Das Heerlager der Heiligen
Inhalt:
Zitat Back-Cover:
«Hundert Schiffe! Den alten Professor durchlief ein
Schauder. Es war jene eigenartige Mischung aus Demut und Erregung, wie sie
einen manchmal überkommt, wenn man seine Gedanken intensiv auf das Unendliche
oder Ewige richtet. An diesem Karsamstagabend belagerten 800 000 Lebende und
Tote friedlich die Grenze des Abendlandes. Am nächsten Morgen würde alles
vorbei sein.»
Meine Meinung:
Das Heerlager der Heiligen wurde mir vom Kumpel empfohlen.
Ich habe zuvor noch nie etwas von diesem Titel oder dem französischen Autor des
Buches, Jean Raspail, gehört. Der Originalroman wurde, wenn ich nicht irre, 1973
(in D 1985) veröffentlicht und erlebte in Deutschland erst vor einigen Jahren seine
Premiere im «Director’s Cut», wenn man so will. Zitat von der Homepage des
Verlages:
«in einer neuen, erstmals vollständigen Übersetzung von
Martin Lichtmes»
Martin Lichtmes steuerte dem Roman auch ein informatives
Vorwort bei (2015). Das Heerlager der Heiligen hat mir ausgezeichnet gefallen. Es
hat sich gelohnt, der Empfehlung gefolgt zu sein. Der Roman wurde in der Vergangenheit
kontrovers diskutiert. Vor allem radikale Linke und Zensurbefürworter haben den
Inhalt, falls sie den Roman überhaupt zu Ende gelesen haben, missverstanden und
werfen dem Buch und dem Autor vor, rassistisch zu sein. Angeblich soll der
Roman unter rechtsradikalen viele Fans haben.
Da ich mich in dieser Szene nicht auskenne (bin politisch nicht aktiv), kann ich diese Behauptungen
weder bestätigen noch dementieren. Jean
Raspail war nicht nur Autor, sondern ist in seinem Leben auch viel gereist. Er
nahm an vielen Expeditionen Teil, hat politische und wirtschaftliche Wandlungen
durchgemacht, war eher konservativ und hat auch als Generalkonsul in
Argentinien, Patagonien gearbeitet. Seine Lebenserfahrung kommt in Das
Heerlager der Heiligen, die eine düstere, apokalyptische Dystopie erzählt, authentisch
zur Geltung.
In dem Roman geht es darum, dass Frankreich und der Rest der
westlichen Welt, von einer friedlichen Übernahme aus der dritten Welt, im Roman
Inder, bedroht wird. Und erzählt, wie Frankreich dabei unter geht mit fatalen
Folgen für die restliche Welt. Und beschreibt die Einflussfaktoren, wie es dazu
kommen konnte («Vielleicht ist dies eine Erklärung?»). Eindrücklich ist, dass Jean
Raspail dabei schon viele zukünftige Szenarien, die sich bewahrheiten sollten,
vorneweg nimmt. Jean Raspail als moderner Nostradamus sozusagen. Ich fühlte
mich mehr als nur einmal an Themen erinnert, welche ich z.T. tagtäglich in der
Presse lese. Die Inhalte lassen sich auch auf andere aktuelle politische Themen kritisch ableiten (nicht nur die Integration betreffend).
In meinen Augen ist der Roman nicht rassistisch, sondern vor
allem eine bitterböse Satire und reinste Sozialkritik. Ich musste beim Lesen so
oft Schmunzeln, dass ich aufgehört habe, zu zählen wie oft. Vor allem aus
heutiger Hinsicht (Woke-Wahnsinn, politische Korrektheit, Flüchtlingskrise), in
der teilweise Wohlstandsprobleme herrschen (zumindest in der Schweiz),
bekommt im Roman jeder und jede sein Fett weg: Linke, die Presse/Medien, die (verlogenen) Politiker,
die Kirche, das Militär, Intellektuelle oder der einfache Gutmensch
und Moralapostel.
Dabei wird es treffend beschrieben, wie der 08/15-Mensch und
der einfache Bürger, vor allem auch durch die Beeinflussung der Medien und Politiker,
in gewisse Bahnen gelenkt werden. Würde es ein Remake dieses Stoffes geben,
könnte man noch Social Media und dessen Schattenseiten in den Roman
integrieren. Es zeigt die Doppelmoral, Heuchlerei und Verlogenheit diverser
Gruppierungen ausgezeichnet auf. Wäre der Roman heuer geschrieben worden, hätte
dieser in der Form so nicht veröffentlicht werden können. Zu sehr wird aktuell an
alten Büchern, Serien oder Filmen, zugunsten von Minderheiten und politischer
Korrektheit, die Schere angesetzt und Geschichte und Kultur zensiert oder umgeschrieben. Politisch
bedenklich, wenn man sich erinnert, dass früher auch die Nazis Literatur
verbieten und verbrennen liessen.
Der Roman ist interessant beschrieben und ich empfand die
Handlungen/Inhalte als sehr spannend, fesselnd, sozialkritisch, amüsant/schwarzhumorig/makaber
und abwechslungsreich. Es wird diversen Personengruppen/Figuren von «beiden
Seiten» Platz gegeben, welche den Leser durch den ganzen Roman begleiten. Eine
Spannung ist gegeben: wie geht die düstere Zukunftsvision von Jean Raspail zu
Ende? Mich hat der Roman begeistert. Als Link gibt es auch Themen, die zum Horror-
bzw. Genre-Filme passen: Selbstjustiz, Endzeit-Beschreibungen, «Zombies»,
Action/Menschenjagd, etwas anrüchigen Sex, Ausübung von Macht im negativen Sinne
(à la Die 120 Tage von Sodom), Ekelmomente und viel französischer Nationalstolz
(musste dabei irgendwie auch an Filme wie Delicatessen oder Das grosse Fressen
denken, auch wenn eigentlich unpassend).
Fazit: Lesenswert!
Infos:
In Deutschland erschienen: Ja
Sprache: Deutsch
Verlag: Verlag Antaios
Anzahl Seiten: 416
Roman/Sachbuch: Roman
Art: Gebunden
Autor: Jean Raspail
Erschienen: 4. Auflage 2022 (Original 1973)