwischen die Fronten…

Meine Meinung:

The Killer Must Kill Again ging mir irgendwie immer durch die Lappen und den hatte ich, bis zu einem Tauschgeschäft mit einem Sammler aus Deutschland, nie auf dem Schirm. Bei dem Film, einer französisch-italienischen Ko-Produktion, handelt es sich um das Regiedebüt von Luigi Cozzi (Demons 6 De Profundis, Godzilla, Nosferatu in Venedig). Und für ein Regiedebüt fand ich den Film mehr als gelungen und ordentlich.

Der Film ist ein Mix aus Krimi, Giallo und Sleaze. Ich fand die Mischung toll. Der Film macht aus der Identität des Killers kein Geheimnis. Der ist am Anfang schon zu sehen. Den Plot fand ich interessant und eine gewisse Spannung war gegeben. Wo wird der Plot hinführen? Was wird schiefgehen? Was sind die Folgen? Was passiert mit den Figuren, die zwischen die Fronten geraten? Das macht den Reiz des Filmes aus. Zuerst wird das Story-Gerüst erklärt, dann folgen mehr ruhige Momente und das Finale und die Story-Inhalte davor haben dann die grösste Giallo Vibes plus hübsch fiese, schmierige Sleaze-Momente und eine Hauch Erotik.

In den Momenten ist auch die Kameraarbeit exzellent und Giallo-Fans werden voll auf ihre Kosten kommen, auch wenn der Film definitiv mehr Wert auf Plot und Verlauf statt auf blutige Morde legt. Mir haben der Film und sein Mix zugesagt. Der Cast, vor allem Antoine Saint-John (The Beyond), Cristina Galbó (What Have You Done to Solange?) sowie Alessio Orano haben sehr gut agiert. Aber auch George Hilton (Der Killer von Wien), Teresa Velázquez, Eduardo Fajardo (Django) sowie Femi Benussi (Der Vernichter) waren solide.

Fazit: Fans von Euro-Cult Filmen aus der Zeit können bedenkenlos einschalten!

Infos:

O: L'Assassino è Costretto ad Uccidere Ancora

Italien, Frankreich 1975

R: Luigi Cozzi

D: Antoine Saint-John, George Hilton, Teresa Velázquez, Femi Benussi, Cristina Galbó, Alessio Orano, Eduardo Fajardo

Laufzeit der US-DVD: Ca. 90 Min.

Gesehen am: 05.05.26

Fassungen: Mir lag die US-DVD von Mondo Macabro vor = Uncut, Englisch/Ital. mit englischen Subs, sehr gute Bild- und Tonqualität. Ich sah mir den Film in Ital. mit Untertiteln an. Als Extras gibt es u.a. ein Interview mit Regisseur Luigi Cozzi. Es gibt weder eine Blu-Ray, noch eine deutsche Fassung (Stand: Mai 2026).

Mittwoch, 29. April 2026

Libido

Libido

Story:

Christian Coreau (Giancarlo Giannini) ist ein traumatisierter junger Mann, seit er als Kind mit ansehen musste, wie sein kranker Vater seiner Mutter während einer S/M-Session umgebracht hat um sich danach selbst das Leben zu nehmen. Um sein Trauma bewältigen zu können, macht sich Christian zusammen mit seiner Ehefrau, seinem Anwalt und dessen Frau auf den Weg, den Ort des Schreckens zu besuchen. Keine gute Idee…

Meine Meinung:

Libido ist ein s/w-Gothic-Mystery-Thriller, der auch als Giallo betitelt wird. Der Film erinnert an spätere Werke aus Italien mit Carroll Baker (A Quiet Place to Kill, Knife of Ice, The Fourth Victim) und stammt von den Regisseuren Ernesto Gastaldi sowie Vittorio Salerno (Die grausamen Drei, Betrachten wir die Angelegenheit als abgeschlossen). Die Mitte der 60er Jahre Produktion ist zwar durchaus solide, bringt dem Genre aber nichts Neues.

Der Film punktet vor allem durch seine Optik und die Bilder. Die wurden stimmungsvoll und stark eingefangen. Der Film ist solide gespielt. Die vier Hauptfiguren werden von Luciano Pigozzi (Zombi 3, Seven Deaths in the Cat’s Eye, The Last Hunter), Giancarlo Giannini (der es sogar nach Hollywood geschafft hat), Dominique Boschero sowie Mara Maryl. Letztere, das «blonde Gift», bringt leider unnötigen Klamauk und Slapstick in den Film, so dass selbst ihre Szenen wenig erotisch wirken. Der Humor wirkt unpassend.

Der Film ist allgemein sehr konservativ und harmlos. Effekte, Blut oder Sex dürfen nicht erwartet werden. Das Drehbuch überzeugt nicht und es gibt am Anfang und Mittelteil viel zu viele Längen. Und wenn am Ende das Tempo erhöht wird, ist der Film kurze Zeit später schon vorbei. Die Musik war unspektakulär. Das fiese Ende war ganz okay und nett, aber rettet den Film nicht. Für mich war der Film zu alt, zu unspektakulär und zu langweilig.

Fazit: Kein Film für die Sammlung!

Infos:

O: Libido

Italien 1965

R: Ernesto Gastaldi, Vittorio Salerno

D: Giancarlo Giannini, Dominique Boschero, Luciano Pigozzi, Mara Maryl

Laufzeit der US-Blu: Ca. 90 Min.

Gesehen am: 29.04.26

Fassungen: Mir lag die US-Blu-Ray von Severin Films vor = Schuber, Englisch/Ital. Audio mit englischen Subs und als Extras gibt es u.a. ein Interview mit Regisseur Ernesto Gastaldi. Die Bild- und Tonqualität sind fantastisch. Es gibt keine deutsche Fassung (Stand: April 2026).

Montag, 27. April 2026

Killer in the Dark

Killer in the Dark

Story:

Eine Reporterin (Christine Hui San) und ein Nachtclubbesitzer (Phairoj Jaising) machen sich auf die Suche nach einem Frauenmörder. Die Polizei ermittelt ebenfalls…

Meine Meinung:

Killer in the Dark ist eine Zusammenarbeit zwischen Hong Kong und Thailand. Daher werden auch zwei Regisseure (Chan Tung-Man, Pecnai Naolod) gelistet. Inwieweit sich die Fassungen unterscheiden, ist mir nicht bekannt. Chan Tung-Man ist zumindest noch bei der japanischen Produktion Soul of Chiba gelistet. Er scheint daher öfters für Ko-Produktionen ausgewählt worden zu sein. Sein Gegenüber aus Thailand ist mir sogar total unbekannt. Zu Pecnai Naolod finde ich keine Infos. Der Cast war auch ein Mix aus Thailänder und einer HK-Crew, wobei letztere dominiert haben.

