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Freitag, 10. Mai 2024

Rouge


Rouge

Story:

China in den 30ern: Chan (Leslie Cheung) und Prostituierte Fleur (Anita Mui) einigen sich auf einen Suizidpakt. 50 Jahre später erscheint der Geist von Fleur bei Reporter Yuen (Alex Man) und dessen Freundin Ah Chor (Emily Chu) und bittet um Hilfe, da Chans Geist nie im Afterlife ankam…

Meine Meinung:

Rouge von Stanley Kwan Kam-Pang stand mit Sicherheit noch auf irgendeiner (Wunsch)Liste von mir. Zwar wird der Film in der hkmdb nur als Drama gelistet, dennoch kommt mit Charakter Fleur auch ein Geist im Film vor, der in der Gegenwart klären will, warum ihr ihr Liebhaber nicht ins Afterlife folgte. Zu meiner Überraschung lag der Film schon seit paar Jahren ungesehenen der Sammlung. Ich bekam den einmal von einem Dealer aus Hong Kong als Geschenk.

Der Film startet im China der 30er und es gibt auch im späteren Verlauf immer wieder Rückblenden. Mir hat der Start des Filmes nicht besonders gefallen und auch die Musik-Nummern waren gar nicht mein Fall. Die Szenen in der Gegenwart haben mir viel besser gefallen und waren die stärkeren Momente des Filmes. Der Mix aus Drama, Liebesgeschichte und Ghost-Film funktioniert sehr gut. Auf Klamauk wird verzichtet.

Rouge wirkt wirklich tragisch und dramatisch. Verstärkt wird das sicher auch durch die Tatsache des tragischen und zu frühen Ablebens der Stars Leslie Cheung (A Better Tomorrow) und Anita Mui (My Father Is a Hero). Leslie Cheung nahm sich später das Leben während Anita Mui, wie auch einige ihrer HK-Schauspielkollegen (Lam Ching-Ying, Shing Fui-On), den Kampf gegen den Krebs verlor. Immer, wenn Schauspieler zu früh aus dem Leben scheiden, man denke da nur an Namen wie Bruce Lee (Fist of Fury), Brandon Lee (The Crow – Die Krähe) oder Alexander Fu Sheng (The Treasure Hunters), spielt die Zeit mit und macht daraus Legenden.

Sobald der Plot in die Gegenwart wechselt, ist ein gewisses Fesseln vorhanden und eine leichte Spannung entsteht. Anita Mui holt sich Hilfe von zwei Menschen. Beide sind sympathisch und daher funktioniert der Film auch. Diese werden von Emily Chu (The Plot) und Alex Man (The Dragon Fighter) gespielt. Die besten und einfühlsamsten Momente hat der Film dann, wann Alex Man und Emily Chu merken, dass Anita Mui wirklich ein Geist ist und das Finale, in welchem sie auf ihren Schwarm trifft. Mehr sei an der Stelle nicht verraten!

Fazit: Rouge war mir persönlich zu viel Drama, kann aber gut einmal geschaut werden! Eine gewisse Faszination kann ich dem Film definitiv nicht absprechen...

Infos:

O: Jin Zi Kau

HK 1988

R: Stanley Kwan

D: Leslie Cheung, Anita Mui, Alex Man, Emily Chu

Laufzeit der HK-VCD: 46:17 Min. (1. Disc) / 46:16 Min. (2. Disc)

Gesehen am: 20.02.24 / 2. Sichtung: 11.03.25

Fassungen: Mir lag die HK-VCD von Deltamac vor = O-Ton, englische Subs, solide Bild- und Tonqualität. Die VCD war ein Geschenk eines Verkäufers aus Hong Kong. Davon gibt es inzwischen viele DVD- und Blu-Ray Varianten, die qualitativ ganz sicher interessant wären. Es gibt keine deutsche Fassung (Stand: Feb. 2024). Nachtrag März 2025: Rouge sah ich vor paar Monaten als alte HK-VCD von Deltamac. Die war relativ bescheiden, was die Qualität angeht. Die bekam ich geschenkt. Ich fand den Film knapp ok und wollte dem Film in einer würdigen Fassung nochmals eine Chance geben = UK-Blu-Ray von 88 Films besorgt. Die Szenen im modernen Hong Kong mag ich. Alex Man, Emily Chu und Anita Mui waren stark. Leslie Cheung hingegen überzeugt nicht wie alle Szenen, in den den 30ern (oder 40ern?) spielen. Die Gesangsnummern fand ich zudem furchtbar schlecht und öde. Das Finale war weniger intensiv als bei der 1. Sichtung. Es gibt als Bonus (Nebst Trailer, Booklet, Bildergalerie) zwei Interviews mit dem Regisseur. Das alte Interview ist interessant. Das neue Interview, in dem er Englisch spricht, war mühsam und habe ich abgebrochen und nicht zu Ende gesehen. Dazu gibt es ein Wendecover, einen Schuber, O-Ton, englische Subs. Die Bild- und Tonqualität sind exzellent.

