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Mittwoch, 29. Januar 2020

School of the Holy Beast Review

Japanuary 2020
School of the Holy Beast

Story:

Maya (Yumi Takigawa) will herausfinden, warum und wie ihre Mutter, zu dem Zeitpunkt Nonne in einem Kloster, starb. Maya begibt sich als Nonne ins Kloster, um recherchieren zu können. Doch was sie dort erlebt, hätte sie nie im Leben für möglich gehalten und bald schon muss auch sie um ihr Leben fürchten…

Meine Meinung:

Das Cover ziert folgenden Spruch: «Dario Argento meets the Marquis de Sade». Und dem kann ich mich anschliessen. School of the Holy Beast ist in meinen Augen der beste, anspruchsvollste, kunstvollste und optisch der interessanteste Nunsploitation-Film aus Japan, der seine Kameraden (Nuns That Bite, Wet & Rope, Sins of Sister Lucia) weit hinter sich lässt.

Der Film erzählt nicht nur eine richtige Story (Rache-Thema mit herrlich fiesem und coolem Ende), sondern führt die Figuren auch gut ein, so dass diese einem nicht egal sind. Der Film ist zwar weitaus harmloser als manch andere seiner Art, dafür wirken gewisse Folter-Szenen auch nie selbstzweckhaft und/oder schockierend.

Im Gegenteil: die wenigen Folter- und Nackt-Szenen wurden extrem kunstvoll, ästhetisch, optisch ansprechend und zuweilen erotisch in Szene gesetzt. Allgemein sind die Kameraarbeit und Kameraeinstellungen sehr kunstvoll gehalten – auch im Zusammenhang mit den Bildern, der Bildsprache, ihrer Symbolträchtigkeit (viele Kreuze, Kerzen etc.) und der Optik (Mal wieder toller Einsatz von Schnee im Finale, welches im japanischen Kino fast immer optisch wunderschön zur Geltung kommt). Arthouse-Kino vom Feinsten!

Die Darsteller machen allesamt eine tolle Figur. Kaum zu glauben, dass Yumi Takigawa dazumal noch ein Rookie war (ihr Schauspiel-Debüt). Sie sieht nicht nur fantastisch aus, sondern sie spielt auch extrem gut. Hut ab. Sie war von der Rolle, dem Inhalt und dem Film jedoch nicht angetan. Sie empfand den Film nicht als Meisterwerk und sie wirkte nie mehr in diesem Genre mit (Infos stammen vom Interview von der US-DVD).

Dennoch waren Kritiker auch von ihr begeistert, da sie Karriere machte. Sie sah man in Filmen wie Karate Bearfighter (mit Sonny Chiba), Karate Bullfighter (mit Sonny Chiba), Virus (von Kinji Fukasaku), The Triple Cross (von Kinji Fukasaku) oder Gonin 2. Norifumi Suzuki, der Regisseur, war hingegen bekannt und von ihm stammt u.a. der legendär berüchtigte Beautiful Girl Hunter. Weitere Filme: Girl Boss Guerilla (Pinky Violence Streifen), Sex & Fury (mit Reiko Ike und Christina Lindberg), The Killing Machine (Sonny Chiba) oder Diamantenauge (mit Henry Sanada und Sonny Chiba).

Fazit: School of the Holy Beast ist provokantes und kritisches (an der Kirche) Arthouse-Kino in Perfektion! Fans des japanischen Erotik-Kinos sollten sich diesen Film nicht entgehen lassen!

Infos:

O: Seijû gakuen

Japan 1974

R: Norifumi Suzuki

D: Yumi Takigawa, Fumio Watanabe, Emiko Yamauchi, Yayoi Watanabe, Ryôko Ema, Harumi Tajima, Yûko Oribe

Laufzeit der US-DVD: 91:17 Min.

Gesehen am: Aug. 2006 / Review überarbeitet am: Jan. 2020

Fassungen: Mir lag die US-DVD von Cult Epics vor = Uncut, sehr gute Bild- und Tonqualität, O-Ton, englische Subs. Als Bonus gibt es diverse Interviews (u.a. mit Hauptdarstellerin Yumi Takigawa). Gäbe in D von rem auf DVD (nur deutsche Subs zum Japanischen Ton). Eine Blu-Ray scheint es nicht zu geben (Stand: Jan. 2020).

