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Samstag, 4. Januar 2025

One Percenter

Japanuary 2025

One Percenter

Story:

Action-Darsteller Toshiro (Tak Sakaguchi) will auf einer abgelegenen Insel einen Indie-Actionfilm drehen. Dumm nur, dass dort eine andere Crew ebenso ihr Glück versucht und noch dümmer, als plötzlich eine Yakuza-Truppe vor Ort auftaucht, um Geschäfte abzuwickeln…

Meine Meinung:

One Percenter ist der neuste Actionfilm mit Versus-Star Tak Sakaguchi (Bad City, Rise of the Machine Girls). Nachdem mich Re:Born, der Film hat nun auch schon wieder mehrere Jahre auf dem Buckel, wie die Zeit vergeht, nicht 100% überzeugte, hielt ich für One Percenter meine Erwartungen klein. Und auch One Percenter ist definitiv kein Kracher geworden. In meinen Augen ist Tak Sakaguchi ein Darsteller, der genau einen wirklichen Hit (Versus) gelandet hat und danach nie mehr an dessen Erfolg anknüpfen konnte. Etwas, was es auch in der Musikbranche gibt («One-Hit-Wonder»).

One Percenter ist zwar, wie erwähnt, kein Kracher, dafür hat der Film sein Herz am rechten Fleck. Die Gedanken und die Motivation am Projekt, das alle mit Herzblut dabei waren, sieht man dem Film an, was wiederum sympathisch ist. Der Film erinnert eigentlich auch leicht an Versus: Low-Budget, begrenzte Settings (abgelegene Insel, Fabrik, Wälder), Action und etwas Gewalt und mittendrin Tak Sakaguchi als Star und Held des Filmes. Der Plot ist relativ dünn, das Ende mochte ich jedoch nicht. Hätten sich die Filmemacher auch sparen können.

Schade ist es auch, wie das Duell im Finale endet. Viele der Action-Szenen waren nichts Besonderes und repetitiv. Wie oft benutzt Tak Sakaguchi seinen Gegner als Schutzschild? Wie oft macht er die gleichen Bewegungen? Die Slow-Mo Aufnahmen im Finalkampf wirkten auf mich billig (und nackte Männerfüsse sind wahrlich nicht sexy). Liegt aber auch einfach an der billigen, digitalen Optik, wie heute oft Filme gedreht werden. Künstlich. Wenn die von Tak Sakaguchi gespielte Figur Toshiro sich im Film negativ über Kampfszenen im Filmgeschäft äussert (Dass das mehr ein "tanzen" wäre, als echtes kämpfen) ist es als Folge schade anzusehen, wenn dann ausgerechnet auch viele seiner Kampfszenen und die Choreographie dazu mehr an einen Tanz statt an einen Kampf erinnern.

Abgesehen davon ist der Film kaum langweilig, da viel Action und eine One-Man-Show. Ich war auch froh, dass Tak Sakaguchi junger Sidekick in den Hintergrund gerät und kaum mehr eine Rolle spielte. Die Bösewichte waren hübsch überzeichnet, einige Dialoge und Anliehen (Stirb langsam, Jackie Chan, Bruce Lee) waren aber schon fast zu viel des Guten und mit Gewalt (war nette Knochenbrüche) wurde auch nicht gespart. Und es gab natürlich auch einige gute Kampfszenen, aber nicht wirklich was Neues und/oder was vom Hocker gehauen hat. Die Wahl der Musik hat gut zum Film gepasst. Hier und da kam fast Italo-Western Stimmung auf. Schön.

Fazit: Kein Kracher, aber Fans von Tak Sakaguchi können einen Blick riskieren!

Infos:

O: 1%er One Percenter

Japan 2023

R: Yûdai Yamaguchi

D: Tak Sakaguchi, Shô Aoyagi, Itsuji Itao, Rumika Fukuda, Shogo Miyakita, Kenjirô Ishimaru

Laufzeit der UK-Blu: Ca. 84 Min.

