Dieses Blog durchsuchen

Freitag, 5. Juni 2020

Kuan - Der unerbittliche Rächer Review



Kuan - Der unerbittliche Rächer

Story:

Guan Yu Lou (Ti Lung) wird von Feng Kai Shan (Ku Feng) und Co. (u.a. Yang Chi-Ching) bzw. in dessen Auftrag getötet. Grund: Feng Kai Shan und Guan Yu Lous Frau haben ein Verhältnis. Als Guan Yu Lous Bruder Guan Xiao Lou (David Chiang) davon erfährt, plant er den Tod seines Bruders zu rächen…

Meine Meinung:

Als ich Vengeance! sah, so der englische Titel des Filmes, war ich noch deutlich jünger und kannte mich in Sachen Shaw Brothers kaum aus. Dies muss während meiner obligatorischen Schulzeit (7.-10. Klasse) oder spätestens während der 1. Ausbildung gewesen sein, da MIB DVD. Ich wusste kaum mehr etwas über den Film. Das einzige, was mir blieb was die weisse Kleidung, die David Chiang im Finale trug (und dessen weiss sich mit der Zeit blutrot färbt) – ansonsten wusste ich nichts mehr.

Diese Neusichtung war aktuell also so was wie eine Erstsichtung und mir hat Kuan - Der unerbittliche Rächer ausserordentlich gut gefallen. Ein Meisterwerk und Klassiker von Chang Cheh auf einem seiner vielen Karrierehöhepunkten. Der Film bietet alles, was einen guten Chang Cheh ausmacht. Einmal mehr wird auch deutlich, von wem der spätere Regisseur John Woo sein Handwerk gelernt hat – nämlich von seinem Mentor Chang Cheh. Die Merkmalte späterer John Woo Filme finden sich zuhauf auch in Kuan - Der unerbittliche Rächer wieder.

Rachegeschichten gehen immer und diese Rache ist blutrot, voller Emotionen, Gefühlen, Power und Dramatik. Sogar ein weiblicher Charakter bekommt mehr Tiefe und eine dramatische Rolle zugespielt – eine Seltenheit in einem Chang Cheh Film. Ti Lung (Return of the Sentimental Swordsman, Perils of the Sentimental Swordsman) und David Chiang (Sword with the Windbell, From Here to Prosperity) brillieren in dem Film als Bruderpaar. Die Sterbeszene von Ti Lung ist der Wahnsinn und Extraklasse – intensiv, toll gefilmt und choreographiert (da kam schon Der Pirat von Shantung Qualität auf) und einfach grausam herrlich anzusehen.

David Chiang war eine Wucht. Extrem cool und lässig, wie er agiert. Wird vom Zuschauer als Art rächender Antiheld sofort ins Herz geschlossen. Auf der Seite der Bösewichte sehen wir bekannte Gesichter wie Ku Feng (The Dignified Killers, Vier Schlitzaugen rechnen ab) und Yang Chi-Ching (Finger of Doom, Queen Hustler). In Nebenrollen als Leibwächter und Gangster der Bosse sind zu sehen:

Wong Chung (kämpft gegen David Chiang in der Toilette und wird später erhängt), Yuen Woo-Ping (der zusammen mit Fung Hak-On als einer von drei Gangstern überlebt), Chen Kuan-Tai (Leibwächter nach der Lift-Szene, der von David Chiang erstochen wird), Jason Pai Piao (einer der Leibwächter im Finalkampf) und Wong Ching (Dito). In einer Nebenrolle als Sniper und Profikiller brilliert ein schweigsamer Chan Sing (I Want to Be a Good Person, Underground Wife, Bruce Lee the Invincible, Who Knows About Me), der sich im Finale auch noch einen kurzen Kampf mit David Chiang bieten darf.

Die Action-Szenen sind stark choreographiert. Es wird viel mit Rückblenden, Zeitlupen, Emotionen und roter Farbe gearbeitet. Die Kampfszenen, in denen zu 95% mit Messern gekämpft und getötet wird, sind unglaublich blutig geraten. Heroic Bloodshed Motive vom Godfather des Kung Fu – Chang Cheh! Ein absolut sehenswerter Film und Klassiker der Shaw Brothers! Absoluter Must See Titel!

