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Donnerstag, 9. Mai 2024

Ermittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhabenen Bürger

Ermittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhabenen Bürger

Story:

Polizist Dottore (Gian Maria Volontè) bekommt eine Beförderung: er wird in ein wichtiges, mit politischen Themen vertrauten, Team aufgenommen.  Dottores Affäre (Florinda Bolkan) witzelt noch, dass er nun zu wichtig sei und sogar mit Mord davonkäme. Gesagt, getan. Dottore bringt seine Affäre um und amüsiert sich, wie seine Partei damit beginnt, Spuren zu verwischen…

Meine Meinung:

Ermittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhabenen Bürger, der sogar für einen Oscar nominiert wurde, ist ein Mix aus Poliziotteschi, Polit-Thriller, Sozialkritik und bitterböser Satire, in der das dazumal Ital. System und alle, die es betraf (Rechte, Linke, Anarchisten, Studenten, Kommunisten, Politiker, Polizei, der hart arbeitende 08/15-Bürger etc.), ihr Fett abbekommen. Der Film beginnt mit dem Mord von Dottore an Florinda Bolk, die danach nur noch in Rückblenden vorkommt (= Motive und Charaktereigenschaften von Dotorre und seiner Affäre werden dem Zuschauer nähergebracht).

Der Film erscheint zunächst ernst, driftet aber, vor allem gegen Ende, mehr und mehr Richtung Satire ab. Vor allem das Finale erinnerte mehr an eine Theateraufführung, als an einen richtigen Film. Das Ganze ist, bis in die kleinsten Nebenrollen, stark gespielt. Der mir unbekannte Gian Maria Volontè trägt den Film fast allein, aber auch die anderen Gesellen machen viel Spass in ihren Rollen. Auch Florinda Bolkan (Nonnen bis aufs Blut gequält, La settima donna, A Man to Respect, Don’t Torture a Duckling) ist, quasi als einzige starke Frauenrolle, eine Wucht. Kein Wunder, war sie im Italo-Kino der 70er Jahre so beliebt. Die Musik steuerten Bruno Nicolai (A Virgin Among the Living Dead) und Ennio Morricone (Wenn Du krepierst - lebe ich) bei. Tolle Wahl und auch tolle Musik im Film.

Ich empfand den Film, auch wenn sehr dialoglastig, als sehr unterhaltsam und erfrischend. Ganz leicht erinnert der Film an den viel ernsteren, aber nicht weniger interessanten Film Gewalt - Die fünfte Macht im Staat, den es, wie Ermittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhabenen Bürger, in Deutschland bislang (leider) auch nur auf VHS zu sehen gibt. Regisseur Elio Petri war mir bisher auch unbekannt. Wenn ich auf seine Filmographie schaue, könnten ggf. noch A Quiet Place in the Country (Zitat aus einem Letterboxd Review: «a haunting psychedelic spiral into madness» mit Franco Nero) sowie The 10th Victim (Artsy sci-fi mit Ursula Andress) interessant sein.

Fazit: Interessant und sehenswert!

Infos:

O: Indagine su un cittadino al di sopra di ogni sospetto

Italien 1970

R: Elio Petri

D: Gian Maria Volontè, Florinda Bolkan, Gianni Santuccio, Orazio Orlando, Sergio Tramonti, Arturo Dominici, Aldo Rendine

Laufzeit der Ital. Blu-Ray: 115:14 Min.

Gesehen am: 20.02.25

Fassungen: Mir lag die Ital. Blu-Ray von Lucky Red vor = 4K Restauration, Uncut, Ital. O-Ton, englische Subs, hervorragende Bild- und Tonqualität. Gibt es in Deutschland nur auf VHS (Stand: Feb. 2024).

Mittwoch, 8. Mai 2024

Massacre at Central High

Massacre at Central High

Story:

David (Derrel Maury) ist der neue Student an der High School. Er trifft dort auf einen alten Freund, Mark (Andrew Stevens), der mit Theresa (Kimberly Beck) zusammen ist. Mark ist mit drei Bullies (u.a. Damon Douglas, Steve Bond, Ray Underwood) befreundet, die die anderen Schüler schikanieren, tyrannisieren und an der Schule das Sagen haben. David soll in den Kreis aufgenommen werden. Doch David setzt sich für die Schwachen und Gemobbten (u.a. Cheryl Smith, Robert Carradine) ein, mit fatalen Folgen…

Meine Meinung:

Massacre at Central High war ein Titel, den ich sicher schon meiner Jugendzeiten kannte. In Deutschland ist der Film nämlich besser bekannt als Massaker in Klasse 13. Und davon gab es eine Red Edition DVD und das Cover-Artwork war mir stets bekannt. Den Film sah ich aber mangels Alternativen nie und die Synapse Vö war die weltweit erste Blu-Ray Vö bzw. erste würdige Fassung zum Film. Daher dauerte es mit der Sichtung ewig.

Der Film stammt von Rene Daalder. Einem Holländer. Massacre at Central High ist sein US-Debüt als Regisseur. Der Film passt gut in die Kerbe mit Filmen wie Class of 1984. Schule, Mobbing, Selbstjustiz, Rache. Weiter zeigt der Film, wie sich Charaktere aber auch zum Schlechten ändern können und von Opfern dann selbst Täter werden. Der Film ist sicher nicht sozialkritisch gemeint, sondern Exploitation-Unterhaltung, aber dennoch kann man das dem Film positiv ankreiden.

