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Sonntag, 12. Januar 2020

Ichi the Killer Review


Japanuary 2020 / Webmaster mit T. Miike am NIFFF 2019
Ichi the Killer

Story:

Jijii (Shinya Tsukamoto) plant die Triaden-Gang um Boss Kakihara (Tadanobu Asano), einem Sadomasochisten, auszuschalten. Kakiharas Boss und Geld verschwinden, der Verdacht auf andere Yakuza-Clans gelenkt, damit sich die Clans gegenseitig misstrauen. Für das Morden und Ausschalten der Gang-Mitglieder schickt Jijii Ichi (Nao Ohmori) ins Rennen, welchen er via Hypnose dazu stimulieren kann, zu morden…

Meine Meinung:

Die Sichtung von Takashi Miikes (The Mole Song: Hong Kong Capriccio) Skandalfilm- und Manga-Verfilmung Ichi the Killer ist extrem lange her. Zehn Jahre, wenn nicht gar mehr (15+ Jahre möglicherweise). Ob mir der Film aktuell noch zusagen würde? Yep, dies tut er, und wie! Ichi the Killer ist noch immer eine, wenn nicht sogar der beste Film von Takashi Miike, der dazumal auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt war (inzwischen dreht er vor allem viele familientaugliche, kommerzielle Manga-Verfilmungen). An solche Erfolge konnte er nie mehr anknüpfen.

Der Film hat die Neusichtung bestanden. Gut gealtert. Der Film macht alles aus, was man dazumal mit Miike in Verbindung brachte. Eine völlig durchgedrehte, comicartig überzeichnete Darstellung von Figurenzeichnung, Gewalt und schwarzem Humor - und die Mischung machts zusammen mit coolen Einfällen und Ideen, optisch ansprechender Kameraführung und Spielereien und einem grossartigen Cast zu einem nahezu perfekten Film.

Die Effekte bestehen aus handgemachten und digitalen Effekten, wobei letztere nicht alle gut gelungen sind (z.B. der halbierte Mann). Auf der anderen Seite handelt es sich um eine Comic-Verfilmung, da muss kein Realismus diesbezüglich erwartet werden und bin ich heute diesbezüglicher (bei Comic-Verfilmungen) offener als früher.

Die Gewalt ist hoch, aber wird durch die comicartige Übertreibung in der Darstellung in ihrer Härte minimiert. Dazu wird bitterböser, schwarzer Humor (auch wenn das die Sittenwächter anders sahen – so ich der Film in D inzwischen verboten) integriert, was die harten Szenen abermals entschärft.

Die Figurenzeichnung gefiel mir ebenso – vor allem natürlich der total durchgeknallt aber auch extrem charismatische Sadomasochist Kakihara, wunderbar verkörpert von Tadanobu Asano, den ich z.T. sonst gar nicht sonderlich mag. Seine Rolle als Kakihara ist mit Sicherheit Tadanobu Asano beste Rolle nebst Gojoe. Aber auch Ichi, Kakiharas Männer (z.B. der Ex-Cop mit der verlorenen Waffe, die zwei Cops am Ende etc.) oder Jijii sind allesamt interessant und sympathisch gezeichnet, wenn auch verrückt und voller interessanter Überraschungen.

Als Fan von Regisseur Shinya Tsukamoto (Tetsuo: The Iron Man) hatte ich natürlich Freude, ihn hier in einer grossen Hauptrolle zusehen. Ihn sehe ich nicht nur gerne hinter, sondern auch vor der Kamera. Jun Kunimura, ein weiteres bekanntes Gesicht des jap. Filmes, ist in einer amüsanten Nebenrolle zu sehen (vor allem seine Reaktion als er Kakiharas abgeschnittene Zunge bekommt). Er überzeugte zuletzt z.B. in The Wailing oder der Netflix-Serie The Naked Director.

Trotz der langen Laufzeit wird nicht vergessen, die Figuren zu entwickeln, eine nicht vorhersehbare Geschichte zu erzählen und am Ende mit der letzten Einstellung offene Fragen für den Zuschauer parat zu haben. Prädikat: jedem Takashi Miike Fan zu empfehlen!

Infos:

O: Koroshiya 1

Japan 2001

R: Takashi Miike

D: Tadanobu Asano, Nao Ohmori, Shinya Tsukamoto, Paulyn Sun, Susumu Terajima, Shun Sugata

Laufzeit der österreichischen DVD: 123:26 Min.

Gesehen am: Vor 2006 / Review überarbeitet: Jan. 2020

Fassungen: Mir lag die 2er Disc DVD aus Österreich von Raptor vor = Uncut, sehr gute Bild- und Tonqualität (wobei Ton arg leise geworden ist), O-Ton, deutsche Subs, auf der 2. Disc viele Extras, Spezialverpackung, die Takashi Miike 2019 am NIFFF persönlich signiert hat. Die Blu-Ray aus den USA (von Well Go USA) wäre ggf. für Fans noch eine (bessere) Alternative, was Bild- und Tonqualität angeht.