Donnerstag, 9. Mai 2024

Ermittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhabenen Bürger

Ermittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhabenen Bürger

Story:

Polizist Dottore (Gian Maria Volontè) bekommt eine Beförderung: er wird in ein wichtiges, mit politischen Themen vertrauten, Team aufgenommen.  Dottores Affäre (Florinda Bolkan) witzelt noch, dass er nun zu wichtig sei und sogar mit Mord davonkäme. Gesagt, getan. Dottore bringt seine Affäre um und amüsiert sich, wie seine Partei damit beginnt, Spuren zu verwischen…

Meine Meinung:

Ermittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhabenen Bürger, der sogar für einen Oscar nominiert wurde, ist ein Mix aus Poliziotteschi, Polit-Thriller, Sozialkritik und bitterböser Satire, in der das dazumal Ital. System und alle, die es betraf (Rechte, Linke, Anarchisten, Studenten, Kommunisten, Politiker, Polizei, der hart arbeitende 08/15-Bürger etc.), ihr Fett abbekommen. Der Film beginnt mit dem Mord von Dottore an Florinda Bolk, die danach nur noch in Rückblenden vorkommt (= Motive und Charaktereigenschaften von Dotorre und seiner Affäre werden dem Zuschauer nähergebracht).

Der Film erscheint zunächst ernst, driftet aber, vor allem gegen Ende, mehr und mehr Richtung Satire ab. Vor allem das Finale erinnerte mehr an eine Theateraufführung, als an einen richtigen Film. Das Ganze ist, bis in die kleinsten Nebenrollen, stark gespielt. Der mir unbekannte Gian Maria Volontè trägt den Film fast allein, aber auch die anderen Gesellen machen viel Spass in ihren Rollen. Auch Florinda Bolkan (Nonnen bis aufs Blut gequält, La settima donna, A Man to Respect, Don’t Torture a Duckling) ist, quasi als einzige starke Frauenrolle, eine Wucht. Kein Wunder, war sie im Italo-Kino der 70er Jahre so beliebt. Die Musik steuerten Bruno Nicolai (A Virgin Among the Living Dead) und Ennio Morricone (Wenn Du krepierst - lebe ich) bei. Tolle Wahl und auch tolle Musik im Film.

Ich empfand den Film, auch wenn sehr dialoglastig, als sehr unterhaltsam und erfrischend. Ganz leicht erinnert der Film an den viel ernsteren, aber nicht weniger interessanten Film Gewalt - Die fünfte Macht im Staat, den es, wie Ermittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhabenen Bürger, in Deutschland bislang (leider) auch nur auf VHS zu sehen gibt. Regisseur Elio Petri war mir bisher auch unbekannt. Wenn ich auf seine Filmographie schaue, könnten ggf. noch A Quiet Place in the Country (Zitat aus einem Letterboxd Review: «a haunting psychedelic spiral into madness» mit Franco Nero) sowie The 10th Victim (Artsy sci-fi mit Ursula Andress) interessant sein.

Fazit: Interessant und sehenswert!

Infos:

O: Indagine su un cittadino al di sopra di ogni sospetto

Italien 1970

R: Elio Petri

D: Gian Maria Volontè, Florinda Bolkan, Gianni Santuccio, Orazio Orlando, Sergio Tramonti, Arturo Dominici, Aldo Rendine

Laufzeit der Ital. Blu-Ray: 115:14 Min.

Gesehen am: 20.02.25

Fassungen: Mir lag die Ital. Blu-Ray von Lucky Red vor = 4K Restauration, Uncut, Ital. O-Ton, englische Subs, hervorragende Bild- und Tonqualität. Gibt es in Deutschland nur auf VHS (Stand: Feb. 2024).

