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Samstag, 6. Juni 2020

Heaven and Hell Review

Heaven and Hell

Story:

Sechs unschuldige Seelen (Lin Chen-Chi, Sun Chien, Phillip Kwok Chun-Fung, Bruce Tong Yim-Chaan, Lo Meng, Lee I Min) bekommen die Chance, aus der Hölle zu flüchten und wiedergeboren zu werden. Der Weg aus den diversen Höllen ist jedoch schwierig und gefährlich…

Meine Meinung:

Nach Jigoku (1960) bzw. dessen 1979er Remake (The Inferno) folgte Chang Cheh dem Ruf des «Höllen-Erfolges» und packte die Hölle als Setting in seinen fantasievollen, neusten Venom-Film: Heaven and Hell war geboren!

Der zunächst sehr episodenhaft wirkende Film erzählt eine leicht wirre Story, die zunächst im Himmel beginnt (und nur in diesen wenigen Szenen kommt David Chiang vor). Er flieht aus dem Himmel mit seiner Geliebten. Auf der Erde werden sie dann wiedergeboren – als Alexander Fu Sheng, der zusammen mit seiner Real-Life Frau Jenny Tseng, eine in Asien sehr bekannten Sängerin, aufwartet.

Auch Alexander Fu Sheng (Friends) und seine Jenny bekommen nur wenige Szenen spendiert – immerhin mehr als Davie Chiang (Die Todeskralle des roten Phoenix) aber noch immer: sie spielen nur kurze Nebenrollen und haben mit dem Hauptplot nichts zu tun. Dasselbe gilt für Stars wie: Dick Wei (The Owl vs Bombo), Robert Tai (Ninja – The Final Duel), Johnny Wang Lung-Wei (The New Legend of Shaolin), Lau Kar-Wing (The Odd Couple) und Kara Hui (The Vengeance of Six Dragon).

Dem sollte man sich bewusst sein. Ich habe Heaven and Hell bereits früher 1x gesehen – die Sichtung ist aber so lange her, dass mir dieser Umstand nicht mehr bewusst war, zumal Alexander Fu Sheng und seine Jenny auch etliche Cover-Artworks zieren, als ob sie die Hauptrollen innehätten. Ich sage dies nur, um falsche Erwartungen vorzubeugen – denn nach meiner aktuellen Sichtung war ich, zumindest in der Hinsicht, leicht enttäuscht. Dafür ist das Liebespaar mehrfach am Singen – was zu den kitschigen Sets passt (ich meine das sogar positiv).

Vielmehr ist Heaven and Hell ein Venom-Film im Höllen-Setting. Dies macht Heaven and Hell aus. Der Film punktet dann auch durch die Höllenszenen und die Darstellung verschiedenster Höllen. Im Gegensatz zu anderen Filmen dieser Art und Weise (The Secret Mirror from the Hell und Co.) geht es im Film von Chang Cheh (The Nine Demons) harmloser und teilweise auch lustiger zu. Der Film ist unterhaltsam und jedem Venom-Fan zu empfehlen.

Allerdings sind auch die Action-Szenen nüchtern betrachtet, trotz Choreographie von Robert Tai und Venom Lu Feng, nicht wirklich spektakulär. Da sind andere Venom-Filme um Welten spektakulärer, was deren Actionszenen angehen (z.B. Crippled Avengers, The Rebel Intruders…). Man kann Heaven and Hell gut weckgucken, aber in Sachen Action gibt es hier nichts Neues zu sehen und man darf sogar leicht enttäuscht sein. Von den Venoms darf man mehr erwarten…

Der Film lohnt sich natürlich trotzdem, denn schlecht ist Heaven and Hell nicht. Durch den wechselhaften Beginn abwechslungsreich, die Höhepunkte in den Höllenszenen widerspiegelnd (Settings, Effekte, Kostüme) macht Heaven and Hell eins: Spass und bietet eine gute, solide Unterhaltung! PS: Lin Chen-Chi, sie spielt «Red Dress», fand ich relativ sexy und es ist ungewohnt, in einem Chang Cheh Film eine Frau in einer der Hauptrollen zu sehen! Sie hat ihren Job gut gemacht – schade, dass sie nicht in mehr Filmen mitwirkte. Eine ihrer besten Rollen hatte sie in Tsui Harks Dangerous Encounter - 1st Kind. Ansonsten spielte sie davor vor allem in Shaw Brothers Filmen mit…

Infos:

O: Di San Lei Da Dou

HK 1980

R: Chang Cheh

D: Lin Chen-Chi, Sun Chien, Phillip Kwok Chun-Fung, Bruce Tong Yim-Chaan, Lo Meng, Lee I Min, Dick Wei, Robert Tai, Lu Feng, Alexander Fu Sheng, Jenny Tseng, Johnny Wang Lung-Wei, Lau Kar-Wing, Kara Hui, David Chiang, Yang Chi-Ching, Jenny Tseng

Laufzeit der US-DVD: Ca. 92 Min.