Gesehen am: Jan. 2025

Fassungen: Mir lag die UK-Blu-Ray von third window films vor = Uncut, Wendecover, jap. O-Ton, englische Subs, sehr gute Bild- und Tonqualität. Es gibt keine deutsche Fassung (Stand: Jan. 2025).

Montag, 24. Juni 2024

Door 2

Door 2

Story:

Ai (Chikako Aoyama) ist ein Call-Girl. Selbständig arbeitend, ohne Agentur. Sie erlebt diverse wilde Abenteuer…

Meine Meinung:

Door 2, wieder von Regisseur Banmei Takahashi in Szene gesetzt, hat mit dem Vorgänger (Door) nichts mehr zu tun. Door 2 ist keine wirkliche Fortsetzung. Door 2 erzählt eine neue Geschichte mit neuen Darstellern, die neue Figuren spielen. Door 2 ist mit dem Erstlingswerk nicht zu vergleichen. Während Door ein spannendes, intensives Terrorkino und Kammerspiel war, ist Door 2 eine amüsante, zuweilen auch erotische und am Ende gar surrealistisch-komische Erotik-Komödie, die an 70er und 80er Jahre HK-Kung-Fu Filme erinnert.

Door 2 wirkt episodenhaft. Lange ist unklar, war der Film eigentlich möchte und eine gradlinige Story ist kaum auszumachen. Der Zuschauer wird von Ai, einem Call-Girl, die freiwillig in der Szene arbeitet und ihr Geld verdient, begleitet. Sie gibt intimen Einblick ins Arbeitsgeschäft. Daher lautet der Zusatztitel auch Door 2 - Tokyo Diary. Die meisten Episoden sind harmlos. Nichts, was schockiert. Ausser man ist fromm. Die Episoden und Inhalte sind dabei interessant, komisch und künstlerisch (der Typ mit der Naziuniform und «seinem Natursekt»). Die Episode mit der Schere, dem Zeh und der Eskalation hingegen war fesselnd (oder wo Ai von einer Frau mit einem Messer bedroht wird).

Der Film ist mit 82 Minuten kurzweilig und unterhaltsam. Für einen Erotikfilm gibt es relativ wenig nackte Haut, was aber nicht heissen soll, dass kein Erotikfaktor auszumachen ist. Der ist definitiv vorhanden. Ai wird von Chikako Aoyama gespielt und die macht das wirklich toll. Jede Szene mit ihr ist ein Genuss, welches nur noch vom irren Finale getoppt wird. Chikako Aoyama war auch im HK-Kino zu sehen. Ihre grösste Rolle hatte sie in Robotrix, den ich nun unbedingt auffischen muss (von dem weiss ich gar nichts mehr).

Fazit: Wer einen Film à la Door erwartet, könnte enttäuscht werden. Daher Erwartungen anpassen. Obwohl ich Door als besseren Film betrachte, hatte ich mit Door 2 dennoch meinen Spass!

Gefolgt von: Door 3

Infos:

O: Doa 2

Japan 1991

R: Banmei Takahashi

D: Chikako Aoyama, Shingo Kazami, Tôru Minegishi, Ren Ôsugi, Keiko Takahashi

Laufzeit der UK-Blu: Ca. 82 Min.

Gesehen am: 10.05.24

Fassungen: Bonusfilm aus der UK-Blu-Ray von Door. Siehe Door. Alternativ auch in den USA auf Blu-Ray raus (von Terror Vision). Die Ausgaben haben unterschiedliches Bonusmaterial. Es gibt keine deutsche Fassung (Stand: Mai 2024).