Es handelt sich um eine Anfang der 70er Jahre Produktion und einen Mix aus Giallo und Kung-Fu-Film. Etwas, was in dem Genre selten war. Zumindest dazumal. Da kommen mir nur wenige Filme wie Corpse Mania, The Psychopath oder mit einzelnen Szenen noch Love Massacre sowie unbekanntere Filme wie The Woman from Hell, Night Caller oder The Mid-Night in den Sinn. In der neuen Zeit sind es eher Erinnerungen ans Slasher-Genre, die hier und da zutreffen (z.B. in Dream Home und Co.). Auf jeden Fall eine nicht uninteressante Mischung.

Die Giallo-Momente (Schwarze Handschuhe, Tatwaffen) haben mir mehr zusagt als die Kampfszenen, die auch weniger Raum einnehmen. Es ist mehr diese billige Machart und die damit verbundene Stimmung, die mir gefällt. Der Film ist relativ harmlos und ggf. könnte die VHS aus Südkorea in Nacktszenen zensiert sein. Auf der anderen Seite gibt es immer wieder abwechslungsreiche Einschübe, z.B. die Autoverfolgungsjagd inklusive Stunt, Bolo Yeung (Chinese Hercules, Enter Three Dragons, The 36 Deadly Styles) in einer total verrückten Nebenrolle oder Cameo-Auftritte von Hon Kwok-Choi (Little Super Man) als mögliche Tatverdächtige.

Fazit: Wer die Genres Kung-Fu- und Gialli mag, kann einen Blick riskieren!

Infos:

O: Duo Ming Ke

HK, Thailand 1973

R: Chan Tung-Man, Pecnai Naolod

D: Phairoj Jaising, Christine Hui San, Fong Yau, Bolo Yeung, Hon Kwok-Choi, Chieh Yuen, San Kuai, Mandy San Qi, Chow Pan-Pan, Lily Chen Ching

Laufzeit der südkoreanischen VHS: 88:14 Min.

Gesehen am: 27.04.26

Fassungen: Mir lag die südkoreanische VHS von NVC vor = O-Ton Mandarin mit englischen, chinesischen und koreanischen Untertiteln. Leider ist es diesmal so, dass die koreanischen Untertitel gigantisch sind und mehrheitlich die englischen Untertitel total verdecken. Jedoch sind mir andere Fassungen im O-Ton unbekannt. In Deutschland heisst der Film Der Mann mit dem Karateschlag. Dort ist der Film auf VHS und DVD raus (ohne O-Ton). Die VHS aus Südkorea machte einen kompletten Eindruck. Vergleichsmöglichkeiten boten sich mir jedoch keine.

Montag, 23. März 2026

Phenomena

 

Phenomena

Story:

Die sensitive Jennifer (Jennifer Connelly), die mit Insekten kommunizieren kann, kommt während ihrem Aufenthalt in einem Fraueninternat in der Schweiz, einer Mordserie auf die Spur. Sie wird dabei von einem Professor (Donald Pleasence) unterstützt…

Meine Meinung:

Zwischen Tenebre und Opera drehte Dario Argento, teilweise vor Ort in den Schweizer Alpen, den mystischen, traumhaften und surrealen «Mystery-Krimi» Phenomena. Der Film ist, was seinen Plot angeht, definitiv kein 08/15-Werk. Und dennoch ist Dario Argento Mal wieder die Optik und Stimmung wichtiger, als sein dennoch zugegebenermassen dünner Plot. Das ist an sich für meinen Geschmack kein wirklicher Kritikpunkt, allerdings zieht sich der Film in den ersten 60 Minuten doch sehr, was das Fortschreiten der Geschichte und wirkliche Horrorparts darin, angehen. Soll heissen, es gibt definitiv auch die ein oder andere lahme Sequenz zu sehen und dass der Film für den US-Markt stark gestrafft wurde (und dann als Creepers veröffentlicht wurde), kann ich sogar nachvollziehen.

Ich mag Phenomena, auch wenn ich diesen persönlich nicht zu den Stärksten Argento-Werken zähle (Suspiria, Deep Red, Sleepless, Opera). Die erste Stunde war wirklich zäh, Affen mag ich nicht (ausser seiner letzten Szene im Film) und der Englische Dub (nicht alle Personen haben sich selbst gesprochen) mindert das Sehvergnügen halt doch auch ein bisschen (wirkt je nach Dialogen und Stimmen billig und künstlich). Die Besetzung von Halloween-Star Donald Pleasence (Specters) war ein gekonnter Schachzug. Die damals noch minderjährige Jennifer Connelly trägt den Film jedoch praktisch allein. In der sehenswerten Anfangssequenz ist zur Abwechslung Mal nicht Dario Argentos Tochter Asia, sondern Fiore zu sehen. Netter Gastauftritt, wie auch jener von Michele Soavi (Stage Fright). Daria Nicolodi (Inferno) spielt eine Nebenrolle. Sie gehörte zu dem Zeitpunkt zum Repertoire eines jeden Dario Argento Filmes.

Weitere Namen aus dem Ital. Film, die sich dazu gesellt haben: Goblin und Claudio Simonetti (Cut and Run), Luigi Cozzi (Demons 6 De Profundis) und Effekte Künstler Sergio Stivaletti (I Tre volti del terrore, Dellamorte Dellamore, Murder Obsession). Letzterer war für einige (zwar wenige aber dennoch sehenswerte) Tötungs- und Make-Up- Masken und Leichenteile zuständig. Der Film bietet in der Hinsicht einige schöne Ekelmomente mit Maden. Diesbezüglich gibt es auch im Finale einige wunderbar makabre Einfälle zu sehen. Die traumähnliche und surrealistische Stimmung plus die sonderbare Musik diverser Metal-Bands (z.B. Flash of the Blade von Iron Maiden) inklusive den Close-Ups von diversen Insekten ist definitiv sehenswert und wertet den Film im gegen Ende hin auf.

Fazit: Fantasievolles Kino von Dario Argento!

Infos:

O: Phenomena

Italien 1985

R: Dario Argento

D: Jennifer Connelly, Donald Pleasence, Daria Nicolodi, Fiore Argento, Michele Soavi, Patrick Bauchau, Franco Trevisi, Francesca Ottaviani, Dalila Di Lazzaro, Federica Mastroianni

Laufzeit der US-Blu: 116:00 Min.

