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Mittwoch, 24. Mai 2023

Salon Kitty

Salon Kitty 

Story:

 

Berlin 1939: SS-Offizier Helmut Wallenberg (Helmut Berger) tauscht die Prostituierten von Kitty Kellermanns (Ingrid Thulin) Bordell mit Agentinnen des Nazi-Regimes aus. Zusätzlich verwanzt er die Räumlichkeiten, um Infos zu erlangen und Druckmittel zu besitzen. Doch als eine Prostituierte (Teresa Ann Savoy) hinter das Geheimnis kommt, planen sie und Kitty, Wallenberg das Handwerk zu legen…

 

Meine Meinung:

 

Zu Ehren des österreichischen Schauspielers Helmut Berger gab es eine Neusichtung von Tinto Brass Epos Salon Kitty, der auf einer wahren Begebenheit beruhen soll. Helmut Berger verstarb am 18. Mai dieses Jahres. Ihm zu Ehren gönnte ich mir eine Neusichtung von Salon Kitty, den ich bisher nur einmal (vor weitaus mehr als zehn Jahren) gesehen habe. Ich wusste nicht einmal mehr, dass Helmut Berger im Film mitwirkt…

 

Wer Tinto Brass andere Filme (Caligula) kennt, weiss, was ihn erwartet: schriller Glanz, Geschmacklosigkeiten, hohen Produktionsstandorts, Provokationen, wunderschöne Sets und Kostüme (von Ken Adam), Overacting, ein Euro-Cult Cast zum Zunge schnalzen. Einzelne Inhalte erinnern dabei an Gestapo's Last Orgy, Love Camp 7, Deported Women of the SS Special Section (aufgrund John Steiner), Private House of the SS-Girls oder Die 120 Tage von Sodom.

 

Im Vergleich ist Salon Kitty jedoch klar aufwändiger (Budget) aber auch harmloser (Gewalt, Effekte, Folterungen). Salon Kitty legt den Inhalt / das Gewicht nicht darauf, mit Gewaltexzessen und Folter zu "unterhalten". Der Film überzeugt durch die Bilder, die Ideen, die Dialoge und das Schauspiel. Helmut Berger, von dem ich nur ganz wenig gesehen habe, u.a. den grandiosen Der Tollwütige oder seine Rolle in Jess Francos Faceless inklusive Gastauftritt in der Kult-Serie Der Alte, ist der grosse Star des Filmes.

 

Jede Szene mit ihn ist ein Genuss! Starke Leistung von ihm! Der bereits kurz erwähnte John Steiner (The .44 Specialist, Tenebrae, Das Verfahren ist eingestellt, vergessen Sie’s!) mochte ich auch. Er hat mich schon in Deported Women of the SS Special Section überzeugt und tut das auch hier: seine Art den fiesen Nazi zu spielen ist sehr charismatisch und bleibt in Erinnerung. Bei den Frauen gibt es viel Schönes zu sehen. Wer mich jedoch nicht sonderlich überzeugt, sondern durch ihr Overacting (und den Englischen Dub, mehr dazu unter Fassungen) sehr nervte, war Ingrid Thulin. Die Puffmutter. Ihre Szenen oder jene ihrer Mitreiter waren mir oft zu schrill, zu tuntig, zu abgedreht. Cabaret mässig. Kein Setting für mich. Solche Szenen störten mich zuletzt schon in Die 120 Tage von Sodom, der jedoch deutlich laienhafter war.

 

Fürs Auge bieten dann die Damen wie Teresa Ann Savoy oder Tina Aumont etwas. Und wer Nazi-Settings mag, wird in dem Film voll auf seine Kosten kommen. Aber mehr in Sachen Kunstform. Ja, in einzelnen Szenen will der Film auch klar schocken, wenn Adolf Hitler mit Jesus vergleichen oder die Nazi-Agentinnen mit Behinderten oder Zwergen in Sachen Erotik ausgebildet werden. Aber die Szenen sind, wie das Schauspiel einiger Beteiligten, zu übertrieben, um wirklich zu schocken. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Laufzeit: mit einer Laufzeit von über zwei Stunden ist der Film dann doch auch zu oft zu lang geraten = es gibt auch lahme Füllszenen und Längen. Negativ wirkt sich der schlechte Englische Dub auf den Film und die Qualität aus. Mehr dazu unter Fassungen…

 

Fazit: Extrem starke Leistung von Helmut Berger! Wer das europäische Sexploitation-Kino der 70er voller Erotik, nackter Tatsachen, Schmuddel und Sleaze mag, wird in Salon Kitty voll auf seine Kosten kommen!