Samstag, 11. Januar 2020

Tidal Wave Review


Japanuary 2020
Tidal Wave

Story:

Durch Naturkatastrophen wird Japan sinken und vernichtet werden. Wissenschaftler geben dem Land noch zwei Jahre. Die Politik versucht verzweifelt, Massnahmen zu treffen (z.B. Umsiedlung in andere Länder). Aber externe Politiker tun sich schwer und die Zeit läuft Japan davon…

Meine Meinung:

Tidal Wave hat mir gut gefallen. Die Japaner waren schon immer gut darin, den Weltuntergang (oder das Zerstören von Tokyo bzw. Japan) zu zelebrieren – mit oder ohne Monster (Godzilla, Virus, The Last War, Gorath, Prophecies of Nostradamus). In Tidal Wave sind es Naturkatastrophen, die für Effekte geladene Zerstörungen verantwortlich sind. Das Japan auch im echten Leben ausserhalb der Filmwelt stark gefährdet ist (Erdbeben, Vulkane, Tsunamis) macht den Inhalt nur umso intensiver.

Der Film mit einer stolzen Laufzeit von 140 Minuten nimmt sich für die Figuren, die Handlung, Hintergründe und auch politische Konflikte, die durch die Sachlage entstehen, Zeit. Das heisst, man sollte nicht nur Zerstörungen und Effekte erwarten, sondern auch viel Story und Sitzfleisch mitbringen. Die 140 Minuten wurden sogar auf drei Laserdiscs verteilt, um dem Film gerecht zu werden.

Die Effekte-Szenen gefielen mir natürlich am besten und sind für mich die Highlights des Filmes. Aber auch die politischen Ereignisse, das Verhandeln mit der UNO und was anderen Ländern zu der Idee, Japaner bei sich aufzunehmen, halten, sind interessante Blickwinkel des Filmes. Und diese, zum Teil brisanten Szenen, wurden vor allem im Ausland alle zensiert. Am meisten Effekte gibt es auf der zweiten Disc zu sehen.

Die Darsteller, mir unbekannt, haben einen guten Job gemacht. Somit kann ich Tidal Wave, eine Big-Budget Toho Produktion, allen Fans des klassischen, japanischen Kinos zu empfehlen!

PS: Erfuhr 2006 ein Remake (Sinking of Japan).

Infos:

O: Nippon chinbotsu

Japan 1973

R: Shirô Moritani

D: Hiroshi Fujioka, Lorne Greene, Yûzô Hayakawa, Rhonda Leigh Hopkins, Andrew Hughes, Ayumi Ishida

Laufzeit der jap. LD: Ca. 140 Min.

Gesehen am: Jan. 2020

Fassungen: Mir lag die jap. Laserdisc von Toho vor = Film auf drei Discs, sehr gute Bild- und Tonqualität, O-Ton (90% Japanisch, 10% Englisch), keine englischen Subs. Gäbe es in Japan auch auf DVD und Blu-Ray. Nur in Japan Uncut – alle Fassungen ausserhalb sind stark zensiert und daher nicht zu empfehlen (betrifft auch die Fassungen in Deutschland).

Freitag, 10. Januar 2020

Maria’s Stomach Review

Japanuary 2020
Maria’s Stomach

Story:

Ein fleischfressendes Monster haust auf Sipang Island. Office Frauen unter der Führung von Akiko (Haruko Sagara) kommen dem Geheimnis auf die Spur: das Monster hat mit dem Verschwinden von Maria und ihrem Ehemann Ejima zu tun, die vor einem Jahr auf ihrem Urlaub in Sipang bei einem Unfall starben…

Meine Meinung:

Maria’s Stomach kam in Thomas Weisser Buch «Japanese Cinema Encyclopedia (Horror – Fantasy – Science Fiction) gut weg, daher der Kauf. Leider hat mir der Film gar nicht gefallen und dem Review von Thomas Weisser wird der Film nicht gerecht. Ich habe in letzter Zeit selten einen so schwachen Film aus Japan gesehen.

Der Film ist einfach nur eins: absolut höhepunktarm, desinteressant, nicht fesselnd, lahm, nervend (der Humor – es handelt sich mehr um eine schwarze Komödie als um echten Horror) und stinklangweilig. Ich musste spulen, da so gut wie nichts passiert.

Nur am Ende gibt es 1-2 Effekte-Szenen, die okay sind – aber das ist viel zu wenig, um zu überzeugen! Die Figuren, leider davon auch Ejima, spielten schlecht und sein Overacting hat sehr genervt. Lahmes Schauspiel. Nur Haruko Sagara war solide. Der Geist (oder Monster oder Zombie) als adipöse, mysteriöse und menschenfressen Gestalt hat an den australischen Film Feed erinnert – nur dort mit deutlich besserem Ergebnis.

Alles in allem wirkt der Film auch sehr billig – egal ob Musik, Schauspielleistung, Settings oder Kameraführung (nichts Spezielles). Maria’s Stomach war im übrigen das Regie-Debüt von Hideyuki Hirayama, dessen bekanntester Film in seiner Filmographie wohl Samurai Resurrection (2003) sein dürfte.

Fazit: Maria’s Stomach ist absolute Zeitverschwendung und nicht zu empfehlen!

Infos:

O: Maria no ibukuro

Japan 1990

R: Hideyuki Hirayama

D: Haruko Sagara, Akira Emoto, Bunjaku Han, Makoto Otake

Laufzeit der jap. DVD: Ca. 100 Min.

Gesehen am: Jan. 2020

Fassungen: Mir lag die DVD aus Japan von Pioneer vor = Uncut, gute Bildqualität (nicht anamorph), O-Ton, keine Subs. Ausserhalb Japans nie veröffentlicht worden (Stand: Jan. 2020).