Freitag, 12. Januar 2024

Door

Japanuary 2024

Door

Story:

Hausfrau Yasuko (Keiko Takahashi) zeigt sich über Werbeanrufe und Verkaufsmänner genervt. Es kommt so weit, dass sie einem Verkäufer die Hand mit der Tür eingeklemmt. Danach kommt es zu einer Reihe von mysteriösen Vorkommnissen: Beschriftungen an der Haustüre, unseriöse Postsendungen, Telefonterror. Und es sollte nicht dabei bleiben…

Meine Meinung:

Ich wurde erstmals durch das Buch Japanese Cinema Encyclopedia - Horror / Fantasy / Science Fiction von Thomas und Yuko Mihara Weisser auf Door und Fortsetzungen aufmerksam. Umso erfreuter war ich, als ich sah, dass die Filme nun auf Blu-Ray und mit englischen Subs erscheinen = bestellt und Wunschliste abgearbeitet. Door hat mir gut gefallen. Der Film hat eine ganz spezielle, eigene Stimmung.

Der Aufbau des Plots ist langsam. Der Film ist ein Mix aus Drama, Thriller, Home-Invasion, Horror und Terrorkino. Regisseur Banmei Takahashi beweist ein gutes Händchen bei der Inszenierung. Die Kameraarbeit ist exzellent, die Wahl der Musik aussergewöhnlich und die Darsteller durch die Bank glaubhaft und authentisch. Man fiebert mit Yasuko mit. Keiko Takahashi (Uzumaki) ist übrigens die Ehefrau des Regisseurs. Regisseur Banmei Takahashi war bis zu Door im Sex-Film-Geschäftig tätig. Dies änderte sich erst mit Door.

Speziell im Finale geht im Film dann die Post ab. Nach einem langen Vorspiel eskaliert der Orgasmus, so zusagen. Die Kameraführung, spezifisch die aus der Vogelperspektive, in welcher Yasuko durch etliche Zimmer gejagt wird und sich gegenüber dem unerwünschten Besucher wehrt, war mehr als sehenswert. Der Bösewicht des Filmes wird stark von Daijiro Tsutsumi gespielt. Die wenigen Effekte sind stark getrickst. Der kammerspielartige Terror kommt gut zur Geltung. Teilweise fühlte ich mich aufgrund des Telefonterrors an den späteren Slasher Scream erinnert.

Gefolgt von: Door II

Infos:

O: Doa

Japan 1988

R: Banmei Takahashi

D: Keiko Takahashi, Daijiro Tsutsumi, Shirô Shimomoto

Laufzeit der UK-Blu-Ray: 93:55 Min.

Gesehen am: Jan. 2024

Fassungen:  Mir lag die UK-Blu-Ray von third window films vor = Schuber, Booklet, restaurierte Fassung, O-Ton, englische Subs (wohl erste Fassung weltweit die englische Untertitel bietet), Uncut. Ton- und Bildqualität sind sehr gut. Als Bonus gibt es ein Interview mit dem Regisseur und die Fortsetzung Door II ist auch mit an Bord.

Sonntag, 15. Januar 2023

The Burning Buddha Man Review

Japanuary 2023

The Burning Buddha Man

Story:

 

In Kyoto gehen mysteriöse Buddha Statuen Diebe um. Auch im Zuhause der Schülerin Beniko schlagen sie zu. Als Beniko nach Hause zurückkehrt, findet sie dort die Polizei, ihre Eltern tot und den Buddha gestohlen vor. Sie macht es sich zum Ziel, den Fall zu klären und den Tod ihrer Eltern zu rächen…

 

Meine Meinung:

 

The Burning Buddha Man ist das Filmdebüt von Ujicha, der fünf Jahre später mit Violence Voyager nachlegen sollte. Ich habe letzteren zuerst gesehen (Japanuary 2022) und fand diesen besser. Im Nachhinein hätte ich besser mit The Burning Buddha Man starten sollen. Violence Voyager war halt technisch schon besser und vor allem als Film und Plot abwechslungsreicher und noch verrückter als The Burning Buddha Man.