Gesehen am: Vor 2006 / Review überarbeitet am: 24.04.20

Fassungen: Mir lag die US-DVD von Image Entertainment vor = Uncut, O-Ton, englische Subs, sehr gute Bild- und Tonqualität. Es gibt keine deutsche Fassung (Stand: April 2020).

Freitag, 5. Juni 2020

Kuan - Der unerbittliche Rächer Review



Kuan - Der unerbittliche Rächer

Story:

Guan Yu Lou (Ti Lung) wird von Feng Kai Shan (Ku Feng) und Co. (u.a. Yang Chi-Ching) bzw. in dessen Auftrag getötet. Grund: Feng Kai Shan und Guan Yu Lous Frau haben ein Verhältnis. Als Guan Yu Lous Bruder Guan Xiao Lou (David Chiang) davon erfährt, plant er den Tod seines Bruders zu rächen…

Meine Meinung:

Als ich Vengeance! sah, so der englische Titel des Filmes, war ich noch deutlich jünger und kannte mich in Sachen Shaw Brothers kaum aus. Dies muss während meiner obligatorischen Schulzeit (7.-10. Klasse) oder spätestens während der 1. Ausbildung gewesen sein, da MIB DVD. Ich wusste kaum mehr etwas über den Film. Das einzige, was mir blieb was die weisse Kleidung, die David Chiang im Finale trug (und dessen weiss sich mit der Zeit blutrot färbt) – ansonsten wusste ich nichts mehr.

Diese Neusichtung war aktuell also so was wie eine Erstsichtung und mir hat Kuan - Der unerbittliche Rächer ausserordentlich gut gefallen. Ein Meisterwerk und Klassiker von Chang Cheh auf einem seiner vielen Karrierehöhepunkten. Der Film bietet alles, was einen guten Chang Cheh ausmacht. Einmal mehr wird auch deutlich, von wem der spätere Regisseur John Woo sein Handwerk gelernt hat – nämlich von seinem Mentor Chang Cheh. Die Merkmalte späterer John Woo Filme finden sich zuhauf auch in Kuan - Der unerbittliche Rächer wieder.

Rachegeschichten gehen immer und diese Rache ist blutrot, voller Emotionen, Gefühlen, Power und Dramatik. Sogar ein weiblicher Charakter bekommt mehr Tiefe und eine dramatische Rolle zugespielt – eine Seltenheit in einem Chang Cheh Film. Ti Lung (Return of the Sentimental Swordsman, Perils of the Sentimental Swordsman) und David Chiang (Sword with the Windbell, From Here to Prosperity) brillieren in dem Film als Bruderpaar. Die Sterbeszene von Ti Lung ist der Wahnsinn und Extraklasse – intensiv, toll gefilmt und choreographiert (da kam schon Der Pirat von Shantung Qualität auf) und einfach grausam herrlich anzusehen.

David Chiang war eine Wucht. Extrem cool und lässig, wie er agiert. Wird vom Zuschauer als Art rächender Antiheld sofort ins Herz geschlossen. Auf der Seite der Bösewichte sehen wir bekannte Gesichter wie Ku Feng (The Dignified Killers, Vier Schlitzaugen rechnen ab) und Yang Chi-Ching (Finger of Doom, Queen Hustler). In Nebenrollen als Leibwächter und Gangster der Bosse sind zu sehen:

Wong Chung (kämpft gegen David Chiang in der Toilette und wird später erhängt), Yuen Woo-Ping (der zusammen mit Fung Hak-On als einer von drei Gangstern überlebt), Chen Kuan-Tai (Leibwächter nach der Lift-Szene, der von David Chiang erstochen wird), Jason Pai Piao (einer der Leibwächter im Finalkampf) und Wong Ching (Dito). In einer Nebenrolle als Sniper und Profikiller brilliert ein schweigsamer Chan Sing (I Want to Be a Good Person, Underground Wife, Bruce Lee the Invincible, Who Knows About Me), der sich im Finale auch noch einen kurzen Kampf mit David Chiang bieten darf.