Gesehen am: Vor 2006 / Neusichtung am: 23.03.26

Fassungen: Mir lag die US-Blu-Ray von Synapse Films vor, die vor einigen Jahren am Brugggore Filmfestival von Claudio Simonetti signiert wurde. Dieses Set kommt mit Booklet, Steelbook und drei Discs daher = Soundtrack-CD, zwei Blu-Rays (mit insgesamt drei Filmfassungen), limitiert auf 3000 Stück. Das Set bietet den Film in Englisch/Ital. mit englischen Untertiteln an. Dazu gibt es Unmengen an Extras (u.a. Dario Argentos World of Horror Doku, Interview mit Andi Sex Gang, Trailer, TV-Spots, Audiokommentar). Gibt es in Deutschland Uncut von XT-Video auf Blu-Ray (in Deutsch oder Englisch).

Montag, 9. März 2026

Lizard in a Woman's Skin

Lizard in a Woman's Skin

Story:

Carol Hammond (Florinda Bolkan) hat Alpträume von sexuellen Orgien. In den Träumen kommt auch Carols Nachbarin Julia Durer (Anita Strindberg) vor. Julia wird im Traum von Carol getötet. Carol begibt sich aufgrund der Träume in Therapie zu Dr. Kerr (Jorge Rigaud). Als Julia eines Tages ermordet vorgefunden wird, so wie es Carol im Traum sah, macht sie sich bei der Polizei (u.a. Stanley Baker) zur Tatverdächtigen…

Meine Meinung:

Lizard in a Woman's Skin ist ein nicht uninteressantes Frühwerk (1971) von Lucio Fulci (A Cat in the Brain, Der New York Ripper, The Devil's Honey) und eine Co-Produktion zwischen Frankreich, Italien und Spanien. Der Film ist ein Mix aus Mystery, Thriller, Krimi, Horror, Giallo und Erotik. Der Film hat sich vor allem aufgrund einiger surrealistischer Traum- und Horrorsequenzen einen Ruf gemacht, wobei der Film im Grossen und Ganzen ein ruhiger und harmloser Film darstellt.

Die erwähnten Traumszenen sind jedoch wirklich gelungen, stimmungsvoll und sehenswert geworden. Sehr surreal. Sehr sexy. Teilweise hübsch horrorhaft. Speziell erwähnen möchte ich in dieser Hinsicht die Sequenz mit den Hunden. Diese Make-Up-Effekte und Kreationen von Carlo Rambaldi (The Hand That Feeds the Dead, Mondo Cane 2, Rex: A Dinosaur's Story) waren exzellent und perfekt geeignet für jeden Horrorfilm. Dazu die Musik von Ennio Morricone (Compañeros, Das Ding aus einer anderen Welt) unter der Leitung von Bruno Nicolai (Ermittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhabenen Bürger). Perfekt.

Auch der Cast kann sich sehen lassen. Florinda Bolkan (Nonnen bis aufs Blut gequält, La settima donna, A Man to Respect), Star aus der sehenswerten Serie Allein gegen die Mafia, spielt die Hauptrolle. Sie macht das sehr gut und sollte nur ein Jahr später in einem weiteren sehenswerten Frühwerk von Lucio Fulci mitwirken: in Don’t Torture a Duckling. Anita Strindberg spielt mehr eine Nebenrolle und «Küken» Ely Galleani (Die Wiege des Teufels, High Crime), die später in vielen Erotikfilmen mitwirkte (an der Seite von Laura Gemser), ist hier in einer ihrer ersten Rollen zu sehen. Jean Sorel spielt die männliche Hauptrolle.

Jean Sorel (Murder in a Blue World, Malastrana) spielte in ähnlichen Filmen wie Lizard in a Woman's Skin mit. In den Gialli vom Umberto Lenzi (A Quiet Place to Kill). Im Vergleich zu diesen ist der Lucio Fulci Film jedoch erotischer, aufwändiger und blutiger, auch wenn es der Film im letzten Viertel, wenn Twist auf Twist folgt, etwas übertreibt. Ich kann auch verstehen, wenn Zuschauer mit der ruhigen Art und Weise des Filmes Mühe haben und sich gerne mehr Horror- oder Erotikparts gewünscht hätten. Auch der hier und da durchbrechende Humor und die Over-the-Top Figurenzeichnung (der eine Inspektor auf dem Revier, der irische Hippie, der Schwule auf dem Polizeirevier) sind zum Teil schlecht gealtert. Halt ein Zeitgeist-Ding.

Fazit: Wer von Lucio Fulci nicht nur Gore erwartet und seine Frühwerke mag, sollte sich diesen Film nicht entgehen lassen!  

Infos:

O: Una Lucertola con la pelle di donna

Frankreich, Italien, Spanien 1971

R: Lucio Fulci

D: Florinda Bolkan, Anita Strindberg, Leo Genn, Jean Sorel, Mike Kennedy, Stanley Baker, Ely Galleani, Jorge Rigaud

Laufzeit der US-Blu-Ray: 104:11 Min.

Gesehen am: März 2005 / Neusichtung: 08.03.26

Fassungen: Früher sah ich den Film via US-DVD von Shriek Show. Die DVD wurde schon lange durch die US-Blu-Ray von Mondo Macabro ersetzt = Hervorragende Bild- und Tonqualität in Englisch oder Ital. mit englischen Subs, Uncut. Es gibt viele Extras. Am besten fand ich die Doku Fulci: Day for Night. Leider ist die Doku nicht komplett. Es sind davon nur 33 Minuten zu sehen, in denen Lucio Fulci über seine Karriere spricht. Spannend. Ich wusste z.B. nicht, dass seine Ehefrau Suizid beging oder er einen damals noch sehr jungen Adriano Celentano (Onkel Addi - Gib dem Führer Saures) ins Filmgeschäft geholt hat. Der Film soll Ende Mai 2026 von filmArt erstmal in Deutschland erscheinen. Titel: Eine Eidechse in der Haut einer Frau.