 

The Burning Buddha Man startet am Anfang und Ende sogar mit richtigen Darstellern, ehe der Film in die Animation wechselt. Der Film ist eine sogenannte Gekimation-Arbeit. Da werden Figuren von Hand gezeichnet, ausgefärbt, die Zeichnungen ausgeschnitten und dann vor die Kamera gehalten und so bewegt. Das heisst natürlich auch jede Menge Zeit und Aufwand. Daher verwundert es nicht, dass zwischen The Burning Buddha Man (2013) und Violence Voyager (2018) so viel Zeit vergangen ist.

 

Der Plot des Filmes ist abgefahren, fantasievoll, wirr aber nicht uninteressant. Im Grossen und Ganzen gabs etwas zu wenig Settings, zu viele ähnliche Bilder/Eindrücke und zu wenig Abwechslung. Mehr oder weniger wiederholend.  Als Zuschauer sollte man definitiv bei der Sache sein, da man sonst den Anschluss verliert. Es gibt diverse Figuren, Monster, Verwandlungen und Mutationen. Dabei kam mir Cronenbergs Die Fliege in den Sinn, da die Maschine im Film auch z.B. Menschen und Buddha Statuen miteinander verschmelzen lässt.

 

Fazit: Morbide und fantasievolle Animationskunst von Ujicha!

 

Infos:

 

O: Moeru butsuzô ningen

 

Japan 2013

 

R: Ujicha

 

D: -

 

Laufzeit der UK-Blu: 79:32 Min.

 

Gesehen am: Jan. 2023

 

Fassungen: Siehe Violence Voyager!

Samstag, 8. Januar 2022

Violence Voyager Review

Japanuary 2022

Violence Voyager

Story:

Akkun und dessen amerikanischer Freund Bobby gehen in die Berge spielen. Dort stossen sie auf den mysteriösen Vergnügungspark Violence Voyager und treffen die Entscheidung, diesen zu besuchen. Akkun und Bobby treffen auf andere Kinder, die entführt und gegen ihren Willen im Violence Voyager festgehalten werden. Doch warum? Bald schon kämpfen Akkun und Bobby um ihr Leben…

Meine Meinung:

Violence Voyager ist der erste zweite Spielfilm des Japaners Ujicha nach Burning Buddha Man und ein Animationsfilm der speziellen Sorte. Violence Voyager, an dem Ujicha drei Jahre gearbeitet hat, ist eine geki-mation Produktion. Bei dieser Sorte der Animation werden von Hand Puppen/Figuren und Requisiten erstellt, gezeichnet, gemalt und ausgeschnitten und dann von Hand in die Live-Kamera gehalten.

Dass es so was gibt, wusste ich nicht. Mich sprach aber schon damals der Trailer zu Violence Voyager und Burning Buddha Man an, so dass die sonderbaren Titel schnell auf der Wunschliste landeten. Der Stil und Look der Animationen sind sonderbar. Mir hat es sehr gut gefallen. Es entstehe eine einzigartige Stimmung und die Animationen und Effekte sind von höchster Originalität und Klasse. Das Einzige, was in echt eingefügt wurde, sind Körperflüssigkeiten wie Blut, Erbrochenes, Speichel und sonstige Ausscheidungen.

Dabei liess sich Regisseur Ujicha von der japanischen TV-Serie Ghost Story: Cat Eyed Boy inspirieren, die bereits geki-mation Effekte im Jahr 1976 präsentierte. Auf der UK-Blu-Ray von Violence Voyager gibt Ujicha diese Info im Interview bei und zigt stolz die japanische Laserdisc-Ausgabe in die Kamera (aufgrund von Corona wurde ein Online Interview geführt). Notiz: Ghost Story: Cat Eyed Boy auf Wunschliste setzen (Nachtrag: geht bis zu 600 Euro weg und scheint selten)

Violence Voyager hat mich von der Story, dem Aufbau, den Klischees und einzelnen Szenen sehr an einen US-Backwood-Film, vor allem Blutgericht in Texas, erinnert. Alles kommt vor, was der Horrorfan aus diesem Film kennt. Dazu kommen sonderbare Figuren, skurrile Mischwesen, Mutationen, Monster, Bodyhorror, Coming of Age-Inhalte, diverse Tiere (Hunde, Katzen, Affe und sogar eine Fledermaus spielt einen Part) und auch Gewalt und Perversitäten (die Fledermaus leckt an Ausscheidungen…).

