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Samstag, 13. April 2024

Canceled

BIFFF 2024 Spezial

Canceled

Story:

Nachdem Youtuber und Streamer Alex (Vincent Grahl) vom Publikum gecancelt wurde, plant er sein Comeback: zusammen mit seinem neuen Team begibt er sich in ein Haus, in dem es spuken soll. Dumm nur, dass es dort wirklich Geister gibt…

Meine Meinung:

Von Canceled, einem schwedischen Geister-Film à la Deadstream, habe ich nichts erwartet. Ich fand der Film und Plot haben sofort an Deadstream und Co. erinnert. Zudem hat mich schon der Trailer nicht vollständig überzeugt. Aber an einem Filmfest gehe ich als Besucher hin und wieder Risiken ein, wie der Fall beweist. Canceled war dann aber nicht wirklich toll.

Canceled wirkte auf mich zu billig. Einige CGI-Effekte waren schlecht (Sturz, Regen…) und auch der Film als ganzes hatte einen billigen Look an sich. Das Hauptproblem war, dass der Film zu keiner Sekunde wirklich spannend oder gruselig war. So gab vielleicht 1-3 Szenen, die minim stimmungsvoll eingefangen waren, aber mehr nicht. Und ansonsten hat auch das nervende BIFFF-Publikum (der Film wurde nahezu live kommentiert inklusive Einsatzes einer quietschenden Gummiente oder Trillerpfeife) dazu beigetragen, dass sich keine Stimmung oder Spannung aufbauen konnte.

Der Film kann gut einmal gesehen werden, aber mehr auch nicht. Die Musik war nicht speziell, das Monster klischeehaft, das Ende mochte ich ebenso wenig wie die Figuren. Die Truppe, die als Geisterjäger arbeitet, war durch und durch unsympathisch. Vor allem Lead Alex war einfach ein dummes Arschloch. Keine Figur, mit welcher man mit fiebert. Das Monster sah meist billig aus und die Geräusche die es macht entstammen aus dem japanischen Film The Grudge (dreist kopiert). Die Szene mit dem Tunnel fand ich hingegen cool oder wie sich das Monster kurz vor dem Ende im Schatten versteckt. Und eins ist Canceled nicht: langweilig! Nur leider nicht wirklich gut…

Fazit: Lohnt sich nicht! Auch wenn ich Deadstream nicht sonderlich mochte, war das im Vergleich der klar bessere Film! 

Infos:

O: Canceled

Schweden 2023

R: Oskar Mellander

D: Vincent Grahl, Fanny Klefelt, Klas Wiljergård, Vincent Grahl

Laufzeit der Kinofassung: Ca. 97 Min.

Gesehen am: BIFFF 2024

Fassungen: Gesehen am BIFFF 2024, Uncut, im O-Ton und mit englischen Subs. Eine DVD oder Blu-Ray sind noch nicht angekündigt (Stand: April 2024).

Samstag, 2. März 2024

The Deep House

The Deep House

Story:

Ein Paar findet beim Tauchen in einem See ein Haus unter dem Wasser. Sie stellen unter Wasser, angezogen von der Neugier, Nachforschungen an. Keine gute Idee…

Meine Meinung:

Der Trailer zu The Deep House sah stimmungsvoll aus. Ich fand die Idee eines Unterwasser-Hauses vermischt mit einer Found Footage und Geister-Story interessant und vielversprechend. Daher den Film auf die Wunschliste gesetzt und nun angesehen. Ich bin froh, einen günstigen Import und nicht das teure Set aus Deutschland erworben zu haben, denn der Film landet nicht in der Sammlung. Für eine einmalige Sichtung ist The Deep House, eine französisch-belgische Produktion, i.O. Aber mehr auch nicht.

Der Plot ist simpel und eigentlich auch wenig originell. Dazu kommt, dass mir der Film doch deutlich zu wenig spannend, stimmungsvoll und gruselig war. Ich bin auch nur 1x zusammengezuckt. Der Film braucht auch zu lange, um in die Gänge zu kommen und vielen Szenen sind vorhersehbar. Dazu kommt, dass mir das offene Ende nicht gefiel. Fand ich doof. Daher war es auch leicht zu entscheiden, den Film zu entsorgen/weiter zu verkaufen.