Samstag, 27. Dezember 2025

Sex of the Witch Review

Sex of the Witch

Story:

Diverse Familienangehörige (u.a. Camille Keaton) werden nach dem Tod des Vaters (Simone Santia) zu Erben. Dann beginnt ein mysteriöser Killer die Familienmitglieder zu töten. Die Polizei (Donald O'Brien) ermittelt…

Meine Meinung:

Der zweite Film aus Vinegar Syndromes Box Camille Keaton in Italy nach dem relativ langweiligen Tragic Ceremony hat mir besser gefallen. Zwar ist der Film noch immer kein wirkliches Highlight, aber er hat seine Momente. Camille Keaton, Star aus I Spit on Your Grave, spielt hier einer der Familienangehörigen (Erbin), die zum einen zum Opfer eines Killers werden, und zum anderen unter Verdacht geraten, die Täterschaft zu sein. Regie führt der mir unbekannte Angelo Pannacciò. Er arbeitete mir einigen der Darstellerinnen schon in Holocaust II zusammen.  

Inhaltlich gibt es einen ermittelnden Cop und jede Menge Sexszenen als Füllszenen zu sehen. Laut Blu-Ray Back-Cover gibt es hier erstmals zehn Extra-Minuten zu sehen, die bisher wohl als verschollen galten. Was mir am Film, vor allem zu Beginn, sehr gefiel waren Jess Franco Vibes. Der Film wirkt sehr traumhaft und psychedelisch. Positiv hervorheben, praktisch in jeder Szene, war dabei auch die immer passende und sehr stimmungsvolle Musik. Hat mir gut gefallen. Das waren die stärksten Momente des Filmes.

Der Plot selbst ist jedoch dünn und kaum vorhanden. Ab einer gewissen Zeit vergeht die zunächst entstandene Faszination und es kommt zu Längen. Diese werden immerhin mit vielen Nacktszenen (Sexszenen) aufgefüllt. Könnte also schlimmer sein. Wirklich blutig wird es praktisch nur in einer Szene und etwas übernatürlicher Schnickschnack kommt auch vor. Die weiblichen Darstellerinnen um Susanna Levi, Marzia Damon (The Hand That Feeds the Dead) und Lorenza Guerrieri sind hübsch anzusehen, Donald O'Brien erinnerte mich jedes Mal an seine irre Mad scientist Rolle aus Zombi Holocaust und Franco Garofalo (Star aus Hell of the Living Dead) wird von den Frauen umgarnt.

Fazit: Euro-Cult Fans können einen Blick riskieren!

Infos:

O: Il Sesso della strega

Italien 1973

R: Angelo Pannacciò

D: Susanna Levi, Jessica Dublin, Sergio Ferrero, Camille Keaton, Franco Garofalo, Donald O'Brien, Simone Santia

Laufzeit der US-Blu: 95:17 Min.

Gesehen am: 27.12.25

Fassungen: Gesehen via US-Blu-Ray von Vinegar Syndrome (Camille Keaton in Italy) = drei Filme in einer Box, Uncut, hervorragende Bild- und Tonqualität, Ital. O-Ton mit englischen Subs. Es gibt keine deutsche Fassung (Stand: Dez. 2025).

Dienstag, 4. November 2025

The Haunted Villa Review

Horroktober 2025

The Haunted Villa

Story:

Während der Nachtschicht vergewaltigt der verheiratete Arzt Dr. Han (Kung-Won Nam) die Krankenschwester Kyung-Ah. Sie wird schwanger. Als sie nicht abtreiben will, kommt es zum Handgemenge. Die leblose Kyung-Ah versenkt Dr. Han in einem Brunnen. Doch damit hat der Spuk für ihn noch kein Ende…

Meine Meinung:

The Haunted Villa kommt nicht in meine Filmsammlung. Der Anfang der 80er Jahre Film aus Südkorea war dazu zu unspektakulär. Ausserdem ging ich mit falschen Erwartungen an den Film. Es handelt sich nämlich nicht wirklich um einen Ghost-Film (was ich mir jedoch erhoffte), was dem Zuschauer auch während der Sichtung schnell klar wird. Der Film ist relativ zahm und vor allem repetitiv. Da kein Ghost-Setting gibt es leider auch nur wenig stimmungsvolle Momente.

Was solche angehen blieben mir nur der Beginn (Gewitter, Regen), die Nachtschicht (mit dem dramatischen Ausgang des notgeilen Arztes) und das Finale (wieder Gewitter & Regen) in Erinnerung haften. Sonst erinnert der Film deutlich mehr ans Ital. Giallo Genre oder an Mystery-Thriller à la Umberto Lenzi. Jene mit Carroll Baker, in welcher Paranoia und Betrug oft eine Rolle spielen und am Ende ein Twist den anderen jagt, was wahre Täter, mehrere Täter oder Motive angehen.

Das Ende gefiel mir nicht wirklich, auch wenn ich einen Ausgang dieser Art erwartet und habe kommen sehen. Richtige Highlights sind zäh und die Szenen sind immer die gleichen und repetitiv. Aufgrund von fehlenden englischen Untertiteln sind auch die Motive der Figuren nicht 100% klar (warum zeigte die Krankenschwestern den Arzt nicht einfach an?). Die mir unbekannte Darstellerin, die die Krankenschwestern spielte, die später via Rasiermesser Jagd auf den Doc macht, spielte das ordentlich. Sie war die beste Figur im Film, was das Schauspiel angeht.

Regie führte Lee Doo-yong, der auch einige Martial Arts Filme realisiert haben soll. Darunter interessante wie Returned a Single-legged Man: 2, der mich vom Titel und der Prämisse (der Held verliert ein Bein) an The One-Armed Swordsman erinnert. Ansonsten dürfte Nam Koong-won der wohl bekannteste Name der Produktion sein. Er, welchen den Arzt spielt, hat eine grosse Karriere mit vielen Rollen vorzuweisen (A Woman After a Killer Butterfly, A Bloodthirsty Killer, Space Monster Wangmagwi). Wer die Krankenschwester spielt, konnte ich hingegen nicht in Erfahrung bringen.

Fazit: Den fand ich, genau wie seine Vorbilder (Carroll Baker «Gialli»), unspektakulär. Zwar nicht wirklich langweilig, aber auch nicht sonderlich toll. Wurde nach London verkauft! 

Infos:

O: Gwihwa sanjang

Südkorea 1981

R: Lee Doo-yong

D: Kung-Won Nam, Yang-ja Jin, Han Eun-jin, Kim Yun-mi

Laufzeit der südkoreanischen VHS: 86:36 Min.

Gesehen am: Okt. 2025

Fassungen: Mir lag das südkoreanische VHS von Dong Yang Production vor = Vollbild, gute Bild- und Tonqualität, sah Uncut aus, Koreanischer Ton und keine Untertitel. Andere Fassungen sind mir nicht bekannt (Stand: Okt. 2025).