Teilweise erinnerte mich der Film von seiner jugendlichen Naivität auch an Turbo Kid. Nur ein Detail fand ich fragwürdig, da auffällig: man sieht erstaunlich viele Nacktszenen von vor allem männlichen Kindern und auch deren Geschlechtsteile. Teilweise auch in Szenen, wo dies nicht nötig gewesen wäre. In einer späteren Szene zeigt sich sogar ein Erwachsener erfreut über die Unterhose eines der Jungen, da es ihn an den besagten Jungen erinnert und herzlich nimmt er die Unterhose zu sich. Solche Szenen sind schon arg fragwürdig und eigentlich nicht das, was ich in einem solchen Film sehen möchte…

Abgesehen davon fand ich Violence Voyager schräg, spannend, fesselnd, innovativ und optisch sehr ansprechend in Szene gesetzt! Von daher bin ich nun sehr gespannt, wie sich Ujichas Erstlingswerk als Regisseur, Burning Buddha Man, im Vergleich schlagen wird (dessen Inhalt hört sich für meinen Geschmack vielversprechender an).

Fazit: Wer das skurrile Kino aus Japan mag, sollte sich diesen irren Trip und Animationskunst nicht entgehen lassen!

Infos:

O: Baiorensu boijâ

Japan 2018

R: Ujicha

D: Daisuke Ono, Hitoshi Matsumoto, Aoi Yûki, Tomorowo Taguchi

Laufzeit der UK-Blu-Ray: Ca. 83 Min.

Gesehen am: Jan. 2022

Fassungen: Mir lag die UK-Blu-Ray von third window films vor = Schuber und beinhaltet die beiden Filme Burning Buddha Man sowie Violence Voyager auf je einer Blu-Ray (in Japan sollen die Dinger nur auf DVD raus sein). O-Ton, englische Subs, Uncut, hervorragende Bild- und Tonqualität. Dazu gibt es Extras wie Kurzfilme oder ein Interview mit Regisseur Ujicha (warum man ihn da nicht auf die nackten Jungen und Geschlechtsteile angesprochen hat, verstehe ich nicht). Es gibt keine deutsche Fassung (Stand: Jan. 2022).

Montag, 23. November 2020

Antiporno Review

Antiporno

Story:

Kyoko (Ami Tomite) ist Darstellerin eines jap. Porno-Filmes. Doch ihr gelingt es nicht, den Regisseur und die Co-Stars zufriedenzustellen und wird schikaniert. Derweil verschmelzen Realität und Traumwelt und diverse biographische Traumata seitens Kyoko fliessen ins Projekt ein…

Meine Meinung:

Nikkatsu, die tausende von Erotikfilmen hervorbrachten (u.a. Women in Heat Behind Bars), feierten 2016 eine Art Comeback. Fünf Regisseure bekamen den Auftrag, neue Filme zu drehen. Es galten diverse Regeln (Drehzeit, Budget, Laufzeit, Anzahl Nackt/Sexszenen), abgesehen davon herrscht völlig künstlerische Freiheit.

Einer dieser fünf Regisseure war Sion Sono (Exte: Hair Extensions, The Forest of Love, Suicide Club, Tag), der meiner Meinung nach inzwischen gar Takashi Miike den Rang abgelaufen hat. Dass dieser nicht, wie die anderen vier Regisseure der Revival-Filme (oder Hommagen) auf konventionelle Inhalte setzte, war anzunehmen.