Wer sich schnell gruseln lässt, wird ggf. anders empfinden. Die Darsteller waren glaubhaft, solide und authentisch. Der Film zudem technisch auch einwandfrei in Szene gesetzt. Die Filmemacher verstanden ihr Handwerk und das sieht man dem Film des Duos Alexandre Bustillo (Leatherface, Inside) und Julien Maury auch zu jeder Sekunde an. In der Hinsicht enttäuscht die Produktion nicht. Zudem gibt es Elemente, die an frühere Filme des Duos erinnern (z.B. Among the Living mit Kindern als Opfern).

Fazit: Für mich persönlich zu wenig gruselig, und daher nichts für meine Filmsammlung, aber Horrorfilmfans können durchaus einen Blick riskieren

Infos:

O: The Deep House

Frankreich, Belgien 2021

R: Alexandre Bustillo, Julien Maury

D: Camille Rowe, James Jagger, Eric Savin

Laufzeit der UK-Blu-Ray: Ca. 85 Min.

Gesehen am: 11.01.24

Fassungen: Mir lag die UK-Blu-Ray von Universal vor = Uncut, O-Ton, englische Subs, hervorragende Bild- und Tonqualität. Gibt es in Deutschland von Turbine/Universal auf DVD, Blu-Ray oder UHD. Nur im limitierten Mediabook, daher holte ich mir die viel günstigere UK-Ausgabe. In Deutschland soll im Feb. dieses Jahres eine Amaray -Version erscheinen.

Sonntag, 15. Oktober 2023

Deadstream

Horroktober 2023

Deadstream

Story:

Ein Influencer mit Pechsträhne (Joseph Winter) heckt einen Plan aus, um seine Fans und Follower zurückzugewinnen. Dazu will er eine Nacht in einem Spukhaus verbringen und dies Live Streamen. Keine gute Idee…

Meine Meinung:

Deadstream war ein Film, den ich am NIFFF 2022 bewusst ausgelassen habe. Ich bekam den aber vom Kumpel als Bootleg-Blu-Ray geschenkt = also doch noch geschaut! Ich bin kein allzu grosser Fan von Found Footage Filmen. Da gefallen mir nur wenige wirklich gut (Cannibal Holocaust, As Above, So Below, Trollhunter, Man Bites Dog oder Devil's Pass). Weiter bin ich kein Fan von Youtubern, Internetheinis/Promis oder Influencer. Das ist für mich vor allem Abschaum.

Dennoch gab ich Deadstream, der natürlich als Live-Stream inszeniert wurde (und das richtig gut und authentisch, mit all dem Blödsinn, der dazugehört), eine Chance. Was soll ich sagen? Den Film kann man Mal schauen. Aber mehr auch nicht. Der Film will eine Horror-Komödie im modernen Influencer-Setting sein. Eine Art Tanz der Teufel mit Geistern. Überraschungen gibt es eigentlich keine und der Film ist klar mehr Komödie als Horror. Ich fand den Film nebst der Tatsache, dass ich den nicht gruselig fand, allerdings auch nicht wirklich lustig.

Dafür war mir der Humor zu platt, zu unlustig, zu aufgesetzt. Das grösste Problem hatte ich mit Joseph Winter. Der Regisseur, der zusammen mit seiner Frau Regie führte (Spielfilmdebüt, nachdem er nur Kurzfilme realisierte), spielt auch die Hauptrolle und seine Figur nervt höllisch! Nur schon sein künstliches, viel zu hohes Schreien nervt in jeder Szene bis ins Mark. Zudem ist der Film am Anfang auch langweilig. Immerhin gibt es später paar nette Effekte und skurrile Einfälle inklusive 1-2 Ekelszenen à a Drag Me to Hell zu sehen. Und das Ende passte mir auch.

Fazit: Fans von modernen Horror-Komödien können einen Blick riskieren! Mit mehr Action/Grusel und einer besseren Hauptperson hätte das ganze eine spassige Gruselunterhaltung werden können. So bleibt es leider bei der einen Sichtung…

Infos:

O: Deadstream

USA 2022

R: Joseph Winter, Vanessa Winter

D: Joseph Winter, Melanie Stone, Jason K. Wixom, Pat Barnett, Marty Collins, Perla Lacayo

Laufzeit der Bootleg-Blu-Ray: Ca. 87 Min.