Ich mag Themen wie Selbstjustiz und wenn das Pack das bekommt, was es verdient. Es gibt heuer genug Youtube und Co. Videos, in denen «Bullies» gleich ihr Fett abbekommen oder deren Titel und Zusammenstellungen «Instant Karma» lauten. So Dinger machen manchmal Spass. Massacre at Central High nimmt solche (realen) Ereignisse auf Streaming-Plattformen vorneweg. Der Film ist technisch gut gemacht. Nicht übermässig brutal und gegen Ende leider zu repetitiv, aber doch recht unterhaltsam und bietet die Klischees, die man von dieser Art Film erwartet.

Die 1. Hälfte gefiel mir besser: David kommt als neuer Student, bringt Unruhe rein, lässt sich nicht unterordnen und kämpft gegen das System an! Toll! Was am Film interessant ist, sind zwei Tatsachen: die Polizei und/oder Lehrkräfte scheinen in dem Film nicht zu existieren, trotz Unfällen mit Todesfolgen. Die drei Bullies werden gut gespielt. Gut genug, so dass man die Figuren nicht mag und Freude hat den Racheaktionen hat. Derrel Maury macht seine Sache auch ordentlich und fürs Männerherz gibt es auch genug Sleaze- und nackte Haut dank den Schönheiten Kimberly Beck (Friday the 13th: The Final Chapter) und Cheryl Smith (The Incredible Melting Man). Cheryl Smith war sogar im Soft-Sex-Film aktiv (Sex-Musical Cinderella).

Fazit: Fans von Class of 1984 können einen Blick riskieren!

Infos:

O: Massacre at Central High

USA 1976

R: Rene Daalder

D: Derrel Maury, Cheryl Smith, Kimberly Beck, Damon Douglas, Robert Carradine, Steve Bond, Ray Underwood

Laufzeit der US-Blu-Ray: Ca. 88 Min.

Gesehen am: 19.02.24

Fassungen: Mir lag die limitierte US-Blu-Ray von Synapse Films vor = Booklet, Schuber, Steelbook, DVD/Blu-Ray, Region All-Disc, exklusive Extras, Uncut, absolut fantastische Bild- und Tonqualität, die von Synapse Films selbst restauriert und bearbeitet wurde. Es handelte sich um ein jahrelanges Projekt. Gibt es inzwischen in Deutschland Uncut auf Blu-Ray von filmArt (Massaker in Klasse 13).

Dienstag, 7. Mai 2024

Safe

Safe

Story:

In New York wird die junge Chinesin Mei (Catherine Chan) von russischen Gangstern und den Triaden gejagt. Zufällig landet sie in den Armen des Ex-Agenten Luke (Jason Statham), der damit sämtliche Feinde auf sich zieht…

Meine Meinung:

Safe bekam ich vor längerer Zeit vom Kollegen geschenkt. Ein Film, von dem ich sonst nie etwas mitbekommen hätte. Als ich mich vor der Sichtung über den Plot informierte, kam mir dabei der spätere Scott Adkins Film Legacy of Lies in den Sinn. Kein guter Start. Und das schlechte Omen sollte sich bewahrheiten: ich fand Safe, ein US-Actionfilm mit Jason Statham (The Beekeeper), grottenschlecht.

Das fing schon beim wenig originellen Plot an, beim Kind, bei den billigen Klischees, dem Aussehen von Jason Statham mit Penner-Mütze à la Bruce Willis in dem mittelmässigen Death Wish Remake bis hin zu der Tatsache, dass es keine einzige gute Action-Szene im ganzen Film zu bestaunen gibt. Und wenn ein Film nach einer Start-Sequenz mehrfach in Zeitebenen hin- und herspringt, so mag ich das nicht («vor einer Stunde», «vor einem Jahr» etc.).

Am schlimmsten war aber die Kameraführung und das Editing: eine Katastrophe. Ich habe schon innerhalb der ersten 15 Minuten überlegt, abzuschalten. Ungeniessbar. Verwackelt, unübersichtlich, einfach schlecht und billig. Zudem nimmt sich der Film viel zu ernst. Deshalb mag ich solche übertriebene Action-Vehikel wie The Beekeeper lieber: die sind wenigstens lustig, nehmen sich nicht ernst, veralbern sich.

Ausserdem hatte es keine einzige Figur, die mir irgendwie sympathisch war: weder die Bösen Russen noch Chinesen waren überzeugend, das Mädel hat auch eher genervt und selbst Jason Statham wirkte lustlos und unmotiviert. Seine Kameraden, die nach und nach aus dem Hut gezaubert werden (die sind alle hinter der Safe-Kombination her, welche Mei sich, da hochintelligent, gemerkt hat), sind auch bloss 08/15-Fiugren und Kanonenfutter in einem lahmen und nicht inspirierenden Actionfilm mit schlechter Action.

Fazit: Totalausfall!

Infos:

O: Safe

USA 2012

R: Boaz Yakin

D: Jason Statham, Catherine Chan, Robert John Burke, James Hong, Anson Mount, Chris Sarandon, Sándor Técsy

Laufzeit der UK-Blu-Ray: 94:13 Min.

Gesehen am: 19.02.24

Fassungen: Mir lag die UK-Blu-Ray von Momentum Pictures vor = Uncut, sehr gute Bild- und Tonqualität, Schuber, O-Ton und englische Subs vorhanden. Die Fassungen in Deutschland sind auch Uncut (FSK 18 - im Vergleich: in England, zurecht, ab 15 Jahren freigegeben). Die deutsche Ausgabe hat deutsche Subs, aber keine Englischen (Sprachen Deutsch/Englisch, Label: Concorde).