Sion Sono hat den Film sehr Arthouse mässig in Szene gesetzt mit vielen Film-in-Film Szenen und der Verschmelzung von Realität und Fantasie. Gleichzeitig ist der Film weniger eine Hommage an Nikkatsu, sondern mehr eine sozialkritische Studie über die Rolle der Frau in Japan, der japanischen Gesellschaft und im japanischen Kino.

Teilweise kann auch von einer Art Satire die Rede sein, wenn sogar Regeln à la jene, die Nikkatsu-Filme ausmachen, in die Story integriert werden. Dies wurde mit viel Fantasie, einer ungeheuerlich schönen Bildsprache (optisch ist der Film ein Genuss!) und klassischer Musik in Szene gesetzt. Audiovisuell ein Genuss und teilweise style over Substance Faktor.

Ami Tomite (Kodoku: Meatball Machine, The Naked Director) ist ein weiteres, grosses Plus des Filmes. Sie, welche als Jugendliche an der High School durch Suicide Club auf Sion Sono aufmerksam wurde und in einzelnen Filmen von ihm zuvor in Nebenrolle auftrat, bekam nun endlich die Chance, sich als Lead zu präsentieren. Und dies tat sie auf eindrückliche Art und Weise. Starke Performance. Als Vorarbeit für diesen Film musste sie sich laut Interview auf der Blu-Ray den Film Die 120 Tage von Sodom ansehen.

Trotz der kurzen Laufzeit hatte der Film hier und da Längen, da sich gewisse Szenen fast wiederholten und das Overacting der Darsteller und einige Figuren nervten teilweise sehr. Zudem ging ich mit falschen Erwartungen an den Film (ich Idiot erwartete einen eher konventionellen Film und wurde etwas vor den Kopf gestossen), so dass ich am Ende, trotz der positiven Seiten, zwiegspalten zurückblieb. Mit anderen Worten: Zweitsichtung mit richtigen Erwartungen abwarten!

Fazit: Für Sion Sono Fans ein gefundenes Fressen und audiovisuell wunderschöner Film!

Infos:

O: Anchiporuno

Japan 2016

R: Sion Sono

D: Ami Tomite, Mariko Tsutsui

Laufzeit der UK-Blu Ray: 75:52 Min.

Gesehen a: 09.08.20

Fassungen: Mir lag die UK Blu Ray von Third Window Films vor = Uncut, O-Ton, englische Subs, erstklassige Bild- und Tonqualität. Nebst Audiokommentar gibt es spannende und vor allem englischunterteilte Extras wie ein Making of mit Interviews und ein ca. 30minütiges Interview mit Star Ami Tomite. Soll Mitte Okt. 2020 in Deutschland auf DVD und Blu-Ray erscheinen.  (Stand: Aug. 2020).

Dienstag, 7. Januar 2020

Mermaid Legend Review







Japanuary 2020/NIFFF 2024
Mermaid Legend

Story:

Ein Fischer stirbt, da er sein Land nicht verkaufen will. Dessen Ehefrau Migiwa Saeki (Mari Shirato) sinnt auf Rache…

Meine Meinung:

Mermaid Legend ist ein Rache-Drama und der erste Film vom Evil Dead Trap Regisseur Toshiharu Ikeda nach seiner Karriere im Sex-Film-Geschäft – und ein ganz ansehnlicher und guter dazu! Gewisse Story-Elemente kann ich, da die Fassung keine englischen Subs hat, nicht genau verifizieren. Wenn man sich im Netz Reviews zum Film durchlesen tut, finden sich die Story betreffend unterschiedliche Elemente (Frau rächt Tod vom Ehemann/Ehemann wurde, da Zeuge an einem Mord getötet und Mord wird Frau in Schuhe geschoben).