Gesehen am: Horroktober 2023

Fassungen: Vom Kollegen eine Bootleg-Blu-Ray geschenkt bekommen = hervorragende Bild- und Tonqualität, O-Ton, englische Subs, Uncut. In Deutschland von Plaion auf Blu-Ray erschienen.

Mittwoch, 24. August 2022

Hellraiser: Revelations Review

Hellraiser: Revelations

Story:

 

Nachdem Nico und Steven (Nick Eversman, Jay Gillespie) im Mexiko Urlaub verschwinden, beraten Familie und Freunde der beiden was damals geschehen sein könnte. Zurück blieb nur eine Videokamera mit schrecklichen Aufnahmen und ein goldener Würfel. Als an diesem hantiert wird, bricht das Grauen über den Ort hinein. Und als plötzlich Steven, scheinbar verletzt vor Ort auftaucht, beginnt der richtige Alptraum…

 

Meine Meinung:

 

Was die Hellraiser Reihe angeht, ist mein Blog noch definitiv unterernährt! Da gibt’s ja, Stand Mitte August 2022, nur Reviews zum ersten Teil (absoluter Klassiker!) und zu Hellraiser: Judgment. Ich habe alle Filme zu Hause und gesehen mit Ausnahme von Hellraiser: Revelations. Ich denke, bei Neusichtungen ist es möglich, dass die Teile sechs bis acht (Namen: Hellraiser - Hellseeker, Hellraiser - Deader, Hellraiser - Hellworld) aus der Sammlung fliegen. Die kamen halt zurzeit, wo auch u.a. billige Direct to Video Fortsetzungen zu andere Film-Reihen veröffentlicht wurden (Anaconda, Pumpkinhead, God's Army).

 

Im Oktober kommt es, passend zum Horroktober 2022, zur Neusichtung des zweiten Teiles. Warum ich Hellraiser: Revelations im Gegensatz zu den Vorgängern nie geschaut habe? Der Film soll sehr schlecht sein. Nur schon das Cover-Artwork mit dem billigen Pinhead ist lächerlich. Zudem: kein Doug Bradley mehr, der ansonsten Pinhead gespielt hat! Sehr schade da eine filmische Ikone à la Freddy Krüger aus A Nightmare on Elm Street plus Fortsetzungen.

 

Als ich Mitte August im Urlaub war, guckte ich mir im Hotel via Tubi Stream Hellraiser: Revelations an. Eines Abends, vor dem Schlafen gehen. Ich erwartete richtigen 08/15 Schund ohne Anspruch. Und das war Hellraiser: Revelations auch: peinlich, grottenschlecht, billig. Eine Schande! Der absolut schlechteste Hellraiser überhaupt. Eigentlich nicht wert, geschaut zu werden. Story, Dramaturgie, Figurenzeichnung, Plot = zum Fremdschämen. Wie auch das Aussehen der Cenobiten. Stephan Smith Collins als Pinhead war eine absolute Fehlbesetzung.

 

Eine Spannung und Atmosphäre sind nie gegeben. Der Start des Filmes (Found-Footage Gewackel) ist ein No-Go für einen Hellraiser-Film. So was von billig. Wie bekam das Projekt damit überhaupt grünes Licht für die Produktion? Ist ja eine Katastrophe. Wären Doug Bradley und Clive Barker tot, die würden sich beide im Grab umdrehen! Die Figuren sind nicht nur uninteressant und dumm, sondern auch absolute Arschlöcher. Nerven wie Hölle. Absolut null Sympathien. Im Gegenteil.

 

Das einzig passable sind mehrere Querverweise, die ans Original von 1987 erinnern. Das fand ich cool. Und zwei bis drei sehenswerte, blutige und cool getrickste Splattereffekte. Aber abgesehen davon bietet Hellraiser: Revelations null Schauwerte. Ein Film und Fortsetzung zum Vergessen!

 

Fazit: Grottenschlecht und lohnt sich nicht!