Freitag, 6. Juni 2025

The Fish with the Eyes of Gold

The Fish with the Eyes of Gold

Story:

Engländer Derek (Wal Davis) macht in Spanien Urlaub. Dort wird er in eine mysteriöse Mordserie verwickelt…

Meine Meinung:

The Fish with the Eyes of Gold ist ein durchschnittlicher Giallo aus Spanien. Der Film liess sich, was das Tiermotiv und die Tier-Symbolik angehen, von den Dario Argento Gialli The Bird with the Crystal Plumage, Cat O’Nine Tails sowie Four Flies on Grey Velvet beeinflussen. Diese drei Filme von Dario Argento sind als dessen «Animal Trilogy» bekannt. Laut Ángel Sala, dem Direktor des spanischen Genre-Filmfestivals in Sitges, waren die drei Filme von Dario Argento in Spanien, nicht nur bei Gialli-Fans, ein Riesen-Erfolg. Die Fisch-Symbolik in The Fish with the Eyes of Gold in unverkennbar.

Das mögliche Motiv, mindestens eine Rückblende, die einen Mord, einen kleinen Jungen, der diesen beobachtet und auch Fische zeigt, lassen erste Hinweise auf die Täterschaft zu. Es gibt einige Verdächtige. Die Frauen sehen meist gut aus (Montserrat Prous und Co.) und werden in regelmässigen Abständen zu Opfern des unbekannten Killers. Die Mädels um Ada Tauler (The Other Side of the Mirror, Voodoo Passion), Montserrat Prous (The Return of Ringo, Der Exorzist und die Kindhexe, The Sinister Eyes of Dr. Orloff) oder Norma Kastel (Vengeance of the Zombies) spielen das auch besser als der männliche Lead.

Der Film ist eher harmlos. Viel Blut gibt es nicht zu sehen, viele der Morde passieren im off-screen. Die Musik ist ok, aber nichts was in Erinnerung bleibt. Der Plot ist, wie im Genre gehabt, nichts Neues. Der Lead ist bei den Morden fast immer dabei, wird aber ohnmächtig und wacht mehr als einmal neben einer Leiche auf, was ihn auch zu einem der Verdächtigen werden lässt. Der im Film als Engländer dargestellte Mann wird vom mir unbekannten Wal Davis (A Virgin Among the Living Dead) gespielt. Eine mässige Leistung, die zudem mit viel unfreiwilliger Komik durchzogen ist. Eine Figur, die ich so nicht ernst nehmen kann.

Fazit: Durchschnittlicher Giallo.

Infos:

O: El pez de los ojos de oro

Spanien 1974

R: Pedro L. Ramírez

D: Wal Davis, Barta Barri, Ada Tauler, Susana Taber, Montserrat Prous, Norma Kastel, Rex Martín, Richard Kolin

Laufzeit der US-Blu-Ray: Ca. 84 Min.

Gesehen am: 13.03.25

Fassungen: Mir lag die US-Blu-Ray von Vinegar Syndrome vor = via Spanish Bloodbath Collection gesehen (drei Filme in einem Set) in Spanisch mit englischen Subs, mit Schuber, mit Wendecover, mit englischen Subs, Uncut und in einer absolut hervorragenden Bild- und Tonqualität. Als Extras kommt der Direktor des Filmfestivals aus Sitges zu Wort. Er erzählt über den Film und den Erfolg der Dario Argento Gialli in Spanien und in einem 2. Extra empfiehlt er fünf spanische Gialli. Es gibt keine deutsche Fassung (Stand: März 2025).

Samstag, 8. März 2025

The Case of the Scorpion's Tail

The Case of the Scorpion's Tail

Story:

Lisa Baumer (Evelyn Stewart) erfährt vor Ort in London, dass ihr Ehemann bei einem Flugzeugunglück ums Leben kam. Lisa macht sich daraufhin nach Griechenland, Athen auf, um die hohe Lebensversicherung ihres Ehemannes zu kassieren. Dort stellt sie fest, dass auch andere Parteien ihren Anspruch fordern. Es geht so weit, dass Menschen getötet werden. Und dann sind da noch Privatdetektive, die am Recherchieren sind…

Meine Meinung:

Bei The Case of the Scorpion's Tail, einer Anfang der 70er Jahre Co-Produktion aus Italien und Spanien, soll es sich um den zweiten Giallo von Regisseur Sergio Martino (Mannaja - A Man Called Blade, Mountain of the Cannibal God, The Suspicious Death of a Minor, Der Killer von Wien) handeln. Mir hat The Case of the Scorpion's Tail sehr gut gefallen, auch wenn inhaltlich eigentlich nicht wirkliche was Neues geboten wird. Der Film war trotz des bekannten Inhalts nicht langweilig.

The Case of the Scorpion's Tail bietet einen soliden Euro-Cast mit Namen wie Evelyn Stewart (Der Vernichter, Weapons of Death), Janine Reynaud (Rote Lippen, Sadisterotica, Kiss Me Monster), George Hilton (Sartana’s Here…Trade Your Pistol for a Coffin, Gewalt über der Stadt), Anita Strindberg (Almost Human, Murder Obsession) oder Luigi Pistilli (The Great Silence). Etwas, was mir sehr gut gefallen hat, war der Soundtrack von Bruno Nicolai (Cosa avete fatto a Solange?, Der Gehetzte der Sierra Madre, A Pistol for Ringo).

Der Film, der vor Ort in London und Griechenland gedreht wurde, überzeugt desweitern mit speziellen und innovativen Kameraeinstellungen. Vor allem in den Szenen mit dem unbekannten Mörder machen diese Szenen viel Spass und wirkten neu, anders und speziell. Und dazu die stimmungsvolle, schöne und immer passende Musik von Bruno Nicolai. Ein Traum! Dazu kommt, dass viele schöne Frauen zu Opfern auserwählt werden und um ihr Leben fürchten. Perfekt. Denn die Messer- Attacken sind fies in Szene gesetzt.

Fazit: Klare Empfehlung für Giallo-Fans!

Infos:

O: La Coda dello scorpione

Spanien, Italien 1971

R: Sergio Martino

D: Evelyn Stewart, George Hilton, Anita Strindberg, Alberto de Mendoza, Luigi Pistilli, Luis Barboo, Janine Reynaud

Laufzeit der UK-Blu-Ray: 95:12 Min.