Infos:

O: Bao Chou

HK 1970

R: Chang Cheh

D: David Chiang, Ti Lung, Ku Feng, Yang Chi-Ching, Wang Ping, Alice Au Yin-Ching, Chan Sing, Wong Chung, Yuen Woo-Ping, Chen Kuan-Tai, Wong Ching, Jason Pai Piao, Fung Hak-On

Laufzeit der deutschen DVD: 98:14 Min.

Gesehen am: Vor 2006 / Review überarbeitet am: 24.04.20

Fassungen: Mir lag die deutsche DVD von MIB vor = Uncut, O-Ton, englische Subs, sehr gute Bild- und Tonqualität. Von WVG in D auch auf Blu-Ray erschienen. Nachtrag Okt. 2024: Neusichtung als US-Blu-Ray von Shout Factory: Meisterwerk von Chang Cheh, in welchem Lead David Chiang definitiv als sein neuster Super-Star auserkoren wurde. Der Film war ein grosser Erfolg. An den Asian Film Awards gewann David Chiang für seine Rolle den Preis als bester Darsteller und Chang Cheh den Preis als bester Regisseur. Der Film ist ein Genuss. David Chiang spielt den Helden stark. Ti Lung ist in einer kleinen Nebenrolle zu sehen. Seine Rolle ist von grosser Wichtigkeit für den Verlauf des Plots. Auch er agiert stark. Als Bösewichte sind u.a. Yang Chi-Ching, Ku Feng sowie Chan Sing zu sehen. Viele spätere Stars sind in Mini-Rollen zu sehen (Cliff Lok, Wang Chung, Yuen Woo-Ping, Chen Kuan-Tai, Jason Pai Piao, Fung Hak-On). Optisch ist der Film wunderschön gefilmt und die Kampfszenen, es wird nur mit Messern gekämpft und getötet, schön blutig inszeniert. Auf Dramatik wird dabei auch nicht verzichtet. Die US-Blu-Ray wartet mit einem ca. 42minütigem Extra auf (Retribution Shaw-Style – Academic Luke White, Author Of Legacies Of The Drunken Master: Politics Of The Body In Hong Kong Kung Fu Comedy Films Provides An Insightful Look Back At The Politics And Plasma-Spillage Of Vengeance). Das war nicht uninteressant. Der Mann weiss wovon er spricht. Am Anfang spricht er über die Geschichte der Shaw Brothers Studios, David Chiang und Chang Cheh (allgemein), ehe er sich auf den Film bezieht. Das ist zwar noch immer nicht uninteressant, aber teilweise sind es halt auch nur Hypothesen und Vermutungen, die Luke White aufstellt. Dennoch gingen diese 42 Minuten schnell vorbei. Sehenswert! Daneben bietet die US-Blu-Ray einen Audiokommentar, zwei Trailer (Original und Celestial), O-Ton und englische Subs, die Uncut-Fassung und eine hervorragende Bild- und Tonqualität. Der Film befindet sich in der The Ti Lung / David Chiang Collection = mehrere Filme enthalten. 

Donnerstag, 4. Juni 2020

Hero Review

Hero

Story:

Ma Wing Ching (Takeshi Kaneshiro) und Co. (Yuen Wah) reisen nach Shanghai. Dort treffen sie auf den mächtigen Tam See (Yuen Biao). Ma Wing Ching ist fasziniert von Tam See und plant, die «vom Kellner zum Millionär» Leiter aufzusteigen. Dies gelingt – doch die böse Axt-Gang unter der Führung von Yang Shuang (Yuen Tak) plant bereits ein Mordkomplott gegen Ma Wing Ching und Tam See…

Meine Meinung:

1985 war es mit den Kinoproduktionen seitens der Shaw Brothers vorbei. Man schloss die Tore. Die Stars waren danach bei der Konkurrenz, die immer grösser wurden (Golden Harvest) zu sehen und/oder in kleinen, unabhängigen HK- oder Taiwan Produktionen. Die Shaw Brothers konzentrierten sich nun aufs TV-Geschäft. Es folgten aber hier und da neue Kinofilme, auch wenn selten und deutlich später.

1997 folgte mit Hero (nicht zu verwechseln mit dem stinklangweiligen und öden Jet Li Film von 2002) eine neue Shaw Brothers Kino-Produktion, die gleichzeitig ein Remake des Chang Cheh Klassikers Der Pirat von Shantung aka Boxer from Shantung darstellt. Es gab so viele Filme dieser Art, dass mir dessen Inhalt aktuell wenig Originalität bietet. Da sind mit typische Schüler-Meister-Rache Inhalte lieber.