 

Infos:

 

O: Salon Kitty

 

Deutschland, Italien, Frankreich 1976

 

R: Tinto Brass

 

D: Helmut Berger, Ingrid Thulin, Teresa Ann Savoy, John Steiner, Tina Aumont, Dan van Husen

 

Laufzeit der US-DVD: Ca. 133 Min.

 

Neusichtung am: 21.05.23

 

Fassungen: Mir lag die US-DVD von Blue Underground vor = Code Free, Englisch/Ital. mit englischen Subs, Uncut, gute Bild- und Tonqualität. Den englischen Dub fand ich, zuweilen mit dem hysterischen Gekreische im Film, mehrfach nervend, billig und unerträglich. Die deutsche Synchro ist, was ich anhand von Clips gesehen habe, qualitativ die beste Fassung und wertet den Film wohl zusätzlich auf. Mit anderen Worten: die US-DVD wird entsorgt und der Film bekommt in Zukunft in Deutsch nochmal eine Chance (die deutsche Blu-Ray ist auch erstmalig in Deutsch/Ital. mit Subs und Uncut erhältlich).

Dienstag, 23. Mai 2023

The Twelve Fairies

The Twelve Fairies 

Story:

 

King Evil (?) will Buddha töten. Lotus Guard Bai Ma (Shadow Liu Chih-Yu) macht sich auf ihrer Reise, um King Evil zu stoppen, auf die Suche nach den 12 Animals (Cheng Hoi-Yuen, Yang Hsiung, An An, Lin Hsiao-Lu, Siu Huen, Lee Chih-Chi, Liu Chi-Han, Lin Kuang-Yung, Hsu Yu-Ta, Liu Chun, Cheng Tung-Chuen, Pang San), welche sie im Kampf unterstützen sollen…

 

Meine Meinung:

 

The Twelve Fairies ist Chiu Chung-Hings letzter Film, wie es scheint. Zuvor hat Chiu Chung-Hing dem Fan bereits sehenswerte und effektgeladene Fantasy-Action aus Taiwan spendiert. Man denke da nur an Titel wie A Heroic Fight, Hello Dracula, The Child of Peach oder Magic of Spell. Auch an anderen Fantasy-Filmen und/oder normalen Filmen wie Shaolin Drunkard, The Miracle Fighters oder Secret Rivals 3 war er beteiligt. Ab 1990 wurde es dann leider leise um Chiu Chung-Hing.

 

The Twelve Fairies ist im Grossen und Ganzen gut. Es sei aber gesagt, dass der Film klar schlechter als z.B. The Child of Peach plus Fortsetzungen, Kung-Fu Wonder Child oder King of the Children ist. Das liegt daran, dass es weitaus weniger Action/Effekte und vor allem auch weniger Lin Hsiao-Lu (Iceman Cometh, Horrible High Heels, Dragon Kid, The War Dogs, Strange Tales of Ghosts, Haunted House Elf, The Dignified Killers, Wandering Heroes) zu sehen gibt. Das ist ähnlich wie in The Expendables. Wenn sich jemand wie Lin Hsiao-Lu den Film mit elf weiteren Co-Stars plus Shadow Liu Chih-Yu teilt, dann kann sie ja auch nicht nur im Mittelpunkt stehen.

 

Dem Film hätte ich meinen Augen deutlich mehr Action-Szenen gut getan. Davon gibt es im ¼ zu sehen (u.a. auch ein Kämpfe gegen Zombies) und dann eigentlich fast erst im Finale wieder. Und das ist zu wenig. Der Mittelteil wird von Klamauk dominiert und den verschiedenen Tier-Charakteren. Zuweilen verschwindet der von Lin Hsiao-Lus gespielte Charakter auch einfach um erst kurz vor dem Finale wieder aufzutauchen. Die anderen Tier-Figuren sind deutlich weniger interessant und teilweise auch nervend.

 

Nebst Lin Hsiao-Lu sind nur zwei weitere Namen eine Erwähnung wert. Zum einen die damals, wenn ich es richtig gerechnet habe, 12jährige Shadow Liu Chih-Yu, die dazumal vor allem mit den Hello Dracula Filmen grosser Erfolge feierte (Hello Dracula, Hello Dracula 2, Hello Dracula 3, Hello Dracula 4, Hello Dracula 5, Hello Dracula Serie). Sie spielt die Hauptrolle Lotus Guard. Und als Priester (am Anfang des Filmes) ist Venom-Star Lu Feng (Crippled Avengers) in einer Kurzrolle zu sehen.