Gesehen am: 01.01.25

Fassungen: Mir lag die UK-Blu-Ray von Arrow Video vor = Wendecover, Booklet, Englisch/Ital. Ton mit englischen Subs, Uncut, sehr gute Bild- und Tonqualität. Es gibt exklusive Extras. In Deutschland gibt es den Film unter dem Titel Der Schwanz des Skorpions von filmArt auf Blu-Ray.

Donnerstag, 16. Januar 2025

The Psychopath

The Psychopath

Story:

Ein unbekannter Täter tötet mehrere Frauen (u.a. Terry Lau Wai-Yue). Chen (Chen Ping) überlebt den Anschlag. Anthony (Anthony Lau) wurde Zeuge der Tat. Seine Freundin (Chan Wai-Ying) und er werden danach vom Killer, der weiterhin mordet, terrorisiert. Die Polizei (Ku Feng, Jamie Luk Kim-Ming) versucht, den Killer zu finden. Es gibt mehrere Verdächtige (u.a. Chan Shen)...

Meine Meinung:

The Psychopath ist ein kleiner Heiliger Gral in Sachen Shaw Brothers, da abgesehen vom Kino-Release unveröffentlicht. So à la Godfather's Fury mit Michael Chan Wai-Man oder Tiger Boy mit Jimmy Wang Yu (wobei ich in dem Fall nicht Mal weiss, ob der im Kino lief). Die Shaw Brothers haben nebst eigenständigen Kung Fu Filmen immer ausländische Trends studiert und ihren filmischen Ergüssen darauf ausgerichtet: auf James Bond folgte Asia-Pol, auf Godzilla The Mighty Peking Man, auf das sleazige WIP-Genre The Bamboo House of Dolls und auf das japanische Sub-Genre Tokusatsu The Super Inframan.

The Psychopath ist auch so ein Fall. Auf die Erfolge des Ital. Giallo-Genre drehten die Shaw Brothers mit The Psychopath ihren eigenen Giallo. Sicher nicht verkehrt, vor allem weil das Genre dazumal einfach populär war und sich so ein Film wohl schon allein durch gelungenes Marketing gut verkaufen liess. Das Filmplakat sieht auf jeden Fall wunderbar aus und der Film, der auf grössere Stars vor oder hinter der Kamera verzichtet, war sicherlich auch nicht allzu teuer. Ist The Psychopath jedoch der grosse, erhoffte Kracher? Das leider nein, was nicht heisst, dass der Film nicht lohnt oder schlecht ist.

Der Plot und mind. auch in einer Szene die Musik, erinnern sehr an die Ital. Vorbilder sprich Dario Argento, Goblin und Co. Wo der Film seiner Zeit voraus war, war die Täterschaft. Wer Aushangfotos zum Film und den Cast (in der Hong Kong Filmdatenbank) studiert, findet ggf. schon einen möglichen Hinweis zur Täterschaft. Ich lag mit meiner Vermutung richtig. Der Film ist zwar nicht unblutig, aber in der Hinsicht nicht immer sehr explizit und die Effekte, wie auch die Kung Fu Filme der Shaw Brothers aus der Zeit, simpel gehalten (etwas rote Farbe hier und da). Der Film ist schmuddelig. Es gibt mehr Nackt- als Mordszenen.

Chen Ping (Queen Hustler) spielt die weibliche Hauptrolle und das 2. Opfer, welches jedoch überlebt. Lau Wing (Human Lanterns) macht seine Sache sehr gut. Er bekommt auch zwei Kampf- bzw. Actionszenen ab. In einer macht er auf Bruce Willis (à la das Finale von Stirb langsam 2). Ku Feng (Misfire) spielt den ermittelnden Inspektor, der etwas Humor in den Film bringt und Chan Shen (Die 7 goldenen Vampire) spielt einen schmierigen Zuhälter und Pornodreher.

Fazit: Shaw Brothers Fans können definitiv einen Blick riskieren!

Infos:

O: Sik Yuk Sat Yan Wong

HK 1978

R: Ho Meng-Hua

D: Ku Feng, Anthony Lau, Chen Ping, Chan Wai-Ying, Lam Yeung-Yeung, Lau Nga-Ying, Terry Lau Wai-Yue, Chan Shen, Jamie Luk Kim-Ming

Laufzeit der Originalversion: 89:20 Min.

Gesehen am: 07.01.25

Fassungen: The Psychopath verschwand nach der Kinoauswertung in Hong Kong am 8. April 1978 von der Bildfläche. Im Gegensatz zu anderen Filmen der Shaw Brothers hat es der Film nicht auf VHS, LD, DVD, Blu-Ray oder die ZiiEagle Box geschafft. Der Film kann offiziell lizenziert werden, ist aber bis heute, Stand «unveröffentlicht». Daumen drücken, dass der von Arrow Video oder Shout Factory auf Blu-Ray erscheinen wird!

Donnerstag, 28. November 2024

Murder Obsession

Murder Obsession

Story:

Schauspieler Michael (Stefano Patrizi) besucht zusammen mit seiner Freundin Debora (Silvia Dionisio) das Anwesen seiner Mutter Glenda (Anita Strindberg). Michael gibt seine Freundin als seine Sekretärin aus, was diese irritiert. Als weitere Schauspieler-Freunde von Michael vor Ort auftauchen (u.a. Laura Gemser), beginnt ein unbekannter Killer die Anwesenden zu dezimieren…

Meine Meinung:

Obwohl ich Murder Obsession nun in Italienischer Sprache sah (1. Sichtung erfolgte 2016 Englisch Dubbed), empfand ich den Film als weniger gut als früher. Murder Obsession ist kein schlechter Film, aber auch kein Kracher. Murder Obsession nimmt sich beim relativ lahmen Plot Zeit. Viel Zeit. Vielleicht zu viel Zeit. Vor allem die erste Hälfte empfand ich als langweilig. Dazu kommt, dass Dialoge Vs. Geräusche bei der Ital. Tonspur unterschiedlich stark abgemischt schienen soll heissen sehr laute Musik, sehr leise Dialoge. Das nervte beim Schauen. Mehr dazu unter Fassungen.

Ein weiteres Minus war die Musik. Ewiges Klavier-Gedudel. Weniger mein Fall. Mit einem anderen Soundtrack hätte der Film stimmungsvoller sein können. Denn optisch versteht es Murder Obsession durchaus, zu pinkten und für eine angenehme Gothic-Stimmung zu sorgen. Wo der Film hingegen punktet sind die Anzahl Nackt- und Sleaze-Szenen. Dies hatte ich nicht so in Erinnerung. Überall nackte oder halbnackte Mädels. Das ist, besonders mit Damen wie Silvia Dionisio (Eiskalte Typen auf heissen Öfen, Stadt in Panik) oder Laura Gemser (Emanuelle in America, Emanuelle and the Last Cannibals) in einer Nebenrolle, als positiv zu werten.