Die Action-Szenen sind stark choreographiert. Es wird viel mit Rückblenden, Zeitlupen, Emotionen und roter Farbe gearbeitet. Die Kampfszenen, in denen zu 95% mit Messern gekämpft und getötet wird, sind unglaublich blutig geraten. Heroic Bloodshed Motive vom Godfather des Kung Fu – Chang Cheh! Ein absolut sehenswerter Film und Klassiker der Shaw Brothers! Absoluter Must See Titel!

Infos:

O: Bao Chou

HK 1970

R: Chang Cheh

D: David Chiang, Ti Lung, Ku Feng, Yang Chi-Ching, Wang Ping, Alice Au Yin-Ching, Chan Sing, Wong Chung, Yuen Woo-Ping, Chen Kuan-Tai, Wong Ching, Jason Pai Piao, Fung Hak-On

Laufzeit der deutschen DVD: 98:14 Min.

Gesehen am: Vor 2006 / Review überarbeitet am: 24.04.20

Fassungen: Mir lag die deutsche DVD von MIB vor = Uncut, O-Ton, englische Subs, sehr gute Bild- und Tonqualität. Von WVG in D auch auf Blu-Ray erschienen. Nachtrag Okt. 2024: Neusichtung als US-Blu-Ray von Shout Factory: Meisterwerk von Chang Cheh, in welchem Lead David Chiang definitiv als sein neuster Super-Star auserkoren wurde. Der Film war ein grosser Erfolg. An den Asian Film Awards gewann David Chiang für seine Rolle den Preis als bester Darsteller und Chang Cheh den Preis als bester Regisseur. Der Film ist ein Genuss. David Chiang spielt den Helden stark. Ti Lung ist in einer kleinen Nebenrolle zu sehen. Seine Rolle ist von grosser Wichtigkeit für den Verlauf des Plots. Auch er agiert stark. Als Bösewichte sind u.a. Yang Chi-Ching, Ku Feng sowie Chan Sing zu sehen. Viele spätere Stars sind in Mini-Rollen zu sehen (Cliff Lok, Wang Chung, Yuen Woo-Ping, Chen Kuan-Tai, Jason Pai Piao, Fung Hak-On). Optisch ist der Film wunderschön gefilmt und die Kampfszenen, es wird nur mit Messern gekämpft und getötet, schön blutig inszeniert. Auf Dramatik wird dabei auch nicht verzichtet. Die US-Blu-Ray wartet mit einem ca. 42minütigem Extra auf (Retribution Shaw-Style – Academic Luke White, Author Of Legacies Of The Drunken Master: Politics Of The Body In Hong Kong Kung Fu Comedy Films Provides An Insightful Look Back At The Politics And Plasma-Spillage Of Vengeance). Das war nicht uninteressant. Der Mann weiss wovon er spricht. Am Anfang spricht er über die Geschichte der Shaw Brothers Studios, David Chiang und Chang Cheh (allgemein), ehe er sich auf den Film bezieht. Das ist zwar noch immer nicht uninteressant, aber teilweise sind es halt auch nur Hypothesen und Vermutungen, die Luke White aufstellt. Dennoch gingen diese 42 Minuten schnell vorbei. Sehenswert! Daneben bietet die US-Blu-Ray einen Audiokommentar, zwei Trailer (Original und Celestial), O-Ton und englische Subs, die Uncut-Fassung und eine hervorragende Bild- und Tonqualität. Der Film befindet sich in der The Ti Lung / David Chiang Collection = mehrere Filme enthalten. 

Donnerstag, 4. Juni 2020

Hero Review

Hero

Story:

Ma Wing Ching (Takeshi Kaneshiro) und Co. (Yuen Wah) reisen nach Shanghai. Dort treffen sie auf den mächtigen Tam See (Yuen Biao). Ma Wing Ching ist fasziniert von Tam See und plant, die «vom Kellner zum Millionär» Leiter aufzusteigen. Dies gelingt – doch die böse Axt-Gang unter der Führung von Yang Shuang (Yuen Tak) plant bereits ein Mordkomplott gegen Ma Wing Ching und Tam See…

Meine Meinung:

1985 war es mit den Kinoproduktionen seitens der Shaw Brothers vorbei. Man schloss die Tore. Die Stars waren danach bei der Konkurrenz, die immer grösser wurden (Golden Harvest) zu sehen und/oder in kleinen, unabhängigen HK- oder Taiwan Produktionen. Die Shaw Brothers konzentrierten sich nun aufs TV-Geschäft. Es folgten aber hier und da neue Kinofilme, auch wenn selten und deutlich später.