Das Remake, welches natürlich die Qualität des Originals nicht erreicht, ist dennoch und vor allem wenn man das Herstellungsjahr 1997 (Rückgabe Hong Kong an China), per se kein schlechter Film. Aber es ist auch nicht alles gelungen: es gibt einige humoristische Szenen, die nicht zum Film und Setting passen. Yuen Wah (The Big Deal, Eastern Condors, Spooky, Spooky, Kung Fu vs. Acrobatic, Killer Constable, Master Z: The Ip Man Legacy) als Sidekick und ohne Action-Szene war ein schwachsinniger Entscheid = Massives verschwenden von Potenzial!

Desweitern gibt es, trotz kurzer Laufzeit, Längen. Vor allem vor dem Finale. Die Musik empfand ich stellenweise als sehr billig und Lead Takeshi Kaneshiro (Don't Give a Damn, Wu Xia, Dr. Wai in the Scriptures with No Words, The Crossing 2) war hier und da zu arrogant und im Finale hätte ich mir mehr Martial Arts gewünscht – dies war mir zu Schusswaffen lastig.

Hört sich jetzt schlechter an, als es ist. Es gibt nämlich auch richtige gute Momente im Film: das Haupt-Theme des Filmes (z.B. aus dem Vorspann) war cool und ich hätte es gerne mehr gehört. Dank Corey Yuen (Above the Law, In the Blood, Heroes of Shaolin) als Regisseur und Action-Regisseur (und Nebenrolle) in Zusammenarbeit mit Yuen Tak (The Master, Women on the Run, Kid from Kwangtung, Demon of the Lute), der gleichzeitig den fiesen Bösewicht spielt, sind auch die Action-Szenen stark geworden.

Davon hätte es von mir aus gerne mehr geben dürfen, vor allem von Yuen Tak als Bösewicht hätte ich gerne mehr gesehen. Sein Endkampf gegen Takeshi Kaneshiro und Yuen Biao war klasse – intensiv, hart, blutig aber leider zu kurz. Da hätte wir noch das letzte positive Stückchen des Filmes: Yuen Biao (Dreadnaught, The Young Master, Fist of Fury, Magnificent Butcher)! Ihn sehe ich so oder so sehr gerne. Sympathischer Schauspieler und Kollege von Yuen Wah, Jackie Chan und Sammo Hung. Dass er die Hauptrolle nebst Takeshi Kaneshiro war ein grosses Plus und er macht in seinen Kampfszenen sowohl schauspielerisch alles richtig.

Fazit: Mit Abstrichen sehenswertes und unterhaltsames Remake der Shaw Brothers – für 1997 eine willkommene Abwechslung, die nostalgischen Gefühle im Zuschauer wecken und an die guten, alten (Hong Konger) Filmzeiten erinnert!

Infos:

O: Ma Wing Jing

HK 1997

R: Corey Yuen

D: Yuen Biao, Takeshi Kaneshiro, Jessica Hester, Valerie Chow Kar-Ling, Yuen Wah, Yuen Tak, Corey Yuen

Laufzeit der HK-DVD: 88:06 Min.

Gesehen am: März 2006 / Review überarbeitet am: 23.04.20

Fassungen: Mir lag die HK-DVD von IVL/Celestial vor = sehr gute Bild- und Tonqualität, O-Ton und englische Subs vorhanden. Nur die «Kopf ab» Szene ist alternativ verändert. Die Uncut Szene gibt’s nur in den Fassungen aus Taiwan (VCD, LD) zu sehen. Die deutschen DVDs lohnen wegen den miserablen Cover-Motiven (bestehend aus anderen Filmen) nicht.

Mittwoch, 3. Juni 2020

Corpse Mania Review


Corpse Mania

Story:

Police Chief Zhang (Wang Yong) und Police Chief Liu (Walter Tso Tat-Wah) untersuchen Fälle von Nekrophilie und Mordfällen, in die ein ehemaliger Gefangener (Eric Chan Ga-Kei) und eine Bordell-Besitzerin (Tanny Tien Ni) involviert sein könnten…

Meine Meinung:

Die Shaw Brothers waren wie die Ital. Filmemacher fleissig, wenn es darum ging, ausländische Film-Trends auszumachen und in ihre Filmstudios und Produktionen einfliessen zu lassen. Auf James Bond folgten Film wie Asia-Pol oder Summons to Death, auf King Kong und Co. folgte The Mighty Peking Man, auf die WIP-Welle folgte The Bamboo House of Dolls und auf japanische Filme/Serien à la Kamen Rider folgte The Super Inframan.

