Brugggore Filmfestival 2026 Spezial
Dolly
Story:
Macy (Fabianne Therese) wird, während einem Wochenendausflug mit ihrem Freund (Seann William Scott) im Wald von einer maskentragenden Person (Max Lindsey) entführt. Diese sieht in Macy ihr Kind, welches aufgezogen werden muss…
Meine Meinung:
Dolly ist Backwood-Fans zu empfehlen. Der Film von Regisseur Rod Blackhurst basiert auf seinem vergangenen Kurzfilm Babygirl aus dem Jahr 2022. Nun realisierte er drei Jahre später in Spielfilmlänge seinen Festivalbeitrag dazu. Dolly bietet schnörkellose, charmante 70er- und 80er Jahre Charme, auch wenn der Film in der heutigen Zeit spielt (die einzige Szene mit einem Handy kommt zum Glück nur am Anfang vor). Dank der Inszenierung, gedreht wurde auf 16mm, hat der Film einen stimmungsvollen Grindhouse-Stil. Der Film wirkt definitiv mehr wie ein 70er Jahre Film.
Der Film braucht etwas, um in Fahrt zu kommen. Ihr Freund wird von American Pie-Star Seann William Scott (Final Destination) gespielt. Er konnte mich jedoch nicht überzeugen und der Verlauf seiner Figur war relativ unglaubwürdig, selbst für diese Art Genre. Ansonsten hält sich der Film, der auch in diverse Kapitel unterteilt wurde (eigentlich unnötig), an die typischen Genre-Klischees, die der Zuschauer von dieser Art Film auch erwartet. Es geht jedoch relativ humorlos zu. Hier sind keine dummen, austauschbaren Teens Opfer, sondern eine Frau, die zum Kind degradiert wird und viel einstecken muss, ehe sie am Ende zurückschlägt. Das ist zwar nicht wirklich mit grossen Überraschungen versehen, aber zielstrebig und unterhaltsam umgesetzt worden. Der Film bietet auch einige, wenn auch wenige, Splatterszenen. Aufgrund des Budgets ist nicht alles explizit, lange oder im Detail zu sehen.
Der Film punktet aber vor allem durch seine Settings, die gelungene Kameraarbeit und seine Backwood-Stimmung und der wunderbaren Dolly, die von einer Wrestlerin verkörpert wurde. Wrestler sind nebst dem Eastern-Genre (z.B. Nathan Jones in Fearless oder Tom Yum Goong) immer gern im Horrorfilm zu sehen (z.B. Kane in See No Evil), da sie dank ihrer Statur perfekt in die Rolle eines Serienkillers, oder hier, einer verwirrten, gestörten Mutter passen. Dolly wird von der Wrestlerin Max the Impaler verkörpert. Und die macht das, auch ohne ein Wort zu sagen (mehr Grunzen und nonverbale Kommunikation) sehr gelungen.
Im letzten Viertel wird es auch optisch toll und Fabianne Therese gibt ein tolles Final Girl ab. Sie macht ihren Job ordentlich. 2015 sammelte sie bereits in Southbound Horrorerfahrungen. Hier und da hat mich der Film sogar leicht an Romane von Edward Lee (Goon, The Minotauress, Family Tradition) erinnert. Er mag Backwood-Geschichten, Rednecks und Obszönitäten. Zwei Szenen aus Dolly könnten aus dem Edward Lee Universum stammen, wenn es um «perverse Erotik» geht (die Szene mit der Brust oder das Wickeln der Windel). Zur Abwechslung tat es gut, in dem Hinblick einen ernsteren Tonfall entdecken zu dürfen. Gelacht wurde im Kino nämlich wenig.
Fazit: Backwood-Fans können einen Blick riskieren!
Infos:
O: Dolly
USA 2025
R: Rod Blackhurst
D: Seann William Scott, Ethan Suplee, Michalina Scorzelli, Fabianne Therese, Max Lindsey
Laufzeit der Kinoversion: Ca. 83 Min.
Gesehen am: Brugggore Filmfestival 2026
Fassungen: Gesehen am Brugggore Filmfestival 2026 in
Englisch. Uncut. Eine DVD, Blu-Ray oder UHD ist noch nicht angekündigt (Stand:
April 2026).

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