 

Der Film startet mit einer Zeichentrick-Animation und erinnert dabei hier und da an grössere Vorbilder wie Tom und Jerry sowie Looney Tunes (Road Runner). In der Sequenz wird die Legende der 12 Animals erzählt. Für westliche Zuschauer geht’s doch etwas zu schnell, aber amüsant und origineller Beginn in den Film. Der Humor ist einerseits grenzdebil doof, auf der anderen Seite auch mit Folter oder Nackt-Szenen (Hinterteile) gemixt. Unausgegorener Mix wie die Fans es aus dem Genre nicht anders kennen und manchmal auch mögen. 

 

Die Kostüme, CGI-Effekte, Gimmicks der Kämpfer und Monster-Masken (der Kopf von King Evil erinnerte an das Monster aus Story of Ricky), besonders im Finale, sind cool, fantasievoll, charmant und genau nach meinem Geschmack. In der Szene geht es, für einen "Kinderfilm", hier und da auch recht blutig her und zu, wenn praktisch alle Tier-Charaktere sterben…

 

Fazit: Wer Child of Peach und Co. mochte, sollte die Erwartungen reduzieren. Dann kann The Twelve Fairies auch trotz "zu wenig Lin Hsiao-Lu" Spass machen!

 

Infos:

 

O: Xin Shi Er Sheng Xiao

 

Taiwan 1990

 

R: Chiu Chung-Hing

 

D: Cheng Hoi-Yuen, Yang Hsiung, An An, Lin Hsiao-Lu, Siu Huen, Lee Chih-Chi, Liu Chi-Han, Lin Kuang-Yung, Hsu Yu-Ta, Liu Chun, Cheng Tung-Chuen, Pang San, Lu Feng

 

Laufzeit der HK-LD: Ca. 92 Min.

 

Gesehen am: Feb. 2016 / Neusichtung am: 20.04.23

 

Fassungen: Für die 2. Sichtung lag mir nun erstmals die HK-LD von Mei Ah vor = Mandarin/Canto mit festen englischen und chinesischen Subs, Uncut, sehr gute Bild- und Tonqualität. Als Alternative gibt es vom gleichen Label noch die VCD (welche ich nun verkaufe) und eine LD aus China (vom Mei Ah China Ableger-Label Guangzhou Tung Ah), die wohl 1:1 der HK-LD entsprechen dürfte. Eine DVD, Blu-Ray und/oder deutschsprachige Fassung gibt es nicht (Stand: April 2023).

Montag, 22. Mai 2023

The 36th Chamber of Shaolin




The 36th Chamber of Shaolin 

Story:

 

Chinesische Rebellen und Patrioten (Lau Kar-Wing, Wai Wang, Wong Yu, Norman Tsui) kämpfen gegen die mordlustigen Tataren (u.a. Lo Lieh, Wilson Tong) an. Liu Yu-de (Gordon Liu) flieht verletzt ins Shaolin Kloster, wo er sich zum Rächer ausbilden lässt…

 

Meine Meinung:

 

The 36th Chamber of Shaolin ist ein Klassiker und sicher einer der erfolgreichsten und einflussreichsten Filme der Shaw Brothers, der unzählige Nachahmer und zwei Fortsetzungen zur Folge hatte. Der Film von Liu Chia-Liang (Challenge of the Masters, The Eight Diagram Pole Fighter, My Young Auntie), in dem er auch gleich die Actionszenen in Szene setzte, ist für jeden Shaw Brothers Fan ein Must See Titel!

 

Ich sah den Film seit extrem langer Zeit nicht mehr. Mir sind nun mehr Stars aufgefallen als früher. Gordon Liu (Heroes of the East, Dirty Ho, Fury in Shaolin Temple) wurde danach zum gefeierten Star und auch im Ausland, vor allem in England und den USA, bekannt und beliebt (als "Master Killer"). Bei Fans geht er als Legende durch und auch aus der Popkultur ist er nicht mehr wegzudenken = Einflüsse in der Musikszene, z.B. RZA und sein Wu-Tang Clan = ihr Debütalbum hiess z.B. Enter the Wu-Tang (36 Chambers).

 

Gordon Liu macht seine Sache toll. Fans von ihm kommen voll auf ihre Kosten. In kleineren Nebenrollen sind u.a. Namen wie Lau Kar-Wing (The Odd Couple), Wong Yu (The Young Avenger), Norman Tsui (Blood Ritual), Chan Shen (Five Element Ninjas) oder Drunken Master Star Simon Yuen (Crystal Fist) zu sehen. Nebst Gordon Liu hatte ich am meisten Freude an den Bösewichten im Film: Lo Lieh (The Concrete Jungle) spielt den feindlichen General unglaublich gut und fies. Seine rechte Hand wird gekonnt böse von Wilson Tong (Snake Deadly Act) verkörpert. In den Kampfszenen hat mich zudem Lee Hoi-Sang (Die Schlitzaugen mit dem Superschlag) sehr überzeugt. Seine Trainingskämpfe und Duelle gegen Gordon Liu im letzten Viertel des Filmes waren überragend.