Ende der 70er und Anfang der 80er dominierte in Europa der Giallo-Film. Auch auf diesen Zug sprangen die Shaw Brothers mit mind. zwei Film-Beiträgen auf: dem unveröffentlichten The Psychopath (1978) und Corpse Mania, der von Horrorspezialist Kuei Chih-Hung (Misfire, Spirit of the Raped, Die Wilden Engel von Hong Kong, The Criminals 4: Assault) in Szene gesetzt wurde. Bei Corpse Mania handelt es sich um eine kleinere Produktion mit weitaus weniger Budget, Marketing (in Hong King gibt es den Film z.B. gar nicht auf DVD) und unbekannten Stars.

Dennoch überzeugt der Film. Als Fan sollte man sich jedoch auf eine sehr ruhige erste Filmhälfte einstellen. Der Film ist ein Mix aus Krimi, Giallo und Ekelszenen (in Sachen Nekrophilie gibt es in der ersten halben Stunde einige hübsch eklige Highlights zu sehen). In den ersten 30 Minuten passiert nur wenig. Aber nach und nach gewinnt die Kriminalhandlung an Fahrt. Die Story fand ich spannend, die Detektivarbeit ist nett anzusehen und die Stars, unbekannt hin oder her, machten ihren Job sehr solide.

In der 2. Filmhälfte gewinnt der Film mehr und mehr an Fahrt und es folgen dann vermehrt blutige Morde, so dass der Fan in Sachen langsamer Verlauf die ersten 30 Minuten betreffend, entschädigt wird. Optisch ist das ganze düster, stimmungsvoll und schön gefilmt worden. In Fragen wer ist der Killer?, was ist das Motiv?, die Maskerade und mit dem Spiel der Farben erinnert der Film in der Tat ans Ital. Giallo Kino. Stark. Das Ende und die Hinrichtung empfand ich als sehr intensiv = alles richtig gemacht!

Fazit: Für Fans der Shaw Brothers Horrorfilme zu empfehlen!

Infos:

O: Si Yiu

HK 1981

R: Kuei Chih-Hung

D: Tanny Tien Ni, Wong Yung, Yu Tsui-Ling, Walter Tso Tat-Wah, Tai Gwan-Tak

Laufzeit der US-DVD: 81:33 Min.

Gesehen am: k.A. / Review überarbeitet: 23.04.20

Fassungen: Mir lagen die HK VCD von IVL/Celestial und die US-DVD von Image Entertainment vor. Die Neusichtung wurde via DVD gemacht = Uncut, gute Bild- und Tonqualität, O-Ton und englische Subs vorhanden. Es gibt keine Blu-Ray und keine deutsche Fassung (Stand: April 2020). Nachtrag Nov. 2024: Nekrophilie-Giallo der Shaw Brothers von Horrorspezialist Kuei Chih-Hung. Der macht schon richtig viel Spass. Sehenswerte Ekelszenen, tolle Effekte, blutige Morde (im letzten Viertel des Filmes) und zu jeder Zeit wunderschön, atmosphärisch und stimmungsvoll (mit viel Nebel) gefilmt. Stark! Die neue US-Blu-Ray von Vinegar Syndrome lohnt sich (Blu-Ray und UHD). Die Bildqualität ist hervorragend und nebst Booklet gibt es informative und exklusive Extras wie ein Interview mit dem Produzenten des Filmes, mit dem Cinematographer des Filmes und mit dem Sohn von Kuei Chih-Hung. Die Extras waren auch ein Kaufgrund für mich. Dazu gibt es noch ein Video essay von einem Filmhistoriker (für Kenner wohl am wenigsten interessant = nette Zusammenfassung über Kuei Chih-Hung und ein kurzer Einblick in dessen Filme). Der Film ist Uncut und liegt im O-Ton mit englischen Subs vor. Die Blu-Ray ist Region A und die Edition hat einen Schuber. Daneben gibt es noch ein Wendecover.