Mittwoch, 8. Mai 2024

Massacre at Central High

Massacre at Central High

Story:

David (Derrel Maury) ist der neue Student an der High School. Er trifft dort auf einen alten Freund, Mark (Andrew Stevens), der mit Theresa (Kimberly Beck) zusammen ist. Mark ist mit drei Bullies (u.a. Damon Douglas, Steve Bond, Ray Underwood) befreundet, die die anderen Schüler schikanieren, tyrannisieren und an der Schule das Sagen haben. David soll in den Kreis aufgenommen werden. Doch David setzt sich für die Schwachen und Gemobbten (u.a. Cheryl Smith, Robert Carradine) ein, mit fatalen Folgen…

Meine Meinung:

Massacre at Central High war ein Titel, den ich sicher schon meiner Jugendzeiten kannte. In Deutschland ist der Film nämlich besser bekannt als Massaker in Klasse 13. Und davon gab es eine Red Edition DVD und das Cover-Artwork war mir stets bekannt. Den Film sah ich aber mangels Alternativen nie und die Synapse Vö war die weltweit erste Blu-Ray Vö bzw. erste würdige Fassung zum Film. Daher dauerte es mit der Sichtung ewig.

Der Film stammt von Rene Daalder. Einem Holländer. Massacre at Central High ist sein US-Debüt als Regisseur. Der Film passt gut in die Kerbe mit Filmen wie Class of 1984. Schule, Mobbing, Selbstjustiz, Rache. Weiter zeigt der Film, wie sich Charaktere aber auch zum Schlechten ändern können und von Opfern dann selbst Täter werden. Der Film ist sicher nicht sozialkritisch gemeint, sondern Exploitation-Unterhaltung, aber dennoch kann man das dem Film positiv ankreiden.

Ich mag Themen wie Selbstjustiz und wenn das Pack das bekommt, was es verdient. Es gibt heuer genug Youtube und Co. Videos, in denen «Bullies» gleich ihr Fett abbekommen oder deren Titel und Zusammenstellungen «Instant Karma» lauten. So Dinger machen manchmal Spass. Massacre at Central High nimmt solche (realen) Ereignisse auf Streaming-Plattformen vorneweg. Der Film ist technisch gut gemacht. Nicht übermässig brutal und gegen Ende leider zu repetitiv, aber doch recht unterhaltsam und bietet die Klischees, die man von dieser Art Film erwartet.

Die 1. Hälfte gefiel mir besser: David kommt als neuer Student, bringt Unruhe rein, lässt sich nicht unterordnen und kämpft gegen das System an! Toll! Was am Film interessant ist, sind zwei Tatsachen: die Polizei und/oder Lehrkräfte scheinen in dem Film nicht zu existieren, trotz Unfällen mit Todesfolgen. Die drei Bullies werden gut gespielt. Gut genug, so dass man die Figuren nicht mag und Freude hat den Racheaktionen hat. Derrel Maury macht seine Sache auch ordentlich und fürs Männerherz gibt es auch genug Sleaze- und nackte Haut dank den Schönheiten Kimberly Beck (Friday the 13th: The Final Chapter) und Cheryl Smith (The Incredible Melting Man). Cheryl Smith war sogar im Soft-Sex-Film aktiv (Sex-Musical Cinderella).

Fazit: Fans von Class of 1984 können einen Blick riskieren!

Infos:

O: Massacre at Central High

USA 1976

R: Rene Daalder

D: Derrel Maury, Cheryl Smith, Kimberly Beck, Damon Douglas, Robert Carradine, Steve Bond, Ray Underwood

Laufzeit der US-Blu-Ray: Ca. 88 Min.

Gesehen am: 19.02.24

Fassungen: Mir lag die limitierte US-Blu-Ray von Synapse Films vor = Booklet, Schuber, Steelbook, DVD/Blu-Ray, Region All-Disc, exklusive Extras, Uncut, absolut fantastische Bild- und Tonqualität, die von Synapse Films selbst restauriert und bearbeitet wurde. Es handelte sich um ein jahrelanges Projekt. Gibt es inzwischen in Deutschland Uncut auf Blu-Ray von filmArt (Massaker in Klasse 13).