Der Cast ist solide. Wo ich, wohl aufgrund falscher Erinnerungen, mehr erwartet hatte waren die Morde, der Blutgehalt und die Effekte gegen Ende hin. Für diese zeigte sich ein dazumal noch eher unerfahrener Sergio Stivaletti (Specters, Mother of Tears, The Church) zuständig. Allerdings sind die Morde hier doch relativ überschaubar und die Effekte fast an einer Hand zählbar. Nicht selten sieht man auch nur das Resultat und nicht die Tat selbst. Die Auflösung erinnert z.T. an unzählige andere Filme dieser Art und/oder an Giallo-Film, in denen vergangene Traumata Grund des Terrors sind. Plus etwas satanischer Cult…

Fazit: Ein Film mit Licht und Schatten. Ggf. wird mir der, halt wieder in Englisch (dafür ggf. mit einer besseren Tonabmischung), in Zukunft bei einer 3. Sichtung mehr zusagen als aktuell…

Infos:

O: L'Ossessione che Uccide

Italien, Frankreich 1981

R: Riccardo Freda

D: Stefano Patrizi, Anita Strindberg, Laura Gemser, John Richardson

Laufzeit der deutschen Blu-Ray: 97:18 Min.

Gesehen am: Jan. 2016 / Neusichtung am: 15.10.24

Fassungen: Mir lag die deutsche Blu-Ray von Cineploit vor = Booklet, Uncut-Fassung in Ital. oder Englisch mit deutschen Subs, diverse Extras (u.a. Interview mit Sergio Stivaletti), Poster, einer sehr guten Bildqualität. Der Ital. Ton war komisch abgemischt: Dialoge sehr leise, Umgebungsgeräusche/Musik im direkten Verhältnis viel zu laut. Das hat das Sehvergnügen gestört.

Freitag, 6. September 2024

Rififi in the City

Rififi in the City

Story:

Detektiv Miguel Mora (Fernando Fernán Gómez) ist hinter Politiker Maurice Leprince (Jean Servais) her. Er vermutet, dass dieser korrupt ist. Es stehen wichtige Wahlen an, als Miguel Moras Informant tot aufgefunden wird. Gleichzeitig kommt es auch im Umfeld des zwielichtigen Politikers Leprince zu Morden…

Meine Meinung:

Der spanische, legendäre Kultregisseur Jess Franco dürften Fans vor allem für seine Filme mit Horror-, Grusel-, Sex und Exploitation-Inhalten in Verbindung bringen. Werke wie Die Liebesbriefe einer portugiesischen Nonne, The Sadist of Notre Dame, A Virgin Among the Living Dead, The Sinister Dr. Orloff, Sinfonía erótica oder Faceless. Dass Franco auch andere, «normalere» Filme drehte, wissen viele nicht.

Anfang der 60er waren, auch dank James Bond (James Bond jagt Dr. No), Agentenfilme hoch im Kurs. Und der «Noir Film. Zwar kenne ich von Franco schon Agentenfilme (Rote Lippen, SadisteroticaTwo Female Spies with Flowered Panties), aber diese sind mit dem hier vorliegenden, s/w Film nicht vergleichbar. Severin films haben dem Fan durch ihre «Franco Noir» Veröffentlichung zwei Agentenfilme von Franco nähergebracht.  Rififi in the City, der 2. Film nach Death Whistles the Blues in der Edition, hat mir dabei mehr zugesagt.

Rififi in the City hat mir dabei besser gefallen als erwartet, so dass die Ausgabe von Severin films auch in die Filmsammlung integriert wird. Jess Francos Film lässt sein Talent für Optik, schöne Bilder und stimmungsvolle Bar- und Musik- und Tanzeinlagen (und schöne Frauen) erkennen. Auf Sex oder nackte Tatsachen sollte jedoch nicht gehofft werden. Bei Rififi in the City handelt es sich um einen Krimi. Ich empfand den Film als unterhaltsam und spannend, im Sinne von, wer ist der Täter, was sind die Motive, wie endet der Film.

Die mir unbekannten Darsteller habe ihre Sache mehr als ordentlich gemacht. Ich mochte das Setting: irgendein amerikanischer Ort, der namentlich nie erwähnt wird. Schwüle Szenen, Hitze, Schweiss. Dazu zwei tolle Antagonisten, ein Frauenheld als Opfer und mysteriöse Frauen. Was will man mehr? Oh ja, dann gibt es noch die wenigen (Messer)Morde mit Giallo Vibes (Flüstern, Close-Ups von Handschuhen und Messern, die töten) und ein nihilistisches Ende, welches meinem Geschmack entsprach.

Fazit: Sehenswert!

Infos:

O: Rififí en la ciudad

Spanien, Frankreich 1964

R: Jess Franco

D: Frank Braña, Fernando Fernán Gómez, Manuel Gas, Agustín González, Laura Granados, Rafael Hernández

Laufzeit der US-Blu: 104:22 Min. (Laufzeit-Angabe des Covers ist falsch = 85 Min.)

Gesehen am: 10.06.24

Fassungen: Siehe Death Whistles the Blues. In Spanisch mit englischen Subs, Uncut, exklusive Extras vorhanden, sehr gute Bild- und Tonqualität. Eine deutsche Fassung gibt es nicht (Stand: Juni 2024).

Dienstag, 25. Juni 2024

Death Occurred Last Night


Death Occurred Last Night

Story:

Kommissar Lamberti (Frank Wolff) und sein Kollege untersuchen das Verschwinden der 25jährigen, aber kognitiv stark eingeschränkten jungen Frau Donatella Berzaghi (Gillian Bray). Lamberti vermutet das Mädel in den Händen von Menschenschmugglern und Zuhältern.

Meine Meinung:

Death Occurred Last Night lag lange ungesehen rum. Mehrere Jahre. So lange, dass es den Film inzwischen in Deutschland (als Das Grauen kam aus dem Nebel) auch Uncut auf Blu-Ray gibt. Dennoch schaute ich mir den Film an und fand den herrlich unterhaltsam. Irgendwie hat der Film was von Filmen wie Das Geheimnis der grünen Stecknadel, Suspected Death of a Minor oder Der Tod trägt schwarzes Leder, auch wenn Death Occurred Last Night im Vergleich weniger graphisch, brutal und sleazig ist.