 

Gefolgt von: Hellraiser: Judgment

 

Infos:

 

O: Hellraiser: Revelations

 

USA 2011

 

R: Víctor García

 

D: Steven Brand, Nick Eversman, Tracey Fairaway, Sebastien Roberts, Devon Sorvari, Sanny van Heteren

 

Laufzeit der Originalversion: Ca. 75 Min.

 

Gesehen am: Mitte Aug. 2022

 

Fassungen: Im Urlaub in New York im Hotel gesehen (via Tubi Stream über den TV). Uncut und in Englisch. Den Film gibt es in Deutschland auch auf DVD/Blu-Ray (Sunfilm in Deutsch/Englisch mit Subs).

Mittwoch, 6. Juli 2022

Incantation Review

 
NIFFF 2022 Spezial

Incantation

Story:

Ruo-Nan (Hsuan-yen Tsai) hat früher ein schreckliches Ereignis gemacht und war in Behandlung. Sie nahm an, von einem Fluch besessen zu sein, der dafür sorgte, dass alle in ihrem Umfeld davon betroffen waren. Es gab Unfälle und Todesfälle. Nun darf Ruo-Nan ihre kleine Tochter wieder in die Arme schliessen und nach Hause nehmen. Dies will Ruo-Nan mit der Kamera dokumentieren, doch bald holt sie die Vergangenheit wieder ein…

Meine Meinung:

Incantation ist ein Found-Footage Horrorfilm aus Taiwan. Der Trailer-Inhalt sah noch interessant, stimmungsvoll und potenziell gruselig aus. Der Film, dessen Rechte sich Netflix (USA wie es scheint) geschnappt hat stammt von Kevin Ho, der im Horrorgenre bereits Erfahrungen gesammelt hat (Invitation Only). Ich bin kein allzu grosser Fan von Found-Footage Filmen, auch wenn es Ausnahmen wie Cannibal Holocaust, Trollhunter, As Above, So Below oder Devil's Pass gibt.

Leider ist Incantation nur ein mittelmässiger Film geworden, der daher auch ganz gut zur Netflix-Franchise passt. Die Hauptprobleme von Incantation sind folgende: der Film ist zu wenig schreckhaft, zu wenig gruselig und zu wenig stimmungsvoll. Der Film hat zwar seine Szenen und Momente, wo eine geringfügige Spannung oder Atmosphäre kreiert und geschaffen wird, aber im Grossen und Ganzen viel zu wenig.

Dazu kommt, dass die Erzählweise mühsam und wirr erscheint. Der Film ist in Art Kapitel unterteilt und der Plot wird nicht chronologisch erzählt. Einzelne Momente sind unglaubwürdig (warum z.B. immer gefilmt wird) und einige Aufnahmen könnten von schlechten Reddit Videos stammen. Folklore und mythische Inhalte (einzelne Szenen erinnerten mich an Kwaidan) waren die wenigen Höhepunkte des Filmes (plus hier und da die Musik).

Das Schauspiel war teilweise gut, teilweise weniger. Der Inhalt war oft zu repetitiv (Zähne, Würmer, Selbstverletzung). Da wäre mehr Abwechslung wünschenswert gewesen. Das Finale im Tunnel war sogar etwas enttäuschend. Die besten Szenen hat der Film zuvor. Das Ende war gut. Der Zuschauer wird mehrfach aktiv mit in die Handlung integriert. Originell, wenn Ruo-Nan durch die Aufnahme z.B. direkt mit dem Publikum spricht.

Alles in allem solider Durchschnitt, mir aber viel zu wenig gruselig. Ausserdem war ich sehr müde und kämpfte gegen das Einschlafen. Spricht auch nicht unbedingt für den Film…

Infos:

O: 咒

Taiwan

R: Kevin Ko

D: Hsuan-yen Tsai, Ying-Hsuan Kao, Sean Lin

Laufzeit der NIFFF Fassung: Ca. 110 Min.

Gesehen am: NIFFF 2022

Fassungen: Gesehen via NIFFF 2022 im O-Ton mit englischen Subs. Eine DVD/Blu-Ray scheint es noch nicht zu geben (Stand: Juli 2022). Auf Netflix USA ist der Film scheinbar als Stream-Version aufgeschaltet.