Dienstag, 28. Januar 2020

Kichiku Review

Japanuary 2020
Kichiku – Banquet of the Beasts

Story:

Japan in den 60ern:

Die Jugend lehnt sich gegen die Regierung auf. Radikale Studentengruppen entstehen. Als der Anführer einer solchen Gruppierung zu einer einmonatigen Haftstrafe verurteilt wird, gibt er seine Befehlsgewalt seiner Freundin ab. Dies passt nicht jedem in der Gruppe. Ohne starken Anführer und ohne wirkliches Ziel zerfällt die Gruppe mehr und mehr und steuert ihrer Vernichtung entgegen…

Meine Meinung:

Kichiku – Banquet of the Beasts ist ein nicht uninteressanter Film. Als ich den Film früher schaute (so in Jugendjahren, wo ich möglichst viel Krasses und Brutales gucken wollte, Jugendsünden halt), kannte ich viele Hintergrundinfos zum Film nicht. Dies ist schade.

Kichiku – Banquet of the Beasts ist nämlich der erste Film in Spielfilmlänge von Regisseur Kazuyoshi Kumakiri und gleichzeitig sein Abschlussfilm für die Osaka Universität. Mit knapp 20+ Jahren drehte er zusammen mit Freuden diesen Independent-Film. Bis der Film komplett fertig gestellt war, dauerte es insgesamt zwei Jahre.

Der Film wurde in jap. Arthouse-Kreisen zu einem kleinen Hit. Später war der Film auch international erfolgreich (wurde 1998 sogar an der Berlinale aufgeführt in Anwesenheit des Regisseurs). Dies hatte aber auch Schattenseite, so dass der Film in die "Sicko" Ecke japanischer «Splatterfilme» gestellt wurde – z.T. zu Unrecht.

Der z.T. kunstvoll wirkende Film erzählt nämlich eine sozialkritische Botschaft und Regisseur Kazuyoshi Kumakiri liess diverse Einflüsse in sein Projekt einfliessen: er mag Splatterfilme (sein Lieblingsziel ist Blutgericht in Texas), er befand sich zu der Zeit in einer extrem Stresssituation (auch bedingt durch einen früheren Kurzfilm, welchen er drehte), aufgewühlte Emotionen (durch Trennung seiner damaligen Freundin) und durch Interesse an der Geschichte (Demonstrationen der Linken Studenten in den 60ern in Japan und militärische Ereignisse, in welcher Soldaten ihre eigenen Kameraden töten mussten).

Bedingt durch diese Einflüsse liess es Regisseur Kazuyoshi Kumakiri im Film inhaltlich krachen: die Zerstörung der Gruppe wird gegen Ende in einem Gewaltfinale entladen. Der Film, der quasi in mehrere Kapitel unterteilt ist und vor allem Laien als Darsteller bietet, zieht den Zuschauer von Beginn an in einen sonderbaren Strudel aus Gewalt, lähmender Stimmung und diverse Arthouse-Szenen. Dessen entweicht eine nihilistische, hoffnungslose und düstere Grundstimmung à la All Night Long. Vor allem der Soundtrack des Filmes trägt auch viel zur Stimmung und Intensität bei.

Einen "Sicko" per se zu erwarten wäre töricht, da diese Szenen nur das Finale betreffen. In den ersten 39 Minuten werden nur die Figuren vorgestellt, wobei auf grössere Erklärungen verzichtet wird (warum sitzt der Anführer genau in Haft?, warum begeht er Suizid? etc.). Die Authentizität tut dem Film sichtlich gut (Laien statt Darsteller) und ich hätte mir nie im Leben träumen lassen, dass dies eine Studenten-Abschluss-Arbeit ist! Hut ab vor Kazuyoshi Kumakiri.

Die Effekte, die der Film bietet, sind für das Budget auch sehr gut gemacht, die Kameraführung speziell und kunstvoll. Eine Effekte-Szene erinnert an Bad Taste von Peter Jackson. Ich verstehe aber auch jeden, der sich a) durch den Film total gelangweilt fühlt oder b), sich vom Finale und/oder einzelner Szenen angewidert abwendet. Aber genau das war das Interesse von Kazuyoshi Kumakiri: zu provozieren!

Fazit: Wer gerne sonderbare Filme aus Japan schaut und dessen Arthouse-Independent-Kino mag, sollte Kichiku – Banquet of the Beasts sicherlich gesehen haben. Für Mainstream-Fans ist der Film jedoch definitiv nicht geeignet…

Infos:

O: Kichiku dai enkai

Japan 1997

R: Kazuyoshi Kumakiri

D: Shigeru Bokuda, Sumiko Mikami, Shunsuke Sawada, Toshiyuki Sugihara

Laufzeit der US-DVD: 106:53 Min.

