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Donnerstag, 4. Juni 2020

Hero Review

Hero

Story:

Ma Wing Ching (Takeshi Kaneshiro) und Co. (Yuen Wah) reisen nach Shanghai. Dort treffen sie auf den mächtigen Tam See (Yuen Biao). Ma Wing Ching ist fasziniert von Tam See und plant, die «vom Kellner zum Millionär» Leiter aufzusteigen. Dies gelingt – doch die böse Axt-Gang unter der Führung von Yang Shuang (Yuen Tak) plant bereits ein Mordkomplott gegen Ma Wing Ching und Tam See…

Meine Meinung:

1985 war es mit den Kinoproduktionen seitens der Shaw Brothers vorbei. Man schloss die Tore. Die Stars waren danach bei der Konkurrenz, die immer grösser wurden (Golden Harvest) zu sehen und/oder in kleinen, unabhängigen HK- oder Taiwan Produktionen. Die Shaw Brothers konzentrierten sich nun aufs TV-Geschäft. Es folgten aber hier und da neue Kinofilme, auch wenn selten und deutlich später.

1997 folgte mit Hero (nicht zu verwechseln mit dem stinklangweiligen und öden Jet Li Film von 2002) eine neue Shaw Brothers Kino-Produktion, die gleichzeitig ein Remake des Chang Cheh Klassikers Der Pirat von Shantung aka Boxer from Shantung darstellt. Es gab so viele Filme dieser Art, dass mir dessen Inhalt aktuell wenig Originalität bietet. Da sind mit typische Schüler-Meister-Rache Inhalte lieber.

Das Remake, welches natürlich die Qualität des Originals nicht erreicht, ist dennoch und vor allem wenn man das Herstellungsjahr 1997 (Rückgabe Hong Kong an China), per se kein schlechter Film. Aber es ist auch nicht alles gelungen: es gibt einige humoristische Szenen, die nicht zum Film und Setting passen. Yuen Wah (The Big Deal, Eastern Condors, Spooky, Spooky, Kung Fu vs. Acrobatic, Killer Constable, Master Z: The Ip Man Legacy) als Sidekick und ohne Action-Szene war ein schwachsinniger Entscheid = Massives verschwenden von Potenzial!

Desweitern gibt es, trotz kurzer Laufzeit, Längen. Vor allem vor dem Finale. Die Musik empfand ich stellenweise als sehr billig und Lead Takeshi Kaneshiro (Don't Give a Damn, Wu Xia, Dr. Wai in the Scriptures with No Words, The Crossing 2) war hier und da zu arrogant und im Finale hätte ich mir mehr Martial Arts gewünscht – dies war mir zu Schusswaffen lastig.

Hört sich jetzt schlechter an, als es ist. Es gibt nämlich auch richtige gute Momente im Film: das Haupt-Theme des Filmes (z.B. aus dem Vorspann) war cool und ich hätte es gerne mehr gehört. Dank Corey Yuen (Above the Law, In the Blood, Heroes of Shaolin) als Regisseur und Action-Regisseur (und Nebenrolle) in Zusammenarbeit mit Yuen Tak (The Master, Women on the Run, Kid from Kwangtung, Demon of the Lute), der gleichzeitig den fiesen Bösewicht spielt, sind auch die Action-Szenen stark geworden.

Davon hätte es von mir aus gerne mehr geben dürfen, vor allem von Yuen Tak als Bösewicht hätte ich gerne mehr gesehen. Sein Endkampf gegen Takeshi Kaneshiro und Yuen Biao war klasse – intensiv, hart, blutig aber leider zu kurz. Da hätte wir noch das letzte positive Stückchen des Filmes: Yuen Biao (Dreadnaught, The Young Master, Fist of Fury, Magnificent Butcher)! Ihn sehe ich so oder so sehr gerne. Sympathischer Schauspieler und Kollege von Yuen Wah, Jackie Chan und Sammo Hung. Dass er die Hauptrolle nebst Takeshi Kaneshiro war ein grosses Plus und er macht in seinen Kampfszenen sowohl schauspielerisch alles richtig.

Fazit: Mit Abstrichen sehenswertes und unterhaltsames Remake der Shaw Brothers – für 1997 eine willkommene Abwechslung, die nostalgischen Gefühle im Zuschauer wecken und an die guten, alten (Hong Konger) Filmzeiten erinnert!

Infos:

O: Ma Wing Jing

HK 1997

R: Corey Yuen

D: Yuen Biao, Takeshi Kaneshiro, Jessica Hester, Valerie Chow Kar-Ling, Yuen Wah, Yuen Tak, Corey Yuen

Laufzeit der HK-DVD: 88:06 Min.