Der Film ist vor allem ein Krimi, der im Prostitutions- und Zuhälter-Milieu ansiedelt. Hier und da wird der Film auch dem Giallo-Genre zugeordnet. Etwas Sleaze und Schmuddel gibt es trotzdem. Nur schon die Tatsache, dass die verschwundene 25jährige kognitiv auf dem Niveau eines Kindes ist, aber Männern den Kopf zu verdrehen weiss, ist typisches Exploitation-Kino aus Italien. Ganz zu schweigen von den Undercover-Einsätzen bei diversen Prostituierten oder Befragungen der Klienten, die z.B. ihre Ehefrauen betrügen.

Das ist auch ein Grund, warum ich mir den Film in Zukunft in Deutsch holen werde. Im deutschen Trailer ist ersichtlich, dass die Synchronisation hervorragend ist. Das wird den Film zusätzlich aufwerten und Szenen amüsant gestalten. Immerhin darf im Film zur Sicherheit eine schwarze Hure, als Zeugin,  beim alten Cop wohnen. Dass dessen Freundin nicht Freude hat, versteht sich von selbst. Und um operieren zu können, erpressen die Cops auch Kleingangster mit falschen Beweisen. Herrlich!

Im Film von Regisseur Duccio Tessari (A Pistol for Ringo, The Return of Ringo), einer Co.-Produktion zwischen Italien und Deutschland, spielt der grossartige Frank Wolff die Hauptrolle als ermittelnder Kommissar. Frank Wolff, eigentlich Amerikaner, verschlug es in den 60ern nach Italien, wo er in vielen Euro-Cult Produktionen wie The Great Silence, Death Walks on High Heels oder I Am Sartana Your Angel of Death zu sehen war. Die Musik ist solide, der Cast allgemein toll anzusehen und der Film, was das Gewaltlevel angeht (oder die Ausübung von Selbstjustiz), überraschend harmlos.

Fazit: Euro-Cult Fans greifen zu!

Infos:

O: La Morte risale a ieri sera

Deutschland, Italien 1970

R: Duccio Tessari

D: Frank Wolff, Gillian Bray, Raf Vallone, Gabriele Tinti, Eva Renzi, Beryl Cunningham

Laufzeit der US-DVD: 97:33 Min.

Gesehen am: 11.05.24 / 2. Sichtung (Deutsche Blu): 28.05.25

Fassungen: Mir lag die US-DVD von RARO VIDEO vor = Uncut, Ital./Englisch mit englischen Subs, Booklet und Interview. Die Bild- und Tonqualität sind sehr gut. Als ich die DVD damals kaufte, gab es den Film in Deutschland nur zensiert auf VHS. Titel: Das Grauen kam aus dem Nebel. Inzwischen gibt es den Film in Deutschland Uncut auf Blu-Ray (Deutsch, Englisch, Ital. mit Subs). Aufgrund der starken deutschen Synchronisation werde ich die US-DVD verkaufen/entsorgen und mir die deutsche Blu-Ray auf die Wunschliste setzen. In Deutsch wird der mit dem schmuddeligen Thema und Setting mehr Spass machen! Nachtrag Mai 2025: Nun erfolgte dank der deutschen Blu-Ray von Cargo Records/Mr. Banker Films eine 2. Sichtung. Diesmal in Deutsch. Der Film wird durch eine tolle deutsche Synchro stark aufgewertet. Ein Genuss. Sehenswerter Italo Schmuddel-Krimi. Bild- und Tonqualität sind hervorragend. Es gibt ein Wendecover. 

Montag, 18. März 2024

The Fourth Victim

The Fourth Victim

Story:

Arthur Anderson (Michael Craig) verlor durch mysteriöse Umstände und Unfälle drei Ehefrauen. Alle hatten hohe Lebensversicherungen, was die Polizei auf den Plan ruft. Doch Arthur Anderson wird freigesprochen und lernt mit der neuen Nachbarin (Carroll Baker) eine neue Frau kennen und lieben. Ob auch sie sterben wird?

Meine Meinung:

The Fourth Victim war ein bisher seltener Krimi/Giallo. Dieser erinnert an andere Werke, in denen die Amerikanern Carroll Baker (Baba Yaga, So Sweet... So Perverse) in Italo Produktionen mitwirkte (z.B. Orgasmo). Das US-Label Severin Films hat mit ihrer Blu-Ray Vö nun eine Lücke geschlossen: nun gibt es ein Heimmedium nebst VHS und Co. Der Film, eine Co-Produktion (Italien und Spanien) von Eugenio Martín, hat mir jedoch nur mittelmässig gut gefallen und es überrascht mich nicht, dass der Film bisher nicht bekannter war.

The Fourth Victim sticht nicht aus der Masse heraus und ist arm an Höhepunkten. Der teilweise in London gedrehte Film überzeugt für eine einmalige Sichtung. Der Plot hat einige Twists, die aber unglaubwürdig wirken wie auch das Verhalten der Figuren. Und andere Sachen waren von Beginn an klar und vorhersehbar. Es gab zu wenig Spannung im sehr dialoglastigen Film. Auf Sex, nackte Haut, Effekte oder blutige Morde darf nicht gehofft werden.

Michael Craig, Carroll Baker und Marina Malfatti (The Red Queen Kills Seven Times) haben ihre Sache solide und ordentlich gemacht. Das gilt nicht für Nebenfiguren wie z.B. den Detektiv, der von José Luis López Vázquez gespielt wird. Extrem mieser, billiger englischer Dub (seine Ehefrau war noch viel schlimmer, hatte fast Ocean Shores Qualitäten) = nervt sehr. Und was noch mehr nervt was dessen Overacting und der damit verbundene Klamauk. Wirkte sehr nervend und einfach deplatziert für diese Art Film.

Fazit: Zu gewöhnlich, zu unspektakulär und zu lahm, um in die Sammlung aufgenommen zu werden.

Infos:

O: La Última señora Anderson

Italien, Spanien 1971

R: Eugenio Martín

D: Carroll Baker, Michael Craig, Miranda Campa, José Luis, López Vázquez, Enzo Garinei, Phillip Ross

Laufzeit der US-Blu: 88:21 Min.

Gesehen am: 28.01.24

Fassungen: Mir lag die US-Blu-Ray von Severin Films vor = Uncut, Englisch/Ital. mit englischen Subs, hervorragende Bild- und Tonqualität. Es gibt keine deutsche Fassung (Stand: Jan. 2024). Der Englische Dub ist gut bis mittelmässig (zwei Sprecher).