Gesehen am: Dez. 2004 / Review überarbeitet am: Jan. 2020

Fassungen: Mir lag die Doppel-DVD aus den USA von Artsmagic vor = Uncut, O-Ton, englische Subs, gute Bild- und Tonqualität. Auf Disc zwei gibt es viel exklusives Bonusmaterial. Davon sind einige Extras sehenswert (u.a. das 20minütige Interview mit Tom Mes und das 30minütige Interview mit Regisseur Kazuyoshi Kumakiri). Es gibt keine deutsche Fassung und keine Blu-Ray (Stand: Jan. 2020). Die DVD aus Holland (Japan Shock) hätte deutsche Subs. Eine Szene ist in allen Fassungen durch digitale Zensur betroffen (weibliche Geschlechtsteile unkenntlich gemacht).

Montag, 27. Januar 2020

Watari, Ninja Boy Review


Japanuary 2020
Watari, Ninja Boy

Story:

Watari (Yoshinobu Kaneko), ein Ninja Junge mit mystischen Kräften, zieht durchs Land und besteht diverse Abenteuer und Kämpfe. Sein Ziel: den bösen Iga Clan und dessen Anführer zur Strecke bringen…

Meine Meinung:

Auf «Watari» wurde ich das erste Mal durch The Magic Sword of Watari aufmerksam. Dieser erinnert jedoch mehr ans Child of Peach statt an die Original-Watari-Geschichte. Watari, Ninja Boy ist nämlich ein japanischer Film von 1966 und eine sehr frühe Toei Comic-Verfilmung. Das Comic kenne ich nicht, so dass ich keine Vergleiche liefern kann.

Watari, Ninja Boy ist durch und durch kindgerechte, solide Toei-Fantasy die ohne Längen kurzweilig zu unterhalten vermag. Trotz einigen Kindern im Film nerven diese nicht. Der Fantasy-Film bietet tolle Settings, schöne Bilder und Hintergründe und genug Fantasy, um den Fantasy-Fan zu überzeugen.

Einzelnen Effekten und Fantasy-Szenen sieht man ihr Alter jedoch definitiv an. Die mir unbekannten Darsteller habe ihre Sache ordentlich gemacht. Etwas Tanz und Gesang gibt es auch wie auch einen coolen «Watari» Song. Regisseur Sadao Funatoko war vor allem im Yakuza, Samurai (Der Shogun und sein Samurai mit Sonny Chiba) und im (S)Exploitation Kino (Journey to Japan mit Christina Lindberg) zu Hause.

Die Action- und Fantasy-Szenen (Kämpfe) sind solide und okay, aber nichts wirklich Spektakuläres. Wo ich mehr erhoffte und mit falschen Erwartungen an den Film ging waren Monster-Szenen à la Kaiju-Produktionen – solche gibt es hier eigentlich nicht.

Einmal ist einer der Gegner als Riese im Bild, dasselbe geschieht mit einer echten Katze – aber es gibt keine mechanischen Effekte und auch keine Gummimonster. Dies sollte man bedenken, damit man vorher nicht mit falschen Erwartungen an den Film geht.

Fazit: Solide Fantasy aus Japan!

Infos:

O: Daininjutsu eiga Watari

Japan 1966

R: Sadao Funatoko

D: Yoshinobu Kaneko, Chiyoko Honma, Fuyukichi Maki

Laufzeit der jap. LD: 86 Min.

Gesehen am: Jan. 2020 / 2. Sichtung (US-Blu): Jan. 2024

Fassungen: Mir lag die jap. LD von Toei vor = Uncut, O-Ton, keine Subs, sehr gute Bild- und Tonqualität. Der Film ist ausserhalb Japans nie veröffentlicht worden (Stand: Jap. 2020). Gäbe es in Japan mind. auch auf DVD. Nachtrag Jan. 2024: die 2. Sichtung erfolgte als neue US-Blu-Ray von Shout Factory (Classic Tokusatsu Collection). Der Film hat eine exzellente Ton- und Bildqualität. Zum O-Ton gibt es englische Subs. Der Film ist Uncut. In der Box sind weitere Filme enthalten. Der Film machte mir mehr Spass als bei der Erstsichtung. Das Comic kenne ich nicht, also kann ich nicht vergleichen. Der Plot ist aber fantasievoll und optisch war der Film oft ein echter Leckerbissen. Die Kämpfe hätten zwar blutiger sein dürfen, aber man kann nicht alles haben. Gegen Ende nehmen die Anzahl Action-Szenen zu. Obwohl die Hauptfigur ein Kind ist,  war es nicht nervend. Teilweise fühlte ich mich an Cat Eyed Boy und das SNES Spiel Gegege no Kitarou: Fukkatsu Tenma Daiou erinnert. Die LD wurde entsorgt/verkauft.