Gesehen am: März 2006 / Review überarbeitet am: 23.04.20

Fassungen: Mir lag die HK-DVD von IVL/Celestial vor = sehr gute Bild- und Tonqualität, O-Ton und englische Subs vorhanden. Nur die «Kopf ab» Szene ist alternativ verändert. Die Uncut Szene gibt’s nur in den Fassungen aus Taiwan (VCD, LD) zu sehen. Die deutschen DVDs lohnen wegen den miserablen Cover-Motiven (bestehend aus anderen Filmen) nicht.

Mittwoch, 3. Juni 2020

Corpse Mania Review


Corpse Mania

Story:

Police Chief Zhang (Wang Yong) und Police Chief Liu (Walter Tso Tat-Wah) untersuchen Fälle von Nekrophilie und Mordfällen, in die ein ehemaliger Gefangener (Eric Chan Ga-Kei) und eine Bordell-Besitzerin (Tanny Tien Ni) involviert sein könnten…

Meine Meinung:

Die Shaw Brothers waren wie die Ital. Filmemacher fleissig, wenn es darum ging, ausländische Film-Trends auszumachen und in ihre Filmstudios und Produktionen einfliessen zu lassen. Auf James Bond folgten Film wie Asia-Pol oder Summons to Death, auf King Kong und Co. folgte The Mighty Peking Man, auf die WIP-Welle folgte The Bamboo House of Dolls und auf japanische Filme/Serien à la Kamen Rider folgte The Super Inframan.

Ende der 70er und Anfang der 80er dominierte in Europa der Giallo-Film. Auch auf diesen Zug sprangen die Shaw Brothers mit mind. zwei Film-Beiträgen auf: dem unveröffentlichten The Psychopath (1978) und Corpse Mania, der von Horrorspezialist Kuei Chih-Hung (Misfire, Spirit of the Raped, Die Wilden Engel von Hong Kong, The Criminals 4: Assault) in Szene gesetzt wurde. Bei Corpse Mania handelt es sich um eine kleinere Produktion mit weitaus weniger Budget, Marketing (in Hong King gibt es den Film z.B. gar nicht auf DVD) und unbekannten Stars.

Dennoch überzeugt der Film. Als Fan sollte man sich jedoch auf eine sehr ruhige erste Filmhälfte einstellen. Der Film ist ein Mix aus Krimi, Giallo und Ekelszenen (in Sachen Nekrophilie gibt es in der ersten halben Stunde einige hübsch eklige Highlights zu sehen). In den ersten 30 Minuten passiert nur wenig. Aber nach und nach gewinnt die Kriminalhandlung an Fahrt. Die Story fand ich spannend, die Detektivarbeit ist nett anzusehen und die Stars, unbekannt hin oder her, machten ihren Job sehr solide.

In der 2. Filmhälfte gewinnt der Film mehr und mehr an Fahrt und es folgen dann vermehrt blutige Morde, so dass der Fan in Sachen langsamer Verlauf die ersten 30 Minuten betreffend, entschädigt wird. Optisch ist das ganze düster, stimmungsvoll und schön gefilmt worden. In Fragen wer ist der Killer?, was ist das Motiv?, die Maskerade und mit dem Spiel der Farben erinnert der Film in der Tat ans Ital. Giallo Kino. Stark. Das Ende und die Hinrichtung empfand ich als sehr intensiv = alles richtig gemacht!

Fazit: Für Fans der Shaw Brothers Horrorfilme zu empfehlen!

Infos:

O: Si Yiu

HK 1981

R: Kuei Chih-Hung

D: Tanny Tien Ni, Wong Yung, Yu Tsui-Ling, Walter Tso Tat-Wah, Tai Gwan-Tak

Laufzeit der US-DVD: 81:33 Min.

Gesehen am: k.A. / Review überarbeitet: 23.04.20

Fassungen: Mir lagen die HK VCD von IVL/Celestial und die US-DVD von Image Entertainment vor. Die Neusichtung wurde via DVD gemacht = Uncut, gute Bild- und Tonqualität, O-Ton und englische Subs vorhanden. Es gibt keine Blu-Ray und keine deutsche Fassung (Stand: April 2020). Nachtrag Nov. 2024: Nekrophilie-Giallo der Shaw Brothers von Horrorspezialist Kuei Chih-Hung. Der macht schon richtig viel Spass. Sehenswerte Ekelszenen, tolle Effekte, blutige Morde (im letzten Viertel des Filmes) und zu jeder Zeit wunderschön, atmosphärisch und stimmungsvoll (mit viel Nebel) gefilmt. Stark! Die neue US-Blu-Ray von Vinegar Syndrome lohnt sich (Blu-Ray und UHD). Die Bildqualität ist hervorragend und nebst Booklet gibt es informative und exklusive Extras wie ein Interview mit dem Produzenten des Filmes, mit dem Cinematographer des Filmes und mit dem Sohn von Kuei Chih-Hung. Die Extras waren auch ein Kaufgrund für mich. Dazu gibt es noch ein Video essay von einem Filmhistoriker (für Kenner wohl am wenigsten interessant = nette Zusammenfassung über Kuei Chih-Hung und ein kurzer Einblick in dessen Filme). Der Film ist Uncut und liegt im O-Ton mit englischen Subs vor. Die Blu-Ray ist Region A und die Edition hat einen Schuber. Daneben gibt es noch ein Wendecover. 