Man kann der Story aber gut folgen – Migiwa flieht nach dem Mord an ihrem Mann, taucht unter, baut sich ein neues Leben auf, sucht Hinweise auf die Täterschaft und plant dann ihre Rache. Der Film ist ein ruhiges Drama, welches nur ab und zu im Mittelteil und am Ende vom krassen Gegensatz (Gewalt-Szenen) erschüttert wird. Der Film hat auch eine symbolische Komponente (das Meer gibt Migiwa immer wieder Frei, ausser am Ende, als ihr «Job» erfüllt ist).

Die Kameraführung und vor allem die Musik waren eine Wucht. Vor allem in der Unterwasser- und Natur/Stand-Szenen (als sie am Strand den Leichnam ihres Mannes verbrennt) – dazu spielte Mari Shirato stark und sieht dazu noch hübsch aus. 

Am Ende darf sie gegen die harte Männerdomäne Rache üben – zuerst im Mittelteil gegen einen Yakuza nach deftigem Sex und das Ende war dann das Highlight, als es bei einer Gala-Eröffnung (Party) zu einem Gemetzel, Amoklauf und Massenpanik kommt. Stark! Vor allem, weil im krassen Kontext zum ansonsten ruhigen Film stehend und optisch sowie wirkungsvoll toll in Szene gesetzt!

Fazit: Sehenswertes Drama – der Ausstieg aus dem Erotikbusiness ist Regisseur Toshiharu Ikeda gut gelungen!

Infos:

O: Ningyô densetsu

Japan 1984

R: Toshiharu Ikeda

D: Mari Shirato, Yoshirô Aoki, Shuntarô Emi, Hyôe Enoki, Jun EtôJun Haichi

Laufzeit der jap. LD: Ca. 110 Min.

Gesehen am: Jan. 2020 / 2. Sichtung am NIFFF: Juli 2024 / 3. Sichtung (UK-Blu): 23.03.25

Fassungen: Mir lag die jap. LD (am NIFFF 2024 von Mari Shirato signiert worden) von Toho vor = O-Ton, keine englischen Subs, gute Bild- und Tonqualität. Es gibt in Japan auch eine DVD. Es gibt keine Blu-Ray und ausserhalb Japans ist der Film nicht veröffentlicht worden (sprich es gibt auch keine deutsche Fassung, Stand: Jan. 2020). Zensur = mehrfach Fogging-Zensur bei der Sexszene. Nachtrag März 2025: Am NIFFF 2024, wo Hauptdarstellerin Mari Shirato meine LD signiert hat, wurde die restaurierte Fassung aufgeführt. Weltpremiere. Dazu wurde der Film dort erstmals weltweit mit englischen Subs gezeigt. Schon Ende 2024 wurde angekündigt, dass der Film in England von Third Window Films erscheinen wird. Diese Fassung wurde nun weltweit erstmals auf Blu-Ray veröffentlicht. Wer die Blu-Ray in den Player legt wird nicht schlecht staunen, auch die Logos des US-Labels Error 4444 und des deutschen Labels Rapid Eye Movies zu sehen. Die UK-Disc hat auch schon die FSK18 Freigabe aufgedruckt und nebst englischen Subs bietet die Scheibe auch deutsche Untertitel. Ich nehme daher stark an, dass die kommenden Scheiben aus den USA und aus Deutschland mit Ausnahme des Coverartworks 1:1 identisch sein werden. Die US-Blu-Ray, im Moment als Pre-Order gelistet, enthält die gleichen Extras wie die UK-Disc. Der Film hat auch die 3. Sichtung bestanden. Die Bild- und Tonqualität wirkte auf mich nochmals besser als am NIFFF. Vor allem auch etwas heller, was dem Massaker im Finale gut zu stehen bekommt. Ich mag den Film. Als Extras hat mir vor allem das Interview mit dem Drehbuchautor gefallen. Er braucht etwas Zeit, bis er in Fahrt kommt, doch er steuert definitiv einige spannende Hintergrundinfos bei.