Freitag, 30. Oktober 2020

Frankenstein's Army Review

Horroktober 2020 / NIFFF 2013

Frankenstein's Army

Story:

Ende des 2. Weltkrieges:

Russische Soldaten entdecken ein geheimes Nazi Labor, in welchem Doktor Frankenstein an "Super Soldaten" experimentiert...

Meine Meinung:

Frankenstein's Army sah ich 2013 am NIFFF. Nun folgte die 2. Sichtung des Euro-Fun-Splatter. Fazit: der Film sagt mir nicht mehr zu und wird aus der Sammlung verbannt. Der Film ist eine Weiterführung des Filmes Worst Case Scenario, der jedoch nie entstand (es gab aber einen Trailer). Die Hauptidee stammt von Richard Raaphorst inklusive Brian Yuzna (Bride of Re-Animator).

Was das Found-Footage Genre angeht, bin ich kein allzu grosser Freund. Sicher, es gibt positive Ausnahmen: Cannibal Holocaust, As Above, So Below, Trollhunter, Man Bites Dog oder Devil's Pass. Dazwischen gab es viel Mittelmässiges (Quarantäne, REC Reihe) bis Schlechtes (Blair Witch, The Sacrament, Grave Encounters). Frankenstein's Army würde ich in die Stufe «Mittelmass» einteilen.

Die verwackelte Kamera empfand ich teilweise als negativ. Der Film hat nur vereinzelte Splatter-Highlights, vielleicht 2-3 Szenen. Die wahren Highlights sind die Super-Soldaten, die cool und fantasievoll getrickst wurden (ohne CGI). Aber auch hier: die Kamera hätte gerne länger und vor allem ruhiger ins Geschehen filmen dürfen…

Ansonsten wird eine vorhersehbare und spannungsarme Story (Experimente der Nazis im 2. Weltkrieg) abgespult, die mit Längen, zu wenig Gore und mässigen Figurenzeichnungen / Darstellern aufwartet. Dass alle Russen Englisch sprechen war nervig wie der Humor, den ich doof fand. Eine ernste Inszenierung wäre wünschenswert gewesen.

Fazit: Gutes Konzept aber es hapert an einer dürftigen Umsetzung!

Infos:

O: Frankenstein's Army

Niederlande, Tschechische Republik, USA 2013

R: Richard Raaphorst

D: Karel Roden, Joshua Sasse, Robert Gwilym, Alexander Mercury, Luke Newberry

Laufzeit der deutschen Blu: 84:07 Min.

Gesehen am: NIFFF 2013 / Review überarbeitet am: Okt. 2020

Fassungen: Für die 2. Sichtung lag mir die deutsche Blu-Ray von Ascot Elite vor = Schuber, Uncut, Deutsch/Englisch mit deutschen Subs. Die Bild- und Tonqualität sind hervorragend.

Sonntag, 30. Dezember 2018

Cannibal Holocaust Review




Webmaster mit Ruggero Deodato 2008 und 2012 am NIFFF

Cannibal Holocaust

Story:

Ein Reporter-Team, welches im Dschungel einen Dokumentarfilm drehen wollte, verschwindet spurlos. Ein Professor (Robert Kerman) macht sich mit einem Suchtrupp auf, die Verschwundenen im Dschungel zu finden. Man findet jedoch nur Leichen und die gedrehten Filme der Crew, welche Grauenhaftes beinhalten…

Meine Meinung:

Cannibal Holocaust ist der beste Film, der die kurze Ital. Kannibalenfilmwelle hervorgebracht hat. Der Film von Ruggero Deodato ist sozialkritisch und zeigt uns den zivilisierten Menschen als Bestie, bis die Dschungel-Völker zurückschlagen. Er hält der modernen Gesellschaft einen Spiegel hin und spielt mit Vorurteilen und Klischees. Daher bietet Cannibal Holocaust am meisten Klasse, Niveau und Anspruch im Gegensatz zu den anderen Kannibalenfilmen à la Eaten Alive, Cannibal Ferox oder Emanuelle and the Last Cannibals die meist nur unterhalten, Geld einspielen oder schockieren wollen.