 

Der Film bietet zunächst am Anfang Kämpfe und vor allem im Finale. Zu 90% des Filmes spielt der Film hingegen im Shaolin Kloster. Das lange Training, die diversen Kammern und der Aufstieg zum Rächer sind Inhalte des Filmes. In den Kammern werden diverse Körperpartien gezielt trainiert (Arme, Beine, Kopf…). Ich muss sagen, dass ich genau diese Szenen auf Dauer doch recht repetitiv fand, da halt kein wirkliches Kung Fu zu sehen ist. 

 

Diese Szenen finde ich überbewertet. Es wird besser, wenn es mehr und mehr direkt ums Kung Fu geht, z.B. besagte Duelle zwischen Gordon Liu und Lee Hoi-Sang. Mit einer Laufzeit von fast zwei Stunden, kann der Film genug Inhalte liefern. Die Kampfszenen am Anfang und vor allem Finale sind dann von aller höchster Qualität und absolut sehenswert.

 

Fazit: Klarer Must See Titel für Shaw Brothers Fans oder solche, die es noch werden wollen!

 

Gefolgt von: Die Rückkehr zu den 36 Kammern der Shaolin

 

Infos:

 

O: Shao Lin San Shi Liu Fang

 

HK 1978

 

R: Liu Chia-Liang

 

D: Gordon Liu, Lo Lieh, Wilson Tong, Lau Kar-Wing, Lee Hoi-Sang, Wai Wang, Chan Shen, Simon Yuen, Wong Yu, Norman Tsui

 

Laufzeit der US-DVD: 115:56 Min.

 

Neusichtung am: 20.04.23 / Sichtung der UK-Blu: 03.11.25

 

Fassungen: Mir lag die US-DVD von Dragon Dynasty vor = Uncut, O-Ton, englische Subs, von Gordon Liu signiert (Mai 2011 in Amsterdam), hervorragende Bild- und Tonqualität. Gibt es in Deutschland als Die 36 Kammern der Shaolin von filmArt auf Blu-Ray. In England in einer Shaw Brothers Box (Shaw Scope Volume Two) von Arrow Video auf Blu-Ray zu haben. Nachtrag Nov. 2025: Neu gesehen als UK-Blu-Ray von Arrow Video (Shaw Scope Volume Two): Klassiker von Liu Chia-Liang mit Gordon Liu. Der Film war ein extremer Erfolg (auch in den USA) und machte Gordon Liu zum Star. Ich fand den Film zwar immer leicht überbewertet, aber umso mehr ich den ansehe, umso mehr muss ich anerkennen, dass der aus der Masse herausragt, auch wenn der 2. Teil noch immer mein Liebling der Reihe ist. Gordon Liu, Lo Lieh und Wilson Tong machen ihre Sache ausgezeichnet. Die Bild- und Tonqualität der neuen UK-Disc sind fantastisch. Es gibt sehr viele Extras auf der Disc. Das 1. Interview mit Gordon Liu ist solide. Es zeigt auch, was für ein sympathischer Kerl er ist. Das Interview mit Arthur Wong, dem Kameramann des Filmes, fand ich das beste Extras der Disc (Trailer, Englischer Vorspann, Audiokommentar, Bildergalerie und das Spezial mit Tony Rayns sah ich mir nicht an), vor allem auch, weil er in ausländischen Produktionen mitwirkte (er spricht auch sehr gut Englisch). Sogar Jumping Ash erwähnt er! Dann folgen Archiv-Extras von Celestial (2003) = hier erzählt Gordon Liu ähnliches, wie im anderen Interview von Frédéric Ambroisine. Das Extra über den Einfluss der Shaw Brothers auf die Musikindustrie und Dreck wie Hip Hop sah ich mir nicht an. Hat mich nicht interessiert. Ein ebenfalls 2003 durch Celestial gedrehtes Feature befindet sich auch auf der Disc. Es erzählt vor allem von diversen Shaw Produktionen. Es kommen Stars wie Gordon Liu, Kara Hui oder Liu Chia-Liang zu Wort. Das war noch cool, auch wenn nicht sonderlich viel Neues geboten wird.