Dienstag, 2. Juni 2020

The Chinese Boxer Review


The Chinese Boxer

Story:

Böse Japaner nehmen chinesische Kampfschulen auseinander und regieren neu vor Ort. Schüler und Meister werden getötet. Lei Ming (Jimmy Wang Yu) überlebt verletzt und schwört Rache an den Japanern (u.a. Lo Lieh, Chiu Hung, Chan Sing, Wong Chung, Wong Ching, Chen Kuan-Tai, Jason Pai Piao)…

Meine Meinung:

The Chinese Boxer ist ein Klassiker des HK- und Shaw Brothers Kinos. Nachdem der erste Superstar Hong Kongs, Jimmy Wang Yu, für die Shaw Brothers in grossartigen Filmen zu sehen war (Return of the One-Armed Swordsman, Golden Swallow, The Sword of Swords, The Assassin und vor allem The One-Armed Swordsman), nahm er 1970 zum ersten Mal auf dem Regiestuhl Platz und sorgte mit The Chinese Boxer bei den Fans für Glücksgefühle.

Umso erstaunlicher ist es, dass Jimmy Wang Yu danach bei den Shaw Brothers in Ungnade fiel, das Studio verliess, in Taiwan billige Eastern drehte (The Magnificent Chivalry, The Adventure, Showdown, The Fast Fists) bevor er bei der Konkurrenz anheuerte (Golden Harvest) wo er weitere Klassiker drehte (One-Armed Boxer, Beach of the War Gods, Seaman No. 7) um später weitere unabhängige Eastern zu drehen (Knight Errant, One Armed Swordsman Against Nine Killers, One-armed Boxer vs. the Flying Guillotine, The Deadly Silver Spear).

The Chinese Boxer ist sicherlich eine seiner besten Arbeiten, auch unabhängig davon, dass es eine seiner besten Arbeiten für die Shaw Brothers war. Der Film, in dem Jimmy Wang Yu nicht nur Regie führte und die Hauptrolle spielte, sondern auch für das Drehbuch verantwortlich war, lohnt durch extrem harte Kämpfe und eine typische Rache-Geschichte, in der die Japaner die Bösewichte sind. Die Japaner waren in Jimmy Wang Yu Filmen oft Unmenschen. Das Setting kam im Hong Kong Kino immer gut an – egal ob Bruce Lee (The Fist of Fury), Donnie Yen (Ip Man) oder Jet Li (Fist of Legend) - alle kämpften sie gegen böse Japaner.

Die Kampfszenen sind übertrieben blutig. Es tun sich Vergleiche mit The Street Fighter mit Sonny Chiba auf. Jimmy Wang Yu macht in den Action-Szenen eine gute Figur. Diese sind auch toll gefilmt und choreographiert und bis auf wenige Ausnahmen mehr realistisch angehaucht. Der Film sieht wunderschön aus. Das Budget und die Technik sind top – aber dies überrascht nicht, man hatte es schliesslich mit einer aufwändigen Shaw Brothers Produktion zu tun.

Optisch gibt es einige sehr schöne Momente. Gedreht wurde in Südkorea. Einzelne Szenen vor weisser, schneebedeckter Kulisse könnten direkt aus einem japanischen Samurai Film und/oder Italo Western stammen. Stark und ein Genuss fürs Auge! Da hat Jimmy Wang Yu filmische Vorbilder gut kopiert. Der Film, der in Deutschland den kultigen Titel Wang Yu - Sein Schlag war tödlich oder Wang Yu - Sein Schlag war immer tödlich bekam, wartet nebst Jimmy Wang Yu (My Son, Wu Xia) auch mit weiteren sehenswerten Darstellern auf:

Als Haupt-Bösewicht und starken Endgegner überzeugt einmal mehr Lo Lieh (The Black Magic with Buddha, Edge of Darkness, Black Belt Karate, Fatal Needles vs. Fatal Fists, Revenge of the Corpse, Oath of Death), der oft Bösewichte spielte und oft auch Japaner verkörperte. Er war seit The King Boxer bei den Shaw Brothers ein gefragter Mann und arbeitete auch in anderen Filmen mit Jimmy Wang Yu zusammen. Er überzeugt nur schon durch seine Anwesenheit und sein Charisma. Auch in den Action-Szenen macht er seine gute Figur. Als Verbündeter vor Ort überzeugt auch Chiu Hung, der perfekt in die Rolle des schmierigen Widerlings passt. Sehr Freude hatte ich an folgendem Trio, die allesamt als Bösewichte zu sehen sind und sie sich alle Kämpfe mit Jimmy Wang Yu liefern: Chan Sing (Rage of the Wind, The Iron-Fisted Monk, Tough Guy, Caged Beauties, The 72 Desperate Rebels, The Ape Girl), Wong Chung (Cop of the Town, The Turning Point, Spirit of the Raped) und Wong Ching (Murderer Pursues, Brothers from Walled City, Heroes Two, The Vampire Partner). An dessen Szenen hatte ich grosse Freude. In Mini-Auftritten sind zu sehen: Yuen Woo-Ping (mir nicht aufgefallen), Jason Pai Piso (Dito) und Chen Kuan-Tai (ca. 1-2 Sekunden zu sehen, bevor er überaus blutig von Jimmy Wang Yu getötet wird).

Solche sympathischen Gesichter und späteren Stars und Filmlegenden noch bis in die kleinsten Nebenrollen zu sehen, macht, spezifisch als Shaw Brothers und Hong Kong-Film-Fan sehr grossen Spass!

Fazit: Klassiker von Jimmy Wang Yu und Klassiker des Kung Fu Kinos!

Infos:

O: Long Hu Dou

HK 1970

R: Jimmy Wang Yu

D: Jimmy Wang Yu, Lo Lieh, Chiu Hung, Chan Sing, Wong Chung, Wong Ching, Chen Kuan-Tai, Jason Pai Piao

Laufzeit der HK-DVD: 85:46 Min.

Gesehen am: Vor 2006 / Review überarbeitet am: 23.04.20 / Sichtung der UK-Blu: Mitte Dez. 2024

Fassungen: Mir lag die HK-DVD von IVL/Celestial vor = Uncut, sehr gute Bild- und Tonqualität, O-Ton und englische Subs. Einziges Manko: neue Geräusche wurden hinzugefügt (Schläge, Schreie) was billig und zuweilen leicht nervend wirkt. Ob andere Fassungen auch davon betroffen sind (DVDs, Blu-Rays) ist mir nicht bekannt. In Deutschland Uncut von TVP (DVD) und ACME (Blu Ray) zu haben. Nachtrag Dez. 2024: Als ich vor vier Jahren die HK-DVD schaute, ärgerte ich mich über die offensichtlich neu dazu gemixten Soundgeräusche und Kampfschreie. Furchtbar. Daher die Disc verkauft und mir die UK-Blu-Ray geholt (von 88 Films) = HD Remaster from Original 35mm Negatives und Mandarin Mono 2.0. statt den 5.1 Upmix der HK-DVD (Celestial). Die Bild- und Tonqualität sind hervorragend. Nebst diversen Trailer und einem Audiokommentar gibt es zwei weitere Extras: in einem spricht David West über den Film. Das war ok, aber zu 90% weiss das der eingefleischte Shaw Fan schon. Das 2. Extra fand ich spannender: ein Interview mit Wong Ching, der im Film auch einen japanischen Schwertkämpfer spielt. Leider spricht er so gut wie nicht über den Film oder seine Rolle. Etwas schade. Er sprach in Englisch. Der Film nimmt eigentlich Bruce Lee und dessen Erfolg vorneweg: Jimmy Wang Yu schrieb das Drehbuch und führte Regie. Er verlässt den Swordplay/Wuxia Pfad und setzt auf Faustkämpfe und setzte damit neue Massstäbe, die später durch die erfolgreichen Bruce Lee Filme dazu beitrugen (plus durch King Boxer mit Lo Lieh), dass alle auf den Zug aufsprangen, bis Jackie Chan 1979 einen neuen erfolgreichen Stil entwickeln sollte (Old School Kung Fu Komödien). Jimmy Wang Yu lässt im Film japanische Samurai Motive und blutige Kampfszenen aufkommen. Ich mochte ihn als Helden und ich mochte Lo Lieh als Bösewicht. Nebst Wong Ching sehen wir in Nebenrollen (und noch sehr grün hinter den Ohren) Wang Chung und Chan Sing.