Ausserdem muss Ruggero Deodato als heimlicher Erfinder des Found Footage Genre angesehen werden – das war nicht The Blair Witch Project, sondern kam schon in dem Kannibalenklassiker aus dem Jahre 1980 zum Tragen. Und genau dieses Detail kommt dem Film stimmungsvoll gut zu stehen und erhöht seine schockierende Intensität und Schlagkraft.

Der Film war gut gespielt, ernst. Man sieht einige bekannte Gesichter, die schon in anderen Kannibalenfilmen mitgewirkt haben. So z.B. der ehemalige Pornostar Robert Kerman, der Ende 2018 verstarb, spielte in Filmen wie Eaten Alive oer Cannibal Ferox mit. Auch sonst sah man ihn im Horrorgenre durchaus nicht selten (z.B. Die Nacht der Creeps). Perry Pirkanen, er spielt eines der verschwundenen Crew-Mitglieder, sah man auch schon in Cannibal Ferox oder anderen Italo Horror-Klassikern (z.B. City of the Living Dead). Wunderschön und ein grosses Plus des Filmes: der wunderbare Soundtrack von Riz Ortolani. Dieser war für viele Ital. Filme zuständig, wenn es darum ging, einen passenden Soundtrack zu kreieren (z.B. Betrachten wir die Angelegenheit als abgeschlossen, Orgie des Todes).

Was nebst der Ernsthaftigkeit, den stimmungsvollen Bildern, der rohen Intensität vieler Szenen, dem snuffartigen Doku-Film-im-Film Stil und dem Soundtrack für Entsetzen sorgte bzw. das Entsetzen verstärkte, waren auch die Spezialeffekte von Aldo Gasparri (mir ist er unbekannt, aber die Effekte sind sehr gut), der Snuff-Charakter (die Film-im-Film «Last Road to Hell» Sequenz zeigt echte Exekutionen) und leider auch die vielen Tier-Snuff-Szenen. Trauriger Höhepunkt dieser Ansammlung: Schildkröte! Daneben gibt es auch viele sexuelle Gewalt zu sehen. Das waren Szenen, an denen nicht alle Freude hatten. Voyeurismus pur!

Aber auch deshalb – und nicht nur seiner Qualität als Ganzes, ist der Film so berühmt und berüchtigt. Viele Zensuren, Verbote, aber auch Aufführungen an Filmfestspielen weltweit (am NIFFF) waren die Folge. Sogar vor Gericht musste Deodato antanzen (weil ihm echter Mord von Darstellern vorgeworfen wurde) und in Japan war der Film im Kino immens erfolgreich (nur E.T. war besser) und es gibt kaum Länder, in denen es keine reisserischen Covers und Bilder zum Film in Horrorfilmbüchern oder Medien (VCD, DVD, VHS, Laserdisc, Blu-Ray) gibt. Das soll schon was heissen – das hat Zeitgeistcharakter!

Fazit: Cannibal Holocaust ist ein Film, der sich unsterblich machte und eine der besten und anspruchsvollsten Arbeiten von Ruggero Deodato (Eiskalte Typen auf heißen Öfen) und der besten Kannibalenfilm aus Italien! Klassiker des Genres!

Infos:

O: Cannibal Holocaust

Italien 1980

R: Ruggero Deodato

D: Robert Kerman, Francesca Ciardi, Perry Pirkanen, Luca Barbareschi, Salvatore Basile

Laufzeit der US-DVD: 96:31 Min.

Gesehen am: Jugendzeit / Review überarbeitet am: 30.12.18

Fassungen: Mir liegen diverse DVDs vor (Italien, USA, 2x Japan), welche in der Sammlung bleiben, da originalvisiert von Regisseur Ruggero Deodato (zweimal an vergangenen NIFFF getroffen). Die beste Fassung ist die US-DVD von Grindhouse = Uncut, hervorragende Bild- und Tonqualität, Englischer Ton, viele exklusive Extras, Schuber. Gäbe es inzwischen auch als Blu-Ray. Wer gerne deutschen Ton braucht, muss zur XT-Video Fassung aus Österreich greifen.