1997 folgte mit Hero (nicht zu verwechseln mit dem stinklangweiligen und öden Jet Li Film von 2002) eine neue Shaw Brothers Kino-Produktion, die gleichzeitig ein Remake des Chang Cheh Klassikers Der Pirat von Shantung aka Boxer from Shantung darstellt. Es gab so viele Filme dieser Art, dass mir dessen Inhalt aktuell wenig Originalität bietet. Da sind mit typische Schüler-Meister-Rache Inhalte lieber.

Das Remake, welches natürlich die Qualität des Originals nicht erreicht, ist dennoch und vor allem wenn man das Herstellungsjahr 1997 (Rückgabe Hong Kong an China), per se kein schlechter Film. Aber es ist auch nicht alles gelungen: es gibt einige humoristische Szenen, die nicht zum Film und Setting passen. Yuen Wah (The Big Deal, Eastern Condors, Spooky, Spooky, Kung Fu vs. Acrobatic, Killer Constable, Master Z: The Ip Man Legacy) als Sidekick und ohne Action-Szene war ein schwachsinniger Entscheid = Massives verschwenden von Potenzial!

Desweitern gibt es, trotz kurzer Laufzeit, Längen. Vor allem vor dem Finale. Die Musik empfand ich stellenweise als sehr billig und Lead Takeshi Kaneshiro (Don't Give a Damn, Wu Xia, Dr. Wai in the Scriptures with No Words, The Crossing 2) war hier und da zu arrogant und im Finale hätte ich mir mehr Martial Arts gewünscht – dies war mir zu Schusswaffen lastig.

Hört sich jetzt schlechter an, als es ist. Es gibt nämlich auch richtige gute Momente im Film: das Haupt-Theme des Filmes (z.B. aus dem Vorspann) war cool und ich hätte es gerne mehr gehört. Dank Corey Yuen (Above the Law, In the Blood, Heroes of Shaolin) als Regisseur und Action-Regisseur (und Nebenrolle) in Zusammenarbeit mit Yuen Tak (The Master, Women on the Run, Kid from Kwangtung, Demon of the Lute), der gleichzeitig den fiesen Bösewicht spielt, sind auch die Action-Szenen stark geworden.

Davon hätte es von mir aus gerne mehr geben dürfen, vor allem von Yuen Tak als Bösewicht hätte ich gerne mehr gesehen. Sein Endkampf gegen Takeshi Kaneshiro und Yuen Biao war klasse – intensiv, hart, blutig aber leider zu kurz. Da hätte wir noch das letzte positive Stückchen des Filmes: Yuen Biao (Dreadnaught, The Young Master, Fist of Fury, Magnificent Butcher)! Ihn sehe ich so oder so sehr gerne. Sympathischer Schauspieler und Kollege von Yuen Wah, Jackie Chan und Sammo Hung. Dass er die Hauptrolle nebst Takeshi Kaneshiro war ein grosses Plus und er macht in seinen Kampfszenen sowohl schauspielerisch alles richtig.

Fazit: Mit Abstrichen sehenswertes und unterhaltsames Remake der Shaw Brothers – für 1997 eine willkommene Abwechslung, die nostalgischen Gefühle im Zuschauer wecken und an die guten, alten (Hong Konger) Filmzeiten erinnert!

Infos:

O: Ma Wing Jing

HK 1997

R: Corey Yuen

D: Yuen Biao, Takeshi Kaneshiro, Jessica Hester, Valerie Chow Kar-Ling, Yuen Wah, Yuen Tak, Corey Yuen

Laufzeit der HK-DVD: 88:06 Min.

Gesehen am: März 2006 / Review überarbeitet am: 23.04.20

Fassungen: Mir lag die HK-DVD von IVL/Celestial vor = sehr gute Bild- und Tonqualität, O-Ton und englische Subs vorhanden. Nur die «Kopf ab» Szene ist alternativ verändert. Die Uncut Szene gibt’s nur in den Fassungen aus Taiwan (VCD, LD) zu sehen. Die deutschen DVDs lohnen wegen den miserablen Cover-Motiven (bestehend aus anderen Filmen) nicht.